3 Kühe die was können – das Weintrio „Vache“ im Test

von | 15. Feb. 2026 | Weinempfehlungen & Degustationen

Wie angekündigt, nehmen wir uns künftig vermehrt Weine aus dem Supermarkt vor. Nicht etwa weil wir bisher nie bei Coop oder Denner eingekauft hätten, mitnichten! Beide Anbieter führen spannende Tropfen im Sortiment und liefern sich regelmässig regelrechte Wein-Aktions-Schlachten. Da lohnt es sich, genau hinzusehen und zuzuschlagen.

Eine kleine Insider-Info aus meiner Toscana-Zeit: Winzer, die an Coop liefern, dürfen ihre Weine nicht auch über Denner anbieten und umgekehrt. Beide Häuser decken das ganze Spektrum ab: von der eher einfachen Alltagsplörre (exgüsee!) bis hin zum hochwertigen, bezahlbaren Topwein.

Bis man sich da durchprobiert und seine Favoriten gefunden hat, vergeht einiges an Zeit. Genau dabei möchten wir dir helfen, damit du nicht nur nach Etikett entscheiden musst, sondern auch eine Ahnung hast was ins Glas kommt. Wobei… gerade Etikettenkäufe manchmal tolle Überraschungen bereithalten. Uns ist das beim „Vache“ passiert: Beim durch die Weinsektion im Denner flanieren sahen wir dieses coole Label. Wir mögen Viognier und schon war die Idee geboren eine Degu zu machen. Dass es gleich 3 Kühe gibt, fanden wir auch toll und legten los.

Die „Vache“ Weine stammen alle aus der gleichen Winzerkooperative. Aus dem Pays  d’Oc, also der Region Languedoc-Roussillon, unserer liebsten Gegend in Frankreich: Okzitanien. Dieses wunderschöne Stück Land zwischen Montpellier und Perpignan, bis weit ins Hinterland reichend, hat alles was das Weinherz begehrt. In Küstennähe herrscht ein raues, windiges Klima, durchtränkt von Sonne, Meeresluft und dem Duft der Pinien. Die Böden sind trocken und steinig; perfekte Voraussetzungen, um charakterstarke, eigenständige Weine hervorzubringen.

Beginnen wir mit dem Weisswein

„Vache d’Automne“ 2024
100% Viognier
13.5% Alkohol

Farbe: Lindenflor
Nase: Holunderblüten, Williamsbirne und Aprikose steigen zuerst auf, begleitet von einem Hauch Butter und feiner Süsse wie nach Rapshonig (Serge schmeckt als Imker sofort Honig-Unterschiede 😉). Zitruston, etwas Feuerstein und ganz hinten eine salzige, mineralische Note.
Mund: Fruchtig, buttrig mit einem feinen Umami. Aprikose und florale Noten, getragen von einer samtigen Textur und einer harmonischen Säure. Der Wein ist erstaunlich lang anhaltend.

Wie auf dem Foto zu sehen, harmoniert dieser Viognier wunderbar mit Coppa, Grana Padano und Trockenfleisch aus dem Gruyèreland, alle drei haben wir übrigens im Coop Milavy Centre in Avenches gekauft. Es empfiehlt sich ohnehin, diesen Wein zu einem feinen Imbiss zu geniessen; pur kann er etwas zu intensiv wirken.

Diese Geschichte erzählt er:

Ein kalter Januartag. Ein Mann sitzt mit seinem Partner irgendwo im Norden Europas im Wohnzimmer. Vor ihnen ein Glas Viognier und plötzlich sind sie wieder mitten in ihren Herbstferien. Damals sassen sie in Perpignan vor einer kleinen Bar, mit Blick auf den Platz wo das Leben pulsierte: Menschen kamen und gingen, ein sanftes Durcheinander und doch eine friedliche Ruhe. Sie lehnten sich zurück, genossen die Zweisamkeit. Ein Augenblick voller Wärme und purem Genuss. Wein. Liebe. Sein.

Während der Degustation haben wir festgestellt: Viognier ist ein Wein, den man sich erarbeiten muss. Fast ein bisschen wie die Sangiovese-Traube, auch sie will nicht auf Anhieb gefallen. Beide brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar etwas Erfahrung.

Und ehrlich gesagt würden wir Viognier nicht einfach so unseren Gästen einschenken, ohne vorher zu fragen ob sie ihn mögen. Dieser Wein polarisiert. Wer ihn versteht, liebt ihn – wer ihn nicht kennt, ist vielleicht (zu sehr) überrascht.

Sodeli, nach diesem poetischen Einstieg waren wir mega gespannt, was

der Rosé zu offenbaren hat

„Vache d’Éte“ 2024
100% Cinsault
12% Alkohol

Farbe: Hautfarben
Nase: Eine geballte Ladung Beeren (vor allem Wald- und Himbeeren) dazu eine feine mineralische Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht.
Mund: Eine kleine, erfrischende Fruchtbombe! Saftig, lebendig, mit angenehmer Mineralität und für einen Rosé überraschend langem Abgang.

Wir meinen aus dem Bauch raus, dass er hammermässig zu Moules & Frites passen würde.

Dies ist seine Geschichte:

Du wirst mitten in einen grossen, gepflegten Garten im Hochsommer katapultiert. Die Sonne scheint heiss, der Lavendel duftet und von irgendwoher klingt Lachen. Langeweile? Nix da. Überall bloss gute Laune, Gläser voller Rosé und spritzige Drinks, Stimmengewirr, Musik, Gläserklirren. Gegen Abend hängen Laternen in den Bäumen, ihr Licht tanzt über den Rasen und die Stimmung wird noch ausgelassener. Der Moment ist leicht und fruchtig, genau wie der Wein im Glas.

Und zum Abschluss noch der Rotwein

„Vache d’Automne“ 2024
Cabernet Sauvignon – Syrah (Prozentverteilung nicht bekannt)
13.5 % Alkohol

Farbe: Tiefdunkel, fast tintig. Wir waren uns nicht ganz einig, aber nach längerem Diskutieren einigten wir uns auf diese Farbe.
Nase: Cassis und dunkle Kirsche geben sich die Hand, Zeder gleitet elegant dazwischen, dann gesellen sich weitere dunkle Früchte dazu. Auch hier zeigt sich eine feine Mineralität. Und plötzlich steht man mitten auf einem Gewürzmarkt.  Überall Düfte, Aromen und Eindrücke.
Mund: Schwarze, reife Kirschen, saftig-fruchtig mit Schokolade und einem Hauch Speck. Die Tannine und die Säure sind wunderbar ausgewogen. Diesen Wein muss man sich nicht erarbeiten, er ist einfach da um zu gefallen. Kein Wunder also, dass er beim Concours International de Lyon  2025 eine Goldmedaille geholt hat.

Hast du Gäste und bist unsicher, welcher Wein allen schmecken könnte? Mit diesem hier liegst du kaum daneben. Ein echtes Multitalent mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Seine Geschichte erzählt er so:

Ein Tausendsassa der sich lachend durch alle Feste bewegt. Charmant, gewieft und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er findet überall seinen Platz: Beim festlichen Weihnachtsessen mit Braten, Kartoffelgratin und Rüebli mit Spinat; beim grossen Geburtstagsfest der Schwiegermutter, wo es Sandwiches, Hammen und Kartoffelsalat gibt; oder ganz einfach beim Apéro-Plättli mit Trockenfleisch und Paté. Wer ihn nicht kennt und plötzlich im Glas hat, ist überrascht woher er kommt und wie sympathisch und vielseitig er ist.

So sieht es aus, wenn das Team Weinweib Degustiert.
Ich am Notizen machen, derweil wir die Geschichte des jeweiligen Weins finden.

Fazit

Drei Kühe, drei Charaktere, drei kleine Reisen im Glas. Vom vielschichtigen Viognier über den verspielten Rosé bis hin zum charmanten Roten mit Goldmedaille. Die „Vache“-Familie zeigt, dass Supermarktweine nicht langweilig sein müssen. Preislich liegen sie so gut, dass du dir ruhig beim nächsten Einkauf im Denner je eine dieser Flaschen gönnen darfst.

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