“Christina, hast du spontan Lust mit auf eine Weinreise nach Spanien zu kommen? Vom 17. bis 19. Juni 2025 geht es ins Herz des Garnacha, zuerst ins Aragón, dann nach Cataluña.” Diese Anfrage von Mettler-Vaterlaus erreichte mich kurz vor unseren Ferien. Zuerst sagte ich ab, weil ich ein paar Termine geplant hatte. Nach einer halben Standpauke von Serge und meinen Nachbarn, sagte ich dann doch noch zu. Und kann nur sagen: was für ein Glück, so einen coolen Ehemann und Nachbarn zu haben! Denn es erwartete mich eine lehrreiche, spannende Reise mit einer tollen Gruppe Wein-Menschen. Die ihrerseits seit Jahrzehnten Koryphäen in ihrem Gebiet sind, sich schon kannten und mich als kleine Weinbloggerin herzlich in ihre Runde aufgenommen haben. Auch keine Selbstverständlichkeit!
Damit du dich schon mal mental vorbereiten kannst, hier die Reiseroute (Achtung, ä chli läng):
Dienstag, 17. Juni, frühmorgens von Zürich nach Madrid, mit einer überaus pünktlichen Iberia. Am Flughafen wurden wir von Aitana, welche für Asociación Garnacha – der Organisatorin dieser Reise – arbeitet, willkommen geheissen. Los ging’s mit privatem Transport Richtung Zaragoza ins erste Weingut, im P.D.O. Calatayud gelegen “Bodegas San Alejandro”. Danach weiter nach Zaragoza ins Hotel. Abends Tapas Dinner mit Carolina de Funes, Leiterin von Asociación Garnacha.
Am Mittwochmorgen Fahrt ins P.D.O. Campo de Borja, zuerst ins Weingut “Aragonesas Bodegas/Winery”, am Nachmittag ins P.D.O. Cariñena zu “Grandes Vinos Winery”. Abends retour ins Hotel. Abendessen im ältesten, immer noch “operativen” Restaurant Spaniens “Casa Lac”. Donnerstagmorgen stand zuerst eine geführte Tour durch Zaragoza auf dem Programm, anschliessend Weiterfahrt ins P.D.O. Terra Alta, zum Weingut “Cellers Unió” D.O. Montsant in Cataluña. Weiter zum Flughafen Barcelona um mit einer ausgesprochen unpünktlichen Swiss, retour nach Zürich zu fliegen.
Uff! Viel reingepackt in diese Tage gäu. Aber ich sage dir, das war mega cool. Es wird diverse Blogartikel über diese Reise geben. Und hier gleich ein kleines Video, damit du gute Laune erhältst und auf den Geschmack kommst. (Ich habe das Video bewusst für ein vertikales Handyformat gemacht. Auf dem Bildschirm bitte verkleinern für gute Qualität).
Nach bizzi hin und her überlegen, beginne ich zuerst mit einem Intro der Garnacha Traube (in Frankreich Grenache und in Sardinien Cannonau genannt). Korrekt ausgesprochen “Garnatscha”. Der spanischen Sprache nicht wirklich mächtig, habe ich das in diesen Tagen gelernt. Du wirst jedoch in den kommenden Blogposts noch mehr über sie lernen.
Also, los geht es mit dieser einzigartigen Traube:
Garnacha
Diese windgebeutelte, einem rauen Klima mit kalten bis kühlen Nächten und heissen bis superheissen Tagen ausgesetzten Rebe; welche ihre Füsse tief in einer Varietät aus steinigem, lehmigem, sandigem, sehr trockenem Boden hat und sich wahrscheinlich öfter Regen wünscht als sie bekommt, ergibt einen fantastischen Wein, der kühl getrunken werden will (dazu in den kommenden Blogposts mehr). Ui das war jetzt ein superlanger Satz!
Traditionellerweise wird sie als Buschrebe kultiviert (niedrige Büsche, siehe Foto) und die Trauben ausschliesslich von Hand geerntet. Die Buschreben auf den diversen Weingütern lagen vom Alter her zwischen 40 und 70 Jahre. Was – wie du weisst, wenn du meinen Blog aufmerksam liest – bedeutet, geringe Quantität mit einer mega Qualität.
Neuere Rebberge werden nun auch im Cordonsystem angebaut, so dass maschinell geerntet werden kann.
Terroir
Wir erfuhren, dass an 300 Tagen im Jahr der Wind weht und zwar richtig. So fest, dass in der Gegend um Zaragoza überall Windparks stehen. Nur an unseren Tagen, da war kaum ein Lüftchen zu fühlen. Das haben die Winzer auch immer wieder betont. Da es so heiss und trocken ist und kaum regnet, wurden die Büsche recht weit auseinander gepflanzt. Ein solcher Boden kann nur wenig Reben ernähren. Diese wurzeln extrem tief, um an die benötigte Feuchte und Nährstoffe zu kommen.
Weinkooperativen
Alle Weingüter, welche wir besuchten, sind Kooperativen und bringen so Jobs ins rurale Gebiet. Aragón hat zwar mit ca. 1.3 Millionen Einwohner, die grösste Population Spaniens, davon sind jedoch 700’000 in Zaragoza. Die Dörfer werden leerer und z.T. ganz verlassen. Insofern sind solche Kooperativen Gold wert.
Sodeli, nun hast du einen kleinen Vorgeschmack bekommen. In den nächsten Tagen folgen die Blogposts über die diversen Weingüter, Weine und was ich dort neues gelernt habe.
Da hast du einen kreativ gefüllten Arbeitstag hinter dir, kommst nach Hause und findest ein Präsent! So ist es mir letzten Donnerstag ergangen.
Und läck war ich erfreut! Sandrine, eine Riesling-Sylvanerin (oder auch Müller-Thurgau genannt), hat sich von Schaffhausen her aus der GVS Weinkellerei auf den Weg gemacht, um mich zu Besuchen. Mit allerlei blingigen Karten und Stickers ausgestattet kam sie an, genau mein Ding! Mich dünkt ich hätte irgendwo in meinen Blogposts mal erwähnt, dass ich Liebhaberin von Riesling-Sylvanern bin. Anscheinend hat das Sandrine entdeckt.
Fägig wine More, wie wir hier in Bern sagen. Sie hat sogar eine Karte mitgebracht, auf der sie sagt, sie sei neu hier (sie ersetzt ihre Tante Margrit), frisch und gemacht für leichte Momente. Also sowas finde ich zurzeit ziemlich sexy, denn zu viel ist geschehen in den letzten Monaten (dazu mehr in einem anderen Blogpost). Sie meint auch, dass sie perfekt zu guten Gesprächen passe und einfach Lebensfreude im Glas sei. Das ist ja schon fast unser Motto! Also, vom überraschenden Besuch und ihrem Statement her, passen wir schon mega gut zusammen.
Nun denn Sandrine, lass uns zusammen sitzen und schauen, was in dir steckt.
Ou du! Im Factsheet bei GSV steht, dass du – unter anderem – prima zu Zitronentarte passt. Das testen wir dann auch gleich, gäu! Denn Serge hat zufälligerweise eine gebacken, von der es noch Reste hat.
Auso legen wir los:
Farbe: Leinenfarbig
Alkoholgehalt: 11.8 %
Aromen: frisch, fruchtig nach Pfirsich, Zitrone, Quitte und eine sehr angenehme Mineralität. Die fast als erstes präsent ist.
Im Mund erfrischend, mit einer salzigen Note, ziemlich Pfirsichlastig. Die Versprechen auf der Etikette werden eingehalten, danke dafür Sandrine. Und es ist definitiv ein Sommerwein.
Und diese Geschichte erzählst du:
Sandrine schmeisst eine Abend-Gartenparty im Sommer. D Modis tragen Röckli, d Giele Shorts und T-Shirt, alle sind richtig fröhlich und es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Überall hat es Lichterketten, eine kleine Band spielt gute Musik und es wird fingerfood, Tapas und allerlei Köstlichkeiten auf Blätterteigbasis serviert. Sandrine kommt ja ursprünglich aus Südfrankreich, genauer aus Mèze in Okzitanien. Dieser Wein erinnert sie ans Meer, den Etangue und das glitzernde Wasser. Es ist ein wenig, als wäre sie wieder dort.
Dieser Wein ist definitiv einer, den man öffnet und trinkt. Nicht im Glas rumstehen lässt oder stundenlang in den Fingern hält. Du weisst ja, erstens gibt das unschöne fettige Fingerabdrücke aufs schöne Glas und zweitens, würde er an Frische verlieren.
Liebe Sandrine, du passt tatsächlich auch mega gut zur Zitronentarte. Nun schick ich dich los, geh und organisier die nächste Party unter dem Sternenhimmel, mit fröhlicher Musik, ausgelassener Stimmung und viel Gelächter.
Herzlich, Team WeinWeib
P.S. Interessiert an anderen Weinen von dieser Kellerei? Hier geht’s lang.
Dieser Blogpost ist meinem verstorbenen Schwager Urs gewidmet. Mit ihm habe ich früher viele Stunden mit Weingüter besuchen und Wein degustieren verbracht. Gefachsimpelt und ausprobiert. Diesen Februar ist er leider weiter gereist und hat eine recht grosse Lücke hinterlassen.
Serge und ich haben uns Ende März ein paar Tage Ferien gegönnt und sind mit unserem Bus und den Hunden dem Wetter nach, Richtung Avignon, gefahren. Haben uns auf einem tollen Campingplatz eingerichtet und von dort aus Tagesausflüge gemacht. Wir fanden „eifach dr Nase na“ wird uns wohl an interessante Orte bringen. Und tatsächlich, einer davon war die Winzerkooperative der Winzer von „EstéZargues“ im gleichnamigen Dorf.
Claire, eine Französin mittleren Alters, mit rauchiger Stimme und roten, lockigen Haaren, führte uns im wohltemperierten Weinraum durch eine spannende Degustation. Die Kooperative konzentriert sich auf die Herstellung von Weinen aus den Trauben: Carignan, Cinsault, Counoise, Mourvèdre, Grenache noir et Syrah. Alles Bio, respektive mit dem Label „Green experience“ versehen, welche zumindest in Frankreich und Italien gang und gäbe ist. Alle Weine sind ungefiltert und die Winzer pröbeln gerne an neuen Weinen rum. Eine davon waren naturtrübe, ungefilterte Weine, welche im Style eines Prosecco hergestellt wurden. Nicht unser Ding, denn sie waren steintrocken und zu „schaumig“ im Mund. Hei aber was uns nicht gefällt, könnte genau dein Ding sein!
Diesmal stellen wir hier keine der Weine vor, da wir uns durch sämtliche Weine degustiert haben – falls du jetzt denkst „mein Gott, die mussten ja völlig besoffen sein!“ – kann ich dir garantieren, dass war nicht der Fall. Ich kann zig Weine degustieren, da ich quasi nie davon trinke. Denn du hast recht, das ginge sonst nicht. Beim Profi-Weindegustieren nimmst du einen kleinen Schluck, kostet ihn im Mund und spuckst ihn wieder aus. Dazu dienen übrigens die omniösen Spucknäpfe – auf italienisch – Sputtachiere, welche in den Deguräumen stehen.
Item, wir haben uns ziemlich viele Weine mit nach Hause genommen, einige davon sind bereits getrunken und genossen. Andere lagern noch gut temperiert im Weinkühlschrank. Wir empfehlen dir, geh auf deiner nächsten Autoreise deiner Nase nach, wenn du ein Schild siehst das dich einigermassen fasiziniert, fahr dorthin und schau was passiert. Vielleicht stösst du auf ein spannendes Weingut oder eine coole Weinkooperative, inkl. nettem Empfang.
Ein Tipp noch: diese Kooperative ist nur einen Steinwurf von der Pont du Gard Symbol der römischen Ingenieurskunst bei Avignon entfernt. Was ein must see ist! Hunde sind willkommen, die Energie ist einmalig und man steht vor einem jahrtausendealten Bauwerk, meiner römischen Freunde und staunt.
Nochmals zu meinem, respektive unserem Schwager Urs.
Ihm hätte das alles gefallen. Für seine Abschiedszeremonie durfte ich die Weine aussuchen. Da meine Schwester und er auf dem Mont Vully wohnen, drängte sich eine autochthone Traubensorte von der Region auf. Nicht ein Chasselas, sondern ein Freiburger, vom https://www.chateaudepraz.ch/de/produit/freiburger/. Vorher noch nie davon gehört gelinde denn getrunken. Ein super spannender Weisswein, der ein Mix zwischen einem Riesling-Sylvaner (Müller-Thurgau) und einem Johannisberger ist. Und weil er Barbera genau gleich gern hatte wie ich, wählte ich einen solchen als Rotwein aus.
So, nun wünschen wir dir einen spannenden Abend, gute Ferien und geh öfters der Nase nach.
Nachdem wir im Juli in Florenz waren und ich nach 10 Jahren wieder einmal in meine „alte Heimat“ zurück ging, stand mir natürlich das Herz für einen hochkarätigen Chianti Classico weit offen. Die hohen Temperaturen liessen uns aber davon absehen, Wein mit nach Hause zu nehmen.
Du kannst dir nicht vorstellen wie happy ich war, als ich Zufälligerweise im Coop den Ser Lapo von Marchesi Mazzei entdeckt habe. Irgendwie war der nie auf meinem Radar, obwohl es ihn dort schon lange zu kaufen gibt. Bizzi beschämend.
Item! Serge und ich machten uns daran, diesen sehr guten Chianti Classico Riserva zu degustieren.
Hier die Details:
Ser Lapo 2020 – Chianti Classico Riserva DOCG
Winzer: Marchesi Mazzei
13.5% Alkohol
90% Sangiovese, 10% Merlot
Ausbau: 12 Monate im Barrique (Französische Eiche)
Farbe: kräftiges Purpurrot
In der Nase dominieren Aromen von Waldbeeren, Zwetschge, Veilchen, Leder, Zeder, Lakritz.
Im Mund ist er Fruchtig, Säure und Tannine sind sehr ausgewogen, ein eingemitteter Wein und dennoch erfrischend, leicht erdigt. Die Merlottraube nimmt der Sangiovesetraube ihre Kratzigkeit (siehe den Blogpost über Merlot). Bitte bei 18 – 19 Grad trinken.
Passt sehr gut zu rotem Fleisch, Kaninchen, Wildschwein, Pasta mit oder ohne rote Sauce, reifer Hartkäse (Parmiggiano, Pecorino stagionato) oder einfach so zum geniessen.
Ein Wein den du gerne deinen Gästen vorsetzen darfst. Damit punktest du definitiv und wir empfehlen dir von Anfang an gleich 3 Flaschen zu nehmen, denn eine reicht nicht.
Diese Geschichte erzählt er
Eine hügelige Landschaft mit steinigen Böden, Zypressen vor einem toscanischen Haus, Sonne, flirrende Hitze aber auch der Übergang zum Herbst. Dann wenn die Tage noch sehr heiss sind und die Nächte kühler werden. Dieser Mix aus fruchtig und frisch, den du im Ser Lapo findest. Serge meint, es sei ja logisch das der gut sei, er beginne mit den ersten drei Buchstaben seines Vornamens. Humor muss sein.
Dieser Wein schmeisst dich tatsächlich direkt in die Toscana, die Lebhaftigkeit der Dörfer und den erfrischenden Humor, welchen die Toscaner in dieser Gegend haben.
Ser Lapo war übrigens ein Vorfahre der Marchesi Mazzei, welcher in einer seiner Schriften, genauer am 16.12.1398 “Chianti Wein” zum ersten mal erwähnt hat. Dies ist für die Marchesi Mazzei einer ihrer historischsten Chianti Classico.
Marchesi Mazzei – Castello di Fonterutoli
Mazzei hat einen sensationellen Weinkeller. Einer der ersten vertikalen Weinkeller in der Toscana. Ich erinnere mich gut an meinen ersten Besuch dort. Das ist nun auch schon über 20 Jahre her. Mich beeindruckte damals die neue Verarbeitung: oben kommen die Trauben an, gehen durch die Entbeermaschine direkt in den darunterliegenden Stahltank für die erste Fermentation. Nach dieser, wird der Traubensaft für die zweite Fermentation in die darunterliegenden Barrique gefüllt. Der Barrique Keller ist auch wieder eine kleine Sensation, beim Aushub wurde Gestein gefunden, an welchem pausenlos Wasser herunterläuft. Damit ist der Keller nicht nur gut befeuchtet sondern hat auch eine konstante Kühle, ohne dass dafür extra Klimatisiert werden muss. Damit du dir ein visuelles Bild machen kannst, verlinke ich dir hier ihre Weinkeller-Webseite. Leider habe ich meine Fotos, welche ich damals gemacht habe, nicht mehr gefunden.
Eines ist sicher: Wäre ich noch in der Toscana und würde weiterhin meine Weindegustationstouren durchführen, hätte ich bei einer Blinddegustation gewusst, dass dieser Wein von Mazzei kommt. Denn jedes Weingut gibt seinen Weinen einen “Stempel” und da ich öfters mit meinen Kunden in Fonterutoli bei Mazzei war, durfte ich mir etliche ihrer Weine zu Gemüte führen.
Wenn du mal in der Nähe von Siena bist, ist der Weg zu Fonterutoli – der Ort wo Mazzei zu Hause sind – nicht weit. Sie liegen direkt an der SR 222 auch „Chiantigiana“ genannt. Die Hauptstrasse, welche Florenz mit Siena verbindet. Es lohnt sich wirklich, eine Weindegustation bei ihnen zu machen. Wenn du ihren Weinkeller besichtigen möchtest, lohnt sich eine frühzeitige Reservation.
Und schau mal, ich habe dir ein kleines Infoblatt gemacht, wie du einen Chianti Classico Riserva DOCG erkennen kannst.
Den Ser Lapo 2020 – Chianti Classico Riserva DOCG findest du in der Schweiz bei Coop.
Am 27. Mai 2024 durfte ich mit Maurizio Lunetta, Direktor vom Etna DOC Konsortium, ein Videointerview für meinen Blog machen.
Ich habe versucht die Audioqualität zu verbessern, da meine neuen Mikrofone (noch) nicht ganz das tun, wie ich es gerne hätte. Dennoch hoffe ich, du magst reinschauen und dir die sehr interessanten Erklärungen von Maurizio anhören. Das Interview ist auf Italienisch, du kannst jedoch gewünschte Untertitel automatisch hinzufügen.
Für diejenigen, die das Interview lieber auf Deutsch lesen möchten, findet ihr hier eine grobe Abschrift.
Wie hat sich die Etna DOC Region von einer relativ unbekannten Gegend vor 20 Jahren zu einem der heutigen Trendsetter im Weinbau entwickelt?
Maurizio Lunetta: Die Etna DOC Region auf Sizilien bietet eine faszinierende Geschichte und eine bemerkenswerte Transformation im Weinbau. Ursprünglich 1968 gegründet, erlebte sie lange Zeit keine herausragende Anerkennung, bis ihre Potenziale Ende der 90er auch von aussenstehenden Weinschaffenden wiederentdeckt wurden. Die einzigartigen klimatischen Bedingungen, gekoppelt mit der Nähe zum Ätna-Vulkan, prägen die Weine auf eine ganz spezielle Weise. Die Hauptrebsorten sind «Carricante» für Weissweine und «Nerello Mascalese» für Rotweine, die beide die vulkanischen Merkmale in ihren Weinen verkörpern.
Die kleinparzellierte Struktur der Weinberge (sogenannte «Contrade») mit vielen Winzern, die oftmals weniger als einen Hektar bewirtschaften, trägt zur Vielfalt und zur individuellen Note der Region bei. Besonders interessant ist die Anbaumethode: 40% der Rebstöcke werden im traditionellen Albarello-System und 60% im Kordon-System erzogen, was ebenfalls zur Einzigartigkeit der Etna DOC Weine beiträgt.
Die ständige Bedrohung durch vulkanische Eruptionen und deren Folgen, wie Zerstörung und anschliessender Wiederaufbau, haben nicht nur die Landschaft, sondern auch die Resilienz der Winzer:innen geprägt. Diese Kombination aus passionierten Weinschaffenden, vulkanischem Boden, subkontinentalem Klima und mediterraner Sonne führt zu Weinen mit einer distinktiven Mineralität und salzigen Note, die durch die Nähe zum Meer verstärkt wird.
Etna DOC hat sich also als eine Region etabliert, die nicht nur durch ihre geographische Lage, sondern auch durch die kulturelle und visionäre Prägung ihrer Winzer:innen einzigartige Weine hervorbringt. Diese Charakteristika machen Etna DOC Weine besonders erkennbar und beliebt, was sie auf internationalen Märkten, wie dem Schweizer Markt, sehr erfolgreich macht.
Wie alt sind die ältesten Rebstöcke in Etna DOC?
Maurizio Lunetta: In der Etna DOC-Region gibt es tatsächlich einige der ältesten Rebstöcke auf Sizilien, die sogar bis zu 150 Jahre alt sind. Diese Langlebigkeit verdanken sie teilweise den vulkanischen, sandigen Böden des Ätnas, welche die Ausbreitung der Reblaus – einen Schädling, der im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert viele europäische Weinberge zerstörte – erschwerten. Viele dieser alten Rebstöcke haben nicht nur die Reblausplage überstanden, sondern auch andere klimatische Herausforderungen und sind bis heute produktiv.
Die tiefen Wurzeln dieser alten Reben, die oft über 6 Meter in den Boden reichen, helfen den Pflanzen, auch in trockenen Perioden Feuchtigkeit zu erreichen. Dies führt zu einer besseren Widerstandsfähigkeit gegen Dürre und beeinflusst auch die Qualität des Weines. Alte Reben neigen dazu, konzentriertere und charaktervollere Weine zu produzieren, verglichen mit jüngeren Rebstöcken. Dies liegt daran, dass ältere Reben weniger, aber qualitativ hochwertigere Trauben produzieren, was sich in den Aromen und der Struktur der Weine widerspiegelt.
Die Etna DOC-Region schätzt und pflegt diese alten Rebstöcke, was zu einem unverwechselbaren und tiefgründigen Weinsortiment führt, das die einzigartige Geschichte und das Terroir dieser faszinierenden vulkanischen Landschaft widerspiegelt.
Hast du in den letzten 10 – 15 Jahren Veränderungen in der Etna DOC beobachtet betreffend des Klimawandels?
Maurizio Lunetta: Ja, sehr. In den letzten 10 bis 15 Jahren haben sich die Auswirkungen des Klimawandels deutlich bemerkbar gemacht, was die Weinbauern vor neue und herausfordernde Probleme stellt. Aufgrund der geographischen Lage Siziliens ist die Region besonders anfällig für die Auswirkungen des Klimawandels. Die steigenden Temperaturen und veränderten Niederschlagsmuster erfordern eine Anpassung der Anbaumethoden und eine Abkehr von traditionellen Praktiken, die unter den neuen klimatischen Bedingungen nicht mehr ausreichend sind.
Ein signifikantes Problem ist die Bewässerung. Während in der Vergangenheit junge Stecklinge typischerweise ohne zusätzliche Bewässerung auskamen, ist dies heute oft nicht mehr möglich. Ohne zusätzliches Wasser würden viele Jungpflanzen nicht überleben, was den Einsatz von Bewässerungssystemen unumgänglich macht. Dies stellt eine deutliche Abweichung von den früheren Methoden dar, die auf den natürlichen Niederschlag vertrauten.
Zusätzlich sehen sich die Winzer:innen neuen Krankheiten und Schädlingen gegenüber, wie beispielsweise dem falschen Mehltau und neu eingewanderten Insektenarten, die zuvor in dieser Region nicht vorkamen. Diese neuen Herausforderungen erfordern innovative Ansätze im Pflanzenschutz und eine ständige Weiterbildung der Winzer:innen, um effektive Lösungen zu finden und umzusetzen.
Diese Veränderungen zwingen die Weinmacher der Etna DOC, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und schneller auf Veränderungen in der Natur zu reagieren als jemals zuvor. Es geht darum, resilient zu sein und Anbaumethoden zu adaptieren, um die Qualität und das Überleben der Weinproduktion in dieser historischen und einzigartigen Region zu sichern. Die Winzer stehen vor der Herausforderung, alte Traditionen mit neuen Techniken zu verbinden und so die einzigartigen Charakteristika ihrer Weine zu bewahren, während sie gleichzeitig nachhaltige und klimaangepasste Methoden implementieren.
Das heisst also, der Austausch zwischen Winzer:innen war noch nicht so wichtig wie heute?
Maurizio Lunetta: Der Austausch zwischen den Winzern war zwar schon immer ein Teil der Weinbaukultur, aber in der heutigen Zeit, insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels und der globalen Vernetzung, hat er eine neue und verstärkte Bedeutung erlangt. Der Wissensaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Weinschaffenden aus verschiedenen Regionen, wie das Beispiel der Kooperation zwischen Etna DOC, Südtirol DOC und dem Konsortium für Pecorino Romano g.U. zeigt, sind entscheidend, um auf neue Herausforderungen reagieren zu können.
Diese interregionale Zusammenarbeit ermöglicht es den Winzer:innen, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Durch die Kombination von Wissen und Techniken können sie effektiver auf klimatische Veränderungen reagieren, nachhaltigere Anbaumethoden entwickeln und die Artenvielfalt sowie die landwirtschaftliche Vielfalt ihrer Regionen bewahren. Die Biodiversität des Ätna, mit seinen Oliven, Haselnüssen, Pistazien, Kastanien und vielem mehr, ist ein wertvolles Gut, das es zu schützen gilt.
Darüber hinaus spielt die Zusammenarbeit mit akademischen Einrichtungen, wie der Universität in Catania, eine wichtige Rolle bei der Förderung von Forschung und Entwicklung im Weinbau. Solche Partnerschaften helfen dabei, fundierte Ansätze zur Krankheitsbekämpfung und zur Optimierung der landwirtschaftlichen Praktiken zu entwickeln.
Nicht zuletzt ist der soziale Aspekt dieser Kooperationen von grosser Bedeutung. Es geht nicht nur darum, die Umwelt nachhaltig zu bewirtschaften, sondern auch um die Qualität der Arbeitsbedingungen und die Wertschätzung der Arbeitnehmer. Durch die Einbeziehung dieser sozialen Komponenten schaffen die Winzer:innen nicht nur ökologisch nachhaltige, sondern auch sozial verantwortungsvolle Weinproduktionsgemeinschaften. Dieser ganzheitliche Ansatz ist für die Zukunft des Weinbaus in Zeiten des Klimawandels und der sozialen Herausforderungen unerlässlich.
Wie siehst du als Direktor des Konsortiums die Zukunft von Etna DOC?
Maurizio Lunetta: Als Direktor des Konsortiums sehe ich die Zukunft der Etna DOC Region sehr positiv. Wir befinden uns momentan in einer aufstrebenden und dynamischen Phase. Die Wachstumsraten von jährlich 10 bis 15% und das steigende Interesse an den Etna DOC Weinen weltweit, bestätigt durch diverse Wein-Auszeichnungen, sind ein deutliches Zeichen für die steigende Anerkennung und Nachfrage.
Mein Ziel ist es, sicherzustellen, dass Etna DOC nicht nur als eine vorübergehende Modeerscheinung angesehen wird, sondern sich als ein Klassiker in der italienischen Weinwelt etabliert. Dafür ist es entscheidend, die Qualität unserer Weine konstant hoch zu halten. Wir müssen ein kontrolliertes und stabiles Wachstum anstreben, ohne dabei andere landwirtschaftliche Produkte zu beeinträchtigen.
Es ist mir wichtig, als Konsortium neue Restriktionen und Einschränkungen zu erwägen, die eine nachhaltige Entwicklung sicherstellen. Nur so können wir langfristig auf dieser Welle des Erfolgs reiten und sicherstellen, dass die Etna DOC Region ihre einzigartige Position in der Welt des Weins nicht nur behält, sondern weiter ausbaut.
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