Europa für alle Sinne – vom Südtirol zum  ätna mit pecorino Romano als Begleiter

Europa für alle Sinne – vom Südtirol zum ätna mit pecorino Romano als Begleiter

Am 27. Mai 2024 war es soweit, an einem regnerischen Abend folgten Serge und ich der Einladung von Thomas Vaterlaus und Alicia Metter zu einem richtig coolen Weinevent in der Rooftopbrasserie & Bar, im Globus in Bern. Die beiden haben eine Agentur für Wein und Kulinarik in Zürich und stellten an selbigem Abend die 3-Jahres Kampagne

Europa für alle Sinne

vor. Für diese Kampagne (mit europäischem Gütesiegel) haben sich die Konsortien der Weine Südtirol DOC, Etna DOC und Pecorino Romano DOP (als Verbindungsglied) zusammengeschlossen. Obwohl mir die Weine aus dem Südtirol aus der Zeit in der Toscana bekannt sind, gab es dennoch neues zu lernen.

SUEdtirol DOC

Die Weine DOC aus dem Südtirol haben 1 Consorzio (Konsortium), 12 Genossenschaftskellerien und insgesamt 4’800 Winzerinnen und Winzer, welche ihr einzigartiges und äusserst vielfältiges Terroir bewirtschaften. Stell dir mal vor, die „tiefsten“ Rebberge liegen auf 200 MüM und die höchsten auf 1’000. Sie bewirtschaften eine Rebfläche von 5’000 Hektar (was weniger als 1% der italienischen Anbaufläche entspricht) auf Böden, welche von Porphyr über Quarz und Glimmer bis zu Kalkstein und Dolomitgestein reicht. Über 20 Rebsorten haben dort ihre idealen Wachstumsbedingungen gefunden und überraschen uns mit der gleichen Vielfältigkeit wie der Boden.

In den letzten 40 Jahren hat sich das Südtirol neu erfunden und hat sich von der „Rotweinregion“ zur „Weissweinregion“ gewandelt. Wenn du zu den Menschen gehörst, die gerne ins Südtirol in die Ferien gehen, hast du bestimmt schon mal einen Vernatsch oder einen Lagrein getrunken. Die wohl bekanntesten Traubensorten der Region für Rotweine. Lagrein dominiert, gefolgt von Blauburgunder und Vernatsch.

Die weissen Traubensorten haben sich dafür von ehemals 20% auf stolze 65% des Rebbaus ausweiten können. Das Wetter und die Böden haben diesem „Schub“ enorm geholfen. Trinkst du gerne Pinot Grigio? Dann greif unbedingt mal auf solche zurück, die aus dem Südtirol kommen. Gefolgt von Gewürztraminer, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Weissburgunder.

Die Winzer folgen den strengen DOC Richtlinien (Denominazione di Origine Controllata) und durch die teils anspruchsvollen Lagen der Rebberge, wird sehr viel von Hand bearbeitet und gelesen. Dies spiegelt sich unter anderem in qualitativ hochstehenden Weinen wieder.

Etna DOC

Wenn du zu unseren aufmerksamen Blogleserinnen und -lesern gehörst, ist dir sicher aufgefallen, dass ich ein grosser Fan von Weinen aus Sizilien bin. Zugegeben, die Weine des Etna DOC sind  bisher unter meinem Radar geflogen. Mit ein Grund sicher, dass diese noch nicht so bekannt sind wie z.B. die Nero d’Avola oder Catarrato. Es war ein besonderes Highlight dieses Abends. Auch die Anwesenheit von Maurizio Lunetta, Direktor der Vini Etna DOC, mit dem ich ein Videointerview machen durfte.

Die Etna DOC Region bildet fast einen Ring um den Ätna und hat dadurch etliche Eigenheiten, welche sämtlichen anderen Weinregionen Italiens die Show stehlen kann.

Eine, welche mir besonders aufgefallen ist: die Reben hatten nie ein Problem mit der Reblaus und sind deshalb von der Wurzel bis zum letzten Blatt und Traube 100% rein. Der Weinbau dort ist durch die von Lava geprägte Erde sehr viel arbeitsintensiver als anderswo. Die Böden beeindrucken durch ihre vulkanische Zusammensetzung, sind mal kiesig mal aschig und weisen eine natürliche Terrassierung auf.

Eigentlich ist es ein sehr kleines „DOC“ in einem grossen Gebiet. Du wirst vielleicht staunen wen du hörst, dass diese Rebfläche weniger gross als 0.5% der italienischen Rebbaufläche einnimmt. Auf 1’291 Hektar arbeiten 445 Produzenten (aufgeteilt in 133 Contrade) nach strengsten Richtlinien, um dieses mittlerweile boomende Weinanbaugebiet zu schützen.

In den letzten 15 Jahren wurde aus dem unscheinbaren Anbaugebiet ein Ort, den viele Winzer aus anderen Teilen Italiens (und sogar dem Ausland) für sich einnehmen wollten. Dadurch schoss die Produktion rasant in die Höhe und und das Consorzio - welches 1994 zum Schutz der Etna DOC gegründet wurde - hat beschlossen ein Anbauen von neuen Rebbergen mit einem 3-jährigen Stop zu versehen. Um zu garantieren, dass die Qualität keinen Schaden nimmt und nicht jeder aus seinem bestehenden Oliven- oder Mandelbaumhain flugs einen Rebberg machen kann.

Rotwein - Weisswein

Die Rebsorten Nerello Mascalese, Nerello Cappuccio (rot) und Carricante (weiss) dominieren den Weinbau und der Trend ist dahingehend, dass es nur noch 100% reine Traubensortenweine geben wird. Auf Assemblagen wird mehr und mehr verzichtet. Für mich verständlich, denn dadurch kann ich als Weintrinkerin die Unterschiede der Höhenlage und der Bodenbeschaffenheit so richtig geniessen. Übrigens liegen hier die höchsten Rebberge auf 1’000 MüM, Angebaut wird an 4 verschiedenen Hanglagen, mit ihren ganz eigenen Wetterbedingungen und nicht überall wird dieselbe Traube angepflanzt.

Allen ist gemeinsam, dass die Lava und besonders die Asche des Ätna seinen einzigartigen Einfluss auf die Reben hat. Man riecht beim Degustieren das Vulkangestein und das mineralische sehr gut raus. Einzigartige Weine, die es so kein zweites mal in der italienischen Weinwelt gibt. Und durchaus eine Reise wert sind!

Ein munziges Detail noch: nur wo „Etna DOC“ Carricante draufsteht, ist Etna DOC drin. Carricante als alleiniges Merkmal auf der Flasche weist nur darauf hin, dass diese Traubensorte drin ist. Aber da sie noch an anderen Orten auf Sizilien angebaut wird, entspricht sie nicht den hohen Standarts des Etna DOC.

Wir haben an diesem Abend insgesamt 12 Weine degustiert. Es würde den Rahmen sprengen dir jeden einzelnen Wein im Detail zu erläutern. Gerne schreibe ich dir aber auf, was wir degustieren durften:

Weissweine

Aus dem Südtirol:

  • Weissburgunder Plötzner 2022, 100% Weissburgunder, Anbaugebiet Eppan, Kellerei St.Pauls
  • Pinot Grigio Opes 2022, 100% Pinot Grigio, Anbaugebiet Südtirol, Ritterhof Weingut-Tenuta
  • Eisack DOC Gewürztraminer 2022, 100% Gewürztraminer, Anbaugebiet Eisacktal, Weingut Ebner

Vom Ätna:

  • Bianco Torre Mora Chiuse Vidalba 2022, 100% Carricante, Anbaugebiet Ätna-Mediterran, Torre Mora
  • Bianco Superiore 2022, 100% Carricante, Anbaugebiet Milo/Etnean, Villagrande
  • Bianco Superiore Contrada Rinazzo 2021, 100% Carricante, Anbaugebiet Milo, Benanti Viticoltori

Rotweine

Aus dem Südtirol:

  • Kalterersee Classico Superiore Quintessenz 2022, 100% Vernatsch, Anbaugebiet St. Josef am See/Kaltern, Kellerei Kaltern
  • Blauburgunder Riserva Mazon 2020, 100% Blauburgunder, Anbaugebiet Mazon, Weingut J. Hofstätter
  • Lagrein Gries Riserva Select 2021, 100% Lagrein, Anbaugebiet Gries/Bozen, Weingut Hans Rottensteiner

Vom Ätna:

  • Rosso Eudes 2021, 85% Nerello Mascalese und 15% Nerello Cappuccio, Anbaugebiet Contrada da Monte Gorna, Eudes
  • Rosso Clo 2020, 85% Nerello Mascalese und 15% Nerello Cappuccio, Anbaugebiet Vulkan Ätna/Osthang/Milo, Cantine Iuppa
  • Rosso i Turrizzi 20219, 100% Nerello Mascalese, Anbaugebiet Castiglione di Sicilia/Contrada Moganazzi, Tenute Tozzi

Pecorino Romano - der Dritte im Bunde

Nun kommen wir doch noch zum Pecorino Romano DOP, dem bekanntesten italienischen Käse nebst Parmigiano. Pecorino wird aus Schafsmilch und zu mehr als 95% in Sardinien hergestellt. Das raue Klima und die kargen Böden geben einen extrem leckeren Pecorino. Den man nicht nur dort vom Ricotta (Quark) bis zum Pecorino stagionato geniessen kann.

Kleiner Einschub: solltest du mal nach Sardinien gehen, probier unbedingt Seadas! Ein frittiertes Gebäck, gefüllt mit ganz frischem, noch ungesalzenem Pecorino, das mit Honig darüber gegossen serviert wird. Davon kann man fast nicht genug bekommen.

Als ich noch in der Toscana wohnte (wo es übrigens auch recht viele Schafherden gibt, die oft von Maremmano Hunden bewacht werden) fuhren mein Expartner und ich jedes Jahr 1 bis 2 Mal nach Sardinien. Seine Mutter hatte dort ein Haus am Meer und ich lernte Pecorinosorten kennen, die es auf dem Festland nicht zu kaufen gibt. Mega lecker! Und auch in der Toscana ass ich definitiv mehr Pecorino Produkte als andere Käsearten. 

Im Jahr 1979 hatte Gianni Maoddi (übrigens ein typisch sardischer Name) die gute Idee, den Pecorino Romano DOP zu schützen und sogleich das Konsortium zum Schutz des Pecorino ins Leben gerufen.

Gottseidank kann ich da nur sagen. Stell dir mal vor, wenn sonst Hinz und Kunz, Amerikaner und Chinesen plötzlich beschlossen hätten, ihre Schafskäse als Pecorino Romano zu verkaufen. Oh no no!

Nun zurück zu unserem Abend in Bern

Die Gruppe der anwesenden Menschen degustierten also zuerst die obgenannten Weine und konnten diese bereits kennen lernen. Im Anschluss hat uns der Koch von der Rooftopbrasserie ein super kreatives und extrem leckeres Menu kreiert. 6 Gänge, jeweils mit Pecorino Romano als Hauptakteur und den coolsten Kombinationen.

Mein absoluter Favorit war der mini Hot-Dog im Brioche-Bun mit Pecorino Romano und einer Trüffelscheibe obenauf. Für mich hat da der Etna DOC Bianco Superiore 2022 die passende Kombi gegeben. Da wir alle Weine nochmals zum Essen kombinieren durften, konnte man so 1:1 testen, welcher Wein zu welchem Gericht am Besten passt. 

Nicht immer waren Serge und ich uns einig welcher Wein passt. Jeder von uns hat dennoch seine Favoriten gefunden und diese dann mit den kredenzten Speisen genossen.

Nochmals herzlichen Dank an Valeria Novello, Thomas Vaterlaus und Alicia Mettler von MettlerVaterlaus für die Einladung! Es war ein lehrreicher und spannender Abend!

Passe Colline, Ventoux – RosE & Rot

Passe Colline, Ventoux – RosE & Rot

An einem sonnigen Freitagnachmittag im März 2024 sassen wir gemütlich im Stadtzentrum von Orange (Frankreich) auf der beschaulichen Terrasse des Café de l`Univers. Mit Blick auf die Place Georges Clemenceau, tranken wir einen feinen Passe Colline AOC Ventoux Rosé und - weil es so gemütlich war und wir nirgendwo hin mussten - auch noch einen Passe Colline Rouge AOC Ventoux. Von Carine der Besitzerin des Cafés erfuhren wir, dass sie ihren Wein von der Boutique de Vacqueyras geliefert erhält. Ein Besuch bei Rhonéa Boutique de Vacqueyras, welche Weine aus der Region des Mont Ventoux und aus dem Vallée du Rhone verkaufe, lohne sich für Weinliebhaber allemal.

Kurzentschlossen fuhren wir am Samstag bei wirklich garstigem Wetter Richtung Vacqueryas. Ein heftiger Sandsturm kam an diesem Tag von der Sahara Richtung Frankreich geflogen und man sah gefühlte 5 km weit. Serge als eingefleischter Radsportfan, schwärmte mir schon die ganze Zeit vom Mont Ventoux (Gigant der Provence) vor, war dementsprechend enttäuscht dass er den Berg wo legendäre Geschichten im Radsport (Tour de France) geschrieben wurden nicht sehen konnte. Wir begnügten uns dann, die Reben zu begutachten an denen wir vorbeifuhren und ich erzählte ihm dafür, wieso gewisse Reben bereits ausgeschlagen haben und andere vermeintlich noch im Winterschlaf waren. 

Unser Besuch in den Caves war sehr interessant und wir stellen dir in diesem Blogpost die Weine vor, welche wir in Orange getrunken haben. Diese sind wie folgt.

Zuerst der Rosé:

Passe Colline, Ventoux, Rose - 2023 AOP

Winzer: Artisan Vignerons

12.5 % Alkohol

Traubensorten: 70 % Granache, 15 % Carignan, 15 % Cinsault

Farbe: Lachsfarben

Angegeben ist, dass man ihn zwischen 12 - 14° trinken sollte, dies erscheint uns zu warm. Nach uns ist 9° - so wie unser Weinkühlschrank eingestellt ist - besser.

In der Nase ist er fruchtig, mineralisch, riecht nach reifen Erbeeren und Chrosle (Stachelbeeren).

Im Mund kommt er fruchtig frisch (nicht spritzig, sonder eher weich) mit einem gäbigen Säureabgang am Gaumen und wenig Salz im hinteren Zungenbereich daher. Ganz am Ende hat er einen weichen Abgang, ohne zu überborden. 

Was man in der Nase riecht und erwartet, hat man danach auch im Mund. 

Geht prima zum einfach so auf der Place trinken und people watching betreiben aber auch prima auf dem Sofa und einen Krimi dazu lesen. Ideal zu Apéroplättchen (Trockenfleisch, Hartkäse, Speckdatteln) oder Tapas. Ein praktischer Alltagswein ohne Allüren, mit der Maschine gelesen. Jedoch immer noch sehr gute Qualität und ein gutes Preis-Leistungs Verhältnis.

Diese Geschichte erzählt er: als wir diesen Wein zum Apéro hatten, sassen wir - wie bereits erwähnt - in Orange auf der Place und haben, wie ich als Adoptivitalienerin sagen würde, das dolce far niente genossen. Ganz unprätentiös hat er uns dabei begleitet und in Gespräche mit Passanten und Carine, der Besitzerin vom Café l’Universe verwickelt. Er hat uns an die vergangenen Tage, welche wir zwischen Narbonne und Perpignan in der Nähe des Meeres verbracht haben, erinnert. 

Und nun zum Rotwein:

Passe Colline, Ventoux, Rot - 2022 AOP

Winzer: Artisan Vignerons

13.5 % Alkohol

Traubensorten: 51 % Syrah, 32 % Grenache noir und 17 % Carignan

Farbe: Purpurrot

In der Nase ist er sehr fruchtig, dunkle Kirschen, Waldbeeren, Schokolade, Pfeffer und Mandeln.

Im Mund präsentiert er sich als leichten Rotwein, mit Tannine/Säurebalance und - wie der Rosé - unprätentiös. Verspricht in der Nase mehr als im Mund ankommt. Für seinen Preis ist er ok, auch er ist Maschinengelesen. Für Menschen mit einer Vorliebe für fruchtig duftende Weine, ist er ideal. Auch für solche, die keine all zu schweren Rotweine mögen. Passt gut zu Hartkäse und Speckdatteln; in Kombination mit Trockenfleisch wird er metallisch. Wahrscheinlich hast du es bereits erraten, wir haben dasselbe Apéroplättchen wie für den Rosé zum Einsatz gebracht. 

Und dies ist seine Geschichte: die Reben stehen auf verschiedenen Höhen des Mont Ventoux und lassen sich auf der steinigen Erde mit Sonne bescheinen. Normalerweise hören sie den Wind, spüren die Hitze und freuen sich, ab und zu mal einen Schluck Regenwasser zu bekommen. Doch dann wird es eines Tages sehr hektisch auf den Strassen. Radsportfans aus allen Herren Länder versammeln sich auf der Bergstrasse um die Tour de France Teilnehmer anzufeuern. Diese Leidenschaft und Liebe von den Sportlern und zum Sport, schlägt sich selbstverständlich auch auf unseren Reben nieder und hilft damit die Lebensfreude zu übertragen. Somit wird unser finaler Wein ein fröhlicher Tropfen für Menschen aus der ganzen Welt.

Wie immer degustieren wir unsere Weine mit dem Harmony 23 Degustationsglas von Rastal. Wir haben dies (nach langer Suche im 2020) entdeckt und damals für die Weinkurse angeschafft. Mittlerweile kann es auch vom Weinfreund angeschafft werden. Info von Rastal - Trinkgläser von Profis in Gastro-Qualität: Die Harmony-Serie verkörpert durch ihre besondere Form und Sensorik den Genuss auf höchstem Niveau. Die Gläser sind aufgrund der Aromen-Bündelung ideale Begleiter von Tastings in den eigenen vier Wänden.

Herzlich, Team Weinweib

Wein degustieren aber richtig! Teil II

Wein degustieren aber richtig! Teil II

Und weiter geht es mit dem zweiten Teil. Jetzt wird es noch spannender! Denn

Jetzt kommt Schwung rein!

Nun kommen wir zum wichtigsten Teil des Wein degustierens, lange bevor wir den ersten Schluck nehmen. Das Riechen ist für die korrekte Degustation sehr wichtig. Es wird dir enorm viele Informationen über den Wein geben. Um das Beste aus dem Wein in deinem Glas zu bekommen, schwenk den Wein darin zuerst im Uhrzeigersinn, nicht gegen den Uhrzeiger. Du machst das nicht um cool auszusehen, sondern um dem Wein den nötigen Sauerstoff zur Aromenentwicklung zu geben. Es ist wie bei Parfum, das braucht auch Luft um die Noten freizusetzen. “Chris, wieso um alles in der Welt soll ich im Uhrzeigersinn schwenken?” fragst du dich jetzt.

Dafür gibt es einen einfachen Grund und ich habe in meiner über 20jährigen Erfahrung im Weingeschäft festgestellt, dass sehr viele Leute davon nichts wissen, selbst Leute im Weingeschäft nicht. Aber ich verleite dich jetzt zu einem Experiment: schwenk den Wein in deinem Glas zuerst ordentlich gegen den Uhrzeigersinn und riech daran. Ok? Und jetzt schwenk ordentlich mit dem Uhrzeigersinn und riech nochmals am Glas. Riechst du den Unterschied? Bist du Neugierig wieso das so anders riecht?

Jedes Aroma hat ein molekulares Gewicht. Wenn du mit dem Uhrzeigersinn schwenkst, nutzt du die Zentrifugalkraft um die Aromen in der richtigen Sequenz zu entfalten. Zuerst die leichten, dann die mittleren und danach die schweren Aromen. Wenn du gegen den Uhrzeigersinn schwenkst, dann presst du die leichtesten und mittleren Aromen weg und riechst nur die schwersten. D.h. mit anderen Worten, der Wein riecht flach.

Steck deine Nase ins Glas

Jetzt bist du bereit deine Nase ins Glas zu stecken. Genauso wie hier im Bild. Sei nicht scheu und bleib nicht über dem Glas hängen. Du würdest jede Menge verpassen! Steck sie ins Glas und dann nimm einen langen, tiefen Atemzug durch die Nase. Oftmals sehe ich Leute, die nur ein bisschen schnüffeln, das ist nicht lang genug. Du isst auch nicht nur das halbe Steak oder? Riech, geniesse und entscheide dann, nach was es riecht. Sind es Früchte? Kräuter? Blumen? Gewürze?

Erinnern dich die Aromen an etwas? Weisst du, so etwas wie “Oh, das riecht wie ein Tag am Meer” oder “Mmmm, da sehe ich mich am Cheminée mit einem prasselnden Feuer und dicken Socken”. Siehst Du was ich meine?

Alle Aromen sind für uns mit Erinnerungen verknüpft

Vom Tag an, an welchem wir geboren werden, merken wir uns alle Gerüche die wir riechen. Jede Sekunde in unserem Leben. Ein Mensch kennt geschätzte 10’000 Aromen, davon sind etwa 3’000 chemisch rein. Das ist nicht schlecht oder? Ist es dir jemals passiert, dass du irgendwo hin gingst und dann riefst “Hei, das riecht genauso wie bei Grossmutter” oder “Oh wow, genauso hat es bei mir in der Schule gerochen”. Wenn du anfangen würdest zu erzählen was genau du riechst, du würdest kein Ende finden. Wie gesagt, Aromen und Erinnerung gehören zusammen und genauso ist es bei Wein. Du klinkst dich also in deine Erinnerung ein wenn du Wein degustierst. Natürlich kannst du deine Nase trainieren, zum Beispiel mit der “Weinaromabar” (mehr dazu in diesem Blopost). Wichtig zu wissen ist, dass wenn du Rotweine verkostet, du mit höchster Wahrscheinlichkeit Beerenaromen riechen wirst. Aber auch Aromen wie: Schokolade, Zeder, Kaffee, Leder, Butter, Vanille, Karamell, Trüffel, Pilz, Rauch, Lakritze und Tabak (denk an Pfeifentabak, nicht Zigaretten). Diese Aromen kommen vom Barrique. Alles was fruchtig, floral und herbal ist, kommt von der jeweiligen Traubensorte. So kann man die diversen Aromen im Wein voneinander unterscheiden.

Wein im Mund - das Finale

Nachdem du jetzt ausgiebig am Wein gerochen und dir Zeit genommen hast, bist du jetzt bereit für das Mundgefühl. Nimm zuerst einen Schluck und spül deinen Mund gut damit aus, schluck runter und denk an nichts. Es wird mit höchster Wahrscheinlichkeit bitter sein. Du tust dies, um deinen Gaumen und Mund für die Weindegustation vorzubereiten. Einmal erledigt, nimmst du einen zweiten Schluck und wirst feststellen, dass der Wein jetzt einen ganz anderen Geschmack hat. Falls du nicht schon eine eigene Technik hast, Luft in den Mund zum Wein zu saugen, habe ich dir einen Tipp. Presse die obere Zahnreihe gegen die innere untere Lippe und sauge Luft rein. Du tust damit dasselbe wie beim Wein im Glas schwenken, du gibst nochmals Luft dazu, diesmal aber in einer kompakteren Umgebung. Nun schluckst du entweder den Wein runter oder spuckst ihn in den Spucknapf.

Nun geht es ans geniessen

Nachdem du nun das Einmaleins des Degustierens gelernt hast, trau dich an Wein. Leg los und erkunde die wunderbare Welt der Aromen und Feinheiten dieses wunderbaren Stück Lebenslust.

Hier geht es zu Teil 1 der Weindegustation.

Merlot die Elegante – oder Cate Blanchett als Wein

Merlot die Elegante – oder Cate Blanchett als Wein

Merlot ist keine Tusse

Im Gegensatz zu Sangiovese. Merlot ist die elegante, immer gut angezogene Dame mit Perlen in den Ohren und ich könnte sie z.B. Audrey nennen (nach Audrey Hepburn) aber wenn ich auf eine heutige Frau - die so ziemlich alle kennen - zurückgreife, dann ist es ganz klar: Cate Blanchett. Sie hat viele Facetten und ist eine klasse Schauspielerin, darauf möchte ich jetzt noch nicht eingehen, sondern auf ihr Aussehen und ihre rauchige Stimme.

So schön, weich und elegant wie die Blanchett, so ist Merlot. Eine Traube die runde, weiche, harmonische Weine ergibt, auch wenn sie unterschiedlich ist, je nach dem aus welchem Land sie kommt und wie und wo sie ausgebaut wurde. Sie hat keine exzessiven Säurewerte und auch die Tannine halten sich eher im unteren Bereich. D.h. Merlot ist eigentlich keine bombastische Traube, keine die sich aufbauschen muss, sie wird gerne dazu benutzt, anderen intensiven Traubensorten Ecken und Kanten zu nehmen. Merlot ist ursprünglich die zweite Traube im Bordeaux und wurde jahrzehntelang dazu benutzt, der bekanntesten Bordeauxtraube Cabernet Sauvignon ihre Intensität zu nehmen.

Eine Kundin von mir hat vor vielen Jahren beim Merlotverkosten gerufen “Wow, Merlot is a happy grape in your mouth!” und damit hat sie den Nagel auf den Kopf getroffen.

Dazu ist zu sagen, dass dieser Wein den die Kundin verkostet hat, aus einem damals 40 jährigen Weinberg stammte und was da an “Merlotpower” im Glas ist, hat bis jetzt viele verzaubert. Schon nur die Farbe ist schön, ein samtiges Rot, keine Exzesse, dafür harmonische Sanftheit und Augengefällig.

Samtig und weich

Bei den Aromen im Merlot bringe ich Cate Blanchett wieder ins Spiel. Als gute Schauspielerin, verfügt sie über mannigfaltige Facetten und bleibt dennoch immer die Blanchett. Tja und so ist es mit Merlot. Grundsätzlich ist sie samtig und weich, aber abgesehen davon kann sie zwischen einem leichten, süssen, fruchtigen Weinchen bis hin zum schweren, samtigen, nach Butter riechendem Wein der an opulente Brokatgewänder erinnert sein. Bestimmt ist es einer der Rotweine, die ideal für Rotweintrinkereinsteiger ist, da man ihn ohne weiteres “einfach so” trinken kann und nicht unbedingt mit Essen kombinieren muss.

 

 

Merlot, Traube die gefällt

Ich beschreibe es für meine Kunden - wenn ich den Vergleich zu Sangiovese mache - oft so:

Merlot ist eine Traube die gefällt und für die man nicht viel tun muss. Sangiovese gefällt man und muss man sich erarbeiten. Merlot ist zudem eine Traubensorte, die beinahe jeder kennt und irgendeinmal getrunken hat.

Übrigens: Der Name Merlot kommt wahrscheinlich vom französischen Merle = Amsel. Welche die süssen, frühreifenden Trauben sehr gerne ass und isst. Und das passt zum eleganten und lieblichen von Merlot: wer jemals dem Gesang einer Amsel richtig zuhörte, weiss wovon ich spreche und wer es noch nicht getan hat, höchste Zeit es nachzuholen!

Jeder Wein erzählt seine Geschichte

Jeder Wein erzählt seine Geschichte

Jeder Wein erzählt seine Geschichte

Und nicht nur mit meinem Weinblog will ich dir das nahe bringen. Unsere Weine sind Geschichtenerzähler, von der Traube, vom Winzer, vom Boden, vom Piemont, dem Graubünden, dem Bodensee sowie von den Jahreszeiten.

Wie du weisst, degustieren und beurteilen wir unsere Weine alle selbst. Klar ist es cool, sich an anderen zu orientieren, abzuschreiben und paar Wörter zu ändern. Das kommt für uns aber nicht in Frage. Weil wenn wir Weine degustieren, wir in Diskussionen, Fachsimpeleien und lustige Momente abdriften. Die Sniffbox ist immer mit dabei, hilft uns die eruierten Aromen zu bestätigen (oder zu verwerfen) und ist ein toller Begleiter fürs Weine degustieren.

 


Glaub mir, dabei wird es nie eintönig oder nebulös. Ok, lustig ist es auf jeden Fall, die gerochenen Aromen so nieder zu schreiben, dass sie für dich Sinn machen. Ich finde zwar so super blumige Aussprache für Weine ganz gut, aber meine Kolleg:innen können damit kaum was anfangen.

Aromen im Wein entdecken

Sprechen wir von Aromen die man kennt, dann ist das eine ganz andere und vor allem plausible Geschichte. Diese hier geht so:

In unseren Weingläsern variierten die Farbtöne von Purpur- über Grant- bis Rubinrot. Aromen von Waldbeeren, Zwetschgen, Marzipan, Tabak und Brombeeren umspielten unsere Nasen und luden uns zu Waldspaziergängen, Leseabenden und angeregte Diskussionen ein. Manchmal waren wir uns nicht ganz so einig was die Aromen betrifft, dann wiederum war es ein in Welten versinken, nur weil wir gewisse Aromen herausgerochen haben.

Wenn man Wein geniesst, entfalten sich unglaubliche Welten
Team WeinWeib

Wenn man Wein geniesst und ihn so anpackt wie er genommen werden will, dann entfalten sich unglaubliche Welten vor einem, die angeschaut, erkundet und erobert werden wollen.

Wein, Weib und Gesang

Und ja, manchmal ist Wein, Weib und Gesang nicht sehr weit voneinander entfernt.

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