Gibt es überhaupt Weinfilme, die sich lohnen? Aber ja doch. Es sind sogar so viele, dass man den Überblick leicht verliert. Darum habe ich dir hier eine kleine, sehr subjektive Auswahl zusammengestellt. Perfekt für freie Abende, verregnete Wochenenden oder einfach, wenn du Lust auf ein gutes Glas Wein und einen passenden Film dazu hast.
Einige davon sind echte Perlen, unterhaltsam, informativ und alles andere als trocken. Voilà, hier meine Tipps für dich:
SOMM – In die Flasche
Das ist für mich bis heute einer der besten Filme, die je über Wein gemacht wurden. „SOMM – In die Flasche“ schaut hinter die Kulissen der Weinwelt: Winzerinnen und Winzer, Sommeliers, Sammler – alle kommen zu Wort, und niemand nimmt sich dabei zu ernst.
Du begegnest ziemlich coolen Sommeliers und Weinfreaks, die auch gut über sich selbst lachen können. Gleichzeitig lernst du viel über Stilistik, Regionen und Traditionen. Endlich habe ich dank dieses Films zum Beispiel den Sinn hinter Barolo verstanden.
Insgesamt ein sehr sehenswerter Film, der seine Zeit braucht. Also: Glas einschenken, bequem machen und eintauchen in die Welt des Weins.
Ein Jahr in der Champagne
Für alle Liebhaber der perlenden Lebenslust: Das ist euer Film. „Ein Jahr in der Champagne“ begleitet Produzenten durch ein ganzes Jahr und zeigt, wie viel Handwerk, Geduld und Risiko in jeder Flasche steckt.
Der Film hat mir ein neues Bild von Champagner gegeben, weg vom reinen Luxusklischee, hin zu Boden, Klima, Arbeit und Geschichte. Ich habe angefangen, die Unterschiede zwischen den Häusern, Assemblagen und Stilen bewusst wahrzunehmen und Champagner richtig zu schätzen.
Ja, Champagner hat etwas sehr, sehr Erotisches. Dieser Film erklärt, warum.
Sour Grapes
„Sour Grapes“ ist der perfekte Film für alle, die Freude daran haben, wenn ein scheinbar unerschütterliches System mal ordentlich durchgeschüttelt wird.
Die Doku erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der es schafft, sich in die Welt der Weinauktionen, Sammler und „Experten“ hineinzuschummeln, mit gefälschten Weinraritäten, aber einem unglaublichen Gespür für Inszenierung.
Sensationell, wie sich selbst ernannte Weinkenner, Sammler und Auktionshäuser über den Tisch ziehen liessen. Und faszinierend, wie kreativ dieser Mann war. Für mich zeigt der Film ziemlich deutlich: Wer Wein todernst nimmt und nur in Punkte, Labels und Prestige denkt, hat vielleicht das Wesentliche an diesem fermentierten Traubensaft nicht ganz verstanden.
Drops of God
Streng genommen ist „Drops of God“ keine Doku, sondern eine Serie, aber eine, die in jeden Wein-Content-Kanon gehört.
Die Geschichte: Ein legendärer Weinkritiker stirbt und hinterlässt eine gewaltige Weinsammlung. Seine entfremdete Tochter Camille soll sie erben, muss sich das Erbe aber in einer Reihe sensorischer Weinprüfungen verdienen. Ihr Gegner: ein brillanter japanischer Önologe, der Lieblingsschüler des Vaters.
Es ist ein Duell der Sinne zwischen Paris, Tokio und berühmten Weinregionen, in dem es nicht nur um grosse Flaschen geht, sondern auch um Familie, Identität und die Frage, wem dieses Erbe moralisch überhaupt zusteht.
Was ich an „Drops of God“ richtig cool finde: Wenn Camille degustiert, erscheinen die Aromen für sie bildlich. Weine werden zu inneren Bildern, Landschaften, Erinnerungen, Aromen. Genau das passiert bei mir auch: Wein ist für mich nie nur Geschmack, sondern immer ein ganzes inneres „Kino“ aus Farben, Stimmungen, Früchten, Blüten etc.
An einer Stelle sagt Camille sinngemäss, dass jeder Wein seine eigene Musik, seine eigene Frequenz hat. Dieser Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Daraus ist mein Blogpost und Podcast „Wenn Wein Musik macht…“ entstanden – die Idee, dass jeder Wein wie ein eigenes Stück Musik ist: manche leise und introvertiert, andere laut, wild und voller Improvisation, wieder andere klar strukturiert wie eine Sonate.
„Drops of God“ ist für mich darum mehr als eine Serie über Wein. Sie erzählt davon, wie Wein in uns Geschichten, Bilder und eben auch Klänge auslöst und wie sehr Wein mit Erinnerung, Emotion und Identität verknüpft ist.
Popcorn, Chardonnay & Weinmomente
In „SOMM“ werden Sommeliers gefragt, welchen Wein sie zu bestimmten Gerichten servieren würden. Zu Popcorn kam die Idee, einen im Barrique ausgebauten Chardonnay zu trinken – weil das Buttrige und Weiche eines solchen Weins wunderbar mit dem salzigen Popcorn harmoniert.
Wie du dir vorstellen kannst, habe ich das getestet, obwohl Chardonnay nicht zu den Weinen gehört, für die ich sonst irgendwohin rennen würde. Fazit: Die Kombi ist tatsächlich richtig gut.
Such dir also einen dieser Filme (oder eine Folge von „Drops of God“) aus, schnapp dir ein Glas Wein, mach es dir gemütlich – und lass zu, dass Wein bei dir vielleicht auch Bilder, Geschichten oder sogar Musik auslöst.
Möchtest du den Text als halben Song (mit Jazz vibes) hören? Ich hab das mit Suno (KI) kreiert. Für dich. Und weil es mir Spass macht, mit all den neuen Techniken zu arbeiten.
Man sagt ja, Wein habe Charakter. Ich sage: Er hat eine Seele. Und die liegt nicht – wie viele glauben – irgendwo tief unten im dunklen Flaschenbauch, sondern ganz gemütlich im Glasgrund, eingekuschelt wie eine Katze im Sonnenschein. Ich hab das lange falsch verstanden. Ich dachte, der Zauber sei beim Öffnen – zack, plopp, fertig – die Seele ist raus. Aber nein! Oft riecht man sogar daran vorbei.
Die wahre Magie kommt am Schluss. Wenn du das letzte Schlückli genossen hast, das Glas langsam leer wird und du denkst: „So, fertig jetzt.“ Nein, eben nicht fertig! Genau dann lohnt es sich, kurz innezuhalten und am Glas zu schnuppern. Da ist sie nämlich, die Seele des Weins. Der Duft, der geblieben ist, der sich am Glas festklammert, als wolle er dir noch etwas Wichtiges sagen.
Es riecht warm und tief, manchmal dunkel, manchmal floral, manchmal einfach nach „etwas, das dich grad voll trifft“. Und genau da kann es passieren: Dein Herz macht Klick. Dein Kopf sagt „Aha!“, oder deine Fantasie fliegt davon in Erinnerungen, Sehnsüchte oder vielleicht in ganz neue Gefühle (wer weiss, vielleicht sogar in jemanden… oder in dich selbst).
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Geschichte in einem leeren Glas steckt. Wenn du das nächste Mal trinkst, versuch’s mal: Statt einfach wegzustellen, riech nochmal dran. Bei Rotweinen wird’s dann fruchtiger, bei Weissweinen knackiger. Die Säure und die Tannine haben sich verabschiedet, bleiben aber als Erinnerung zurück, wie Freunde nach einem guten Abend. Was bleibt, ist das Herz des Weins, sein Charakter, sein persönliches „Ich war hier“.
Und das ist der Moment, wo du kurz abtauchen darfst. Der Wein erzählt dir plötzlich Geschichten, vom Boden, wo die Trauben gewachsen sind, vom Winzer, vom Sommer, vom Hagel, von Hingabe und Freude. Er erzählt von Feriengefühlen und Abdrücken, die er in deiner Seele hinterlässt ganz leise, ganz ehrlich, ganz tief.
Am Ende bleiben nur du und das leere Glas Wein. Und irgendwo dort unten, am Glasgrund, liegt sie, die Seele des Weines – zufrieden, weil sie weiss, du hast sie verstanden.
Schaumberge, Schaumwein & ein bisschen Selbstliebe
Es gibt Menschen, die gehen ins Spa. Und es gibt uns: Wir füllen die Badewanne, stellen Kerzen auf und kümmern uns zuerst um die einzig wirklich wichtige Frage des Abends: Was kommt denn ins Glas?
Mein früherer Weinshop ist Geschichte, die Badewannenliebe aber ganz bestimmt nicht. Die gute Nachricht: Deine Weine für die Badwanne findest du heute ganz entspannt im Detail- und Fachhandel.
Also: Wein holen, Wasser aufdrehen, Alltag auf «stumm».
Warum es einen eigenen Badewannenwein braucht
Weine für die Badwanne sind keine «anderen» Weine, aber sie müssen ein paar Dinge besser können als der Durchschnitt:
Sie sollen trinkig sein (hoher «noch-ein-Schluck»-Faktor, keine Denkarbeit nötig).
Sie vertragen ein bisschen Temperatur (Badewasser und Kerzen machen’s nicht kühler).
Sie dürfen gerne duften – du liegst ja sowieso schon im Aromanebel aus Schaum, Kerzen und Pflegeprodukten.
Sie müssen nicht perfekt sein, aber sie sollen zu genau diesem Moment passen.
Manchmal bedeutet das: knackig-frisch und perlend. Manchmal: cremig-weiss. Manchmal: ernsthaft-rot mit «Ich bleibe noch etwas sitzen»-Charakter.
Team Blubber: Prosecco & aromatische Schaumweine
Fangen wir mit der Wahrheit an: Nichts sagt so deutlich «Ich nehme mich heute wichtig» wie ein Glas Schaumwein in der Badewanne.
Prosecco die sprudelnde Allzweckwaffe
Prosecco ist der unkomplizierte Freund, der immer gut drauf ist und keine Ansprüche stellt. Typisch für ihn, Aromen von grünen Äpfeln, Birne, Zitrus, manchmal etwas Blüten, dazu eine feine, aber deutliche Perlage. Der Alkohol ist meist moderat, die Säure frisch und genau das macht ihn so «badewannentauglich»: Er erfrischt, ohne zu erschlagen.
Im Handel findest du:
Trockene (Brut, Extra Dry) Varianten – ideal, wenn du es spritzig und eher trocken magst.
Etwas fruchtigere Versionen – die sich an alle richten, die beim ersten Schluck schon «Sommer!» rufen.
Ein Tipp aus der Praxis:
Flasche nicht eiskalt, sondern bei 7 Grad gekühlt servieren. Zu kalter Schaumwein schmeckt nach nichts, zu warmer Schaumwein schmeckt müde. Beides hat weder du noch deine Wanne verdient.
Aromatische Schäumchen, Moscato & Co.
Du magst es verspielt und duftig? Dann bist du im Team «Aromatische Schaumweine».
Stilistisch reden wir von: Moscato-/Muscat-Typen mit Duft nach Pfirsich, Blüten, Muskat und Honig. Teilweise leicht süss, mit niedrigerem Alkoholgehalt, perfekt, wenn du es gemütlich willst oder keine Lust auf «die volle Ladung» hast.
Diese Weine sind super für:
Späte Badewannen-Sessions mit Hörbuch oder Podcast.
«Selfcare-Abende», an denen du dir ganz offiziell erlaubst, nichts Produktives zu tun.
Foodpairing in der Wanne (ja, das gibt es):
Frisches Obst, Nüsse, ein Stück dunkle Schokolade, oder einfach nur ein paar Güezi. Denn Badewanne ist kein Fine Dining, Badewanne ist Komfortzone pur.
Weiss in der Wanne: Chardonnay & aromatische Weisse
Weisswein in der Wanne ist ein bisschen wie deine Lieblings-Serienfolge: Du kennst das Gefühl, aber es wird einfach nie langweilig.
Chardonnay, die flüssige Kuscheldecke
Chardonnay kann vieles, aber als Badewannenwein mag ich ihn vor allem in seiner «Komfortzone»:
Mittelgewichtig bis cremig.
Sanfte Säure, feiner Schmelz.
Aromen von reifen Äpfeln, Birnen, manchmal etwas Vanille, Nuss oder Butter (wenn Holz im Spiel ist).
Solche Chardonnays findest du im Detailhandel aus:
Der Schweiz (z.B. aus der Romandie oder der Ostschweiz).
Frankreich (Burgund-ähnliche Stile, aber in alltagstauglicher Form).
Italien oder Übersee (oft etwas fruchtbetonter bis sehr butterig).
Achte bei der Wahl auf Begriffe wie «barrique», «oak» oder «Holz» in den Beschreibungen, wenn du es cremiger und vollmundiger magst. Wenn dir das zu viel ist, greif zu «frisch, fruchtig, elegant» das ist die leichter zu trinkende Variante, die in der Wanne nicht müde macht.
Muscat & Gewürztraminer, wenn’s duften darf
Du willst Badewannen-Weihrauch im Glas?
Dann sind Muscat/Moscato und Gewürztraminer deine Kandidaten:
Muscat bringt florale Noten, Zitrus, Trauben und Exotik.
Gewürztraminer duftet nach Rosen, Litschi und Gewürz – eher gehaltvoll, oft mit wenig Säure.
Das sind Weine bei denen du die Nase ins Glas tauchst und automatisch langsamer wirst. Perfekt, wenn du eigentlich nur «schnell baden» wolltest und plötzlich feststellst, dass du seit 40 Minuten die Etikette studierst.
Rosé, die Playlist unter den Weinen
Rosé ist der Allrounder: funktioniert im Sommer auf dem Balkon, im Winter in der Badewanne und im Frühling überall.
Typische Rosé-Stilistiken aus dem Handel:
Helle, lachsfarbene Rosé mit Noten von Erdbeere, Himbeere, Grapefruit, manchmal Kräutern.
Trocken bis halbtrocken, mit frischer Säure und relativ niedrigem Alkoholgehalt (je nach Region).
Rosé ist ideal für:
Alle, die sich nicht zwischen weiss und rot entscheiden können.
Badewannen, in denen noch gegessen, gelesen, geschaut, gechattet oder philosophiert wird.
Achte auf Herkunftsländer wie:
Italien (Veneto, Abruzzen, Apulien).
Frankreich (Provence-Stil).
Spanien (leichte, frische Rosados).
Kleiner Trick:
Wenn du nicht sicher bist, ob dein Rosé in die Wanne passt, frag dich: «Würde ich damit auch auf der Terrasse sitzen?» Wenn ja, dann passt er meistens auch zu Schaumbergen.
Rot bei Schaumberg: Barbera & Co.
Rotwein in der Badewanne ist nicht nur für Romantik-Kitsch-Filme. Es funktioniert wenn du die richtigen Stile wählst.
Barbera – der Badewannen-Kumpel
Barbera aus dem Piemont ist prädestiniert für solche Momente:
Saftige Kirsche, rote Beeren, manchmal Pflaume.
Lebendige Säure, eher weiche Tannine.
Mittlerer Körper, hoher Trinkfluss.
Das heisst: Er ist spannend genug, dass du nicht gelangweilt bist, aber unkompliziert genug, um nicht zum «Studienobjekt» zu werden. Genau das willst du, wenn du halb im Schaum versinkst.
Andere Rotwein-Ideen
Auch spannend als Badewannen-Rote taugen:
Sangiovese (Toskana-Stil, z.B. Chianti-Typen mit Kirsche, Kräutern, mittlerem Körper).
Weiche Cuvées aus Merlot, Cabernet & Co., die auf Frucht und Schmelz statt auf Tannin-Bombast setzen.
Woran du badewannentaugliche Rotweine erkennst:
Alkohol nicht zu hoch (so um die 12.5 – 13.5 %).
Säure vorhanden, aber nicht beissend.
Tannine eher weich als brutal.
Und bitte: nicht zu warm servieren. Nur weil die Badewanne heiss ist, muss es dein Rotwein nicht auch sein, 15 – 18 Grad reichen völlig.
Kleine Luxusecke: «Spa at home» im Glas
Es gibt Abende, an denen man weiss: Heute brauche ich mehr als nur Wasser, Schaum und «irgendeinen» Wein. Das sind die Momente für deine kleine Luxusecke.
Was meine ich mit Luxusweine für die Badewanne?
Höherwertige Schaumweine, z.B. ein Prosecco Superiore aus guten Lagen, mit feinerer Perlage, mehr Tiefe und längerer Aromatik.
Champagner
Barrique-ausgebaute Rotweine mit Struktur, dunkler Frucht, Würze und sanft eingebundenem Holz.
Charaktervolle Chardonnays mit komplexer Nase und cremiger Textur.
Der Ablauf sieht dann etwa so aus:
Wasser einlassen.
Flasche öffnen.
Einen ersten Schluck nehmen, bevor du in die Wanne steigst.
In der Badewanne nur nachschenken – die Entscheidungen sind jetzt bereits gefällt.
Badewannenweine 101 praktische Tipps
Damit der Badewannenabend wirklich gelingt, hier noch ein bisschen Nerd-Wissen in a Nutshell:
Temperatur:
Schaumwein/Weiss/Rosé leicht kühler starten, als du es normalerweise tun würdest – das Bad wärmt nach.
Rotwein eher bei moderater Trinktemperatur einschenken, nicht bei Zimmertemperatur einer Altbauwohnung im Winter.
Glaswahl:
Kein dünnwandiges Spiegelau-Extrem, wenn du zur Ungeschicklichkeit neigst.
Ein solides Weinglas von Riedel reicht völlig.
Sicherheit:
Glas immer auf eine stabile Ablage, nicht auf den Wannenrand ganz am äussersten Ende des Schicksals.
Handy vielleicht eher im Flugmodus, für Ruhe und me-time.
Menge:
Besser ein grosses Glas bewusst geniessen als die ganze Flasche «aus Versehen» nebenbei leeren.
Du willst entspannt aus der Wanne steigen, nicht auf wackligen Beinen.
So, und jetzt:
Bad einfüllen, Lieblingsplaylist an, Wein einschenken und dir selbst offiziell erlauben, eine Stunde lang nichts zu leisten ausser zu atmen, zu geniessen und zwischendurch zu denken: «Das hier ist gerade ziemlich nah an Perfekt.»
Weisst du, ich fühle mich gerade wie eine Rebe nach dem Winterschlaf: Draussens wird’s frühlingshaft und ich wache auf, um neue Inhalte zu kreieren. Dieser Blogpost basiert auf meiner neuesten Podcast-Folge, poetisch, crazy, typisch Weinweib halt. Lass uns gemeinsam lauschen, wie jeder Wein seine eigene Melodie hat.
Wein als lebendiges Musikstück
Wein lebt wie ein Song: Er hat Anfang, Mitte und Nachhall, nie statisch, immer in Bewegung. Beim ersten Schluck tanzen hohe Töne wie Frucht, Blumen und spritzige Säure: Geigen, Flöten, helle Bläser. Dann kommt die Tiefe mit Gewürzen, Holznoten, Erde und Bass; zum Schluss klingen elegante Tannine, mineralische Frische oder ein salziger Hauch nach, das ganze Orchester präsentiert sich.
Jede Traubensorte hat ihre einzigartige Signatur-Melodie, geprägt vom Terroir und dem Handwerk der Winzerinnen und Winzer. Die DNA der Rebe gibt den Grundton vor, aber der Boden, das Klima und die Hand der Winzer machen daraus ein Meisterwerk.
In unserer Küche in Avenches hängt ein kleines Bild vom Künstler Luca Carfagna aus Panzano in Chianti: Strichmännchen schnappen Trauben von der Rebe und werfen sie ins Glas, wo eine Jazzband spielt. Ich sage immer: „Das ist Jazz in a glass!“ – es fängt diese Weinmelodien perfekt ein.
Winzerinnen und Winzer als Komponisten
Weisst du, wer neben der Rebe die ersten Komponisten dieser Melodien sind? Die Winzer! Sie entscheiden täglich über die „Instrumente“: Strenge Grünlesung reduziert die Trauben, macht die Noten konzentriert und dicht, wie Kammermusik statt Blasorchester. Frühe Lesezeit bringt helle, frische, zitrische Töne; späte Ernte reife, warme, jazzige Vibes.
Im Keller wird’s spannend: Spontanvergärung ist purer Impro-Jazz, unvorhersehbar, manchmal schräg, aber voller magischer Momente. Reinzuchthefen ergeben eine durchkomponierte Pop-Produktion: klar, sauber, berechenbar. Beides hat Charme und kann Hits ins Glas zaubern. Beim nächsten Etikett-Blick frag dich: Welche Entscheidungen stecken dahinter? Wann hat jemand gesagt: „Ja, so klingt mein Wein“? Das ist die Seele hinter jeder Flasche.
Hits der Traubensorten
Lass uns ein paar „Chartstürmer“ durchspielen, Trauben, die du kennst und liebst:
Sangiovese: Meine Toskana-Liebe! Sommerfest-Vibes mit Veilchen, Kirschen, Waldbeeren, schwarzem Pfeffer und Lakritz. Flotter Rhythmus durch Säure, tanzende Tannine, nie aufdringlich, perfekt zu Pasta, weil sie mitsingt statt zu dominieren.
Pinot Noir: Sensibler Poet als Kammermusik. Zart mit Himbeere, feuchter Erde, ein Hauch Rosen. Braucht Ruhe zum Entfalten, zu viel Sonne oder Holz macht’s unter Umständen holprig. Aber wenn alles passt, ist es ein Traumlied, das dich umarmt.
Riesling: Verspielte Künstlerin mit Soul. Apfel, Pfirsich, Benzin, Kräuter, Salz – alles möglich! Säure als silberner Faden hält alles zusammen, vom Opener bis zum Dessertwein.
Syrah: Versteckter Rocker mit Pfeffer, Blaubeere, Rauch, Leder, Speck. Vollgas-Band fürs Grillen und Feiern, braucht starke Food-Partner, sonst übertönt er alles.
Chardonnay: Chamäleon-Dirigent. Jung knackig mit Zitrus-Minze, gereift butterkaramellig mit Toast. Passt sich an Boden, Fass, Winzer. Popcorn oder Brathähnchen? Lass die Töne sprechen.
Deine persönliche Wein-Playlist
Denk Weine als Playlist, passend zu deiner Stimmung:
Grüner Veltliner: Spritziger Indie-Pop mit weissem Pfeffer, Zitrus, Apfel – für leichte Tage.
Nebbiolo: Alte Vinylplatte, erdig-rosig mit kratzigen Tanninen, die tief berühren.
Garnacha: Sommerhit für Dachterrassen, rote Früchte, Wärme, Gewürz.
Sauvignon Blanc: Elektropop mit Stachelbeere, Holunder, grüner Paprika – laut und unterhaltsam.
Tempranillo: Singer-Songwriter-Ballade mit spanischer Gitarre, rote Früchte, Tabak, Vanille.
Montag: Riesling für Frische, Freitag: Syrah-Konzert, Sonntag: leichter Rosé als Koch-Hintergrundmusik. Schreib deine eigene Playlist beim nächsten Einkauf!
Harmonie vor Noten
Was mich am Wein (auch) fasziniert: Es geht nicht um Punkte (94/100!), sondern um Harmonie. Ein technisch perfekter Wein kann fade klingen wie produzierter Pop ohne Seele. Ein Wein mit Macken, der singt, ist unvergesslich, wie Amy Winehouse, Janis Joplin, Tom Waits oder Rod Stewart.
Devise: Hör hin statt bewerten! Lass atmen, koste aus und frag: „Was singt der mir gerade?“ Eine fröhliche Weise oder ein trauriges Lied.
Dein Sensorik-Mischpult
Deine Sinne sind das Mischpult: Nase (70 % des „Geschmacks“), Zunge (süss, sauer, bitter, salzig, umami), Mundgefühl (Tannine, Perlage, Cremigkeit). Dreh Regler: Mehr Höhen (Frucht, Blumen) oder Bass (Holz, Rauch)? Finde deinen Mix!
Pro-Tipp: Schwenk den Wein 30 Sekunden im Glas, kleiner Schluck durchlaufen lassen, Nachhall 30 Sekunden spüren. Teste Temperatur: Kalt knackig-frisch, lauwarm tief. Food-Remix: Sangiovese solo gut, mit Pappardelle al Cinghiale wird sie zum Hit.
Übung: Trainiere dein Wein-Ohr
Nimm zwei Weine (ein leichter Weisser, einen kräftigen Roten). Spiele Musik: Ruhig vs. rhythmisch, kratzige Janis/Amy vs. glatte Charts. Spür, wie Wahrnehmung wechselt. Notier drei Musikbegriffe pro Wein: „Ballade“, „Jazzquartett“, „Rocknummer“, „Arie“. Du staunst, wie klar die Melodie wird und was dich packt.
Zum Abschluss: Prost auf die Melodienmacher
Hör dir die volle Podcast-Folge (auf Spotify) an, nimm ein Glas deines Lieblingsweins und lass es klingen. Mein heutiges Glas widme ich Winzerinnen und Winzern, die jeder Rebe eine Stimme geben.
Es gibt Weine, die man trinkt, weil man sie kennt. Und es gibt Weine, die man trinkt, weil sie sofort gute Laune machen. Prosecco gehört ganz klar zur zweiten Sorte. Er ist leicht, fröhlich, charmant und dabei erstaunlich vielseitig. Ein Schaumwein, der nicht laut sein muss, um Wirkung zu haben.
Ich habe für Prosecco eine grosse Schwäche. Nicht für die beliebige Version, die bloss perlt, sondern für den echten Prosecco DOC, der Herkunft, Stil und Lebensfreude verbindet. Genau diese Kombination macht ihn zu einem Wein, über den man nicht nur schreibt, sondern den man auch gern im Glas hat.
Woher Prosecco kommt
Der Name Prosecco geht ursprünglich auf ein Dorf bei Triest zurück. Heute steht Prosecco jedoch vor allem für ein klar abgegrenztes Herkunftsgebiet in Norditalien, hauptsächlich in Venetien und Friaul‑Julisch Venetien, sowie für einen geschützten Stil mit definierten Regeln. Prosecco DOC ist damit nicht einfach irgendein Perlwein, sondern ein Wein mit Herkunft, Geschichte und Profil.
Gerade das macht ihn so interessant. Hinter dem spritzigen Glas steckt ein Produkt, das eng mit Region, Tradition und modernem Weinverständnis verbunden ist. In Projekten wie Cheers & Cheese to EU wird genau dieser europäische Gedanke sichtbar: Prosecco DOC als Teil einer Genusskultur, die Herkunft und Lebensfreude zusammenbringt.
Die Rebsorte Glera
Was viele als Prosecco‑Traube bezeichnen, heisst heute offiziell Glera. Das ist die Hauptrebsorte, aus der Prosecco DOC gemacht wird. Sie bringt genau jene Eigenschaften mit, die Prosecco so beliebt machen: Frische, feine Frucht, Blütenaromen und eine lebendige Säure.
Typisch sind Noten von grünem Apfel, Birne, Zitrus, weissen Blüten und manchmal ein Hauch von Melone. Glera ist keine laute Diva, sondern eine Rebsorte mit Eleganz und Klarheit. Und genau deshalb eignet sie sich so gut für einen Schaumwein, der Frische zeigen soll, ohne schwer zu wirken.
So entsteht Prosecco
Prosecco wird in der Regel mit der Charmat‑ oder Martinotti‑Methode hergestellt. Dabei findet die zweite Gärung nicht in der Flasche statt, sondern in Drucktanks aus Edelstahl. Das hat einen grossen Einfluss auf den Stil: Die fruchtigen, frischen Aromen bleiben erhalten und der Wein wirkt leichter und direkter (das mag ich an ihm, diese Direktheit) als viele traditionell in der Flasche vergorenen Schaumweine.
Genau das ist der Grund, warum Prosecco so oft nach Frühling, Apéro und unkompliziertem Genuss schmeckt. Es geht nicht um schwere Hefearomen oder lange Reife im Stil eines Champagners, sondern um Frische, Trinkfluss und eine animierende Perlage. Prosecco soll nicht beeindrucken, indem er kompliziert ist. Er überzeugt, weil er gut gemacht und herrlich zugänglich ist. Ich finde Prosecco grundsätzlich auch ziemlich cool, wenn man nicht gleich 50 Franken für eine Flasche Champagner ausgeben kann oder will.
Warum man Prosecco trinken sollte
Weil er das Leben ein wenig heller macht! Prosecco ist ein Wein für Momente, die leicht sein dürfen: Ein Apéro mit Freunden, ein spontanes Abendessen, ein Sommerabend auf der Terrasse oder ein kleiner Feiermoment ohne spezifischen Anlass. Er bringt genau jene Mischung aus Eleganz und Unkompliziertheit mit, die man in vielen Situationen schätzt.
Besonders schön ist Prosecco auch am Tisch. Er passt zu Antipasti, Meeresfrüchten, frittierten Häppchen, leichten Pastagerichten, Gemüse, mildem Käse und natürlich zu einem feinen Apéro mit Grissini, Oliven oder Prosciutto. Und wenn ein Wein gleichzeitig leicht, freundlich und vielseitig ist, dann ist er nur sehr selten fehl am Platz.
Cheers & Cheese
Ich habe Prosecco auch in meinem Beitrag zu Cheers & Cheese to EU wieder sehr bewusst als Teil eines kulinarischen Zusammenspiels erlebt. Dort traf Prosecco DOC auf Grana Padano DOP – eine Kombination, die nicht nur gut klingt, sondern auch geschmacklich Sinn ergibt. Der Käse bringt Würze und Tiefe, der Prosecco Frische und Leichtigkeit. Zusammen entsteht Balance.
Das ist auch ein schönes Beispiel dafür, wie man Prosecco über den Apéro hinaus denken kann. Er ist kein Wein, der nur allein im Glas funktioniert. Er kann Speisen heben, Texturen begleiten und salzige wie cremige Komponenten wunderbar ausgleichen.
Brilla! von Botter
Ein Prosecco, der mir besonders aufgefallen ist, ist Brilla! Prosecco DOC von Casa Vinicola Botter. Botter ist ein familiengeführtes Unternehmen aus Venetien mit langer Tradition im Weinhandel und Export. Brilla! ist dabei nicht nur ein Produktname, sondern ein kleines Stil‑Statement.
Das Auffällige an Brilla! ist zuerst die Flasche: geschliffen, markant und sofort wiedererkennbar. Sie wirkt fast wie ein Designobjekt auf dem Tisch. Dann natürlich das mega glitzernde (brillierende) Etikett. Im Glas zeigt Brilla! den klassischen Prosecco‑Charakter: hell strohgelbe Farbe, fruchtige Nase mit Zitrusnoten, feine Perlage und ein leichter, sauberer Auftritt am Gaumen. Es gibt ihn übrigens auch noch als Rosé, der dem regulären Prosecco in nichts nachsteht.
Brilla! ist damit ein guter Vertreter eines modernen Prosecco‑Stils: hübsch anzusehen, aber nicht bloss Show. Der Inhalt hält mit dem Äusseren mit. In der Schweiz findest du ihn in der Regel bei DENNER im Regal. In Deutschland u.a. bei REWE.
Prosecco mit Stil
Prosecco ist heute definitiv mehr als ein spritziger Klassiker für den Apéro. Er steht für Herkunft, Stil und eine Genusskultur, die leicht wirkt aber nicht oberflächlich ist. Gerade darum ist er so beliebt: Er bleibt zugänglich, ohne banal zu werden.
Brilla! von Botter zeigt, wie modern Prosecco heute auftreten kann, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Und genau das ist vielleicht das Schönste an diesem Wein: Er erinnert uns daran, dass Genuss nicht kompliziert sein muss, um gut zu sein. Ein gutes Glas Prosecco reicht manchmal völlig aus.
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