Freitagsflasche: Gourmandise 2023

Freitagsflasche: Gourmandise 2023

Wir wissen nicht mehr, wo wir diese Flasche Wein gekauft, oder ob wir sie als Geschenk erhalten haben. Meiner Meinung nach habe ich den im Coop aus dem Regal geholt, finde ihn aber online nicht. Peinlich ich weiss, aber so ist das Leben, wenn du viele Flaschen Weine degustierst.

Nun denn! Dieser leckere Tropfen hat auch hinhalten müssen, um den Coravin (wieder) zu testen. Darüber gibt es übrigens einen Mittwochsblogpost. Und damit das jetzt nicht eine Litanei wird, geht es gleich los mit den ganzen Deugnoten für diesen phantastischen Rotwein.

Gourmandise 2023

Beaumes de Venise
Appellation Beaumes de Venise Controllée

Traubensorte: Grenache, Syrah
Alkohol: 14%
Farbe: Scharlachrot

Nase: Zwetgsche, Gewürze, Leder, Speck, Veilchen, Trüffel, grüne Paprika und Tabak
Mund: Eine gute Säure und sehr wenig Tannin, trink ihn kühl bei 17° C, fruchtig mit „Snap“ und passt super zu Bündnderfleisch, einem kalten Schweinsbraten. Ein Wein den man auch nur so trinken kann. Geht auch wunderbar zu Snacks und ist grundsätzlich ein Wein ohne Gedöns.

Seine Geschichte ist witzig:

Da sitzt du also mit einem Glas in der Hand, willst dir gerade etwas Kluges über diesen Wein zurechtlegen, und im nächsten Moment hat dein Hund beschlossen, dass jetzt der falsche Zeitpunkt für jede Form von Konzentration ist. Die Pointe war da, aber sie ist in derselben Sekunde wieder verduftet. So ungefähr fühlt sich Gourmandise 2023 an, ein Wein, der dir zuerst ein Lächeln schenkt und dann einfach macht was er will.

Denn während der Mont Ventoux in der Ferne flimmert und die Luft über den trockenen Hügeln von Beaumes-de-Venise steht wie eine Fata Morgana, weht einem schon beim ersten Schluck dieser Duft von südlicher Würze entgegen. Ein bisschen Marktstand zwischen Kräutern, Trockenfrüchten und schwarzem Pfeffer, ein bisschen staubige Strasse am Rand der Provence, ein bisschen Rennrad-Tempo wie an der Tour de France, wenn das Peloton durch diese windgepeitschte Landschaft schiesst und alles nach Sonne, Stein und Abenteuer schmeckt.

Und genau so schmeckt auch dieser Wein, nicht geschniegelt, nicht auf Hochglanz poliert, sondern mit Ecken, Charme und einer schönen Portion Direktheit. Ein Glas davon, und plötzlich ist da diese Mischung aus Würze, Frucht und leichtem Provokationspotenzial, als wolle der Wein sagen „Nimm mich nicht zu ernst, aber unterschätz mich auch nicht“. Vielleicht ist das seine Geschichte. Solltest du mal die Gelegenheit haben, ihn selber zu trinken, schreib mir eine E-Mail und lass uns deine Geschichte dazu wissen. Wir sind gespannt!

Der Song zum Wein

P.S. Die "Sängerin" hat das mit den französischen Namen noch nicht so gut drauf 😉

Wo kaufen wir eigentlich unseren Wein?

Wo kaufen wir eigentlich unseren Wein?

Es gibt ja diese grossen Lebensfragen, die uns Weinmenschen früher oder später beschäftigen. Welche Rebsorte passt zu welchem Gericht? Ist Naturwein jetzt Befreiung oder Verwirrung? Und vor allem, wo kaufen wir eigentlich unseren Wein am liebsten ein?

Die Antwort ist natürlich nicht ganz so simpel, wie man im ersten Moment denken könnte. Denn Wein kaufen ist längst nicht nur eine Frage von «guter Ort» oder «schlechter Ort». Es ist eine Frage von Stimmung, Budget, Nähe, Beratung, Lust auf Entdeckung und (seien wir ehrlich) auch ein bisschen Bequemlichkeit. Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Einkaufsorte. Vom Supermarkt um die Ecke bis zum Fachhandel mit goldenem Händedruck.

Der schnelle Griff bei Coop und Denner

Fangen wir bei den ganz normalen Alltagshelden an: Coop und Denner. Die Orte, an denen man eigentlich wegen Putzmittel, Zopf oder Joghurt hineingeht und mit einer Flasche Wein wieder herauskommt. Oder mit zwei. Oder mit einem «nur schnell schauen» noch durch die Weinabteilung huschen und dann doch mit einem Vermentino und zwei Rotweinen im Einkaufswagen wieder davonmarschieren.

Gerade wegen der unmittelbaren Nähe kaufen wir zum Beispiel unsere Weine auch gern dort ein. Nicht, weil wir keine anderen Optionen hätten. Sondern weil das Leben manchmal einfach sagt «Mach’s unkompliziert.» Was imfall völlig legitim ist. Wein darf nämlich auch alltagstauglich sein. Nicht jede Flasche muss eine epische Herkunftsgeschichte haben, muss man den Rebberg persönlich kennen oder mit einer philosophischen Note aufwarten.

Coop hat dabei oft eine recht breite Auswahl. Dort findet man Weine aus verschiedenen Ländern und Regionen, dazu Rot-, Weiss- und Roséweine, Schaumweine und je nach Saison auch hübsche Aktionen. Coop ist ein bisschen der Wein-Supermarkt mit dem erhobenen Zeigefinger im besten Sinn: «Schau, da gibt es mehr, als du eigentlich gesucht hast.» Und wenn du es an die Abende oder Wochenenden triffst, bei dem die Weindegufrau vor Ort ist, kannst du gleich degustieren und shoppen. No gäbig.

Denner hingegen spielt oft die Karte Preis, Tempo und Einfachheit. Das ist nicht spektakulär, aber sehr sympathisch. Denn manchmal braucht man eben genau das, eine solide Flasche, die nicht gleich das Haushaltsbudget in den Feierabend schickt. Und ehrlich gesagt, gibt es nichts doofes daran, Wein dort zu kaufen, wo man sowieso schon ist. Das ist ja keine Beichtstube, sondern Einkaufskultur.

Der Fachhandel mit Seele

Dann gibt es den Fachhandel. Den Ort, an dem die Weinwelt plötzlich etwas leiser spricht und gleichzeitig deutlich mehr weiss. Hier wird nicht einfach nur verkauft, hier wird erzählt, erklärt, empfohlen, eingeordnet und manchmal auch liebevoll korrigiert.

Im Fachhandel spürt man oft schnell, dass da jemand steht, der Wein nicht einfach ins Regal stellt, sondern mit ihm lebt. Und das ist wunderschön. Man bekommt dort Beratung, Hintergrundwissen und oft die Gelegenheit, Weine zu entdecken, die man im normalen Alltag nie gefunden hätte. Fachhandel ist für Weinmenschen ein bisschen wie die Buchhandlung für Leseratten, gefährlich schön und meistens nicht ganz billig.

Der Nachteil? Wer nur rasch etwas zum Abendessen braucht, ist dort manchmal etwas zu sehr in der Genusszone unterwegs. Plötzlich redet man über Terroir, Ausbau und Handlese, obwohl man ursprünglich einfach nur einen Wein für Pasta wollte. Auch das ist Weinleben.

Direkt beim Winzer

Und dann wäre da noch der schönste aller Einkaufsorte! Direkt beim Winzer. Das ist nicht einfach ein Kauf, das ist fast schon eine kleine Liebeserklärung an das Produkt. Man sieht, wo der Wein herkommt, trifft die Menschen dahinter, hört Geschichten, probiert und fährt im besten Fall mit ein paar Flaschen und sehr guter Laune wieder nach Hause.

Direktkauf ist herrlich persönlich. Der Wein schmeckt oft gleich doppelt gut, wenn man weiss, wer ihn gemacht hat und wo er gewachsen ist. Der Nachteil? Nun ja, man muss halt hinfahren. Und nicht jede und jeder hat das Weingut gleich vor der Haustüre. Aber wenn es sich ergibt, dann ist das eine der schönsten Formen des Weinkaufs überhaupt.

Online kaufen, weil der Klick verlockt

Natürlich dürfen wir den Onlinehandel nicht vergessen. Er ist praktisch, schnell und bietet oft eine riesige Auswahl. Perfekt für alle, die gerne vergleichen, stöbern und sich in Weinlisten verlieren, ohne das Sofa zu verlassen. Das ist bequem - und manchmal auch gefährlich - weil aus «nur kurz schauen» ganz schnell ein Warenkorb mit Charakter wird.

Online kann man in Ruhe auswählen, Preise vergleichen und gezielt nach Regionen, Produzenten oder Rebsorten suchen. Der Nachteil ist allerdings klar. die Flasche bleibt digital, bis sie vor der Haustüre steht. Es gibt kein spontanes Probieren, keine echte Beratung. Aber für gezielte Käufe ist das völlig in Ordnung. In der Schweiz ist die Flaschenpost eine gute Wahl, da sie rund 15'000 Weine aus aller Welt von verschiedenen Händlern im Angebot hat.

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Unser ganz normaler Weinalltag

Das finde ich cool, es gibt nicht den einen richtigen Ort, um Wein zu kaufen. Es gibt nur den Ort, der in der jeweiligen Situation am besten passt.

Für den Alltag? Coop oder Denner, ganz entspannt.
Für Beratung und Entdeckung? Fachhandel.
Für Erlebnis und Herkunft? Direkt beim Winzer.
Für gezielte Suche und bequemen Nachschub? Online.

Und wie bereits erwähnt, wir kaufen unsere Weine oft bei Coop und Denner ein. Dies insbesondere, weil wir beide Läden direkt vor der Haustüre haben. Was mit ein Grund ist, dass wir bei der Freitagsflasche öfters eine von dort für dich degustieren und darüber berichten.

Am Ende ist Wein kaufen ein bisschen wie das Leben selbst, mal spontan, mal geplant, mal vernünftig, mal voller Versuchung. Hauptsache, es macht Freude! 

Und wenn dann auf dem Tisch eine Flasche steht, die genau zum Moment passt, dann ist es eigentlich völlig egal, ob sie mit Fachhandelsglanz, Winzerpoesie oder Coop- und Denner-Alltagsetikette zu uns gekommen ist.

Hauptsache, sie wird getrunken. Und zwar mit Genuss.

Darum sagen wir heute: Salute auf dich, das Leben und die Freude daran.


FAQ

Wo kauft man Wein in der Schweiz am besten?

Das hängt davon ab, was dir wichtig ist. Für den Alltag sind Coop und Denner praktisch, für Beratung und besondere Entdeckungen ist der Fachhandel ideal, und direkt beim Winzer bekommst du viel Nähe zur Herkunft.

Ist es okay, Wein bei Coop oder Denner zu kaufen?

Ja, absolut. Wein darf alltagstauglich sein, und gerade für spontane Käufe, den Wocheneinkauf oder unkomplizierte Flaschen sind Coop und Denner sehr passend.

Was ist der Vorteil vom Fachhandel?

Der Fachhandel bietet meist mehr Beratung, mehr Hintergrundwissen und oft eine spannendere Auswahl. Besonders bei besonderen Anlässen oder wenn du etwas Neues entdecken möchtest, ist das ein grosser Vorteil.

Warum lohnt sich der Kauf direkt beim Winzer?

Direkt beim Winzer kaufst du mit mehr Nähe zum Produkt. Du lernst die Menschen hinter dem Wein kennen, erfährst mehr über Herkunft und Ausbau und bekommst oft Weine, die du im Handel nicht findest.

Ist Online-Weinkauf eine gute Lösung?

Ja, wenn du gezielt suchst oder gerne vergleichst. Online hast du oft eine grosse Auswahl und bequeme Lieferung, aber du verzichtest auf direkte Beratung und das spontane Degustieren.

Was ist der Unterschied zwischen Coop und Denner beim Weinkauf?

Coop führt oft eine breitere und stärker kuratierte Auswahl und bietet auch Punktuell Weindegustationen an, während Denner häufiger mit Preis, Aktionen und unkompliziertem Einkauf punktet. Beide eignen sich gut für den Alltag.

Sollte man Wein lieber nach Preis oder nach Anbieter kaufen?

Am besten nach dem Anlass und dem eigenen Bedürfnis. Für eine schnelle Flasche darf es günstig und praktisch sein, für ein Geschenk oder eine besondere Mahlzeit lohnt sich oft ein spezialisierter Anbieter.

Was ist die beste Einkaufsstrategie für Wein?

Eine Mischung ist meist am sinnvollsten: Coop oder Denner für den Alltag, Fachhandel für Beratung, Winzer für Erlebnisse und Online für gezielte Suche.

Freitagsflasche: Tavel 2025

Freitagsflasche: Tavel 2025

Erinnerst du dich an den Blogpost über Rosé reloaded? Nein? Dann findest du ganz am Ende dieses Posts den passenden Link. Jedenfalls erkläre ich darin, wie Rosé hergestellt wird und recht viel über die verschiedenen Arten. Es gibt sogar einen Podcast darüber.

Im Rosé Blogpost, erwähne ich den Tavel. Damit du nicht gleich rüberswitchen musst, um zu wissen von was ich heute rede, hier ein Kurzausschnitt:

Tavel & strukturierte Rosés – ein Rosé, der mit am Tisch sitzen will

Und dann gibt es die Rosés, die nicht nur hübsch aussehen wollen, sondern ganz klar am Esstisch mitdiskutieren. Klassische Vertreter findest du etwa in Tavel (Rhône) oder in manchen Regionen wie dem Burgenland oder Südfrankreich. Hier wird mit längerer Maischestandzeit, höherem Extrakt und teilweise auch mit Holzausbau gearbeitet.

Die Weine sind dunkler in der Farbe, dichter im Mundgefühl, würziger und mit spürbarer Tanninstruktur. Sie erinnern ein bisschen an leichte Rotweine, behalten aber die saftige, kühle Frische eines Rosés. Genau die richtige Wahl für Grilladen, Lamm, mediterrane Küche oder kräftigere Mezze; also dann, wenn der „Balkonrosé“ aromatisch einfach zu leicht wäre.

Jetzt muss ich ein bizzi ausholen! Serge ist ja bekanntlich ein grosser Radrennfan und damit natürlich darf da die Tour de France nicht fehlen. Diese pedalten in diesem Jahr recht nahe der Schweizer Grenze durch. Genauer bei Les Rousses. Wir fuhren also am Samstag hin, suchten uns einen gäbigen Platz für den Van, um dann darin zu übernachten. Dies (haben wir am Tag danach festgestellt) übrigens nur 30 Meter hinter der Schweizer Grenze. Genauer an der Waadtländer Grenze.

Damit wir an diesem abgelegenen Parkplatz etwas zu futtern hatten, war ein Halt beim Intermarché in Les Rousses Pflicht. Nebst leckerem Käse, Paté etc. fand ich per Zufall in der Weinabteilung einen Tavel. Logo griff ich da zu! Schon nur, um dir darüber berichten zu können.

Retour vom mega spannenden Rad Event, degustierten wir diese Woche nun den

Tavel 2025

AOP, Cru des Côtes du Rhône

Alkohol: 13.5 %
Farbe: Ziegelrot

Nase: rote Beeren, Himbeeren, Meertrübeli (rote Johannisbeeren, grüne Melone und grüne Pepperoni
Mund: fruchtig, erfrischend, süffig, rund und mineralisch. Letzteres hat er dem Boden aus Kalkstein mit Meeresediment zu verdanken. 

Ein Wein, den man auch ohne etwas trinken könnte, mit etwas fettigem, würzigen Essen aber alles aus ihm rausholt.

Seine Geschichte geht so:

Er kommt zu spät. Natürlich kommt er zu spät. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil irgendwo unterwegs ein Gespräch spannender war als die Uhr. Als er dann endlich auftaucht, bringt er die Abendluft mit sich, ein wenig Sonne und dieses unbestimmte Gefühl von Ferien, das plötzlich im Raum liegt.

Er küsst links, küsst rechts, lacht, sagt irgendetwas auf Französisch, das nicht alle verstehen, aber alle mögen. Und ehe man sich versieht, steht er nicht mehr am Rand. Denn er war nie für den Rand gemacht. Er gehört dorthin, wo die Gläser klirren, wo Brot gebrochen wird, wo Paté und französischer Käse die Runde machen und jemand noch schnell eine Rilette auf den Tisch stellt. Genau dort entfaltet er sich, leicht, ungezwungen, mit diesem charmanten Selbstverständnis, das alles ein bisschen einfacher macht.

Er spricht mit allen. Und er hört zu. Selbst die Stillen zieht er sanft ins Gespräch, ohne Druck, fast spielerisch. Und wenn jemand mit einem Schatten auf der Seele kommt, dann merkt er es sofort. Kein grosses Aufheben und kein Mitleid, nur ein schiefes Lächeln, ein klarer Blick und ein Satz, der plötzlich fröhlicher macht. «Komm, setz dich. Das Leben wartet nicht.» Und irgendwie tut es das auch nicht mehr. Denn mit ihm wird aus einem gewöhnlichen Abend ein bisschen klarer, ein bisschen heller und lebendiger.

Er ist keiner, der zuschaut. Er ist der, der dich mitten ins Leben zieht.

Hier noch der Link zum Blogpost über Rosé Weine und deren Herstellung.

Sein Song? Hier ist er:

PiWi in der Schweiz, Wenn die Reben neue Wege gehen

PiWi in der Schweiz, Wenn die Reben neue Wege gehen

Mittwoch ist bei Weinweib Wissensmittwoch. Also nicht „Ich hatte drei Gläser Wein und eine Meinung“, sondern „Ich hatte drei Gläser Wein, eine Meinung und dann habe ich nachgelesen“. Heute geht es um PiWi. Diese Reben, die klingen wie ein neuer Fitnessdrink, in Wirklichkeit aber ziemlich viel mit der Zukunft des Weinbaus zu tun haben.

Und nein, PiWi ist kein Trend, der verschwindet, sobald der nächste Orange Wine Hype durch ist. PiWi bleibt. Wie überbackenes Baguette im Bistro und ein Glas Chardonnay beim Apéro.

Was zum Geier ist PiWi?

PiWi steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Also Reben, die von Natur aus weniger Probleme mit Krankheiten wie echtem und falschem Mehltau haben und auch mit Graufäule besser zurechtkommen. Man kann sich das vorstellen wie Reben mit einem stärkeren Immunsystem, der Winzer muss weniger eingreifen und die Rebe erledigt einen Teil der Arbeit selbst.

Wichtig, PiWi ist kein eigener Geschmack. Es gibt kein spezielles „PiWi Aroma Rad“ und keine Formel, nach der PiWi immer gleich schmeckt. Im Glas sind PiWi Weine so unterschiedlich wie alle anderen auch, je nach Sorte, Lage, Ertrag, Ausbau und der Person, die dahintersteht.

Wenn dir also jemand sagt „Ich mag PiWi nicht“, frag zuerst „Welchen denn genau?“ Alles andere wäre, als würdest du nach einem schlechten Merlot behaupten, alle Rotweine seien schlecht.

Reben Drama, Wie PiWi entstanden ist

Kleiner Ausflug in die Geschichte. Erinnerst du dich an meinen Blogpost über die Reblaus? Dort habe ich erzählt, wie im 19. Jahrhundert die Reblaus nach Europa kam und riesige Teile des Weinbaus zerstört hat. Ganze Weinberge gingen zugrunde, Winzer waren verzweifelt und die Weinwelt musste sich neu sortieren.

Aus dieser Zuchtarbeit entstanden im Lauf der Zeit die modernen PiWi Sorten. Sie sind keine Produkte aus dem Labor, sondern Resultat klassischer Züchtung, über Jahre oder Jahrzehnte getestet, selektioniert, viele Kandidaten wieder verworfen, bis ein paar wenige wirklich überzeugt haben. Ein bisschen wie Dating im Rebberg, viele Versuche, bis es klick macht.

PiWi in der Schweiz, klein im Anteil, gross in der Wirkung

Jetzt wird’s lokal, Schweiz, PiWi, Weinweib, das ergibt eine spannende Kombination.

In der Schweiz stehen heute ein paar hundert Hektar PiWi Reben, etwa 3,5% der gesamten Rebfläche. Das klingt nach wenig, ist aber beachtlich, wenn man bedenkt, wie jung viele dieser Sorten sind. Während in einigen klassischen Regionen noch darüber gestritten wird, ob man überhaupt neue Reben zulässt, baut die Schweiz PiWi still und konsequent aus.

Mein Lieblingsbeispiel ist Luzern. Dort sind schon rund 40% der Rebfläche mit PiWi bepflanzt. Vierzig Prozent. Das ist nicht „Wir probieren mal etwas aus“, das ist „Wir haben verstanden, wohin die Reise gehen könnte“. Wenn du PiWi Weine probieren willst, darf Luzern auf deiner mentalen Karte gern rot markiert sein.

Auch im Wallis sind mehrere PiWi Sorten offiziell im AOC Katalog. Divico ist dort anerkannt, dazu kommen weitere robuste Sorten. Das heisst, PiWi steht nicht als „Versuchswein“ in der Ecke, sondern trägt Herkunftsnamen und gehört ganz normal ins Sortiment.

Die Schweizer PiWi Gang, Wer im Glas auftaucht

Damit es nicht abstrakt bleibt, hier ein paar PiWi Sorten, denen du früher oder später begegnen wirst.

  • Divico, dunkler, kräftiger Rotwein aus einer Schweizer Neuzüchtung. Viel Farbe, sattes Tannin, deutliches Aromaprofil. Wenn Divico ein Mensch wäre, wäre er derjenige, der beim Raclette die Pfännchen übernimmt und dafür sorgt, dass alle satt und zufrieden sind.
  • Divona, die weisse Schwester im PiWi Universum. Sie reift früh, zeigt Zitrusnoten, Rosen und manchmal einen leichten Tropen Touch. Ein idealer Apéro Wein, aber nicht darauf beschränkt. Perfekt für alle, die beim Probieren gern sagen „Was ist das, das ist spannend“.
  • Cabernet Jura, roter PiWi, der in der Schweiz gut Fuss gefasst hat. Im Duft und Geschmack irgendwo zwischen Cassis, Sauerkirsche und einem Hauch Paprika, dazu eine solide Struktur. Ein schönes Beispiel dafür, dass PiWi durchaus klassisch wirken kann.
  • Regent, international einer der bekannten PiWi Vertreter, auch im Wallis vorhanden. Viel Farbe, dunkle Frucht, oft im Cuvée eingesetzt. Regent ist der Bandkollege, der nicht auf dem Plakat vorne drauf ist, aber den Sound zusammenhält.
  • Johanniter, weisse PiWi Sorte mit frischer Zitrusaromatik und etwas Pfirsich. Gut geeignet für biologisch bewirtschaftete Weinberge. Ein Wein, der sich entspannt wegtrinkt, ohne laut zu sein, ideal für heisse Tage und unkomplizierte Abende.
  • Solaris, reift früh und zeigt Aromatik von Zitrus bis tropischer Frucht. Aus guten Lagen können sehr konzentrierte Weissweine entstehen. Solaris ist ein starkes Argument dafür, dass PiWi keine Notlösung, sondern eine echte Stilentscheidung sein kann.
  • Muscaris, verwandt mit Muscat, also Blumigkeit, Gewürz und Frucht. Entweder man liebt diesen Stil oder man denkt „Das ist mir zu viel“. In guten Händen kann Muscaris aber richtig Spass machen und bietet spannende Möglichkeiten beim Foodpairing.
  • Souvignier Gris, rosafarbene Trauben, meist weiss gekeltert. Exotische Frucht, angenehme Säure und ideal für Winzer, die gerne ein bisschen aus dem gewohnten Schema ausbrechen.

Dazu kommen viele weitere PiWi Sorten auf kleineren Flächen, Bianca, Bronner, Léon Millot, verschiedene Cabernet Kreuzungen und mehr. Eine ideale Spielwiese für Degustationen, bei denen man am Ende denkt „Warum steht da nicht einfach Achtung, macht süchtig?“ Gäu das ist mega spannend!

Wo diese Reben stehen und wo du hinfahren kannst

PiWi in der Schweiz passiert nicht im Hinterzimmer eines Labors, sondern mitten in realen Weinlandschaften.

  • In Luzern, wo fast die Hälfte der Rebberge bereits PiWi ist, eine Region, die sich hervorragend für eine PiWi Tour eignet.
  • Im Wallis, wo PiWi Sorten AOC Status haben und mit Namen wie Divico, Regent, Solaris oder Johanniter in der Herkunftsliste auftauchen.
  • Am Zürichsee, zum Beispiel im Rebberg der Martin Stiftung, wo ausschliesslich PiWi angebaut wird, Cabernet Noir, Cabernet Jura, Divico und andere.
  • In St. Gallen, wo Betriebe wie Bosshart + Grimm PiWi in spannender Topographie einsetzen.
  • Im Aargau, wo FiBL PiWi im Rahmen von Forschungsprojekten und Praxiserfahrungen ins Glas bringt, Weinbau der Zukunft zum Probieren.
  • In Genf, wo Sorten wie Divico und Divona nach und nach ihren Platz finden und man Entwicklungen sehr gut über mehrere Jahrgänge beobachten kann.

Und wie schmeckt das jetzt, die grosse PiWi Frage

Vielleicht fragst du dich inzwischen „Alles schön und gut, aber schmeckt das?“ Die Antwort ist, es kommt darauf an, wie bei jedem Wein. Es gibt PiWi Weine, die völlig vertraut wirken, in einer Blindprobe würdest du kaum auf die Idee kommen, dass es sich um eine besondere Sorte handelt. Andere wirken eigenständiger, mit neuen Aromabildern, die man erst einordnen muss. Wieder andere sind noch in einer Art Findungsphase, die Sorte ist jung, der Winzer probiert, das Ergebnis ist interessant, manchmal aber noch etwas unruhig.

Für Menschen, die gerne degustieren, ist PiWi eine Einladung, das eigene Bewertungsraster etwas zu lockern, weniger feste Regeln, mehr Offenheit. Die Weinwelt verändert sich, Themen wie Biodiversität, Klimaveränderung und Ressourcen sind nicht mehr theoretisch. Es wäre seltsam, wenn die Reben darauf gar nicht reagieren würden.

Was du mit PiWi machen kannst

Für mich ist PiWi keine neue Schublade im Shop, sondern eine sehr dankbare Spielwiese.

  • PiWi Vertikale, gleiche Sorte, gleiche Region, verschiedene Jahrgänge, so spürst du, wie sich eine PiWi Rebe über die Jahre entwickelt.
  • PiWi vs. Klassiker, Divico neben Pinot Noir, Divona neben Chasselas, nicht als Wettbewerb, sondern als Gespräch im Glas, was verändert sich, was bleibt ähnlich.
  • Foodpairings, Muscaris zu orientalischer Küche, Solaris zu alpinen Käsen, Divico zu dunkler Schweizer Schokolade, hier ist viel Raum für neugieriges Probieren.

Und natürlich Geschichten, Winzer, die bewusst umdenken, Böden, die davon profitieren, Landschaften, die nicht von kurzfristigen Lösungen leben. PiWi ist nicht nur eine Rebsorte, PiWi ist ein Statement, wie Weinbau auch aussehen kann.

PiWi Shopping Tipps

Damit du nicht nur liest, sondern auch probieren kannst, hier ein paar Adressen, wo PiWi in Flaschen gefüllt auf dich warten.

  • Solaris, Souvignier Gris, Seyval Blanc und Les Cabernets von Bosshart + Grimm und FiBL über den amiata Onlineshop.
  • Divico „Nachtreiher“ und Solaris Süsswein von Diroso im eigenen Diroso PiWi Shop.
  • Burg Rheineck, Léon Millot vom Weingut am Steinig Tisch, Roman Rutishauser, in Thal.
    Dunkel, dicht, würzig fruchtig, mit der Süsse reifer Früchte und einem Jahr im kleinen Holz, direkt beim Weingut am Steinig Tisch, Burg Rheineck Léon Millot. Ein PiWi, der nicht Experiment sagt, sondern, ich bin da, setz dich hin und hör zu. Fun Fact, diesen Wein hatten wir während der ganzen Zeit, in der wir unseren eigenen Online Shop geführt haben, im Sortiment, so etwas wie unser heimlicher PiWi Hauswein. Roman's Weine können wir übrigens sehr empfehlen! Da ist pure Handarbeit mit Leidenschaft und Weinwissen kombiniert.

Am Ende von all dem bleibt für mich vor allem eines, PiWi Reben sind kein exotischer Nebenschauplatz, sondern ein ernstzunehmender Vorgeschmack auf den Weinbau der Zukunft, nicht laut, nicht spektakulär inszeniert, aber mit dem stillen Selbstbewusstsein von Reben, die sagen, wir kommen klar, auch wenn das Klima nicht mehr so nett ist wie früher.

Für uns im Glas heisst das, neugierig bleiben. Nicht jede PiWi Flasche wird zur grossen Liebesgeschichte, aber viele sind genau das, was wir gesucht haben, ohne es zu wissen, spannend, robust und manchmal charmant unperfekt. Und ja, hin und wieder auch eine Sorte, bei der man denkt, bitte mehr davon.

Wenn du das nächste Mal vor einem Gestell oder im Onlineshop stehst und wählen musst zwischen „kenn ich, trink ich immer“ und einer PiWi Flasche mit unbekanntem Namen, gib der neuen Sorte eine Chance. Vielleicht ist genau dieser Wein der Moment, in dem du merkst, wie spannend es sein kann, wenn der Blick ein Stück über die üblichen Verdächtigen hinausgeht.

Freitagsflasche: Chasselas Low Alcohol im Test – Terrasse 2025

Freitagsflasche: Chasselas Low Alcohol im Test – Terrasse 2025

Die Freitagsflasche ist da und heute wird’s leicht. Also so richtig leicht. Fast schon verdächtig leicht. Wir sind nämlich über den Terrasse 2025 AOC La Côte, einen Chasselas aus der Schweiz, gestolpert. Ein low alcohol Wein mit nur 10% Alkohol. Früher hätte man gesagt: „Und wo ist der Rest geblieben?“

Terrasse 2025 – Grand Cru, AOC La Côte

Klingt schon nach Dolce Vita, oder? Fehlt nur noch der See, die Sonnenbrille und jemand, der dir den Alltag vom Leib wedelt.

Und keine Angst: Das hier ist kein komisches 0%-Experiment aus dem Labor. Das ist ganz normaler Wein. Einfach mit etwas weniger Wumms was ihn gerade ziemlich sexy macht.

Alkohol: 10%
Farbe: Lindenblüten

Nase: Aprikose, Birne, Holunderblüten und so ein Hauch Vanille, der sagt: „Ich könnte auch anders, aber ich will heute nicht.
Mund: Frisch, fruchtig, leicht mineralisch, ein bisschen Zitrus und vor allem unglaublich easy drinking. Die 10% merkt man, aber eher so wie ein leichter Flirt. Nicht wie eine toxische Beziehung.

Das ist der Wein, den wir trinken, wenn wir eigentlich nur „ein Glas“ wollten… und plötzlich ist die Flasche leer. Upsi. Er erinnert ein bisschen an einen gespritzten Weisswein, einfach ohne Verwässerung. Süffig, harmonisch und gefährlich unkompliziert.

Passt imfall perfekt zu Sushi! Wir haben das getestet, wie das Bild beweist.

Dieser Wein ist nichts für schwere Gedanken. Der ist für barfuss auf der Terrasse abhängen, leicht zerzauste Haare und dieses „Mir doch egal, wir bleiben noch ein bisschen“.

Und natürlich hat er uns wieder eine Geschichte erzählT

Du kennst sie sicher noch. Die Frau aus der Raffaello-Werbung. Immer ein bisschen zu perfekt, immer irgendwo zwischen Meeresbrise und „Ich habe nie Stress“. Genau sie sitzt da. Oder zumindest ihre leicht realistischere Cousine.

Eine Terrasse, irgendwo am Wasser. Vielleicht am Genfersee. Vielleicht auch einfach an einem Ort, der sich genau so anfühlt. Weisses Metalltischchen. Leicht verwittert, aber stilvoll. Darauf: ein gekühltes Glas „Terrasse“. Sie trägt einen oragen, breitkrempigen Strohhut, der perfekt zur Abendsonne passt. Die Sonnenbrille ist gross, elegant, ein bisschen wie eine Diva. Ihr Leinenkleid? Cremefarben, locker, bewegt sich im Wind.  Neben ihr liegt ein Buch. Offen. Ungelesen.

Weil sie gerade Wichtigeres tut. Sie nimmt einen Schluck Wein. Schliesst für einen Moment die Augen. Die Welt wird leiser. Keine Termine. Keine Nachrichten. Kein „nur schnell noch“.

Nur das entfernte Plätschern des Wassers und ein paar Schwalben, die durch den Himmel schneiden. Sie lächelt. So ein feines, kleines Lächeln. Nicht für die Kamera. Einfach für sich.

Und genau in diesem Moment verstehen wir, was dieser Wein eigentlich will: Nicht beeindrucken. Nicht überfordern. Einfach… kurz alles ein bisschen leichter machen.

Bevor ich es vergesse! Den "Terrasse" Chasselas Grand Cru bekommst du bei Denner.

Heute gibt es zur Freitagsflasche übrigens keinen Song. Ab nächster Woche kommst du dann wieder in Genuss.

Juhu, fast geschafft! 🥂 Schau jetzt schnell in dein Postfach – da wartet eine E-Mail, die nur darauf brennt von dir bestätigt zu werden. Klick drauf und schon bist du offiziell Teil der „Weinmomente“-Crew. Prost auf viele genussvolle News! 🍷