Weine für den Männerabend

Weine für den Männerabend

Vielleicht erinnerst du dich noch. Vor Jahren habe ich dir die Weine für den Weiberabend verraten. Kürzlich kam die Frage auf, was eigentlich mit den Männern sei. Stimmt! Wer käme da besser in die Kränze als Serge, um mir zu Hilfe zu eilen?

Er fand die Idee witzig und meinte, die Bierliebhaber müssten unbedingt mit ins Boot. Von mir aus. Sie dürfen ihr Bier mitbringen, wir stellen trotzdem ein paar Weingläser hin.

Was ein Männerabend-Wein können muss

Du kennst meine Meinung. Es gibt keinen «Männerwein», genauso wenig wie es einen «Frauenwein» gibt. Aber es gibt Abende, an denen Kerle zusammensitzen, essen, reden und den Grill fachkundig beaufsichtigen. Zu viert. Einer allein könnte das ja unmöglich schaffen.

Für diese Abende braucht ein Wein Charakter, Trinkfreude und die Fähigkeit, auch bei Rauch, Salz und Fett nicht gleich vom Hocker zu fallen.

Die Wein-Alternativen zum Bier

Wer sagt «Ich trinke eigentlich nur Bier», mag vielleicht die Frische, die Bitternoten oder das Malzige daran. Da lässt sich auch beim Wein was anstellen. Wir müssen ja niemandem das Bier ausreden. Nur zeigen, was sonst noch im Glas Freude macht.

Ein knackiger Weisser für Pils-Fans: Ein trockener, frischer Weisswein mit Zug könnte hier passen, etwa Chasselas, Grüner Veltliner oder Vermentino. Gut gekühlt, ohne grosses Tamtam und mit ein paar salzigen Snacks auf dem Tisch.

Da braucht es keinen Vortrag über die Rebsorte. Erst einmal schauen, ob er schmeckt.

Für Pale-Ale-Fans: Kommt mir spontan ein Sauvignon Blanc in den Sinn. Seine Zitrus- und Kräuternoten könnten auch jemanden neugierig machen, der sonst lieber zum Pale Ale greift. Nicht, weil der Wein wie Bier schmeckt, sondern weil es aromatisch etwas Vertrautes zu entdecken gibt.

Gut gekühlt einschenken und erst einmal probieren lassen. Die Frage «Und, immer noch lieber Bier?» kannst du dir für später aufheben.

Chardonnay für Weizenbier-Fans: Wer Weizenbier mag, könnte an einem Chardonnay mit etwas Schmelz Gefallen finden. Gerade bei einem klassischen Hefeweizen mit seinen Bananen- und Gewürznoten lohnt sich ein Versuch mit einem Chardonnay mit dezenter Fassreife.

Also nicht gleich die grösste Holzkeule aus dem Keller holen. Wir wollen die Bierfreunde zum Wein einladen, nicht mit einem Barrique erschlagen.

Ein würziger Roter für Dunkelbier-Fans: Hier darf ein würziger Rotwein mit etwas Kraft ins Glas, etwa ein Syrah oder ein Primitivo. Natürlich schmeckt der nicht wie das Lieblingsbier. Aber vielleicht gefällt er trotzdem.

Die Bierflasche darf zur Sicherheit auf dem Tisch bleiben. Wir sind ja nicht bei einer Umschulung.

Für alle, die es gerne sprudeln lassen: Ein trockener Schaumwein oder Crémant darf auch beim Männerabend auf den Tisch. Die Bubbles sind schliesslich nicht für Geburtstage und Frauenrunden reserviert.

Gut kühlen, einschenken, Chips dazustellen. Und falls einer fragt, was es zu feiern gibt, haben wir die Chips immerhin schon in eine Schüssel geleert. Wenn das kein Anlass ist...

Der Wein für Whiskyfreunde

Wer beim Whisky gern über Holz, Gewürze und den langen Nachhall sinniert, darf auch einmal Wein probieren. Für diesen Teil des Abends stellen wir ein anderes Glas hin.

Sherry darf wieder ans Tageslicht: Ein Amontillado oder Oloroso bringt Nuss- und Gewürznoten ins Glas. Wer Whisky aus Sherryfässern mag, könnte daran Gefallen finden.

Bitte nicht gleich abwinken, nur weil irgendwo noch die Erinnerung an eine verstaubte Sherryflasche im Wohnzimmerschrank herumgeistert. Es wäre schade, deshalb auf ein gutes Glas zu verzichten.

Tawny Port für die gemütliche Runde: Mit seinen Trockenfrucht- und Nussnoten und den Aromen der Fassreife passt ein Tawny Port in die gemütliche Runde nach dem Essen. Wenn die Teller abgeräumt sind, aber noch lange nicht alles erzählt ist.

Ein kleines Glas genügt. Wir wollen den Abend ausklingen und nicht die Gäste einschlafen lassen.

Ripasso oder Amarone für Freunde der dunklen Frucht: Wer es gern kräftiger mag, könnte bei einem Ripasso oder Amarone aus dem Veneto fündig werden. Hier geht es um dunkle Frucht und Fülle, nicht darum, einen rauchigen Whisky zu kopieren.

Die Gläser müssen deshalb nicht gleich bis zum Rand voll sein. Nachschenken ist ja nicht verboten.

Wie Holzfässer den Wein verändern, kannst du in meinem Beitrag «Was passiert im Barrique?» nachlesen.

Grill, Chips und Co.

Die Snacks entscheiden bei der Weinauswahl mit. Schliesslich macht es einen Unterschied, ob auf dem Tisch eine Schüssel Nüssli steht oder gerade jemand mit einer Platte voller Grillfleisch anrückt.

Carpineto darf mit an den Grill

Zu Grillfleisch und kräftigen Würsten kommt mir der Chianti Classico Riserva 2020 von Carpineto in den Sinn, den ich bereits vorgestellt habe. Für diesen Abend wäre er meine Wahl.

Und während rund um den Grill noch diskutiert wird, ob das Grillgut schon fertig ist, kann man sich am Tisch wenigstens bei der Flasche einig werden.

Chips und Nüssli brauchen kein Tamtam

Hier würde ich einen trockenen Schaumwein oder einen frischen Weisswein aufmachen. Unkompliziert, gut gekühlt und ohne lange Einführung. Die Chips haben schliesslich auch keinen Lebenslauf mitgebracht.

Zur Käseplatte darf es auch Rot sein

Für eine unkomplizierte Käserunde würde ich einen Gamay oder Pinot Noir bereitstellen. Was am besten passt, hängt natürlich davon ab, welche Käse auf der Platte liegen. Und falls jemand den Käse schon angeschnitten hat, bevor alle sitzen, war das selbstverständlich nur die Qualitätskontrolle.

Der Überraschungswein

Eine Flasche darf aus der Reihe tanzen. Ein Wein aus einer Region, die noch niemand kennt. Eine unbekannte Rebsorte. Oder etwas, das du selbst schon lange probieren wolltest.

Einfach auf den Tisch stellen und sagen «Probiert mal.»

Herkunft und Rebsorte kannst du danach verraten. Erst einmal interessiert mich, ob er schmeckt. Und falls ausgerechnet der überzeugte Biertrinker als Erster nach der Flasche fragt, würde ich mir ein zufriedenes Grinsen erlauben. Mehr nicht. Wir wollen ja anständig bleiben.

Carpentras, Wein im Glas, Hunde herzlich willkommen

Carpentras, Wein im Glas, Hunde herzlich willkommen

Nach einer langen Sommerpause meldet sich das Weinweib wieder retour. Und zwar gleich mit einer Idee, wohin deine nächsten Ferien führen könnten. Fahr in die Vaucluse. Genauer gesagt nach Carpentras.

Carpentras ist kein Ort, der sich geschniegelt für Touristinnen und Touristen herausputzt. Zum Glück. Es ist ein Städtchen für Menschen, die dort leben, einkaufen, arbeiten, am Nachmittag ein Glas Wein oder Ricard trinken und am Abend mit Freunden essen gehen. Das merkt man bereits bei den Supermärkten. Es geht weiter bei den kleinen Läden, beim Markt (jeweils Freitags mit allerhand Leckereien, nicht zu verpassen!), bei den Restaurants und eigentlich überall dort, wo das Leben halt so stattfindet.

Wir sind für unsere Ferien im August mehr oder weniger zufällig in Carpentras gelandet und haben uns schockverliebt. Die Lage ist schlicht genial. Orange und Avignon sind je etwa 30 Minuten mit dem Auto entfernt, Châteauneuf-du-Pape liegt fast um die Ecke und der Mont Ventoux ist ebenfalls nicht weit. Du erinnerst dich bestimmt. Tour de France, Veloleute, dramatische Bilder von Menschen, die bei gefühlt 45° C einen krassen Berg hochstrampeln.

Carpentras liegt mitten in einer Gegend, in der hinter fast jeder Kurve Reben auftauchen. Gefühlt gibt es dort hundert Domaines, wahrscheinlich sind es noch viel mehr. Einige liegen rund um die Dentelles de Montmirail, diese markanten Kalkfelsen, die aussehen, als hätte jemand die Landschaft liebevoll zerknittert. Böden, Klima und Reben erzählen überall ihre ganz eigene Geschichte. Man muss eigentlich nur anhalten, aussteigen und zuhören. Oder ein Glas Wein bestellen. Geht auch.

Und noch etwas, das wir als Hundehalter natürlich besonders schön fanden. Die Franzosen sind generell unglaublich hundefreundlich. Klar, im Supermarkt müssen die Vierbeiner draussen bleiben. Das ist auch gut so, denn zwischen Baguettes, Käse und Rosé muss nicht zwingend noch eine nasse Hundenase auf Einkaufshöhe unterwegs sein. Ansonsten durften Carina und Bella überall mit. In kleine Geschäfte, auf Weingüter, in Restaurants und Cafés. Oft wurden sie nicht nur geduldet, sondern richtig herzlich begrüsst. Ein freundliches Lächeln, ein paar nette Worte und häufig stand auch sehr schnell ein Napf Wasser da.

Für uns war das herrlich entspannt. Kein ständiges Überlegen, ob man den Hund kurz im Auto lassen kann oder ob man abwechselnd irgendwo hineingehen muss. Einfach gemeinsam unterwegs sein, durch die Gassen schlendern, einkehren, degustieren und zwischendurch ein schattiges Plätzchen suchen. So sollten Ferien mit Hund sein.

Wein, Fragen und Kooperativen

Wir waren nochmals in Vacqueyras bei Rhonéa. Aus lauter Unwissenheit waren wir zuvor auch schon bei Rhonéa in Beaumes-de-Venise. Erst beim Besuch in Vacqueyras ist uns aufgefallen, dass es sich um denselben Betrieb handelt. Man könnte sagen, wir haben uns versehentlich selbst eine kleine Rhonéa-Rundreise zusammengestellt.

Freundlich waren sie wirklich alle. Unsere Hunde wurden herzlich willkommen geheissen, wir konnten in Ruhe degustieren und natürlich sind ein paar interessante Flaschen mit uns nach Hause gereist. Das gehört sich schliesslich so.

Etwas schwieriger wurde es, sobald ich mehr über einen Wein wissen wollte. Ich bin da vielleicht auch ein wenig mühsam, aber ich möchte halt wissen, wie ein Wein entstanden ist. Bei einem Rosé interessiert mich zum Beispiel, wie lange er Kontakt mit der Maische hatte. Nicht, weil ich beim Abendessen alle belehren möchte. Gut, vielleicht ein ganz klein wenig. Sondern weil genau solche Details erklären, weshalb ein Wein so schmeckt, riecht oder im Glas diese Farbe hat.

Die Antwort war freundlich, ehrlich und ungefähr so hilfreich wie ein Regenschirm mit Löchern. Keine Ahnung, da müsse man kurz nachfragen. Das Verkaufspersonal war sehr jung und offensichtlich darauf eingestellt, Kundinnen und Kunden ohne grosse Weinkenntnisse einen passenden Wein zu verkaufen. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Wein darf und soll unkompliziert sein. Aber wenn man ein wenig tiefer in die Materie eintauchen möchte, wird es dann doch schnell dünn.

Wir haben deshalb beschlossen, künftig wieder vermehrt einzelne Winzerinnen und Winzer zu besuchen. Dort, wo man nicht einfach eine Flasche kauft, sondern etwas über die Menschen, die Böden, die Reben, den Keller und die Arbeit dahinter erfährt. Die Weine sind oft noch eine Ecke spannender. Vielleicht ist der Empfang nicht ganz so schick wie in einem grossen Verkaufsraum einer Kooperative. Dafür riecht es nach Keller, Vergärung, Holz, Kartons und Arbeit. Und wenn man Glück hat, darf man in den Weinkeller schauen und bekommt noch viel mehr mit als an einer hübschen Degustationstheke.

Promesse No 9 und ein Glückstreffer

Unser persönliches Highlight war der Besuch bei der Domaine J&D in Caromb.

Wie das manchmal so geht, waren wir am Vortag in Carpentras im Cercle 85 zum Mittagessen. Ganz ehrlich dachte ich zuerst, das sei so etwas wie ein Circolo in Italien. Also ein Ort für Einheimische, bei dem Touristinnen und Touristen draussen bleiben und sich besser unauffällig verhalten. Ich war innerlich schon darauf vorbereitet, dass man uns freundlich aber bestimmt wieder Richtung Strasse begleitet.

Stattdessen winkte uns der Besitzer fröhlich zu und führte uns in einen grandiosen Innenhof. Es war tatsächlich ein Restaurant. Und was für eines. Klein, fein, sympathisch und mit einer Menükarte, bei der man nicht schon beim Lesen einschläft. Die ganze Crew war top, das Essen ein Traum und gleich zu Beginn wurden wir gefragt, ob jemand eine Allergie oder Unverträglichkeit habe. Da musste ich leider die Hand heben. Ich habe eine hochgradige Fructoseintoleranz und bin froh, dass ich Wein trinken und sogar Trauben essen kann. Letztere allerdings besser nicht auf nüchternen Magen, sonst wird es mit der Ferienromantik recht schnell vorbei sein. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zu meinem Steak hatte ich einen sensationellen Weisswein, den „Promesse No 9“ von Domaine J&D. So gut, dass ich nicht nur einmal auf das Etikett geschaut habe. Jérémy, äusserst sympathischer Besitzer vom Cercle 85 erzählte uns, wo das Weingut liegt. Also fuhren wir am nächsten Tag nach Caromb.

Ein Weingut mit Herz

Bei Domaine J&D begrüsste uns Didier Arocas. Ein richtig cooler Südfranzose, wie man ihn sich insgeheim vorstellt, nur ohne Klischee und mit deutlich mehr Weinwissen. Da ausser Serge und mir niemand im kleinen Verkaufsladen war, wurde gefachsimpelt, gefragt, degustiert und nochmals gefragt. Genau so liebe ich das. Kein Zeitdruck, keine vorbereitete Verkaufsshow und keine Antwort auswendig gelernt. Sondern ein Gespräch über Wein, über die Familie und über die Arbeit auf dem Weingut.

Wir hatten riesiges Glück und konnten uns die letzten fünf Flaschen des weissen „Promesse No 9„ sichern. Fünf. Die Zahl klingt im ersten Moment vernünftig, bis man später zu Hause vor dem Weinkühlschrank steht und merkt, dass das irgendwie ein paar Flaschen zu wenig sind.

Didier unterstützt heute seinen Sohn Julien in der Weinherstellung und hilft auch beim Verkauf mit. Tochter Evelynie kümmert sich um den Verkauf, Marketing und, wenn ich es richtig verstanden habe, ebenfalls um die Buchhaltung. Es ist ein Familienbetrieb, bei dem alle mit anpacken. Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie die Tradition weiterführen wollen. Klein, fein und genau nach unserem Geschmack.

Über den „Promesse No 9“ wird es übrigens noch einen eigenen Blogpost geben. Versprochen. Der Wein hat das verdient.

Crillon-le-Brave und Bacchus

Wir fuhren weiter durch die Rebberge Richtung Mont Ventoux und stiessen auf Crillon-le-Brave. Ein bezauberndes Dorf, das allerdings stark von einer grossen Fünfsternehotelanlage geprägt ist. Inklusive Security, falls jemand auf die Idee kommen sollte, unerlaubt in die gepflegten Ferienwelten einzudringen.

Freundlich waren trotzdem alle. Wir schlenderten ein wenig durch das Dorf, schauten uns um und fanden leicht versteckt ein sehr gutes Restaurant mit erfreulich vernünftigen Preisen. Das allein ist in einer solchen Umgebung schon fast eine Sehenswürdigkeit.

Dazu kam dieser sensationelle Blick auf das Land und die Dentelles de Montmirail. Ein Glas Wein, gutes Essen, diese Landschaft und man ist sehr zufrieden mit seinem Leben.

Und dann steht auf dem Dorfplatz noch dieser Brunnen mit Bacchus und seinen Reben. Vom Alter und von vielen Sommern gezeichnet, ein wenig verwittert und gerade deshalb so schön. Nicht geschniegelt,  einfach romantisch.

Carpentras und die Gegend rundherum können wir dir also sehr empfehlen. Für Ferien mit gutem Essen, herzlichen Begegnungen, viel Wein, kleinen Entdeckungen und der grossen Gefahr, dass du mit deutlich mehr Flaschen Wein heimfährst als ursprünglich geplant.

Freitagsflasche: Gourmandise 2023

Freitagsflasche: Gourmandise 2023

Wir wissen nicht mehr, wo wir diese Flasche Wein gekauft, oder ob wir sie als Geschenk erhalten haben. Meiner Meinung nach habe ich den im Coop aus dem Regal geholt, finde ihn aber online nicht. Peinlich ich weiss, aber so ist das Leben, wenn du viele Flaschen Weine degustierst.

Nun denn! Dieser leckere Tropfen hat auch hinhalten müssen, um den Coravin (wieder) zu testen. Darüber gibt es übrigens einen Mittwochsblogpost. Und damit das jetzt nicht eine Litanei wird, geht es gleich los mit den ganzen Deugnoten für diesen phantastischen Rotwein.

Gourmandise 2023

Beaumes de Venise
Appellation Beaumes de Venise Controllée

Traubensorte: Grenache, Syrah
Alkohol: 14%
Farbe: Scharlachrot

Nase: Zwetgsche, Gewürze, Leder, Speck, Veilchen, Trüffel, grüne Paprika und Tabak
Mund: Eine gute Säure und sehr wenig Tannin, trink ihn kühl bei 17° C, fruchtig mit „Snap“ und passt super zu Bündnderfleisch, einem kalten Schweinsbraten. Ein Wein den man auch nur so trinken kann. Geht auch wunderbar zu Snacks und ist grundsätzlich ein Wein ohne Gedöns.

Seine Geschichte ist witzig:

Da sitzt du also mit einem Glas in der Hand, willst dir gerade etwas Kluges über diesen Wein zurechtlegen, und im nächsten Moment hat dein Hund beschlossen, dass jetzt der falsche Zeitpunkt für jede Form von Konzentration ist. Die Pointe war da, aber sie ist in derselben Sekunde wieder verduftet. So ungefähr fühlt sich Gourmandise 2023 an, ein Wein, der dir zuerst ein Lächeln schenkt und dann einfach macht was er will.

Denn während der Mont Ventoux in der Ferne flimmert und die Luft über den trockenen Hügeln von Beaumes-de-Venise steht wie eine Fata Morgana, weht einem schon beim ersten Schluck dieser Duft von südlicher Würze entgegen. Ein bisschen Marktstand zwischen Kräutern, Trockenfrüchten und schwarzem Pfeffer, ein bisschen staubige Strasse am Rand der Provence, ein bisschen Rennrad-Tempo wie an der Tour de France, wenn das Peloton durch diese windgepeitschte Landschaft schiesst und alles nach Sonne, Stein und Abenteuer schmeckt.

Und genau so schmeckt auch dieser Wein, nicht geschniegelt, nicht auf Hochglanz poliert, sondern mit Ecken, Charme und einer schönen Portion Direktheit. Ein Glas davon, und plötzlich ist da diese Mischung aus Würze, Frucht und leichtem Provokationspotenzial, als wolle der Wein sagen „Nimm mich nicht zu ernst, aber unterschätz mich auch nicht“. Vielleicht ist das seine Geschichte. Solltest du mal die Gelegenheit haben, ihn selber zu trinken, schreib mir eine E-Mail und lass uns deine Geschichte dazu wissen. Wir sind gespannt!

Der Song zum Wein

P.S. Die "Sängerin" hat das mit den französischen Namen noch nicht so gut drauf 😉

Wo kaufen wir eigentlich unseren Wein?

Wo kaufen wir eigentlich unseren Wein?

Es gibt ja diese grossen Lebensfragen, die uns Weinmenschen früher oder später beschäftigen. Welche Rebsorte passt zu welchem Gericht? Ist Naturwein jetzt Befreiung oder Verwirrung? Und vor allem, wo kaufen wir eigentlich unseren Wein am liebsten ein?

Die Antwort ist natürlich nicht ganz so simpel, wie man im ersten Moment denken könnte. Denn Wein kaufen ist längst nicht nur eine Frage von «guter Ort» oder «schlechter Ort». Es ist eine Frage von Stimmung, Budget, Nähe, Beratung, Lust auf Entdeckung und (seien wir ehrlich) auch ein bisschen Bequemlichkeit. Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Einkaufsorte. Vom Supermarkt um die Ecke bis zum Fachhandel mit goldenem Händedruck.

Der schnelle Griff bei Coop und Denner

Fangen wir bei den ganz normalen Alltagshelden an: Coop und Denner. Die Orte, an denen man eigentlich wegen Putzmittel, Zopf oder Joghurt hineingeht und mit einer Flasche Wein wieder herauskommt. Oder mit zwei. Oder mit einem «nur schnell schauen» noch durch die Weinabteilung huschen und dann doch mit einem Vermentino und zwei Rotweinen im Einkaufswagen wieder davonmarschieren.

Gerade wegen der unmittelbaren Nähe kaufen wir zum Beispiel unsere Weine auch gern dort ein. Nicht, weil wir keine anderen Optionen hätten. Sondern weil das Leben manchmal einfach sagt «Mach’s unkompliziert.» Was imfall völlig legitim ist. Wein darf nämlich auch alltagstauglich sein. Nicht jede Flasche muss eine epische Herkunftsgeschichte haben, muss man den Rebberg persönlich kennen oder mit einer philosophischen Note aufwarten.

Coop hat dabei oft eine recht breite Auswahl. Dort findet man Weine aus verschiedenen Ländern und Regionen, dazu Rot-, Weiss- und Roséweine, Schaumweine und je nach Saison auch hübsche Aktionen. Coop ist ein bisschen der Wein-Supermarkt mit dem erhobenen Zeigefinger im besten Sinn: «Schau, da gibt es mehr, als du eigentlich gesucht hast.» Und wenn du es an die Abende oder Wochenenden triffst, bei dem die Weindegufrau vor Ort ist, kannst du gleich degustieren und shoppen. No gäbig.

Denner hingegen spielt oft die Karte Preis, Tempo und Einfachheit. Das ist nicht spektakulär, aber sehr sympathisch. Denn manchmal braucht man eben genau das, eine solide Flasche, die nicht gleich das Haushaltsbudget in den Feierabend schickt. Und ehrlich gesagt, gibt es nichts doofes daran, Wein dort zu kaufen, wo man sowieso schon ist. Das ist ja keine Beichtstube, sondern Einkaufskultur.

Der Fachhandel mit Seele

Dann gibt es den Fachhandel. Den Ort, an dem die Weinwelt plötzlich etwas leiser spricht und gleichzeitig deutlich mehr weiss. Hier wird nicht einfach nur verkauft, hier wird erzählt, erklärt, empfohlen, eingeordnet und manchmal auch liebevoll korrigiert.

Im Fachhandel spürt man oft schnell, dass da jemand steht, der Wein nicht einfach ins Regal stellt, sondern mit ihm lebt. Und das ist wunderschön. Man bekommt dort Beratung, Hintergrundwissen und oft die Gelegenheit, Weine zu entdecken, die man im normalen Alltag nie gefunden hätte. Fachhandel ist für Weinmenschen ein bisschen wie die Buchhandlung für Leseratten, gefährlich schön und meistens nicht ganz billig.

Der Nachteil? Wer nur rasch etwas zum Abendessen braucht, ist dort manchmal etwas zu sehr in der Genusszone unterwegs. Plötzlich redet man über Terroir, Ausbau und Handlese, obwohl man ursprünglich einfach nur einen Wein für Pasta wollte. Auch das ist Weinleben.

Direkt beim Winzer

Und dann wäre da noch der schönste aller Einkaufsorte! Direkt beim Winzer. Das ist nicht einfach ein Kauf, das ist fast schon eine kleine Liebeserklärung an das Produkt. Man sieht, wo der Wein herkommt, trifft die Menschen dahinter, hört Geschichten, probiert und fährt im besten Fall mit ein paar Flaschen und sehr guter Laune wieder nach Hause.

Direktkauf ist herrlich persönlich. Der Wein schmeckt oft gleich doppelt gut, wenn man weiss, wer ihn gemacht hat und wo er gewachsen ist. Der Nachteil? Nun ja, man muss halt hinfahren. Und nicht jede und jeder hat das Weingut gleich vor der Haustüre. Aber wenn es sich ergibt, dann ist das eine der schönsten Formen des Weinkaufs überhaupt.

Online kaufen, weil der Klick verlockt

Natürlich dürfen wir den Onlinehandel nicht vergessen. Er ist praktisch, schnell und bietet oft eine riesige Auswahl. Perfekt für alle, die gerne vergleichen, stöbern und sich in Weinlisten verlieren, ohne das Sofa zu verlassen. Das ist bequem - und manchmal auch gefährlich - weil aus «nur kurz schauen» ganz schnell ein Warenkorb mit Charakter wird.

Online kann man in Ruhe auswählen, Preise vergleichen und gezielt nach Regionen, Produzenten oder Rebsorten suchen. Der Nachteil ist allerdings klar. die Flasche bleibt digital, bis sie vor der Haustüre steht. Es gibt kein spontanes Probieren, keine echte Beratung. Aber für gezielte Käufe ist das völlig in Ordnung. In der Schweiz ist die Flaschenpost eine gute Wahl, da sie rund 15'000 Weine aus aller Welt von verschiedenen Händlern im Angebot hat.

🍷 Weinweib-Partnerlink (Affiliate-Link): Dein Einkauf kann meine Weinrecherchen, Degustationen und Schreibfreude mit einer kleinen Provision unterstützen – für dich ohne Aufpreis. Santé!

Unser ganz normaler Weinalltag

Das finde ich cool, es gibt nicht den einen richtigen Ort, um Wein zu kaufen. Es gibt nur den Ort, der in der jeweiligen Situation am besten passt.

Für den Alltag? Coop oder Denner, ganz entspannt.
Für Beratung und Entdeckung? Fachhandel.
Für Erlebnis und Herkunft? Direkt beim Winzer.
Für gezielte Suche und bequemen Nachschub? Online.

Und wie bereits erwähnt, wir kaufen unsere Weine oft bei Coop und Denner ein. Dies insbesondere, weil wir beide Läden direkt vor der Haustüre haben. Was mit ein Grund ist, dass wir bei der Freitagsflasche öfters eine von dort für dich degustieren und darüber berichten.

Am Ende ist Wein kaufen ein bisschen wie das Leben selbst, mal spontan, mal geplant, mal vernünftig, mal voller Versuchung. Hauptsache, es macht Freude! 

Und wenn dann auf dem Tisch eine Flasche steht, die genau zum Moment passt, dann ist es eigentlich völlig egal, ob sie mit Fachhandelsglanz, Winzerpoesie oder Coop- und Denner-Alltagsetikette zu uns gekommen ist.

Hauptsache, sie wird getrunken. Und zwar mit Genuss.

Darum sagen wir heute: Salute auf dich, das Leben und die Freude daran.


FAQ

Wo kauft man Wein in der Schweiz am besten?

Das hängt davon ab, was dir wichtig ist. Für den Alltag sind Coop und Denner praktisch, für Beratung und besondere Entdeckungen ist der Fachhandel ideal, und direkt beim Winzer bekommst du viel Nähe zur Herkunft.

Ist es okay, Wein bei Coop oder Denner zu kaufen?

Ja, absolut. Wein darf alltagstauglich sein, und gerade für spontane Käufe, den Wocheneinkauf oder unkomplizierte Flaschen sind Coop und Denner sehr passend.

Was ist der Vorteil vom Fachhandel?

Der Fachhandel bietet meist mehr Beratung, mehr Hintergrundwissen und oft eine spannendere Auswahl. Besonders bei besonderen Anlässen oder wenn du etwas Neues entdecken möchtest, ist das ein grosser Vorteil.

Warum lohnt sich der Kauf direkt beim Winzer?

Direkt beim Winzer kaufst du mit mehr Nähe zum Produkt. Du lernst die Menschen hinter dem Wein kennen, erfährst mehr über Herkunft und Ausbau und bekommst oft Weine, die du im Handel nicht findest.

Ist Online-Weinkauf eine gute Lösung?

Ja, wenn du gezielt suchst oder gerne vergleichst. Online hast du oft eine grosse Auswahl und bequeme Lieferung, aber du verzichtest auf direkte Beratung und das spontane Degustieren.

Was ist der Unterschied zwischen Coop und Denner beim Weinkauf?

Coop führt oft eine breitere und stärker kuratierte Auswahl und bietet auch Punktuell Weindegustationen an, während Denner häufiger mit Preis, Aktionen und unkompliziertem Einkauf punktet. Beide eignen sich gut für den Alltag.

Sollte man Wein lieber nach Preis oder nach Anbieter kaufen?

Am besten nach dem Anlass und dem eigenen Bedürfnis. Für eine schnelle Flasche darf es günstig und praktisch sein, für ein Geschenk oder eine besondere Mahlzeit lohnt sich oft ein spezialisierter Anbieter.

Was ist die beste Einkaufsstrategie für Wein?

Eine Mischung ist meist am sinnvollsten: Coop oder Denner für den Alltag, Fachhandel für Beratung, Winzer für Erlebnisse und Online für gezielte Suche.

Freitagsflasche: Tavel 2025

Freitagsflasche: Tavel 2025

Erinnerst du dich an den Blogpost über Rosé reloaded? Nein? Dann findest du ganz am Ende dieses Posts den passenden Link. Jedenfalls erkläre ich darin, wie Rosé hergestellt wird und recht viel über die verschiedenen Arten. Es gibt sogar einen Podcast darüber.

Im Rosé Blogpost, erwähne ich den Tavel. Damit du nicht gleich rüberswitchen musst, um zu wissen von was ich heute rede, hier ein Kurzausschnitt:

Tavel & strukturierte Rosés – ein Rosé, der mit am Tisch sitzen will

Und dann gibt es die Rosés, die nicht nur hübsch aussehen wollen, sondern ganz klar am Esstisch mitdiskutieren. Klassische Vertreter findest du etwa in Tavel (Rhône) oder in manchen Regionen wie dem Burgenland oder Südfrankreich. Hier wird mit längerer Maischestandzeit, höherem Extrakt und teilweise auch mit Holzausbau gearbeitet.

Die Weine sind dunkler in der Farbe, dichter im Mundgefühl, würziger und mit spürbarer Tanninstruktur. Sie erinnern ein bisschen an leichte Rotweine, behalten aber die saftige, kühle Frische eines Rosés. Genau die richtige Wahl für Grilladen, Lamm, mediterrane Küche oder kräftigere Mezze; also dann, wenn der „Balkonrosé“ aromatisch einfach zu leicht wäre.

Jetzt muss ich ein bizzi ausholen! Serge ist ja bekanntlich ein grosser Radrennfan und damit natürlich darf da die Tour de France nicht fehlen. Diese pedalten in diesem Jahr recht nahe der Schweizer Grenze durch. Genauer bei Les Rousses. Wir fuhren also am Samstag hin, suchten uns einen gäbigen Platz für den Van, um dann darin zu übernachten. Dies (haben wir am Tag danach festgestellt) übrigens nur 30 Meter hinter der Schweizer Grenze. Genauer an der Waadtländer Grenze.

Damit wir an diesem abgelegenen Parkplatz etwas zu futtern hatten, war ein Halt beim Intermarché in Les Rousses Pflicht. Nebst leckerem Käse, Paté etc. fand ich per Zufall in der Weinabteilung einen Tavel. Logo griff ich da zu! Schon nur, um dir darüber berichten zu können.

Retour vom mega spannenden Rad Event, degustierten wir diese Woche nun den

Tavel 2025

AOP, Cru des Côtes du Rhône

Alkohol: 13.5 %
Farbe: Ziegelrot

Nase: rote Beeren, Himbeeren, Meertrübeli (rote Johannisbeeren, grüne Melone und grüne Pepperoni
Mund: fruchtig, erfrischend, süffig, rund und mineralisch. Letzteres hat er dem Boden aus Kalkstein mit Meeresediment zu verdanken. 

Ein Wein, den man auch ohne etwas trinken könnte, mit etwas fettigem, würzigen Essen aber alles aus ihm rausholt.

Seine Geschichte geht so:

Er kommt zu spät. Natürlich kommt er zu spät. Nicht aus Unhöflichkeit, sondern weil irgendwo unterwegs ein Gespräch spannender war als die Uhr. Als er dann endlich auftaucht, bringt er die Abendluft mit sich, ein wenig Sonne und dieses unbestimmte Gefühl von Ferien, das plötzlich im Raum liegt.

Er küsst links, küsst rechts, lacht, sagt irgendetwas auf Französisch, das nicht alle verstehen, aber alle mögen. Und ehe man sich versieht, steht er nicht mehr am Rand. Denn er war nie für den Rand gemacht. Er gehört dorthin, wo die Gläser klirren, wo Brot gebrochen wird, wo Paté und französischer Käse die Runde machen und jemand noch schnell eine Rilette auf den Tisch stellt. Genau dort entfaltet er sich, leicht, ungezwungen, mit diesem charmanten Selbstverständnis, das alles ein bisschen einfacher macht.

Er spricht mit allen. Und er hört zu. Selbst die Stillen zieht er sanft ins Gespräch, ohne Druck, fast spielerisch. Und wenn jemand mit einem Schatten auf der Seele kommt, dann merkt er es sofort. Kein grosses Aufheben und kein Mitleid, nur ein schiefes Lächeln, ein klarer Blick und ein Satz, der plötzlich fröhlicher macht. «Komm, setz dich. Das Leben wartet nicht.» Und irgendwie tut es das auch nicht mehr. Denn mit ihm wird aus einem gewöhnlichen Abend ein bisschen klarer, ein bisschen heller und lebendiger.

Er ist keiner, der zuschaut. Er ist der, der dich mitten ins Leben zieht.

Hier noch der Link zum Blogpost über Rosé Weine und deren Herstellung.

Sein Song? Hier ist er:

Juhu, fast geschafft! 🥂 Schau jetzt schnell in dein Postfach – da wartet eine E-Mail, die nur darauf brennt von dir bestätigt zu werden. Klick drauf und schon bist du offiziell Teil der „Weinmomente“-Crew. Prost auf viele genussvolle News! 🍷