Weine für die Badewanne 2026

Weine für die Badewanne 2026

Schaumberge, Schaumwein & ein bisschen Selbstliebe

Es gibt Menschen, die gehen ins Spa. Und es gibt uns: Wir füllen die Badewanne, stellen Kerzen auf und kümmern uns zuerst um die einzig wirklich wichtige Frage des Abends: Was kommt denn ins Glas?

Mein früherer Weinshop ist Geschichte, die Badewannenliebe aber ganz bestimmt nicht. Die gute Nachricht: Deine Weine für die Badwanne findest du heute ganz entspannt im Detail- und Fachhandel.

Also: Wein holen, Wasser aufdrehen, Alltag auf «stumm».  

Warum es einen eigenen Badewannenwein braucht

Weine für die Badwanne sind keine «anderen» Weine, aber sie müssen ein paar Dinge besser können als der Durchschnitt:

  • Sie sollen trinkig sein (hoher «noch-ein-Schluck»-Faktor, keine Denkarbeit nötig).
  • Sie vertragen ein bisschen Temperatur (Badewasser und Kerzen machen’s nicht kühler).
  • Sie dürfen gerne duften – du liegst ja sowieso schon im Aromanebel aus Schaum, Kerzen und Pflegeprodukten.
  • Sie müssen nicht perfekt sein, aber sie sollen zu genau diesem Moment passen.

Manchmal bedeutet das: knackig-frisch und perlend.
Manchmal: cremig-weiss.
Manchmal: ernsthaft-rot mit «Ich bleibe noch etwas sitzen»-Charakter.

Team Blubber: Prosecco & aromatische Schaumweine

Fangen wir mit der Wahrheit an: Nichts sagt so deutlich «Ich nehme mich heute wichtig» wie ein Glas Schaumwein in der Badewanne.

Prosecco die sprudelnde Allzweckwaffe

Prosecco ist der unkomplizierte Freund, der immer gut drauf ist und keine Ansprüche stellt. Typisch für ihn, Aromen von grünen Äpfeln, Birne, Zitrus, manchmal etwas Blüten, dazu eine feine, aber deutliche Perlage. Der Alkohol ist meist moderat, die Säure frisch und genau das macht ihn so «badewannentauglich»: Er erfrischt, ohne zu erschlagen.

Im Handel findest du:

  • Trockene (Brut, Extra Dry) Varianten – ideal, wenn du es spritzig und eher trocken magst.
  • Etwas fruchtigere Versionen – die sich an alle richten, die beim ersten Schluck schon «Sommer!» rufen.

Ein Tipp aus der Praxis:

Flasche nicht eiskalt, sondern bei 7 Grad gekühlt servieren. Zu kalter Schaumwein schmeckt nach nichts, zu warmer Schaumwein schmeckt müde. Beides hat weder du noch deine Wanne verdient.

Aromatische Schäumchen, Moscato & Co.

Du magst es verspielt und duftig? Dann bist du im Team «Aromatische Schaumweine».

Stilistisch reden wir von: Moscato-/Muscat-Typen mit Duft nach Pfirsich, Blüten, Muskat und Honig. Teilweise leicht süss, mit niedrigerem Alkoholgehalt, perfekt, wenn du es gemütlich willst oder keine Lust auf «die volle Ladung» hast.

Diese Weine sind super für:

  • Späte Badewannen-Sessions mit Hörbuch oder Podcast.
  • «Selfcare-Abende», an denen du dir ganz offiziell erlaubst, nichts Produktives zu tun.  

Foodpairing in der Wanne (ja, das gibt es):

Frisches Obst, Nüsse, ein Stück dunkle Schokolade, oder einfach nur ein paar Güezi. Denn Badewanne ist kein Fine Dining, Badewanne ist Komfortzone pur.

Weiss in der Wanne: Chardonnay & aromatische Weisse

Weisswein in der Wanne ist ein bisschen wie deine Lieblings-Serienfolge: Du kennst das Gefühl, aber es wird einfach nie langweilig.

Chardonnay, die flüssige Kuscheldecke

Chardonnay kann vieles, aber als Badewannenwein mag ich ihn vor allem in seiner «Komfortzone»:

  • Mittelgewichtig bis cremig.
  • Sanfte Säure, feiner Schmelz.
  • Aromen von reifen Äpfeln, Birnen, manchmal etwas Vanille, Nuss oder Butter (wenn Holz im Spiel ist).

Solche Chardonnays findest du im Detailhandel aus:

  • Der Schweiz (z.B. aus der Romandie oder der Ostschweiz).
  • Frankreich (Burgund-ähnliche Stile, aber in alltagstauglicher Form).
  • Italien oder Übersee (oft etwas fruchtbetonter bis sehr butterig).

Achte bei der Wahl auf Begriffe wie «barrique», «oak» oder «Holz» in den Beschreibungen, wenn du es cremiger und vollmundiger magst. Wenn dir das zu viel ist, greif zu «frisch, fruchtig, elegant» das ist die leichter zu trinkende Variante, die in der Wanne nicht müde macht.

Muscat & Gewürztraminer, wenn’s duften darf

Du willst Badewannen-Weihrauch im Glas?

Dann sind Muscat/Moscato und Gewürztraminer deine Kandidaten:

  • Muscat bringt florale Noten, Zitrus, Trauben und Exotik.
  • Gewürztraminer duftet nach Rosen, Litschi und Gewürz – eher gehaltvoll, oft mit wenig Säure.

Das sind Weine bei denen du die Nase ins Glas tauchst und automatisch langsamer wirst. Perfekt, wenn du eigentlich nur «schnell baden» wolltest und plötzlich feststellst, dass du seit 40 Minuten die Etikette studierst.

Rosé, die Playlist unter den Weinen

Rosé ist der Allrounder: funktioniert im Sommer auf dem Balkon, im Winter in der Badewanne und im Frühling überall.

Typische Rosé-Stilistiken aus dem Handel:

  • Helle, lachsfarbene Rosé mit Noten von Erdbeere, Himbeere, Grapefruit, manchmal Kräutern.
  • Trocken bis halbtrocken, mit frischer Säure und relativ niedrigem Alkoholgehalt (je nach Region).

Rosé ist ideal für:

  • Alle, die sich nicht zwischen weiss und rot entscheiden können.
  • Badewannen, in denen noch gegessen, gelesen, geschaut, gechattet oder philosophiert wird.  

Achte auf Herkunftsländer wie:

  • Italien (Veneto, Abruzzen, Apulien).
  • Frankreich (Provence-Stil).
  • Spanien (leichte, frische Rosados).

Kleiner Trick:

Wenn du nicht sicher bist, ob dein Rosé in die Wanne passt, frag dich: «Würde ich damit auch auf der Terrasse sitzen?» Wenn ja, dann passt er meistens auch zu Schaumbergen.

Rot bei Schaumberg: Barbera & Co.

Rotwein in der Badewanne ist nicht nur für Romantik-Kitsch-Filme. Es funktioniert wenn du die richtigen Stile wählst.

Barbera – der Badewannen-Kumpel

Barbera aus dem Piemont ist prädestiniert für solche Momente:

  • Saftige Kirsche, rote Beeren, manchmal Pflaume.
  • Lebendige Säure, eher weiche Tannine.
  • Mittlerer Körper, hoher Trinkfluss.

Das heisst: Er ist spannend genug, dass du nicht gelangweilt bist, aber unkompliziert genug, um nicht zum «Studienobjekt» zu werden. Genau das willst du, wenn du halb im Schaum versinkst.

Andere Rotwein-Ideen

Auch spannend als Badewannen-Rote taugen:

  • Sangiovese (Toskana-Stil, z.B. Chianti-Typen mit Kirsche, Kräutern, mittlerem Körper).
  • Weiche Cuvées aus Merlot, Cabernet & Co., die auf Frucht und Schmelz statt auf Tannin-Bombast setzen.  

Woran du badewannentaugliche Rotweine erkennst:

  • Alkohol nicht zu hoch (so um die 12.5 – 13.5 %).
  • Säure vorhanden, aber nicht beissend.
  • Tannine eher weich als brutal.

Und bitte: nicht zu warm servieren. Nur weil die Badewanne heiss ist, muss es dein Rotwein nicht auch sein, 15 – 18 Grad reichen völlig.

Kleine Luxusecke: «Spa at home» im Glas

Es gibt Abende, an denen man weiss: Heute brauche ich mehr als nur Wasser, Schaum und «irgendeinen» Wein. Das sind die Momente für deine kleine Luxusecke.

Was meine ich mit Luxusweine für die Badewanne?

  • Höherwertige Schaumweine, z.B. ein Prosecco Superiore aus guten Lagen, mit feinerer Perlage, mehr Tiefe und längerer Aromatik.
  • Champagner
  • Barrique-ausgebaute Rotweine mit Struktur, dunkler Frucht, Würze und sanft eingebundenem Holz.
  • Charaktervolle Chardonnays mit komplexer Nase und cremiger Textur.

Der Ablauf sieht dann etwa so aus:

  1. Wasser einlassen.
  2. Flasche öffnen.
  3. Einen ersten Schluck nehmen, bevor du in die Wanne steigst.
  4. In der Badewanne nur nachschenken – die Entscheidungen sind jetzt bereits gefällt.

Badewannenweine 101 praktische Tipps

Damit der Badewannenabend wirklich gelingt, hier noch ein bisschen Nerd-Wissen in a Nutshell:

Temperatur:

  • Schaumwein/Weiss/Rosé leicht kühler starten, als du es normalerweise tun würdest – das Bad wärmt nach.
  • Rotwein eher bei moderater Trinktemperatur einschenken, nicht bei Zimmertemperatur einer Altbauwohnung im Winter.  

Glaswahl:

  • Kein dünnwandiges Spiegelau-Extrem, wenn du zur Ungeschicklichkeit neigst.
  • Ein solides Weinglas von Riedel reicht völlig.  

Sicherheit:

  • Glas immer auf eine stabile Ablage, nicht auf den Wannenrand ganz am äussersten Ende des Schicksals.
  • Handy vielleicht eher im Flugmodus, für Ruhe und me-time.

Menge:

  • Besser ein grosses Glas bewusst geniessen als die ganze Flasche «aus Versehen» nebenbei leeren.
  • Du willst entspannt aus der Wanne steigen, nicht auf wackligen Beinen.

So, und jetzt:

Bad einfüllen, Lieblingsplaylist an, Wein einschenken und dir selbst offiziell erlauben, eine Stunde lang nichts zu leisten ausser zu atmen, zu geniessen und zwischendurch zu denken: «Das hier ist gerade ziemlich nah an Perfekt.»

Herzlich sprudelnde Grüsse

Christina

Cheers & Cheese to EU in Bern – Ein kulinarisches Fest zum Abschied

Cheers & Cheese to EU in Bern – Ein kulinarisches Fest zum Abschied

Durch den Umzug hat es ein wenig länger gedauert, als ursprünglich geplant – das Schreiben dieses Blogposts.

Am 23. Oktober 2025, nur einen Abend vor dem grossen Umzug, gab es für mich noch einen ganz besonderen Leckerbissen: Ich wurde zum „Cheers & Cheese to EU“-Dinner-Event in Bern eingeladen – und zwar von Gambero Rosso. Da leuchtete mein Herz gleich ein bisschen heller, muss ich sagen. Natürlich konnte ich es nicht lassen, den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern von Gambero Rosso zu erzählen, dass ich einst bei ihrer Kochshow Questo l’ho fatto io dabei war. Leider, so sagten sie mir, existiert diese Sendung inzwischen nicht mehr.

Die Vertreter von Prosecco DOC und Grana Padano DOP freuten sich sehr, dass ich Italienisch sprach – und so durfte ich den halben Abend lang meinen italienischen Teil aufleben lassen. Zuerst mit einem feinen Glas Prosecco und einem Apéro, das aus zwei unterschiedlich gereiften Grana Padano bestand (mehr dazu unten im Blog). Schon das allein war einfach köstlich.

Vertreter von Prosecco DOC und Grana Padano DOP

Es waren viele geladene Gäste da – und mega witzig fand ich, dass ich nicht nur als Bloggerin sondern auch Influencerin auf der Gästeliste stand. Eines der Highlights des Abends war für mich, vis-à-vis einer unglaublich spannenden Frau zu sitzen, die mit jedem Gespräch noch faszinierender wurde. Unsere Themen reichten von Grana Padano und Prosecco über Politik (da ist sie zuhause) bis hin zu ganz tiefen Lebensfragen. Besser hätte es gar nicht kommen können. Ich weiss, sie liest hier mit – darum ein grosses Dankeschön für den vergnüglichen Abend und die inspirierenden Gespräche!

Der Anlass war ein kleines Abrakadabra aus italienischem Flair, verführerischem Grana Padano und perlendem Prosecco – die perfekte Einstimmung auf einen neuen Lebensabschnitt.

Prosecco & Grana Padano – Eine prickelnde und würzige Liaison

Zwei italienische Klassiker, die nicht nur geschmacklich, sondern auch kulturell zusammengehören – wie Pizza und Amore, oder so. Und heute breche ich eine Lanze für beide. Denn viele sprechen nur von Parmigiano und noch mehr Menschen erzählen mir, Prosecco sei billig und sie würden lieber Champagner trinken. Nicht wegen des Geschmacks, sondern wegen des Preises.

Der Prosecco – funkelndes Sinnbild venezianischer Lebensfreude – wird aus der Rebsorte Glera gekeltert, vorwiegend in Venetien und Friaul. Sein Charakter ist leichtfüssig, aromatisch und stets von einer feinen, eleganten Perlage begleitet. Mal duftet er nach grünem Apfel, mal nach weissen Blüten, manchmal nach Birne oder Zitrone – aber immer nach Sommer im Glas.

Grana Padano hingegen ist der bodenständige, würzige Konterpart – mit einer Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. In den Klöstern der Po-Ebene erfunden, galt er früh als Wunderwerk der Haltbarkeit. Sein Reiz liegt im Detail: Von der goldenen, harten Rinde bis zum letzten Brösmeli ist alles essbar und aromatisch. Die Rinde selbst, oft unterschätzt, eignet sich sogar hervorragend zum Mitkochen – in Suppen, Saucen oder Risotti zaubert sie eine tiefe, umami-reiche Note.

Wenn sich Frische und Würze begegnen

Was passiert also, wenn perlender Prosecco auf nussig-reifen Grana Padano trifft? Pure Harmonie. Die feine Säure und Spritzigkeit des Prosecco schneidet elegant durch die buttrig-salzigen Noten des Käses und hebt sie fast tanzend hervor. Besonders schön wird das Spiel, wenn du den Käse in kleine Stücke brichst, die langsam im Mund schmelzen – während das Prickeln des Prosecco alles wachküsst.

Je nach Reifegrad verändert sich der Charakter dieser Liaison:  

  • Ein junger Grana Padano (9–16 Monate) passt wunderbar zu einem fruchtig-leichten Prosecco DOC.
  • Ein gereifter Grana Padano Riserva (über 20 Monate) verlangt nach mehr Tiefe – ideal mit einem Prosecco Superiore aus Valdobbiadene oder Asolo, wo die Hügel etwas mehr Körper in den Wein bringen.

Genuss mit Haltung

Sowohl Prosecco als auch Grana Padano tragen geschützte Herkunftsbezeichnungen (DOC bzw. DOP) – jeder Schluck und jeder Bissen steht für authentischen Geschmack einer ganz bestimmten Region Italiens. Beide Produkte stehen zudem für nachhaltige Herstellung, traditionelle Handwerkskunst und ein schönes Stück Alltagskultur.

Genau das macht sie zu idealen Botschaftern für Abende wie „Cheers & Cheese to EU“ – wo Essen weit mehr ist als nur Nahrung. Es ist Emotion, Erinnerung und Begegnung.

Der Event fand übrigens im total gemütlichen Ristorante Da Carlo in Bern statt. Die Küchencrew zauberte ein feines Menü, das komplett mit demselben Prosecco begleitet wurde – mit dem Ziel zu zeigen, dass Prosecco tatsächlich den ganzen Abend über ein guter Begleiter sein kann. Und das passte hervorragend: vom geschmolzenen Grana Padano über Trüffel aus dem Piemont, Steinpilze, Cranberries und Grünzeug, bis hin zum Kürbisrisotto, bei dem der Prosecco wunderbar die Zunge vom cremigen Fett befreite. Sogar zum Hirschfilet an Cranberrysauce und einer Grana-Padano-Reduktion harmonierte er perfekt.

Nur zum Abschluss mit dem Tiramisù war dann doch der Espresso der würdigere Begleiter. Bis dahin war ich schon so voll, dass ich es schlicht nicht fertig mampfen konnte. Exgüsee in die Küche!

Ein Geschenk für die Sinne

Insgesamt ein grossartiger Abend voller Eindrücke – und das Geschenk der beiden Protagonisten setzte dem Ganzen das Perlhäubchen auf: Eine Stofftasche mit einer Flasche Prosecco und einem grossen Stück Grana Padano. Beides wurde beim Umzug mit Bedacht transportiert und wartet nun darauf, genossen zu werden.

Im letzten Blogpost habe ich dich ja bereits neugierig gemacht – mit den 100 Flaschen von Il Grappolo. Ich bin hingefahren, hab einen Parkplatz gesucht, bin rumgekurvt, habe gewartet ob einer frei wird. Nix. Mitten im Regen. Da die einzigen freien Parkplätze leider zu den umliegenden Einfamilienhäusern gehörten, beschloss ich schliesslich, wieder nach Hause zu fahren. Statt vieler Weine und Fachsimpelei mit Claudia, öffnete ich daheim eine Flasche Rotwein – und startete das Apéro mit meiner Hunde-hütenden Schwester.

Weine aus Portugal

Weine aus Portugal

Am 9. September 2025 rief Zürich – oder besser gesagt: Weine aus Portugal riefen Serge und mich dorthin. Wir durften an einer richtig coolen Weindegustation teilnehmen. Ok, ich geb’s ja zu: jede Degustation ist cool. Aber diese war dann doch besonders. Es ging um Portugals unglaubliche 250 Rebsorten (!), präsentiert von 26 Weinproduzenten, die aus allen Ecken des Landes angereist waren.

Viele Winzer waren persönlich vor Ort, manche liessen sich von einem Teammitglied vertreten. Der Event fand im wunderschönen Zunfthaus zur Meisen statt, allein schon der Saal im ersten Stock versetzte Serge und mich fast ein wenig ins Schwärmen. Der zweite Grund für unser Strahlen war natürlich die riesige Weinauswahl, die wir unmöglich in zwei Stunden hätten schaffen können.

Ein Fest der Vielfalt: Portugals Rebsorten und Regionen  

Portugal ist weltweit bekannt für seine einzigartige Vielfalt an autochthonen Rebsorten – tatsächlich sind es über 250, von denen viele nirgendwo sonst angebaut werden. Diese Vielfalt ist eine Schatzkammer für Weinliebhaber, die Lust haben neue und unverwechselbare Weine zu entdecken.  

Die wichtigsten Weinregionen im Land reichen vom nördlichen Vinho Verde, bekannt für seine knackigen und erfrischenden Weine, über das legendäre Douro-Tal, Heimat des Portweins und vielfältiger Tafelweine, bis hin zu sonnenverwöhnten Regionen wie Alentejo und der Algarve im Süden. Jede Region bringt ihren eigenen Charakter hervor, geprägt von den klimatischen Bedingungen, den Böden und der jahrhundertealten Weinbautradition.

Am Event wurde diese Vielfalt bestens präsentiert – von den frischen Weissweinen bis zu den kraftvollen Rotweinen.

Begegnungen und Geschichten: Die Winzer im Mittelpunkt  

Viele der Weinproduzenten waren persönlich anwesend, was die Degustation zu einem besonders authentischen Erlebnis machte. Ihre Leidenschaft spürt man nicht nur im Glas, sondern auch in ihren Geschichten – über Herausforderungen, Träume und Zukunftspläne.  

Neben spannenden neuen Rebsorten und Weinen gab es auch wunderbare Begegnungen: Ich traf Alicia Mettler von Mettler Vaterlaus und freute mich sehr über das Wiedersehen mit Martin Spors von Baur au Lac Vins, mit dem ich bereits eine Weinreise ins spanische Garnachaland erleben durfte. Wir haben viel gelacht, Fachsimpeln betrieben und uns gegenseitig Tipps für spannende portugiesische Produzenten gegeben.

Viele der vorgestellten Weine findest du übrigens in der Schweiz bei Ullrich. Von Esporão und Quinta do Crasto haben wir etliche degustiert und ich lade dich ein, dir die eine oder andere Flasche zu Gemüte zu führen.

Manche Produzenten suchen noch nach Impor­teuren, andere präsentierten einfach mit viel Herzblut ihre Weine. So gut, dass eine Reise nach Portugal, um die Weingüter direkt zu besuchen, nun definitiv weit oben auf unserer Wunschliste steht.

Fado und Wein: Portugals Seele und seine Verführung  

Ein ganz besonderes Element, das für mich den Zauber Portugals ausmacht, ist der Fado – die Musik voller Melancholie, Leidenschaft und Sehnsucht. Fado und Wein gehören untrennbar zusammen und erzählen Geschichten von Heimat und Leben. Diese emotionale Verbindung spürt man auch in den Weinen, die mit Charakter und Tiefe begeistern.

Wie du weisst, versuche ich immer, meine Eindrücke von solchen Events in Videos festzuhalten. Dieses Mal ist das Video bunt gemischt – und ja, mein Gesicht siehst du auch wieder mal vor der Kamera. Nach unserem Umzug nach Avenches plane ich ein neues Format, in dem ich öfter mal vor statt hinter der Linse stehe.

Und endlich endlich habe ich mein perfektes Mikrophon gefunden. Damit die Aufnahmen auch so sind wie ich mir das vorstelle.

Und nun: viel Spass mit meinen Eindrücken von „Wines of Portugal“ Zürich!

Fado – Portugals Seele – und seine Weine sind eine Kombination, die verführen. Lass dich begeistern und entdecke deinen neuen Lieblingswein!

Geschüttelt, nicht gerührt: Was ein Weinglas an einem Degustationstag erlebt

Geschüttelt, nicht gerührt: Was ein Weinglas an einem Degustationstag erlebt

Dieser kurze Text entstand Gestern während des Sommer-Workshop „Kreatives Schreiben“. Wir bekamen die Aufgabe, aus der Sicht eines Gegenstandes zu schreiben. Ich habe mich für ein Weinglas, das den ganzen Tag für Degustationen eingesetzt ist, entschieden. Dafür hatten wir 10 Minuten Zeit. Ich bedanke mich hier bei den Kursteilnehmern, dass sie mich ermutigt haben ihn hier zu veröffentlichen.

Mein Gott Claudia! Ich kann nicht mehr. Der Morgen hat ja noch gut begonnen, ich war frisch, glänzend, fleckenlos – was ich ja sehr liebe – und mein erster Gast war eine seeehr teuer angezogene Dame. Ich fand schnell heraus, dass sie lediglich am Wein nippt und dass sie mich nur am Stiel hielt, gefiel mir gut. Immerhin keine blöden, fettigen Fingerabdrücke auf meinem schönen Bauch. Ah und sie hatte da so einen Trick drauf! Statt mich mit ihrem Lippenstift vollzusauen hat sie immer kurz die Zunge über den Glasrand gezogen. Ok, war jetzt auch nicht so prickelnd aber wie gesagt, dafür keine farbigen Spuren an mir. Den Inhalt schüttete sie meistens weg und war mehr besorgt wohin sie ihre teure Hermès Tasche stellte. Wenn das so weiter gegangen wäre, hätte mir das gefallen. Aber jetzt Claudia, jetzt ging es so richtig zur Sache. Es wurde laut, hektisch, ich wurde rumgeschubst und dann bekam ich ein Hitzeflash und bis ich wieder abgekühlt war. Das dauerte ja auch lange in dieser Waschmaschine. Du weisst ja wie das ist. Naja! Berufsrisiko würde ich meinen.

Der ältere Herr, dem ich dann anvertraut wurde, war dann alles andere als angenehm. Er stiess mich fast um, meinen Stiel ignorierte er und hat mich dafür pausenlos am Bauch gehalten. Ich habe danach ausgesehen, als hätte man mich mit Frittieröl eingerieben. Ecklig!! Für meinen Inhalt hatte er auch so rein gar nix übrig. Bei jedem feinen Tropfen lamentierte er, dass sei ein typischer Frauenwein, oder so ein Gesöff habe er schon lange nicht mehr zugemutet bekommen und dennoch schüttete er sich bis auf den allerletzten Tropfen, jeden Wein hinter die Binde. Durch mein trübes Auge konnte ich den Winzer noch gerade so erkennen, wie er seinen Unmut herunterschluckte aber aus Anstand nichts sagte. Er fing dann nur an, mir nur noch paar Tropfen Wein zu geben, damit der Herr nicht mehr so viel trinken konnte. Gut gemacht!

Die Wäscherei danach kam mir dann – trotz der Hitze – gelegen. Ich wurde das ganze Fett los und der Herr war somit auch Geschichte. Danach bekam ich noch einen jungen Mann zugeteilt und der war sooo süss! Er hatte keine Ahnung von Wein degustieren, ich habe ihm immer mal wieder zugeblinzelt, mit meinem perlenden Lachen versucht sein Interesse zu wecken. Aber er stellte mich mehr auf den Tresen und quatschte mit seiner ausgesprochen hübschen Begleitung. Ganz ehrlich wurde es mir dann ein wenig langweilig und ich habe versucht, mich an ihn zu schmeissen. Was mir auch gut gelungen ist! Sein Hemd war danach so rot, wie ich in der Waschmaschine.

Der Winzer hat dem zum Glück ein Ende gesetzt und mich ins Regal gestellt. Direkt neben dich Claudia. Nun denn, dein Tag war ja auch speziell mit deiner Weiberrunde. Erzähl mir davon!

Christina Wespi

Grandes Vinos Winery

Grandes Vinos Winery

The legacy of Cariñena

Glücklicherweise haben wir uns während der Einstündigen Fahrt gut erholt (siehe vorhergehenden Blogpost). Auf ging es ins P.D.O. Cariñena, wo die Winzer die echten Protagonisten sind. Für sie ist die Weinherstellung mehr als nur ein Geschäft. Es ist ein kulturelles und familiäres Erbe, welches von einer Generation zur nächsten vererbt wurde und immer noch wird.

Zwischen 1950 und 1967 haben sich Winzer aus verschiedenen Gemeinden der Cariñena zusammengeschlossen und diverse Kooperativen gegründet. Nuestra Señora del Pilar de Villanueva de Huerva, San Roque de Alfamén, San José de Aguarón und San Bernabé de Cosuenda sowie die Sociedad Agraria de Transformación de Cariñena, welche 1997 den Grundstein für Grandes Vinos legten.

700 Familien und Winzer, kultivieren 17 Traubenvarietäten, darunter auch Chardonnay, Garnacha blanca (weisser Garnacha), Cariñena, Tempranillo und natürlich die Königin herself: Garnacha. Die Kooperative hilft den Menschen in Cariñena, Arbeitsplätze zu erhalten und so eine Abwanderung nach Zaragoza zu vermeiden . 

Für uns Weingeniesser ist das ein echtes Geschenk, denn ohne all die Familien und Winzer, hätten wir keine so grossartigen Weine!

Bei Grandes Vinos angekommen, trafen wir Antonio Calejero Sopesens, seines Zeichens Export Manager, der uns auf einer ihrer Rebberge brachte, welcher unglaublich steinig war!! Dort erzählte er uns mehr darüber, was sie im Rebberg alles anstellen. z.B. dass sie mittels Pheromonen die männlichen Traubenwickler (eine Mottenart) dermassen verwirren, dass diese nicht mehr wissen wo sie wen begatten sollen. Diese Methode hilft nachhaltig zu Winzern. Aber auch, dass sie als „Sustainable Winery“ ausgezeichnet wurden.

Der nachhaltige Weinbau ist zum Glück nicht nur ein Trend, sondern erfolgt wohl überall aus der Notwendigkeit, dass man nicht so weitermachen kann wie bisher.

Zurück im Weingut wirkte alles ziemlich ausgestorben. Das lag daran, dass der Betrieb bereits Sommerarbeitszeiten hat und die ganze Crew bereits mega früh in den kühlen Morgenstunden beginnt, um dann spätestens um 15 Uhr aufzuhören. Die Architektur von Grandes Vinos erinnerte mich an mauretanische Gebäude. Antonio erzählte, dass der Architekt für die gesamte Anlage die reiche Geschichte Spaniens mit all seinen Kulturen hat einfliessen lassen. Diese ist imfall spannend, das erfuhren wir am nächsten Morgen auf der geführten Tour durch Zaragoza.

Auf ging es in die Keller, zuerst durch den Barriques Keller, mit einer beeindruckenden Anzahl von Barrique und Tonneaus. Dann weiter in diese Halle hier:

Grandes Vinos Winery, Wein Design Ausstellung

In welcher eine Ausstellung sämtlicher speziell designter Weinflaschen präsentiert wird. Weiter in den Barrique-Wasch-und-Füll-Raum. Das Ziel von Grandes Vinos ist, dass ein Barrique nie ungenutzt herumsteht. Dazu haben sie eine spektakuläre Anlage, in welcher die vollen Barriques ankommen, der Wein an seine weitere Destination geleitet wird, das Barrique gewaschen und wieder mit neuem Wein befüllt wird. Du siehst von all dem etwas im Video.

P.S. zum Video: Antonio ist definitiv mein Held, schau dir mal seine Uhr an.

Einmal quer durch die Flaschenlagerungshalle, wo im wohl temperierten Degustationsraum 12 Weine auf uns warteten, um degustiert zu werden. Meine Kopfschmerzen waren nun schon lange Geschichte, mein Magen nicht mehr mit dem Verdauen des reichhaltigen Mittagessens beschäftigt und dadurch hatte ich alle Sinne offen, um mich in dieses Spektakel zu stürzen! Diesmal machte ich auch von allen Weinen ein paar Notizen (mal mehr, mal weniger).

Als erstes liess ich mich breitschlagen, zwei 0% Alkohol Weine zu degustieren. Wie gesagt, ein Trend den ich nicht unterstütze. Einerseits ein Rosé und andererseits ein 100% Garnacha, welcher wie Kirschsaft schmeckte. Wenn du meinen letzten Blogpost aufmerksam gelesen hast, weisst du von dem beigefügten Fruchtsaft, damit so ein „Wein“ überhaupt schmeckt…. mehr sage ich dazu nicht.

Jetzt aber zu den richtigen Weinen.

Beim ersten und letzten hatte ich Zeit, mir seine Geschichte erzählen zu lassen.

Alle Weintypen von Grandes Vinos haben ihre eigene Geschichte. Die „Corona de Aragon“ Weine sind eine Hommage an eines der grössten Königreiche in der spanischen Geschichte. Zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert reichte es vom Westen Spaniens bis in den Süden Griechenlands, auch Sardinien und Sizilien waren Teil davon. Alle Könige hiessen mit Nachname „Aragon“.

„Corona de Aragon“ | 100% Garnacha blanca | 2024
10 jährige Rebberge die 650 MüM liegen. Wird im Stahltank ausgebaut.

Hat eine schöne Säure , erinnert mich an einen Chardonnay, jedoch mit Birne und generell sehr fruchtig.

Erzählt von Pinienwäldern, Rosmarin und Schmetterlingen, Hühner die dazwischen herumpicken und inmitten dieses Szenarios steht eine stolze Frau, die hoch erhobenen Hauptes eine Krone trägt. Ob es eine echte oder immaginäre Königin ist, weiss man nicht. 

„Anayón“ | Garnacha rosado | 2023
Limitierte Edition von nur 2’815 Flaschen, von 70 Jahre alten Reben, 700 MüM, wird 6 Monate im Barrique in amerikanischer Eiche ausgebaut.

Ein ungewöhnlicher Wein, der nach Waldbeeren, Erdbeeren und Heidelbeeren riecht, mit einer schönen Säure. Die Barrique Aromen kommen mit einer Würzigkeit erst ganz am Ende hervor und machen diesen Wein zu etwas ganz besonderem.

„El Circo“ | Acrobata | 100% Granacha | 2024
Rebberge liegen 450 MüM, wird im Stahltank ausgebaut.

Ein super einfach zu trinkender Wein, fruchtig mit einer guten Säure. Ein perfekter Einsteigerwein, wenn du noch nicht so genau weisst, was dir schmecken könnte.

„Monasterio de las viñas“ | 50% Garnacha, 50% Tepranillo | 2024
Im Stahltank ausgebaut

Fruchtig-Trocken, gutes Säure, dennoch recht gut ausbalanciert.

„Corona de Aragon“ | Garnacha viñas vejas | 2022
Die Rebberge liegen 500 – 700 MüM, 45 jährige Reben, sehr steiniger Boden. Wird 4 Monate in amerikanischer und französischer Eiche ausgebaut.

Ein ganz weicher, fruchtiger Wein, dunkle Kirschen, Zimt und Nelken, mit sehr gut ausbalancierten Holznoten. Ein Wein der Spass macht und den man wunderbar einfach so geniessen kann. Ich nenne solche Weine „Un vino da meditare“ – Genuss vor Konsum.

„El Circo“ | Forzudo | Garnacha, Tempranillo, Cariñena, Cabernet Sauvignon | 2021
Die gleiche Art Rebberge wie vom Corona de Aragon, wird 6 Monate im Barrique ausgebaut.

Super feine Aromen von Trüffel, Rauch, Tabak, Kaffee, dunkelschwarze Kirschen, unglaublich gut ausbalanciert und kann gut als grosse Schwester vom letzten Corona de Aragon durchgehen. Sozusagen das Dreamteam für Weingeniesser und solche die es werden wollen.

„Corona de Aragon“ | 50% Garnacha, 50% Cariñena | 2019
40 jährige Reben, Aguaròn Rebberg

Dieser Wein wird bizzi anders ausgebaut als die bisherigen, nämlich folgendermassen: Garnacha für 5 Monate in 50% amerikanischer und 50% französischer Eiche, Cariñena 5 Monate in französischer Eiche. Solche Kombinationen geben meistens recht spannende Weine, da von beiden Barrique-Welten diverse Aromen abgegeben werden.

Nebst Noten von roten und schwarzen Beeren, hat er interessante Raucharomen und halt die typischen Holzeinflüsse des Barrique. 

„Monastero de las Viñas“ Riserva | Garnacha, Cariñena, Tempranillo | 2021
Über 30 jährige Rebberge, Aguaròn Rebberge, wird 12 Monate im Barrique ausgebaut, 70% amerikanische und 30% französische Eiche. Was an dieser Flasche als erstes auffällt, ist die sandgestrahlte Oberfläche.

Feine Aromen von Erdbeeren, Veilchen und Lakritze, im Mund ist er rund und fruchtig und hält was er in der Nase verspricht.

„Anayón“ | 100% Garnacha | 2021
Limitierte Edition von rund 8’512 Flaschen. Die Reben sind älter als 75 Jahre. Wird 12 Monate in Barrique ausgebaut. Etwas erwähnenswertes ist, dass alle Anayónflaschen numeriert sind.

Fast violetter Wein, der mich an einen Winterabend erinnert. Erdbeerkonfi, Erdbeer/Rahm Täfeli, Vanille und dennoch nicht sehr süss. Leckere Tannine und generell gut ausgewogen. Ich sitze gemütlich vor dem Schwedenofen, schaue durchs Fenster den ersten Schneeflocken zu die sanft vom Himmel fallen, überall ist bereits die Weihnachtsdekoration montiert und ich höre dazu leisen Jazz. Während dem ich ab und zu einen Schluck Wein nehme, ihn richtig auskoste und fast im Mund zergehen lasse, denke ich an mein Dessert… Eines mit dunkler Schokolade, das einen warm fliessenden Kern hat, mich glücklich macht und meine ganzen Sinne erfreut.

Ich ging ja davon aus, dass dies die Krönung der Degustation war. War es auch aber nur beinahe.

Wir hatten das absolute Vergnügen, dass Antonio mit uns im Restaurant „Casa Lac“ in Zaragoza (dem ältesten noch operativen Restaurant Spaniens) dinierte. Zum ausgezeichneten Essen brachte er ein paar Köstlichkeiten mit, die – passend zum Menu – von ihm und Carolina de Funes ausgesucht waren. Und da kam dann die absolute Krönung! Wir hatten einen fantastischen Anayón | Garnacha blanca | der 39 Monate im Barrique ausgebaut wurde und erst ganz neu auf den Markt kommen wird. Diesen edlen Tropfen genoss ich zu jedem Bissen meiner Vorspeise.

Die Anayón Weine sind die Premium Kollektion von Grandes Vinos und in der Schweiz exklusiv bei Rivera Wine erhältlich: Wer weiss, vielleicht wird dieser exklusive Garnacha blanca auch bei ihnen im Sortiment sein. Cool wärs!

Was mich ja richtig freut ist, dass eine meiner Leserinnen aufgrund meines Blogposts über Bodega San Alejandro, sich diverse Weine bei Nauer Weine bestellt hat. Falls dich also die Lust überkommt aufgrund dieses Blogposts bei Rivera Wine ein paar leckere Flaschen der diversen Anayón zu bestellen, mach ruhig!

Und hier noch die Kontaktdetails für Grandes Vinos, falls du mal in der Gegend dort bist:

GRANDES VINOS
Carretera Valencia, KM 45,700
50400 Cariñena (Zaragoza) España

https://www.grandesvinos.com

Aragonesas Bodegas/Winery

Aragonesas Bodegas/Winery

Tag 2 der Pressereise ins Garnacha-Land startete zu meinem Glück erst um 9 Uhr. Denn wer mich kennt, weiss, dass ich kein Morgenmensch bin und zwei Stunden brauche, bis ich auf Betriebstemperatur laufe.

Die Reise mit Privatchauffeur und Carolina de Funes, ihres Zeichens Managerin von Asociación Garnacha Origen, führte uns an diesem windstillen Tag zuerst ins P.D.O. Campo de Borja, mit seinem reichen Weinbau-Erbe, zu Aragonesas Bodegas/Winery.

Die ältesten Rebberge in dieser P.D.O. gehen auf 1145 zurück, und mehr als 2’000 Hektar (von 5’000 Hektar) Garnachareben sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Schon imposant finde ich das. Wenn man bedenkt, wie überall in der „alten Weinwelt“ alte Reben ausgerissen werden, um neuen Gewächsen Platz zu machen. Oftmals nur aus einem Grund: der Ertrag wird kleiner. Wer jemals Wein trinken durfte, der aus so alten Reben gekeltert wird, weiss, was Qualität bedeutet. Insofern finde ich es phantastisch, dass eine Weinregion an den alten Reben festhält.

Garnacha ist auch in Campo de Borja die Königin der Reben, und die Winzer setzen alles daran, sie in Perfektion zu kultivieren und zu produzieren.

Zur Erinnerung erzähle ich hier (nochmals) das mit dem Wind: an 300 Tagen saust in dieser Gegend der Wind, und zwar so fest, dass man zum Teil die Autotüre nicht mehr aufbringt. Oder einem die Erde um die Ohren fliegt. Weshalb es dort überall massive Windparks hat, auch in den Rebbergen. Uns wurde also mehrmals gesagt, dass wir einen der restlichen, windstillen Tage erleben dürfen! Dafür war ich dann doch bizzi dankbar. Denn Staub im Mund bei einer Weinbergbesichtigung ist nicht so cool.

Windparks zwischen Garnacha-Reben, ganz im Hintergrund der Montayo

Jose Chueca und Ana Chueca (nicht miteinander verwandt!), er: CEO und Laborheld, sie: Export Managerin und Weinerklärerin, haben uns durch diesen Morgen geführt. Im Gegensatz zur ersten Kooperative ist hier die Architektur des Gebäudes sehr modern, geradlinig und kompakt. In Campo de Borja ist es die grösste Kooperative, mit 700 Familien, welche gemeinsam 7 bis 8 Millionen Flaschen Wein produzieren. Sie belegen 55% der Regionenfläche mit ihren diversen Rebbergen, auf denen 60% Garnacha angebaut wird, davon ist 40% alter Rebbestand.

Ana erzählte uns, dass sie pro Jahr gerade mal 300 Liter Regen abbekommen und es sonst sehr trocken ist. Das Klima wird vom Moncayo – höchster Berg im iberischen System – dominiert. Er liegt relativ nahe, und von dorther wehen die massiven Winde durch die darunterliegenden Täler und Flächen. Das Positive an so viel Luftzug ist, dass die Reben sehr schnell trocknen (sollte es regnen oder Morgentau haben) und sie dadurch massiv weniger anfällig für Mehltau oder andere Krankheiten sind.

Nebst Rebbau werden Oliven, Mandeln und Getreide angebaut. Ideal für diese Bedingungen. (Ah! Das habe ich im Beitrag von Borgo San Alejandro vergessen: in diesem P.D.O. werden nebst Reben auch Mandeln und Kirschen kultiviert.)

Insgesamt haben sie 5 Kellermeister, welche in den diversen Kellereien das Sagen haben. Bei total 40 verschiedenen Weinen kann das ja auch nicht nur ein schlauer Kopf machen. Die Kellermeister sind die Köpfe hinter dem, was Aragonesas Bodegas herstellt, und die Auswahl ist doch sehr spannend. Wäre ich eine reine Etikettenkäuferin, würde ich wohl zuerst diesen hier kaufen, der Farbe wegen:

Kurzer Einschub zu den 0.0% Weinen

Auf jedem Weingut gab es einen alkoholfreien Wein, da das anscheinend ein Trend beim jungen Publikum ist. Dazu habe ich eine klare Meinung: willst du alkoholfreien „Wein“, kauf dir Traubensaft. Der ist nur pasteurisiert und hat nicht einen langen Laborprozess hinter sich.

Jemand in unserer Gruppe hat das richtig gesagt: es braucht immense Energie und Arbeit, um aus Reben Wein zu keltern. Diese ganze Arbeit dann wieder rückgängig (zunichte) zu machen, indem die Aromen, der Alkohol und die Säure auseinandergenommen werden, damit sie dann (ohne den Alkohol) wieder zusammengesetzt werden, ist doch völlig blöd. Zudem werden etliche E-Zusatzstoffe und konzentrierter Most von Trauben, Kirschen oder anderen Früchten beigemischt. Ich habe auf der Weinreise 2 x einen probiert, aber davon lasse ich gerne die Finger.

Was ich hingegen spannender finde, ist, dass die Kellereien auch sogenannte „low alcoholic“ Weine herstellen, d.h. die Rotweine haben dann z.B. 12 – 13% Alkohol, was für spanische Rotweine tatsächlich ein niedriger Alkoholgehalt ist. Auch dies einem Trend folgend.

Nun aber retour zu Aragonesas Bodegas/Winery: In diesem Keller lagern 3’200 Barriques, davon sind 80% französische Eiche, schlicht weil die perfekt zur Garnacha-Traube passt. Nur 20% der Barriques sind aus amerikanischer Eiche. Was im Barrique passiert, kannst du hier nachlesen. Diese Kellerei war das erste Weingut, welches einen Garnacha Reserva produziert hat. Pionierarbeit also. Sie sind seit 1984 im Geschäft und führen die Weinanbau-Tradition der Zisterziensermönche vom nahe gelegenen Kloster Veruela weiter. Die bereits 1145 mit Rebbau begonnen haben. Dort liegt ihr Grundstein, den sie mit viel Liebe und Wissen weiterführen.

In einem grossen Raum warteten diverse Weine auf uns, um degustiert zu werden. Ich habe leider nicht alle geschafft, aber zwei, die mir besonders gefallen haben, stelle ich dir hier vor.

„Aragonia Chardonnay“

(Der hoffentlich bald bei Coop erhältlich ist! Im Sortiment wird nämlich bereits der „Aragonia“ 100% Garnacha geführt, den ich noch separat hier zu Hause degustieren und darüber schreiben werde.)

Los gehts: 100% Chardonnay, im Stahltank ausgebaut und wenn immer möglich in der 1. Septemberwoche gelesen, bei 6° serviert, erzählt er mir diese Geschichte:

Die Beine tief in sandiger Erde, die Arme gegen den Himmel gestreckt, sonnengetränkt mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Steht sie da und hat sich ein Parfum von Birnen, Salz und Thymian umgelegt und trägt einen Strauss Blumen in ihrer Hand, den sie aus den trockenen Feldern um sie herum gepflückt hat. Sie trägt eine erfrischende Säure, mit einem guten „Punch“ und ist langanhaltend.

Ein ganz cooler Chardonnay, der meiner Meinung nach viele begeistern wird.

„Solo Centifolia“ – Rosé

100% Garnacha, wird in der 2. Oktoberwoche in der Nacht geerntet, dann wenn die Traube perfekt reif ist. Die Fermentation beginnt mit der Maische für 4 Tage, danach wird diese entfernt und der Most weiter fermentiert. Bei 8° C serviert, erzählt er mir das hier:

Dieser Wein will nicht gefallen, man muss sich ihn erarbeiten. Die Nacht wird zum Tag, mit einer guten Säure und einem mineralisch-salzigen Echo. Fruchtig, frisch nach tropischen Früchten mit einem sanften Rosenblatt dekoriert. Die steinigen Böden und flirrende Hitze sind tief im Weinglas verankert.

Wie vorher erwähnt, konnte ich leider nicht alle Weine degustieren. Das lag an einem fiesen zervikalen Kopfwehschub, den ich mir durch die zahlreichen Klimaanlagen und das schwere Tasche schleppen eingefangen habe. Nichts, was ein gutes Schmerzmittel nicht lösen konnte, bis das wirkte, waren wir dann bereits beim Mittagessen. Und von dem muss ich dir auch mehr erzählen!

Die Köchin, eine ältere Spanierin, verwöhnte uns mit einem riiiesen Teller voller leckerster Tapas und gebackenem Bacon. Wir hätten wohl alle schon genug gehabt, aber es folgte ein noch grösserer Teller mit dem besten Lammgigot, das ich jemals gegessen habe, dazu Bratkartoffeln. Und als wäre das nicht genug, kam ein hausgemachter Cheesecake als Dessert. Wir kamen zudem in den Genuss, die beiden Garnacha’s „Nabulé“ zum Essen zu trinken. Zum grossen Glück war zu diesem Zeitpunkt mein Kopfweh weg und ich konnte wieder geniessen.

Fotos, C. Urhahn (Essen und Nabulé)

Giuseppe aus der Gruppe feierte an diesem Tag seinen 30. Geburtstag, und als Ehrengast durfte er sich während des Kerzenausblasens etwas wünschen. Was ich ja cool finde, ist, dass er für seinen runden Geburtstag mit auf die Reise kam und das mit unserer coolen Truppe feierte. Ich glaube, wir waren danach alle im Fresskoma, jedenfalls schliefen wir während der Fahrt zum nächsten Weingut und verdauten das leckere Essen.

Ich hoffe sehr, dass in Zukunft mehr Weine von Aragonesas Bodegas in der Schweiz zu finden sind. Denn sie würden sich definitiv lohnen! Wer weiss, vielleicht liest ja auch ein Importeur hier mit und bekommt Lust, sich der Sache anzunehmen.

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