Freitagsflasche: Chianti Classico Riserva 2020 von Carpineto

Freitagsflasche: Chianti Classico Riserva 2020 von Carpineto

Das Frühsommerwetter zeigt sich gerade eher von der frischen, „zieh dir noch was an“-Seite statt von der heiss-und-wohlig-Fraktion. Also gibt es heute nochmal einen Rotwein.

Wie du vielleicht weisst, habe ich 13 Jahre in der Toskana gelebt und dort Weindegustationstouren durchgeführt. Eines der Weingüter auf meinem fixen Programm: Carpineto. Es liegt bei Dudda (Gemeinde Greve in Chianti), an der SP16 Chianti – Valdarno, ziemlich genau dort, wo die Postkartenmotive wohnen.

An meinen ersten Besuch erinnere ich mich noch gut. Familiengeführt, Degustationsraum gleich neben dem Büro, mitten in den Rebbergen und alle einfach unglaublich herzlich. Sie haben mich und meine Gäste immer mit offenen Armen empfangen und mir so sehr vertraut, dass ich die Degustationen oft alleine durchführen durfte.

Schon damals gab es eine Auswahl ihrer Weine bei Denner und zu unserem Glück ist das heute noch so. Da wir gefühlt seit einer halben Ewigkeit keinen Chianti Classico Riserva mehr im Glas hatten, war klar, der muss mit:

Chianti Classico Riserva 2020 DOCG

Traubensorten: Sangiovese (mind. 80%), Canaiolo

Alkohol: 14%
Farbe: Granatrot

Nase: Waldbeeren, Veilchen, rote Kirschen, ein Hauch grüne Peperoni, dazu Leder, Zeder und etwas Lakritze.
Mund: Dieser typische Sangiovese-Punch! Saftige Säure, griffige, aber wunderbar eingebundene Tannine. Fruchtig, langanhaltend und herrlich unkompliziert, ein Sangiovese ohne Schnickschnack, aber mit Charakter. Er kann alles: vom Apéro mit Fleisch über geschmorte oder grillierte Gerichte (Wildschwein, Rind oder Schwein – such dir was aus) bis hin zum Käseplättli am Ende vom Znacht. Ein echter Allrounder mit Stil.

Und genau diese Geschichte erzählt er

Der Abend senkt sich langsam über den Rebberg. Die Arbeit ist getan, Ruhe kehrt ein. Die letzten Mitarbeiter schlendern zwischen Keller und einer rustikalen Pergola hin und her. Darunter ein grosser, handgezimmerter Holztisch, der schon viele Geschichten gehört hat. Jemand entfacht ein Feuer für später.

Man setzt sich. Zufrieden. Ein bisschen müde, aber auf die gute Art. Auf dem Tisch stehen Antipasti, toskanisches Brot, einfache, leckere Köstlichkeiten. Und natürlich Wein. Es wird gelacht und über Gott und die Welt diskutiert. Und vielleicht auch darüber, warum alkoholfreier Wein im Chianti Classico ungefähr so gut ankommt wie Ananas auf der Pizza.

In vino veritas!

Mit Caterina Sacchet, der Kellermeisterin, hatte ich immer besonders spannende Gespräche. Sie erzählte mir z.B. vom Druck kurz vor der Lese. Sangiovese reift spät, die Ernte beginnt meist erst Ende September, genau dann, wenn es im Chianti Classico gerne mal ausgiebig regnet. Der Blick auf die Wetterprognose wird da schnell zur täglichen Nervenprobe. Oder auch was es alles braucht an Handwerk, Wissen, anstrengender Arbeit, Energie, bis eine Flasche Wein konsumfertig beim Kunden auf dem Tisch steht.

Als wir diese Freitagsflasche geöffnet und mit der Degustation begonnen haben, war das für mich ein bisschen wie Heimkommen. Nur ohne den Koffer zu packen.

Toskana im Glas, der Song zur Freitagsflasche

Zu dieser Freitagsflasche gibt es nicht nur den obigen Blogpost, sondern gleich auch Musik. „Toskana im Glas“ ist mein kleiner Wein-Jazz-Ausflug: inspiriert vom Chianti Classico Riserva 2020 von Carpineto, von meinen Jahren in der Toskana und von all den Abenden zwischen Rebberg, Pergola und Znacht am Tisch. Ton an, Glas füllen und eintauchen.

Freitagsflasche: Moulin de Lauzières 2013

Freitagsflasche: Moulin de Lauzières 2013

Es gibt Weine, die sind einfach da. Und dann gibt es Weine, die spielen mit dir. Dieser hier gehört ganz klar zur zweiten Kategorie. Wir sprechen von der:

Moulin de Lauzières 2013 – Grande Réserve aus Les Alpilles

100% Petit Verdot, in Amphoren ausgebaut. Ja genau, Amphoren. Kein Holz, kein Schnickschnack. Einfach Traube pur. Und genau das merkst du.
Alkohol: 13.5 %

Farbe: Schwarzkirsche, tief und satt.
Nase: Ein bisschen erdig, ein Hauch Leder und dann ein ganzer Korb voller schwarzer Früchte, Kirschen, Brombeeren, Waldbeeren. Dazu Veilchen und ein wenig Lakritze. Und jetzt kommt der Clou, die Aromen bleiben nicht einfach brav sitzen. Nein. Die kommen, sagen kurz Hallo und verschwinden wieder. Du denkst dir: „Ah ja! DAS war’s!“ – und beim nächsten Riechen ist alles schon wieder anders. Fast ein bisschen frech, dieser Wein.
Im Mund: Zeigt er sich dann ganz anders. Ruhig. Gelassen. Fast schon meditativ. Die Aromen tragen sich schöner, klarer, strukturierter. Kein Drama, kein Lärm. Ein Wein für lange Abende, für Gespräche, die irgendwo zwischen Philosophie und „weisst du noch damals…“ landen.

Und jetzt kommt die Erinnerung, die mich bei diesem Wein sofort gepackt hat.

Als ich noch in der Toscana lebte und meine Weintouren machte, bekam ich einmal eine Flasche 100% Petit Verdot vom Kellermeister von Riseccoli. Dieses kleine Weingut habe ich immer wieder in meine Touren eingebaut, ein echtes Kleinod, irgendwo oberhalb von Greve in Chianti.

An einem freien Tag sass ich auf unserer Terracotta-Treppe, mit Blick über die kleine Piazza, ein Glas in der Hand. Und dann… habe ich einfach nur gerochen. Immer und imm wieder. Neue Aromen, neue Eindrücke. Ich sass dort sicher 30 Minuten und habe nichts anderes gemacht. In Italien sagt man „Ci vuole fegato“ – dafür braucht es Mumm. Und genau so war es. Dieser Wein war eine Offenbarung. Und weisst du was? Diese Erinnerung ist heute, 15 bis 18 Jahre später, immer noch glasklar da.

Kein Wunder also, dass ich ziemlich aus dem Häuschen war, als ich den Moulin de Lauzières im Coop entdeckt habe. Er kommt nicht ganz an den Riseccoli ran – allein schon, weil er nicht im Barrique ausgebaut wurde – aber er hat genau dieses typische, leicht erdige Petit-Verdot-Ding. Dieses „Moment… riecht das jetzt komisch?“ bis du merkst, dass sich dahinter eine ganze Welt versteckt.

Und dann hat er uns noch eine Geschichte erzählt:

Wir sehen eine Landschaft irgendwo im französischen Hinterland. Hügelig, ruhig, Rebberge und Felsen. Mittendrin eine alte Windmühle. Die Flügel drehen sich langsam, gleichmässig. Drinnen mahlt der Stein. Auch hier: nichts passiert schnell. Alles braucht Zeit.

So wie dieser Wein.

Die Aromen kommen und gehen wie der Wind. Der Winzer bewegt sich ruhig durch seinen Keller, schaut, hört, fühlt. Hier wird nichts erzwungen. Hier darf alles entstehen. Und irgendwie spürt man: An so einem Ort achten nicht nur die Menschen auf den Wein, sondern auch aufeinander.

Ein Wein, der dich entschleunigt, wenn du ihn lässt.

Noch ein kleines Detail am Rande: Das Weingut arbeitet biodynamisch. Und die Petit Verdot Trauben werden in der Nacht gelesen. Allein das passt schon perfekt zu diesem ruhigen, fast geheimnisvollen Charakter.

Wenn du Lust hast, dich darauf einzulassen: Den Wein bekommst du bei Coop. Und mehr zum Weingut findest du hier: https://domainedelauzieres.com

Unser Fazit?

Kein Wein für nebenbei. Aber genau der richtige, wenn du dich auf ein kleines Aromenspiel einlassen willst.

Ja, hier ist er, der passende Song

Freitagsflasche: La Porte de Novembre rosé

Freitagsflasche: La Porte de Novembre rosé

Freitagsflasche: La Porte de Novembre Rosé 2023 – halbsüsser Apéro-Wein aus dem Wallis

Heute entführe ich dich gleich nochmal ins Wallis, aber Achtung: Es wird diesmal nicht klassisch weiss, sondern überraschend verspielt. Im Glas landet ein halbsüsser Pinot Noir Rosé aus Sion von Maison Gilliard, der so gar nicht in eine Schublade passen will. Und genau das macht ihn mega interessant.

Halbsüss? Klingt für viele erstmal nach klebrig. Dieser Rosé aus dem Wallis beweist das Gegenteil.

La Porte de Novembre Rosé 2023 im Überblick

La Porte de Novembre 2023
Rosé – Mi-Doux (halbsüss)
AOC Valais

Traubensorte: 100% Pinot Noir
Alkohol: 12.3%

Farbe: zartes Lachsrosa
Nase: reifer Pfirsich, frische Aprikosen, ein Hauch Holunderblüten und weisse Rosinen. Dazu kommt eine feine mineralische Note, die ein wenig an Schiefer erinnert und dem Ganzen Tiefe gibt.
Mund: Halbsüss, aber getragen von einer knackigen Säure, die den Wein frisch und lebendig hält. Kein bisschen schwer, kein bisschen klebrig, solange du ihn schön kühl bei etwa 7 °C servierst. Lässt du ihn wärmer werden, verliert er diese Leichtigkeit. Also: unbedingt gut kühlen!

Die Aromatik zieht sich durch bis in den Abgang, wo sich neben Pfirsich und Aprikose auch ein feiner Honigton zeigt. Mit geschlossenen Augen könnte man ihn fast für einen Weisswein halten.

Das perfekte Foodpairing zum Apéro

Besonders gut passt dieser Apéro-Wein zu:

  • Datteln im Speckmantel
  • grünes Olivenpaté (aus dem Globus Delicatessa) auf Pavesi Crackern
  • grüne Oliven wie die Père Olive Ail & Fines Herbes aus dem Coop Kühlregal. Diese Kombination ist imfall richtig cool!

Und hier seine Geschichte:

Eine lange Tafel aus rustikalem Holz, irgendwo draussen oder in einer gemütlichen Stube. Überall stehen kleine Häppchen, Gläser, Flaschen. Menschen reden durcheinander, lachen laut, hören einander zu. Niemand urteilt, niemand drängt. Es ist leicht, offen, warm. Eigentlich wollte man später noch richtig essen gehen. Aber niemand steht auf. Der Apéro zieht sich – und zieht sich – und plötzlich ist es tief in der Nacht. Genau dafür ist dieser Rosé gemacht.

Er ist süffig, unkompliziert und gleichzeitig spannend genug, um Gespräche anzustossen. Kauf lieber gleich zwei oder drei Flaschen, du wirst sie brauchen. Für dich. Und für alle, die bereit sind etwas Neues zu entdecken.

Die Seele dieses Weins findest du in seiner harmonischen Mischung aus Frucht, Frische und einem Hauch Honig.

Für wen ist dieser Rosé gemacht?

Für alle, die beim Wort «halbsüss» nicht reflexartig die Augen verdrehen. Für Apéro-Fans, die lieber noch eine Flasche öffnen, statt schon über den Heimweg nachzudenken. Für Neugierige mit Lust auf etwas Abwechslung im Glas.

Und für alle, die überzeugt sind, sie trinken nur trockenen Wein – bis dieser Rosé auftaucht und plötzlich alles nicht mehr so eindeutig ist.

Und wo bekommst du ihn? Bei Coop und direkt bei Maison Gillard.

Der Song dazu? Aber natürlich!

Freitagsflasche: Amigne de Vétroz 2024

Freitagsflasche: Amigne de Vétroz 2024

Manchmal stolpert man über einen Wein, den man vorher schlicht nicht auf dem Radar hatte und genau das ist uns passiert. Amigne? Nie gehört. Jetzt: leicht verliebt.

Amigne de Vétroz 2024
AOC Valais – von Jean-René Germanier

Traubensorte: 100% Amigne
Alkohol: 13.5 %
Lieblich/halbtrocken, mit einem Restzuckergehalt von 9 – 25

Farbe: Strohgelb
Nase: Hier geht direkt die Post ab mit getrockneten Aprikosen, Honig, Mirabellen, reife Chrosle, dazu ein Hauch Baguette und tatsächlich etwas, das an schottisches Shortbread erinnert. Warm, weich, einladend.
Mund: Mittelsüss, getragen von einer richtig lebendigen Säure, dazu ein feiner mineralischer Zug (ganz leicht Schiefer) und eine Fruchtigkeit, die einfach Freude macht. Das ist kein Wein, der sich sofort komplett erklärt, eher einer, der dich neugierig macht und Schluck für Schluck mehr zeigt.

Wir haben uns ernsthaft gefragt, was sich Jean-René Germanier bei diesem Wein gedacht hat. Welche Idee dahintersteckt. Welche Schritte nötig waren, bis dieses spannende Gesamtbild entstanden ist. Für uns ganz klar: ein „vino da meditare“. Einer, der Zeit verdient.

Die Rebsorte: Amigne aus Vétroz

Wer mehr über diese eigenwillige Walliser Diva wissen will – am Mittwoch haben wir ihr einen eigenen Artikel gewidmet. Dort erfährst du alles über Herkunft, Besonderheiten und warum sie fast nur rund um Vétroz zuhause ist.

Kurz zusammengefasst: Amigne ist selten, charakterstark und ein echter hidden gem für alle, die gerne mal abseits vom Mainstream unterwegs sind. Typisch für sie: diese Kombination aus Frucht, Blüten, Honig und einer lebendigen Struktur mit leicht bitterem Finale, das alles zusammenhält.

Und als kleines nerdiges Detail: die Bienen auf dem Etikett zeigen den Süssegrad an. (1 = trocken, 2 = halbsüss, 3 = süss). Hier trifft Wein auf Imkerei und wir lieben es.

Foodpairing?

Raclette, Vacherin-Fondue, Gschwellti mit Käse, Foie gras oder einfach mal zum Brunch statt Prosecco. Wichtig: gut kühlen! Er braucht die Frische, um richtig aufzublühen.

Diese Geschichte erzählt er:

Ein stilles Mandli aus dem Wallis, irgendwo unter einem alten Schober. Keiner, der laut ruft oder sich in den Vordergrund drängt. Einer, der wartet. Beobachtet. Und erst dann näherkommt, wenn du bereit bist, ihn wirklich kennenzulernen. Er trägt die Wärme seiner Heimat in sich, die Sonne, den Wind, die kargen Böden. Ein Eigenbrötler, aber einer mit Tiefe. Mit feinen Zwischentönen. Mit einem weichen Kern, den er nicht jedem sofort zeigt.

Du musst ihm entgegengehen. Einen Schritt machen. Vielleicht auch zwei. Und wenn du bleibst, wenn du ihm Zeit gibst, dann öffnet er sich. Schluck für Schluck. Geschichte für Geschichte.

Und plötzlich ist er ganz da, präsent, ruhig, voller Charakter. Einer, den man nicht mehr so schnell vergisst.

Lust bekommen?

Den Amigne de Vétroz 2024 von Jean-René Germanier gibt’s bei Coop oder direkt beim Weingut Jean-René Germanier.

Und ganz ehrlich: Wenn du Schweizer Weinbauern unterstützen willst… go for it!

Und hier noch der Song dazu:

Freitagsflasche: Arrogant Frog Rosé 2025

Freitagsflasche: Arrogant Frog Rosé 2025

Noch kein Plan, was dieses Weekend ins Glas kommt? Kein Problem, wir haben da etwas für dich. Willkommen zur Freitagsflasche – oder anders gesagt: die wohl einfachste Entscheidungshilfe für deinen nächsten Weineinkauf.

Und ja… diese Empfehlung hat eine kleine Coop-Story.

Wir wohnen ja gefährlich nahe beim Coop in Avenches. Gefährlich deshalb, weil dort in letzter Zeit regelmässig degustiert wird. Und wenn die Degustations-Dame dich schon von Weitem erkennt und fragt: „Möchten Sie probieren?“ ja was soll man da noch sagen ausser: natürlich!

Die Auswahl war dieses Mal eher klein (für Coop-Verhältnisse fast schon minimalistisch), aber genau das hat sich als Glücksfall herausgestellt. Rotwein? Haben wir genug im Weinkühlschrank. Aber bei Rosé und Weiss? Da ist immer noch Luft nach oben und genau da kam dieser Kandidat ins Spiel.

Und ganz ehrlich: Diesen Wein hätten wir ohne Degustation ziemlich sicher stehen lassen. Aber genau deshalb gibt es diese Rubrik. Damit du auch ohne zu degustieren weisst, was sich lohnt. Gäbig, gäu.

Also, Bühne frei für:

Arrogant Frog Rosé 2025
IGP Pays d’Oc – Südfrankreich

Traubensorten: Grenache Gris, Grenache, Sinsault, Caladoc
Alkohol: 12.5%
Farbe: Hautfarben
Nase: Waldbeeren vorneweg, dahinter schleicht sich eine leicht grüne Pepperoni-Note an (keine Angst, subtil!), dazu Aprikose, Holunderblüten und ein Hauch Honig.
Mund: Eine richtig schöne, lebendige Säure, mineralisch, frisch und mit einer Energie, die dir fast entgegenspringt. So ein Wein, den man eigentlich gar nicht schlucken möchte, weil er im Mund einfach zu viel Spass macht. Fruchtig, verspielt und absolut sommerlich.

Das ist übrigens auch so ein Wein, den du problemlos hinstellen kannst, wenn du nicht genau weisst, was deine Gäste mögen. Funktioniert. Immer. Haben wir getestet, kürzlich mit jemandem der von sich selbst sagt, er habe „null Ahnung von Wein“. Fazit: Glas leer (mehrmals), Begeisterung gross.

Und das „Arrogante“? Ganz klar der Preis-Leistungs-Faktor. Der Wein spielt locker in einer Liga, wo andere deutlich mehr kosten. Ein kleiner Angeber also, aber einer, den man gerne am Tisch hat.

Passt wunderbar als Apérowein, zieht sich aber genauso entspannt durch den ganzen Abend bis hin zur Käseplatte. Einer von denen, die einfach bleiben dürfen.

Und dann ist da noch diese kleine Geschichte, die er erzählt:

Du bist irgendwo in Südfrankreich mit dem Velo unterwegs. Es ist warm, du hast Hunger, suchst ein Restaurant. Du findest eins, sieht ein bisschen schräg aus, ein wenig unscheinbar, mit einem Schild, bei dem du dich fragst: „Soll ich da wirklich rein?“

Du gehst trotzdem.

Und dann passiert’s: Gang für Gang wird zur Offenbarung. Alles ist überraschend gut. Der Patron? Anfangs eher zurückhaltend, fast schon distanziert. Und genau deshalb denkst du kurz: „Hmm… kommt da noch was?“

Oh ja, es kommt.

Jean-Louis der Koch, ein älterer Herr mit elegantem Schnäuzer, französisch bis ins Mark, mit Stil und Haltung. Und gleichzeitig voller Finesse und Vielfalt, genau wie seine Küche. Er regiert über sein Reich und bringt dir die leckersten Überraschungen auf den Tisch.

Und genau so ist auch dieser Wein. Unterschätzt ihn nicht.


Mein Song für dich über den Arrogant Frog

Für wen ist dieser Wein?

Für alle, die einen unkomplizierten, aber nicht langweiligen Rosé suchen. Für Gäste, bei denen du den Geschmack nicht genau kennst. Für Apéroliebhaber und alle, die gerne viel Genuss für erstaunlich wenig Geld im Glas haben.

Und jetzt ehrlich: Wenn ein Wein so viel für so wenig Geld kann, wäre es fast arrogant ihn nicht mitzunehmen. Lass dir diesen Frosch nicht entwischen!

Freitagsflasche: Donnafugata Floramundi – wo die Leichtigkeit tanzt

Freitagsflasche: Donnafugata Floramundi – wo die Leichtigkeit tanzt

In unserer Reihe der Freitagsflasche stellen wir den Floramundi 2023 von Donnafugata vor. Ein fröhlicher Wein aus Cerasuolo di Vittoria, Sizilien, mit Nero d’Avola und Frappato. Es ist die zweite Flasche, welche wir von Donnafugata zum degustieren erhalten haben.

Floramundi 2023
Cerasuolo di Vittoria DOCG – Nero d’Avola & Frappato

Alkohol: 13.5%
Farbe: Scharlachrot
Nase: Zwetschge, Veilchen, Marzipan, frische Feigen, Bimsstein, (Leder). Er riecht „tief“ und braucht Zeit um sich zu entfalten.
Mund: Angenehme Säure und wenig Tannin, sehr ausgewogen, nimmt den ganzen Mundaraum ein. Fröhlich und frisch, macht Lust auf noch einen Schluck und was uns besonders auffiel: Er wirkt leichter als er ist. Kein 08/15 Wein. Er lässt sich – wie Garnacha – gekühlt trinken. Serge meinte, beim Trinken habe man den Eindruck, als hätte nebenan jemand grobe Salzkörner liegen lassen. Diese salzige Mineralität ist spürbar.

Diese Geschichte erzählt er

Man biegt in eine enge, kopfsteingepflasterte Gasse ein. Die Hitze steht zwischen den Häusern, es ist Mittag. Aus einer kleinen Werkstatt dringt der Duft von Leder, der Handwerker schliesst gerade ab, wischt sich die Hände an der Schürze und verschwindet in die Mittagspause. Zurück bleibt Stille.

Die Gasse wirkt plötzlich leer, fast verlassen. Als hätte sich alles zurückgezogen. Und für einen Moment fragt man sich, ob man hier überhaupt richtig ist.

Dann – ein paar Schritte weiter – kippt die Szene. Um die Ecke weht eine Stimme, hell und lebendig. Lachen. Man folgt ihr und steht plötzlich vor einem Blumenladen, der überquillt vor Farben und Düften. Dort steht sie, mitten im Raum, spricht, gestikuliert, lacht und alles wirkt leicht, offen, einladend. Die Schwere der Gasse ist vergessen. Man bleibt stehen, lässt sich mitziehen, atmet ein, und kauft am Ende viel mehr, als man wollte. Nur, um dieses Gefühl mit nach Hause zu nehmen.


Floramundi lebt vom Zusammenspiel zweier sehr unterschiedlicher Persönlichkeiten: Nero d’Avola und Frappato.

Nero d’Avola ist das Fundament. Siziliens Paraderebsorte, sonnenverwöhnt, dunkel, mit Tiefe und Struktur. Er bringt die Zwetschge, die Wärme, dieses leicht Erdige und manchmal auch etwas Ruhiges, Nachdenkliches. Kein Lautsprecher, eher jemand, der erst spricht, wenn es sich lohnt.

Frappato hingegen tanzt daneben. Hellere Frucht, florale Noten, fast etwas Verspieltes. Er bringt  die Frische und Leichtigkeit in den Wein, die man nicht ganz greifen kann aber sofort spürt.

Was Donnafugata hier macht, ist kein Kompromiss, sondern ein Dialog. Tiefe und Leichtigkeit stehen nicht im Widerspruch, sie verstärken sich gegenseitig. Darum wirkt der Wein so überraschend: Substanz ist da, er fühlt sich jedoch nie schwer an.

Zu wem und was passt dieser Wein?

Er passt zu einfachen, guten Dingen: Antipasti, gegrilltes Gemüse, etwas Salzigem, das seine Mineralität aufnimmt oder einfach zu Gesprächen, die plötzlich länger dauern als geplant.

Ein Wein für lange Sommerabende. Auf dem Balkon, im Garten oder der Terrasse, wenn die Luft noch warm ist und der Tag langsam ausklingt. Er braucht kein grosses Brimborium. Nur ein bisschen Zeit, etwas Leichtigkeit und genau die richtigen Menschen am Tisch.

Den Floramundi findest du in der Schweiz bei: Vinothek Brancaia und in Deutschland bei: Senti Vini.

Bevor der Floramundi ins Glas kam, hat uns letzte Woche bereits der Contesa dei Venti von Donnafugata begleitet, der Auftakt zu dieser kleinen Entdeckungsreise.

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