Freitagsflasche: Donnafugata Contesa dei Venti – Sizilien im Glas

Freitagsflasche: Donnafugata Contesa dei Venti – Sizilien im Glas

Aus der (neuen) Reihe: „Die Freitagsflasche“ – oder was du am Weekend trinken könntest.

Bereits 2018 durften wir Weine von Donnafugata degustieren und haben darüber geschrieben. Seitdem ist zwischen 2018 und 2026 einiges passiert – in der Weinwelt, bei Donnafugata und vermutlich auch in deinem Glas. Damit uns nicht langweilig wird, wurden wir wieder angefragt, ob wir Weine von Donnafugata degustieren und darüber schreiben möchten. Ja sicher doch!

Ein besonderer Moment war, als Gabriella Favara – Enkelin von Gründerin Gabriella Rallo und Tochter von José Rallo – vor ein paar Jahren ins familiengeführte Weinbusiness einstieg. Zuerst im Bereich Weintourismus / Wine Hospitality, heute verantwortet sie als Teil der sechsten Generation des Weinguts vor allem Marketing- und Exportaktivitäten. Sie führt dieses Erbe mit einem zeitgemässen Blick auf Wein, Kultur und Nachhaltigkeit fort und ja, man merkt das den Weinen an.

Damit du dich nicht verloren fühlst, hier die kurze Zusammenfassung, woher Donnafugata kommt und wer dahintersteckt:

Über Donnafugata

Donnafugata ist ein familiengeführtes Weingut auf Sizilien, 1983 von Giacomo und Gabriella Rallo gegründet. Heute wird das Unternehmen von den Kindern José und Antonio Rallo geleitet und steht für Pionierarbeit im Qualitätsweinbau Siziliens.

Das Weingut verfügt über 459 Hektar Rebflächen, verteilt auf vier Produktionsstätten: Contessa Entellina in Westsizilien, Vittoria (Acate) und Etna (Randazzo) in Ostsizilien sowie auf der Vulkaninsel Pantelleria. In den historischen Familienkellereien in Marsala finden Ausbau und Abfüllung statt, dort liegt auch der Firmensitz.

Die Familie Rallo arbeitet bereits in der sechsten Generation im Weinbau. Rund 29’000 Besucher:innen jährlich kommen zu Veranstaltungen, Führungen und Verkostungen und bekommen einen kreativen Einblick in Lebensgefühl, Terroir und Qualitätsanspruch von Donnafugata.

Donnafugata ist Mitglied des Istituto Grandi Marchi, einem Verbund der 18 renommiertesten familiengeführten Weingüter Italiens. Antonio Rallo ist zudem Präsident des Schutzkonsortiums DOC Sicilia.

Wenn du also noch nie einen Wein von Donnafugata im Glas hattest: Es wird höchste Zeit. Wirklich.

Wir haben zwei Weine zugesandt bekommen, von denen wir dir heute und nächsten Freitag erzählen. Und dich einladen, dir ganz bewusst zu überlegen, was du dieses Wochenende trinken möchtest. Oder nächste Woche. Oder beides.

Contesa dei Venti 2022
Vittoria DOC – 100% Nero d’Avola
13% Alkohol

Farbe: Purpur
Nase: rote Früchte, Kirschen, Lavendel, frische Zwetschge, Thymian, Zeder.
Mund: Mehr Säure als Tannin, erfrischend leicht, mineralisch. Kein Wein zum Meditieren – er will Essen dazu. Ein idealer Apérowein und Begleiter zu qualitativ gutem Aufschnitt, lang gereiftem Ziegen- oder Pecorinokäse, aber auch kleine Chäschüechli oder Schinkengipfeli.

Wir haben ihn bei 16 °C begonnen zu degustieren. Am Anfang war er noch etwas „spigoloso“ / „spitzig“, das hat sich aber gelegt als er im Glas ein bisschen wärmer wurde. Mit steigender Temperatur wurde er zugänglicher, geschmeidiger, chli so wie Gäste, die nach dem zweiten Glas anfangen von ihrem Leben zu erzählen.

Diese Geschichte erzählt er

Wir stehen mitten in einem Weinberg mit trockenen, sandigen Böden, Thymian- und Lavendelbüsche säumen die Ränder. Grössere Steine sind Teil des Bildes. Es windet, Staub wirbelt auf, man muss beweglich bleiben, mal hier, mal da – so wie die Winde, die dort wehen.

Die Reben bewegen sich im Wind, und wir schauen einer jungen Frau zu, die in ihrem pinken Kleid lachend ihrem Strohhut hinterhereilt, den ihr der Wind vom Kopf gezogen hat. Sie war gerade dabei, das Panorama und die Aussicht aufs glitzernde, blaue Meer zu geniessen.

Die Sonne brennt vom Himmel, es riecht nach heisser Erde. Wenn sich der Wind kurz legt, ist es still – ausser hie und da eine Grille, die die Sommerhitze feiert. Es rauscht durch die Reben. Leben. Freude. Harmonie. Lebenslust. Ein Wein, der nicht laut schreit, aber dich freundlich am Ärmel zupft und sagt: „Komm, wir gehen noch ein Glas trinken.“


Wenn du dir jetzt beim Lesen gedacht hast: „Genau so einen Wein brauche ich dieses Weekend“, dann hat der Contesa dei Venti seinen Job schon halb erledigt. Den Rest macht er im Glas.

Falls du gerade keine Reise nach Sizilien buchen kannst: dieser Nero d’Avola ist die zweitbeste Lösung. Am besten leicht gekühlt trinken, mit Menschen, die du magst und genügend Zeit, um den Wind im Glas ein bisschen wehen zu lassen.

Und weil dies erst der Anfang der neuen Reihe ist: Kommenden Freitag wartet schon die nächste Freitagsflasche auf dich. Bis dahin lass es dir schmecken!

Ah und finden tust du ihn in der Schweiz hier: Vinothek Brancaia und in Deutschland hier: Senti Vini.

3 Kühe die was können – das Weintrio „Vache“ im Test

3 Kühe die was können – das Weintrio „Vache“ im Test

Wie angekündigt, nehmen wir uns künftig vermehrt Weine aus dem Supermarkt vor. Nicht etwa weil wir bisher nie bei Coop oder Denner eingekauft hätten, mitnichten! Beide Anbieter führen spannende Tropfen im Sortiment und liefern sich regelmässig regelrechte Wein-Aktions-Schlachten. Da lohnt es sich, genau hinzusehen und zuzuschlagen.

Eine kleine Insider-Info aus meiner Toscana-Zeit: Winzer, die an Coop liefern, dürfen ihre Weine nicht auch über Denner anbieten und umgekehrt. Beide Häuser decken das ganze Spektrum ab: von der eher einfachen Alltagsplörre (exgüsee!) bis hin zum hochwertigen, bezahlbaren Topwein.

Bis man sich da durchprobiert und seine Favoriten gefunden hat, vergeht einiges an Zeit. Genau dabei möchten wir dir helfen, damit du nicht nur nach Etikett entscheiden musst, sondern auch eine Ahnung hast was ins Glas kommt. Wobei… gerade Etikettenkäufe manchmal tolle Überraschungen bereithalten. Uns ist das beim „Vache“ passiert: Beim durch die Weinsektion im Denner flanieren sahen wir dieses coole Label. Wir mögen Viognier und schon war die Idee geboren eine Degu zu machen. Dass es gleich 3 Kühe gibt, fanden wir auch toll und legten los.

Die „Vache“ Weine stammen alle aus der gleichen Winzerkooperative. Aus dem Pays  d’Oc, also der Region Languedoc-Roussillon, unserer liebsten Gegend in Frankreich: Okzitanien. Dieses wunderschöne Stück Land zwischen Montpellier und Perpignan, bis weit ins Hinterland reichend, hat alles was das Weinherz begehrt. In Küstennähe herrscht ein raues, windiges Klima, durchtränkt von Sonne, Meeresluft und dem Duft der Pinien. Die Böden sind trocken und steinig; perfekte Voraussetzungen, um charakterstarke, eigenständige Weine hervorzubringen.

Beginnen wir mit dem Weisswein

„Vache d’Automne“ 2024
100% Viognier
13.5% Alkohol

Farbe: Lindenflor
Nase: Holunderblüten, Williamsbirne und Aprikose steigen zuerst auf, begleitet von einem Hauch Butter und feiner Süsse wie nach Rapshonig (Serge schmeckt als Imker sofort Honig-Unterschiede 😉). Zitruston, etwas Feuerstein und ganz hinten eine salzige, mineralische Note.
Mund: Fruchtig, buttrig mit einem feinen Umami. Aprikose und florale Noten, getragen von einer samtigen Textur und einer harmonischen Säure. Der Wein ist erstaunlich lang anhaltend.

Wie auf dem Foto zu sehen, harmoniert dieser Viognier wunderbar mit Coppa, Grana Padano und Trockenfleisch aus dem Gruyèreland, alle drei haben wir übrigens im Coop Milavy Centre in Avenches gekauft. Es empfiehlt sich ohnehin, diesen Wein zu einem feinen Imbiss zu geniessen; pur kann er etwas zu intensiv wirken.

Diese Geschichte erzählt er:

Ein kalter Januartag. Ein Mann sitzt mit seinem Partner irgendwo im Norden Europas im Wohnzimmer. Vor ihnen ein Glas Viognier und plötzlich sind sie wieder mitten in ihren Herbstferien. Damals sassen sie in Perpignan vor einer kleinen Bar, mit Blick auf den Platz wo das Leben pulsierte: Menschen kamen und gingen, ein sanftes Durcheinander und doch eine friedliche Ruhe. Sie lehnten sich zurück, genossen die Zweisamkeit. Ein Augenblick voller Wärme und purem Genuss. Wein. Liebe. Sein.

Während der Degustation haben wir festgestellt: Viognier ist ein Wein, den man sich erarbeiten muss. Fast ein bisschen wie die Sangiovese-Traube, auch sie will nicht auf Anhieb gefallen. Beide brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar etwas Erfahrung.

Und ehrlich gesagt würden wir Viognier nicht einfach so unseren Gästen einschenken, ohne vorher zu fragen ob sie ihn mögen. Dieser Wein polarisiert. Wer ihn versteht, liebt ihn – wer ihn nicht kennt, ist vielleicht (zu sehr) überrascht.

Sodeli, nach diesem poetischen Einstieg waren wir mega gespannt, was

der Rosé zu offenbaren hat

„Vache d’Éte“ 2024
100% Cinsault
12% Alkohol

Farbe: Hautfarben
Nase: Eine geballte Ladung Beeren (vor allem Wald- und Himbeeren) dazu eine feine mineralische Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht.
Mund: Eine kleine, erfrischende Fruchtbombe! Saftig, lebendig, mit angenehmer Mineralität und für einen Rosé überraschend langem Abgang.

Wir meinen aus dem Bauch raus, dass er hammermässig zu Moules & Frites passen würde.

Dies ist seine Geschichte:

Du wirst mitten in einen grossen, gepflegten Garten im Hochsommer katapultiert. Die Sonne scheint heiss, der Lavendel duftet und von irgendwoher klingt Lachen. Langeweile? Nix da. Überall bloss gute Laune, Gläser voller Rosé und spritzige Drinks, Stimmengewirr, Musik, Gläserklirren. Gegen Abend hängen Laternen in den Bäumen, ihr Licht tanzt über den Rasen und die Stimmung wird noch ausgelassener. Der Moment ist leicht und fruchtig, genau wie der Wein im Glas.

Und zum Abschluss noch der Rotwein

„Vache d’Automne“ 2024
Cabernet Sauvignon – Syrah (Prozentverteilung nicht bekannt)
13.5 % Alkohol

Farbe: Tiefdunkel, fast tintig. Wir waren uns nicht ganz einig, aber nach längerem Diskutieren einigten wir uns auf diese Farbe.
Nase: Cassis und dunkle Kirsche geben sich die Hand, Zeder gleitet elegant dazwischen, dann gesellen sich weitere dunkle Früchte dazu. Auch hier zeigt sich eine feine Mineralität. Und plötzlich steht man mitten auf einem Gewürzmarkt.  Überall Düfte, Aromen und Eindrücke.
Mund: Schwarze, reife Kirschen, saftig-fruchtig mit Schokolade und einem Hauch Speck. Die Tannine und die Säure sind wunderbar ausgewogen. Diesen Wein muss man sich nicht erarbeiten, er ist einfach da um zu gefallen. Kein Wunder also, dass er beim Concours International de Lyon  2025 eine Goldmedaille geholt hat.

Hast du Gäste und bist unsicher, welcher Wein allen schmecken könnte? Mit diesem hier liegst du kaum daneben. Ein echtes Multitalent mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Seine Geschichte erzählt er so:

Ein Tausendsassa der sich lachend durch alle Feste bewegt. Charmant, gewieft und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er findet überall seinen Platz: Beim festlichen Weihnachtsessen mit Braten, Kartoffelgratin und Rüebli mit Spinat; beim grossen Geburtstagsfest der Schwiegermutter, wo es Sandwiches, Hammen und Kartoffelsalat gibt; oder ganz einfach beim Apéro-Plättli mit Trockenfleisch und Paté. Wer ihn nicht kennt und plötzlich im Glas hat, ist überrascht woher er kommt und wie sympathisch und vielseitig er ist.

So sieht es aus, wenn das Team Weinweib Degustiert.
Ich am Notizen machen, derweil wir die Geschichte des jeweiligen Weins finden.

Fazit

Drei Kühe, drei Charaktere, drei kleine Reisen im Glas. Vom vielschichtigen Viognier über den verspielten Rosé bis hin zum charmanten Roten mit Goldmedaille. Die „Vache“-Familie zeigt, dass Supermarktweine nicht langweilig sein müssen. Preislich liegen sie so gut, dass du dir ruhig beim nächsten Einkauf im Denner je eine dieser Flaschen gönnen darfst.

Weine aus Portugal

Weine aus Portugal

Am 9. September 2025 rief Zürich – oder besser gesagt: Weine aus Portugal riefen Serge und mich dorthin. Wir durften an einer richtig coolen Weindegustation teilnehmen. Ok, ich geb’s ja zu: jede Degustation ist cool. Aber diese war dann doch besonders. Es ging um Portugals unglaubliche 250 Rebsorten (!), präsentiert von 26 Weinproduzenten, die aus allen Ecken des Landes angereist waren.

Viele Winzer waren persönlich vor Ort, manche liessen sich von einem Teammitglied vertreten. Der Event fand im wunderschönen Zunfthaus zur Meisen statt, allein schon der Saal im ersten Stock versetzte Serge und mich fast ein wenig ins Schwärmen. Der zweite Grund für unser Strahlen war natürlich die riesige Weinauswahl, die wir unmöglich in zwei Stunden hätten schaffen können.

Ein Fest der Vielfalt: Portugals Rebsorten und Regionen  

Portugal ist weltweit bekannt für seine einzigartige Vielfalt an autochthonen Rebsorten – tatsächlich sind es über 250, von denen viele nirgendwo sonst angebaut werden. Diese Vielfalt ist eine Schatzkammer für Weinliebhaber, die Lust haben neue und unverwechselbare Weine zu entdecken.  

Die wichtigsten Weinregionen im Land reichen vom nördlichen Vinho Verde, bekannt für seine knackigen und erfrischenden Weine, über das legendäre Douro-Tal, Heimat des Portweins und vielfältiger Tafelweine, bis hin zu sonnenverwöhnten Regionen wie Alentejo und der Algarve im Süden. Jede Region bringt ihren eigenen Charakter hervor, geprägt von den klimatischen Bedingungen, den Böden und der jahrhundertealten Weinbautradition.

Am Event wurde diese Vielfalt bestens präsentiert – von den frischen Weissweinen bis zu den kraftvollen Rotweinen.

Begegnungen und Geschichten: Die Winzer im Mittelpunkt  

Viele der Weinproduzenten waren persönlich anwesend, was die Degustation zu einem besonders authentischen Erlebnis machte. Ihre Leidenschaft spürt man nicht nur im Glas, sondern auch in ihren Geschichten – über Herausforderungen, Träume und Zukunftspläne.  

Neben spannenden neuen Rebsorten und Weinen gab es auch wunderbare Begegnungen: Ich traf Alicia Mettler von Mettler Vaterlaus und freute mich sehr über das Wiedersehen mit Martin Spors von Baur au Lac Vins, mit dem ich bereits eine Weinreise ins spanische Garnachaland erleben durfte. Wir haben viel gelacht, Fachsimpeln betrieben und uns gegenseitig Tipps für spannende portugiesische Produzenten gegeben.

Viele der vorgestellten Weine findest du übrigens in der Schweiz bei Ullrich. Von Esporão und Quinta do Crasto haben wir etliche degustiert und ich lade dich ein, dir die eine oder andere Flasche zu Gemüte zu führen.

Manche Produzenten suchen noch nach Impor­teuren, andere präsentierten einfach mit viel Herzblut ihre Weine. So gut, dass eine Reise nach Portugal, um die Weingüter direkt zu besuchen, nun definitiv weit oben auf unserer Wunschliste steht.

Fado und Wein: Portugals Seele und seine Verführung  

Ein ganz besonderes Element, das für mich den Zauber Portugals ausmacht, ist der Fado – die Musik voller Melancholie, Leidenschaft und Sehnsucht. Fado und Wein gehören untrennbar zusammen und erzählen Geschichten von Heimat und Leben. Diese emotionale Verbindung spürt man auch in den Weinen, die mit Charakter und Tiefe begeistern.

Wie du weisst, versuche ich immer, meine Eindrücke von solchen Events in Videos festzuhalten. Dieses Mal ist das Video bunt gemischt – und ja, mein Gesicht siehst du auch wieder mal vor der Kamera. Nach unserem Umzug nach Avenches plane ich ein neues Format, in dem ich öfter mal vor statt hinter der Linse stehe.

Und endlich endlich habe ich mein perfektes Mikrophon gefunden. Damit die Aufnahmen auch so sind wie ich mir das vorstelle.

Und nun: viel Spass mit meinen Eindrücken von „Wines of Portugal“ Zürich!

Fado – Portugals Seele – und seine Weine sind eine Kombination, die verführen. Lass dich begeistern und entdecke deinen neuen Lieblingswein!

Zweite und dritte Runde: Ribera del Duero in all seiner Vielfalt

Zweite und dritte Runde: Ribera del Duero in all seiner Vielfalt

Im Blogpost über „Ribera del Duero – Cosecha“ habe ich dir bereits über Tempranillo, Sonne, Spanien und den ersten der drei Cosecha Weine erzählt. Nun kommt die zweite und dritte Flasche an die Reihe. 

Diese waren jetzt mehr im Sinne von den mir bekannten Tempranillos. Völlig anders als der Vegantigua, jedoch auch mit ganz tollen Geschichten.

Du darfst gespannt sein!

Protos 27
100% Tempranillo
15% Alkohol
Reben die über 50 Jahre alt sind
Rebberge liegen 800 MüM

Die zweite Fermentation findet in Barrique aus französischer Eiche statt, danach wird er für 16 Monate in selbigen ausgebaut. Anschliessend noch 12 Monate auf der Flasche, bevor er in den Verkauf gelangt.

Farbe: dunkles Purpur
Nase: Cassis, Heidelbeeren, Pilze, Vanille, Zeder
Mund: „Secces“ Tannin, das sich rasch im Mund ausbreitet. Wenig Säure und leicht bitter. Lang anhaltend mit Caramellaromen. Da kam sofort eine Kindheitserinnerung ins Spiel: kennst du die Caramellstangen von Carambar noch? Genau so schmeckt es. Die alten Reben machen sich bemerkbar. Man hat sofort das Bild von einem alten, eher feuchten Kellergewölbe vor Augen. Kühl, wo die Barriques in Ruhe gelassen werden. Wenn er ein wenig stehen gelassen wird, offenbart er sich.

Passt hervorragend zu Rindsragout, Wild (Wildschweinbraten, Rehpfeffer etc.) ein toller Herbstwein.

Diese Geschichte erzählt er:

Er ist ein Wein mit Geheimnissen. Einer, der nicht sofort alles preisgibt, sondern dich erst einmal ins Dunkel führt. In die Tiefe alter Keller, vorbei an Barriques, vielleicht sogar durch geheime Gänge einer Burg. Da unten ist es ruhig, fast zeitlos. Man spürt: Geduld wird hier belohnt.

Langsam, ganz langsam, öffnet er sich. Erst nur ein Hauch – etwas Caramell, ein Funkeln von Dunkel und Hell, wie ein Spiel von Schatten und Fackellicht. Dann treten sie hervor: zwei junge Männer, die aus ihrem Versteck zwischen den Fässern ins Licht treten. Sie entzünden draussen ein Feuer, und plötzlich ist Wärme da, Lebendigkeit, ein Gefühl von Heilsein.

So erzählt dieser Wein von alten Zeiten, als nichts gehetzt war und niemand auf sein Smartphone starrte. Er schenkt dir Ruhe und wer ihm Zeit lässt, wird vielleicht ein Wunder sehen: einen Drachen, der majestätisch über den Kellereien kreist. Seine Schwingen breitet er aus, nicht furchterregend, sondern beschützend. Ein Wächter über Mensch, Traube und das gute Leben.

Dies ist kein Wein, den man hastig trinkt. Dies ist einer, den man erlebt.

dritte und letzte Flasche

Altamimbre
100% Tempranillo
14.5% Alkohol
80 Jahre alte Reben
Ausbau: 20 Monate in Barrique aus französischer Eiche

Farbe: Purpurrot
Nase: Cassis, schwarze Kirschen, Schokolade, Zeder, Tabak und Lakritze
Mund: Tannin und eine secce Säure, Schoggi im Mund! Lang anhaltend, auch hier schmeckt und riecht man die alten Reben. Vollmundig und fruchtig.
Wir meinen: unbedingt noch 2 bis 4 jahre lagern.

Es ist ein direkter Wein, ohne Schnickschnack, fast ein wenig stachelig. Wer ihn mag, muss tanninige Weine lieben. Und unbedingt: eine Stunde vor dem Trinken öffnen und mit Essen kombinieren. Paté, Ragout, salziges und fettiges Fleisch – eine Bernerplatte mit Dörrbohnen, ein Rindsbraten – das ist sein Zuhause.

Seine Botschaft

Dieser Wein erzählt keine Geschichte, er trägt eine Botschaft: Stell dir einen ruhigen, breiten Fluss vor, langsam fliessend, mit tief hängenden Bäumen am Ufer. Alles wirkt gemächlich, ohne Hast. Er gibt dir Zeit, so wie die 80-jährigen Reben, die ihren eigenen Takt vorgeben. In dieser Ruhe liegt Kraft.

Es fühlt sich an wie ein abendlicher Kreis, in dem jeder seine Geschichte erzählt und die anderen zuhören. Weisheiten, kleine Tricks und Tipps aus dem Leben. Alles braucht seine Zeit, wie auch dieser Wein mit seinem langen Ausbau.

Genau das hat er uns bei der Degustation beigebracht. Über eine Stunde sind wir bei ihm geblieben, Schluck für Schluck. Normalerweise reicht uns schon eine halbe Flasche, um einen Eindruck, eine Geschichte zu finden. Aber diesmal: wir waren mitten drin, ohne es zu merken – bis die Flasche plötzlich leer war.

Geduld, Kraft und Charakter: unser Fazit zu den Degustationen

Wer einem Ribera del Duero zuhört, entdeckt mehr als nur Wein:  da steckt Tageshitze und kühle Nacht, Geduld und Lebensfreude. Es sind Weine, die nicht gefällig sein wollen, sondern die lieber ihre Geschichte nach und nach preisgeben. Man muss sich ihnen öfter widmen, ein bisschen verweilen – dann zeigen sie nicht nur Kraft, sondern auch Finesse, Eleganz und manchmal sogar einen Funken Poesie zwischen Aromen, Tanninen und Säure.

Darum: Ribera del Duero-Weine lohnen immer auch das zweite (und dritte) Glas. Sie sind keine schnellen Bekannten – sondern treue Begleiter für geduldige Zuhörerinnen und Geniesser mit Lust auf mehr.

Headerbild: Michelle Müller | Logo: Informationsbüro Ribera del Duero

Wine Date: Ferienstimmung im Glas

Wine Date: Ferienstimmung im Glas

Wine Date ist ein Anlass, den ich wirklich jedem ans Herz lege: egal ob eingefleischte Weinliebhaberin, ambitionierter Weinfreak oder einfach jemand, der Lust hat Wein ganz neu zu entdecken.  

Kennengelernt habe ich die Frau hinter Wine Date – Christina Urhahn – übrigens auf der  Pressereise nach Spanien. Schon damals erzählte sie mir begeistert von ihrem Projekt, das sie zusammen mit Sara Barth organisiert. Und als ich dann gesehen habe, dass ein Wine Date mitten in Luzern stattfindet war ich sofort Feuer und Flamme. Und das Beste: von Bern aus kommt man ganz entspannt mit dem Zug hin – perfekt für einen genussvollen Abend ohne Stress.

Das Wine Date fand in der Kornschütte statt – schöner geht’s kaum! Alles liebevoll und mit viel Herzblut organisiert. Die Atmosphäre war fröhlich, entspannt und sehr stimmig. Nebst den Degus gab’s herzhafte Käse/Fleischplättli, dazu eine Bubbles Bar. Wer mich kennt ahnt: mein Herz machte da ein paar Gümpli mehr.  

Weine für jeden Geschmack 

Coole Weine? Jawoll. Verrückte Weine? Absolut. Likörchen zum Abschluss? Ebenfalls da. Ganze 5½ Stunden (!) habe ich mir Zeit genommen um zu degustieren, plaudern, fragen und lernen. Die Winzerinnen und Winzer oder Fachhändler standen gleich selber hinter den Ständen. Da wird nicht nur eingeschenkt, da wird gefachsimpelt. Und ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, einen Winzer wiederzutreffen, den ich seit 2019 nicht mehr gesehen hatte.  

Spezialgast war der Stand von Garnacha Origen. Neben ein paar Degus ergab sich dort gleich eine spontane Mini-Foto-Session mit zwei super sympathischen Menschen, die mir als Models herhielten.

Mathias Müller & Martina Holzer beim Garnacha Stand. So härzegi!

Als halbe Heimwehtoskanerin konnte ich natürlich nicht anders: mein erster Halt war direkt bei Podere Colle Castagno. Serge Meyer präsentierte dort feine Tropfen, vom puristischen Naturwein aus der Tonamphore (ganz roh, ganz pur!) über klassischen Sangiovese und Syrah bis hin zum 100% Ciliegolo. Eine autochthone Sorte aus der Toskana, die längst nicht in jedem Glas landet. Alles als IGT deklariert – typisch toskanisch, gleichzeitig aber eigenständig und aufregend.

Dann zog es mich weiter nach Sizilien. Bei Di Giovanna – Wine, Liqueur, Gourmet – tauchte ich mit Markus von DiGiovanna in die sonnendurchfluteten Inselweine ein. Catarratto, Grillo und sogar Chardonnay transportierten mich sofort in die Hitze Siziliens: erfrischend, kräutrig, mit einem Hauch Meeresbrise. Bei den Rotweinen aus Nerello Mascalese und Nero d’Avola fühlte ich mich dann direkt in sandfarbene Städte und flirrende Sommerabende versetzt. Kleiner Tipp am Rande: Di Giovanna findet man an vielen grossen Wein-Events im Jahr – vom Zürcher Weinschiff über die OLMA bis hin zur BEA.

Und dann, mitten im Gewusel, entdeckte ich Christina Urhahn. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt und sie kurzerhand für ein Mini-Interview entführt.

Zwischen Standgeplauder und Lieblingsflaschen

Lustig wurde es dann am Stand von O.H.O. Frank Oberli der Vater des Winzers erzählte mir in bester Zürimanier von den Weinen – charmant, direkt und mit viel Witz. Auf den Flaschen finden sich ebenso humorvolle Namen wie „Not made from Angelina and Brad“ für den Rosé oder „Wine, because no great ideas were created with a plate of salad“ (oder so ähnlich). Sein Stolz auf Sohn, Weine und die neu gekelterten Tropfen aus dem eigenen Weingut in Rumänien war kaum zu überhören.  

Und dann kam der Moment, bei dem ich mich wirklich gefreut habe wie ein kleines Kind. Gleich nebenan stand Hoss Hauksson. Mein Mann Serge und ich haben ihn 2019 auf seinem Weingut in Rüfenach (AG) kennengelernt – der erste isländische Winzer! Seine Weine sind echte Charakterköpfe: Nischenprodukte, die voller Ideen stecken. Mein Highlight: der Hvitur Wermut, ein Wermut-Schaumwein. Das Prinzip dahinter? Im ersten Jahr wird der Basiswein vinifiziert, im zweiten Jahr sammelt Hoss alle Kräuter, die im Rebberg wachsen, von Wermut über Schafgarbe und Isop bis hin zu Holunderblüten. Dann kommt alles zusammen in die Flasche, wo es weitergärt. Ich war hin und weg! Wenn du Wein magst und Gin nicht abgeneigt bist, musst du das unbedingt probieren.  

Auf meinem Degustationsrundgang machte ich dann noch kurz Halt bei Schindelholz Vins aus Dornach: spannende Rotweine fast aus aller Welt, direkt importiert von kleinen Weingütern. Bei der Gastregion Yvorne gab’s zum Abschluss noch drei Charakter-Chasselas ins Glas.  

Natürlich habe ich längst nicht bei allen Ständen vorbeigeschaut – ich nehme mir einfach immer viel (zu viel) Zeit beim Degustieren. Aber glaub mir, es hätte noch richtig viele coole Entdeckungen gegeben.  

Wie ich am Anfang schon gesagt habe: Wine Date ist ein Anlass, den ich dir wärmstens ans Herz lege. Nimm dir genügend Zeit und Musse, und geh an eines der nächsten Events. Es lohnt sich.  

Zück deinen Kalender, die nächsten Wine Date-Tage dick anstreichen und dich auf ein Gläschen (oder zwei oder drei) in bester Gesellschaft freuen! Wine Date ist kein gewöhnlicher Event – es ist wie ein kleines Feriengefühl im Glas, direkt vor der Haustüre. Und wer weiss, vielleicht findest du deinen neuen Lieblingswein irgendwo zwischen einem feinen Plättli und einem spannenden Schwatz am Stand.  

Einfach hingehen, ausprobieren, geniessen und für ein paar Stunden dem Alltag den Rücken kehren. Santé!  

Ribera del Duero & Tempranillo

Ribera del Duero & Tempranillo

Spanien und Tempranillo gehören zusammen wie die Sonne und der Sommer. Das ist sicher auch der Grund, wieso mir gefühlt jeder Weinverkäufer erzählt (hat), dass Tempranillo die berühmtesten Rotweine Spaniens hervorbringt. Irgendwie konnte ich mich aber für die Weine aus Ribera del Duero in Castillia-Léon – liegt nördlich von Madrid und westlich von Zaragoza – nie so besonders erwärmen. Egal mit wieviel Inbrunst die besagten Weinverkäufer mir davon erzählten. Zu kratzig, zu viel Tannine, manchmal auch viel zu säurelastig für meinen Geschmack.

Nun kam ich überraschend in den Genuss, 3 Flaschen „Cosecha“ aus Ribera del Duero zu degustieren: diese wurden mir zugesandt und ich freue mich auf die Geschichten, die dabei rauskommen werden.

Zuerst gibts bizzi Hintergrundinformation. Wobei halt! Ganz zuerst gebe ich dir noch einen kleinen „Blick hinter die Kulissen“: Immer wenn ich einen Blogpost über einen Wein schreibe, höre ich dazu Musik aus dem Land, aus dem der Wein stammt. In diesem Fall von G-5. Nun aber retour zu:

Tempranillo

Tempranillo heisst übersetzt „kleine Frühe“, da sie früh reift und kleine Beeren hat. Weil das Klima in Ribera del Duero von extrem heissen Tagen (bis zu 42° C) und kühlen Nächten geprägt ist, reifen die Trauben langsam und entwickeln eine dicke Schale. Dies führt zu konzentrierten, strukturierten und farbintensiven Weinen. Im Winter kann es dort locker mal bis -20° C kalt werden. Da gefriert mir ja fast die Hand am Weinglas an! Jedenfalls hat sich die Traube an diese Temperaturen angepasst.

Nun gibt es ein paar Bezeichungen, die du für spanischen Wein kennen solltest. Ganz ehrlich habe ich das vor meiner Spanienreise auch nicht so genau gewusst. Ähnlich wie bei den Italienern, gibt es Vorgaben für Namen und Reifezeit und die erkläre ich dir gleich mal:

  • Cosecha – hat keine spezifische Mindestreifezeit
  • Crianza – 12 Monate Reifezeit, davon 6 Monate im Fass
  • Reserva – 36 Monate Reifezeit, 12 davon im Fass
  • Gran Reserva – 60 Monate Reifezeit, davon 24 im Fass (krass gell!)

Cosecha ist die spanische Bezeichnung für „Jahrgang“ und wird gleichzeitig als Bezeichnung für den Wein verwendet. Hier haben Winzer ihren Sandkasten respektive Spielplatz zur Verfügung. Müssen sie für die anderen Weine zwingend die Vorgaben einhalten, dürfen sie für Cosecha die Lese, Fermentation und den Ausbau so gestalten, wie sie möchten. Was zu richtig feinen Tropfen führen kann.

Ribera del Duero

Ganz toll finde ich, dass die Menschen dort sich immer noch die Mühe nehmen, immerhin 72% der Trauben von Hand zu lesen. Sie pflegen ein Jahrtausende altes Erbe und das mit einem riesen Respekt vor dem Terroir. Den berühmten spanischen Stolz legen sie in die Herstellung bester Weine. Du kannst jetzt locker davon ausgehen, dass in jeder Flasche das Herzblut von einem der 7’419 Winzerinnen und Winzern liegt. Die für und mit 317 Weingüter arbeiten und mit 2’225 Weinen die Weinwelt begeistern.

Foto von Michelle Müller

Aber genug mit Zahlen. Naja fast. Immer interessant finde ich die Höhenlage von Rebbergen, haben sie doch einen massiven Einfluss auf den Wein. In Ribera del Duero bewegen sie sich zwischen 720 und 1’000 Höhenmeter. Also nix mit Flachlandweinen. Auch wenn es auf den Fotos oder vor Ort so aussehen mag.

Ist dir langweilig?

Na hoffentlich nicht! Hier kommt auch sofort die Beschreibung des ersten der 3 Weine:

Vegantigua 2023

100% Tempranillo (Tinto Fino) aus einem einzelnen Rebberg
15% Alkohol
10 Monate im Barrique ausgebaut
Weingut: Vega de Yuso

Farbe: Purpur
Nase: schön fruchtig, rote Beeren, Cassis, schwarze Kirsche, Leder, Vanille und Schokolade.
Mund: Tannin ist deutlich spürbar, gute Säure ohne zu krass zu sein. Man merkt ihm die 15% Alkohol zwar an, dennoch überbordet er nicht. Es ist ein sonniger, runder und weicher Wein.

Wir finden ihn sehr lecker mit einer Trockenfleischplatte und reifem Käse wie Parmiggiano. Der Wein ist bemerkenswert: Er mag vom Speck, Trockenfleisch über Salami sogar Cornichons „beissen“. Wir würden ihn definitiv mit einem Rindstatar kombinieren. 

Idealerweise wird er Dekantiert. Wie du weisst, funktioniert das auch prima im Glas. Das Lederaroma wird dadurch abgeschwächt. Trinktemperatur mindestens 18° C.

Diese Geschicht erzählt er:

Ein leerer, bunter Dorfplatz irgendwo in Spanien. Es ist bereits Nachmittag und ein warmer Wind weht durch die einsamen Gassen. Unter den Schatten spendenen Bäumen sitzt ein dunkel gekleideter Mann, versunken in sein Gitarrenspiel. Das Gesicht ist fast verborgen hinter Hut und Bart, während eine melancholische Melodie die Luft erfüllt.

Aus einer der stillen Gassen kommt eine alterslos wirkende Frau, sie trägt einen Korb voller Früchte auf der rechten Hüfte. In ihrem weissen Rock und der bestickten Bluse bewegt sie sich sinnlich, fast wie von der Musik getragen. Mit wiegenden Hüften und einem Kopftuch im schwarzen Haar geht sie am Gitarristen vorbei. Dieser hebt kurz den Blick, hält inne – sie erinnert ihn an seine Jugendliebe, der seine Melodie gilt. Mit einem kurzen Zwinkern schenkt sie ihm ein geheimnisvolles Lächeln, verschwindet dann in einer anderen Gasse. Sein Herz erwärmt sich, die Sonne scheint plötzlich heller und er spürt die Wärme der Luft intensiver als zuvor.

Headerbild: Michelle Müller | Logo: Informationsbüro Ribera del Duero

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