Wie angekündigt, nehmen wir uns künftig vermehrt Weine aus dem Supermarkt vor. Nicht etwa weil wir bisher nie bei Coop oder Denner eingekauft hätten, mitnichten! Beide Anbieter führen spannende Tropfen im Sortiment und liefern sich regelmässig regelrechte Wein-Aktions-Schlachten. Da lohnt es sich, genau hinzusehen und zuzuschlagen.
Eine kleine Insider-Info aus meiner Toscana-Zeit: Winzer, die an Coop liefern, dürfen ihre Weine nicht auch über Denner anbieten und umgekehrt. Beide Häuser decken das ganze Spektrum ab: von der eher einfachen Alltagsplörre (exgüsee!) bis hin zum hochwertigen, bezahlbaren Topwein.
Bis man sich da durchprobiert und seine Favoriten gefunden hat, vergeht einiges an Zeit. Genau dabei möchten wir dir helfen, damit du nicht nur nach Etikett entscheiden musst, sondern auch eine Ahnung hast was ins Glas kommt. Wobei… gerade Etikettenkäufe manchmal tolle Überraschungen bereithalten. Uns ist das beim „Vache“ passiert: Beim durch die Weinsektion im Denner flanieren sahen wir dieses coole Label. Wir mögen Viognier und schon war die Idee geboren eine Degu zu machen. Dass es gleich 3 Kühe gibt, fanden wir auch toll und legten los.
Die „Vache“ Weine stammen alle aus der gleichen Winzerkooperative. Aus dem Pays d’Oc, also der Region Languedoc-Roussillon, unserer liebsten Gegend in Frankreich: Okzitanien. Dieses wunderschöne Stück Land zwischen Montpellier und Perpignan, bis weit ins Hinterland reichend, hat alles was das Weinherz begehrt. In Küstennähe herrscht ein raues, windiges Klima, durchtränkt von Sonne, Meeresluft und dem Duft der Pinien. Die Böden sind trocken und steinig; perfekte Voraussetzungen, um charakterstarke, eigenständige Weine hervorzubringen.
Farbe: Lindenflor Nase: Holunderblüten, Williamsbirne und Aprikose steigen zuerst auf, begleitet von einem Hauch Butter und feiner Süsse wie nach Rapshonig (Serge schmeckt als Imker sofort Honig-Unterschiede 😉). Zitruston, etwas Feuerstein und ganz hinten eine salzige, mineralische Note. Mund: Fruchtig, buttrig mit einem feinen Umami. Aprikose und florale Noten, getragen von einer samtigen Textur und einer harmonischen Säure. Der Wein ist erstaunlich lang anhaltend.
Wie auf dem Foto zu sehen, harmoniert dieser Viognier wunderbar mit Coppa, Grana Padano und Trockenfleisch aus dem Gruyèreland, alle drei haben wir übrigens im Coop Milavy Centre in Avenches gekauft. Es empfiehlt sich ohnehin, diesen Wein zu einem feinen Imbiss zu geniessen; pur kann er etwas zu intensiv wirken.
Diese Geschichte erzählt er:
Ein kalter Januartag. Ein Mann sitzt mit seinem Partner irgendwo im Norden Europas im Wohnzimmer. Vor ihnen ein Glas Viognier und plötzlich sind sie wieder mitten in ihren Herbstferien. Damals sassen sie in Perpignan vor einer kleinen Bar, mit Blick auf den Platz wo das Leben pulsierte: Menschen kamen und gingen, ein sanftes Durcheinander und doch eine friedliche Ruhe. Sie lehnten sich zurück, genossen die Zweisamkeit. Ein Augenblick voller Wärme und purem Genuss. Wein. Liebe. Sein.
Während der Degustation haben wir festgestellt: Viognier ist ein Wein, den man sich erarbeiten muss. Fast ein bisschen wie die Sangiovese-Traube, auch sie will nicht auf Anhieb gefallen. Beide brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar etwas Erfahrung.
Und ehrlich gesagt würden wir Viognier nicht einfach so unseren Gästen einschenken, ohne vorher zu fragen ob sie ihn mögen. Dieser Wein polarisiert. Wer ihn versteht, liebt ihn – wer ihn nicht kennt, ist vielleicht (zu sehr) überrascht.
Sodeli, nach diesem poetischen Einstieg waren wir mega gespannt, was
der Rosé zu offenbaren hat
„Vache d’Éte“ 2024 100% Cinsault 12% Alkohol
Farbe: Hautfarben Nase: Eine geballte Ladung Beeren (vor allem Wald- und Himbeeren) dazu eine feine mineralische Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Mund: Eine kleine, erfrischende Fruchtbombe! Saftig, lebendig, mit angenehmer Mineralität und für einen Rosé überraschend langem Abgang.
Wir meinen aus dem Bauch raus, dass er hammermässig zu Moules & Frites passen würde.
Dies ist seine Geschichte:
Du wirst mitten in einen grossen, gepflegten Garten im Hochsommer katapultiert. Die Sonne scheint heiss, der Lavendel duftet und von irgendwoher klingt Lachen. Langeweile? Nix da. Überall bloss gute Laune, Gläser voller Rosé und spritzige Drinks, Stimmengewirr, Musik, Gläserklirren. Gegen Abend hängen Laternen in den Bäumen, ihr Licht tanzt über den Rasen und die Stimmung wird noch ausgelassener. Der Moment ist leicht und fruchtig, genau wie der Wein im Glas.
Farbe: Tiefdunkel, fast tintig. Wir waren uns nicht ganz einig, aber nach längerem Diskutieren einigten wir uns auf diese Farbe. Nase: Cassis und dunkle Kirsche geben sich die Hand, Zeder gleitet elegant dazwischen, dann gesellen sich weitere dunkle Früchte dazu. Auch hier zeigt sich eine feine Mineralität. Und plötzlich steht man mitten auf einem Gewürzmarkt. Überall Düfte, Aromen und Eindrücke. Mund: Schwarze, reife Kirschen, saftig-fruchtig mit Schokolade und einem Hauch Speck. Die Tannine und die Säure sind wunderbar ausgewogen. Diesen Wein muss man sich nicht erarbeiten, er ist einfach da um zu gefallen. Kein Wunder also, dass er beim Concours International de Lyon 2025 eine Goldmedaille geholt hat.
Hast du Gäste und bist unsicher, welcher Wein allen schmecken könnte? Mit diesem hier liegst du kaum daneben. Ein echtes Multitalent mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Seine Geschichte erzählt er so:
Ein Tausendsassa der sich lachend durch alle Feste bewegt. Charmant, gewieft und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er findet überall seinen Platz: Beim festlichen Weihnachtsessen mit Braten, Kartoffelgratin und Rüebli mit Spinat; beim grossen Geburtstagsfest der Schwiegermutter, wo es Sandwiches, Hammen und Kartoffelsalat gibt; oder ganz einfach beim Apéro-Plättli mit Trockenfleisch und Paté. Wer ihn nicht kennt und plötzlich im Glas hat, ist überrascht woher er kommt und wie sympathisch und vielseitig er ist.
So sieht es aus, wenn das Team Weinweib Degustiert. Ich am Notizen machen, derweil wir die Geschichte des jeweiligen Weins finden.
Fazit
Drei Kühe, drei Charaktere, drei kleine Reisen im Glas. Vom vielschichtigen Viognier über den verspielten Rosé bis hin zum charmanten Roten mit Goldmedaille. Die „Vache“-Familie zeigt, dass Supermarktweine nicht langweilig sein müssen. Preislich liegen sie so gut, dass du dir ruhig beim nächsten Einkauf im Denner je eine dieser Flaschen gönnen darfst.
Am 9. September 2025 rief Zürich – oder besser gesagt: Weine aus Portugal riefen Serge und mich dorthin. Wir durften an einer richtig coolen Weindegustation teilnehmen. Ok, ich geb’s ja zu: jede Degustation ist cool. Aber diese war dann doch besonders. Es ging um Portugals unglaubliche 250 Rebsorten (!), präsentiert von 26 Weinproduzenten, die aus allen Ecken des Landes angereist waren.
Viele Winzer waren persönlich vor Ort, manche liessen sich von einem Teammitglied vertreten. Der Event fand im wunderschönen Zunfthaus zur Meisen statt, allein schon der Saal im ersten Stock versetzte Serge und mich fast ein wenig ins Schwärmen. Der zweite Grund für unser Strahlen war natürlich die riesige Weinauswahl, die wir unmöglich in zwei Stunden hätten schaffen können.
Ein Fest der Vielfalt: Portugals Rebsorten und Regionen
Portugal ist weltweit bekannt für seine einzigartige Vielfalt an autochthonen Rebsorten – tatsächlich sind es über 250, von denen viele nirgendwo sonst angebaut werden. Diese Vielfalt ist eine Schatzkammer für Weinliebhaber, die Lust haben neue und unverwechselbare Weine zu entdecken.
Die wichtigsten Weinregionen im Land reichen vom nördlichen Vinho Verde, bekannt für seine knackigen und erfrischenden Weine, über das legendäre Douro-Tal, Heimat des Portweins und vielfältiger Tafelweine, bis hin zu sonnenverwöhnten Regionen wie Alentejo und der Algarve im Süden. Jede Region bringt ihren eigenen Charakter hervor, geprägt von den klimatischen Bedingungen, den Böden und der jahrhundertealten Weinbautradition.
Am Event wurde diese Vielfalt bestens präsentiert – von den frischen Weissweinen bis zu den kraftvollen Rotweinen.
Begegnungen und Geschichten: Die Winzer im Mittelpunkt
Viele der Weinproduzenten waren persönlich anwesend, was die Degustation zu einem besonders authentischen Erlebnis machte. Ihre Leidenschaft spürt man nicht nur im Glas, sondern auch in ihren Geschichten – über Herausforderungen, Träume und Zukunftspläne.
Neben spannenden neuen Rebsorten und Weinen gab es auch wunderbare Begegnungen: Ich traf Alicia Mettler von Mettler Vaterlaus und freute mich sehr über das Wiedersehen mit Martin Spors von Baur au Lac Vins, mit dem ich bereits eine Weinreise ins spanische Garnachaland erleben durfte. Wir haben viel gelacht, Fachsimpeln betrieben und uns gegenseitig Tipps für spannende portugiesische Produzenten gegeben.
Viele der vorgestellten Weine findest du übrigens in der Schweiz bei Ullrich. Von Esporão und Quinta do Crasto haben wir etliche degustiert und ich lade dich ein, dir die eine oder andere Flasche zu Gemüte zu führen.
Manche Produzenten suchen noch nach Importeuren, andere präsentierten einfach mit viel Herzblut ihre Weine. So gut, dass eine Reise nach Portugal, um die Weingüter direkt zu besuchen, nun definitiv weit oben auf unserer Wunschliste steht.
Fado und Wein: Portugals Seele und seine Verführung
Ein ganz besonderes Element, das für mich den Zauber Portugals ausmacht, ist der Fado – die Musik voller Melancholie, Leidenschaft und Sehnsucht. Fado und Wein gehören untrennbar zusammen und erzählen Geschichten von Heimat und Leben. Diese emotionale Verbindung spürt man auch in den Weinen, die mit Charakter und Tiefe begeistern.
Wie du weisst, versuche ich immer, meine Eindrücke von solchen Events in Videos festzuhalten. Dieses Mal ist das Video bunt gemischt – und ja, mein Gesicht siehst du auch wieder mal vor der Kamera. Nach unserem Umzug nach Avenches plane ich ein neues Format, in dem ich öfter mal vor statt hinter der Linse stehe.
Und endlich endlich habe ich mein perfektes Mikrophon gefunden. Damit die Aufnahmen auch so sind wie ich mir das vorstelle.
Und nun: viel Spass mit meinen Eindrücken von „Wines of Portugal“ Zürich!
Fado – Portugals Seele – und seine Weine sind eine Kombination, die verführen. Lass dich begeistern und entdecke deinen neuen Lieblingswein!
Im Blogpost über „Ribera del Duero – Cosecha“ habe ich dir bereits über Tempranillo, Sonne, Spanien und den ersten der drei Cosecha Weine erzählt. Nun kommt die zweite und dritte Flasche an die Reihe.
Diese waren jetzt mehr im Sinne von den mir bekannten Tempranillos. Völlig anders als der Vegantigua, jedoch auch mit ganz tollen Geschichten.
Du darfst gespannt sein!
Protos 27 100% Tempranillo 15% Alkohol Reben die über 50 Jahre alt sind Rebberge liegen 800 MüM
Die zweite Fermentation findet in Barrique aus französischer Eiche statt, danach wird er für 16 Monate in selbigen ausgebaut. Anschliessend noch 12 Monate auf der Flasche, bevor er in den Verkauf gelangt.
Farbe: dunkles Purpur Nase: Cassis, Heidelbeeren, Pilze, Vanille, Zeder Mund: „Secces“ Tannin, das sich rasch im Mund ausbreitet. Wenig Säure und leicht bitter. Lang anhaltend mit Caramellaromen. Da kam sofort eine Kindheitserinnerung ins Spiel: kennst du die Caramellstangen von Carambar noch? Genau so schmeckt es. Die alten Reben machen sich bemerkbar. Man hat sofort das Bild von einem alten, eher feuchten Kellergewölbe vor Augen. Kühl, wo die Barriques in Ruhe gelassen werden. Wenn er ein wenig stehen gelassen wird, offenbart er sich.
Passt hervorragend zu Rindsragout, Wild (Wildschweinbraten, Rehpfeffer etc.) ein toller Herbstwein.
Diese Geschichte erzählt er:
Er ist ein Wein mit Geheimnissen. Einer, der nicht sofort alles preisgibt, sondern dich erst einmal ins Dunkel führt. In die Tiefe alter Keller, vorbei an Barriques, vielleicht sogar durch geheime Gänge einer Burg. Da unten ist es ruhig, fast zeitlos. Man spürt: Geduld wird hier belohnt.
Langsam, ganz langsam, öffnet er sich. Erst nur ein Hauch – etwas Caramell, ein Funkeln von Dunkel und Hell, wie ein Spiel von Schatten und Fackellicht. Dann treten sie hervor: zwei junge Männer, die aus ihrem Versteck zwischen den Fässern ins Licht treten. Sie entzünden draussen ein Feuer, und plötzlich ist Wärme da, Lebendigkeit, ein Gefühl von Heilsein.
So erzählt dieser Wein von alten Zeiten, als nichts gehetzt war und niemand auf sein Smartphone starrte. Er schenkt dir Ruhe und wer ihm Zeit lässt, wird vielleicht ein Wunder sehen: einen Drachen, der majestätisch über den Kellereien kreist. Seine Schwingen breitet er aus, nicht furchterregend, sondern beschützend. Ein Wächter über Mensch, Traube und das gute Leben.
Dies ist kein Wein, den man hastig trinkt. Dies ist einer, den man erlebt.
dritte und letzte Flasche
Altamimbre 100% Tempranillo 14.5% Alkohol 80 Jahre alte Reben Ausbau: 20 Monate in Barrique aus französischer Eiche
Farbe: Purpurrot Nase: Cassis, schwarze Kirschen, Schokolade, Zeder, Tabak und Lakritze Mund: Tannin und eine secce Säure, Schoggi im Mund! Lang anhaltend, auch hier schmeckt und riecht man die alten Reben. Vollmundig und fruchtig. Wir meinen: unbedingt noch 2 bis 4 jahre lagern.
Es ist ein direkter Wein, ohne Schnickschnack, fast ein wenig stachelig. Wer ihn mag, muss tanninige Weine lieben. Und unbedingt: eine Stunde vor dem Trinken öffnen und mit Essen kombinieren. Paté, Ragout, salziges und fettiges Fleisch – eine Bernerplatte mit Dörrbohnen, ein Rindsbraten – das ist sein Zuhause.
Seine Botschaft
Dieser Wein erzählt keine Geschichte, er trägt eine Botschaft: Stell dir einen ruhigen, breiten Fluss vor, langsam fliessend, mit tief hängenden Bäumen am Ufer. Alles wirkt gemächlich, ohne Hast. Er gibt dir Zeit, so wie die 80-jährigen Reben, die ihren eigenen Takt vorgeben. In dieser Ruhe liegt Kraft.
Es fühlt sich an wie ein abendlicher Kreis, in dem jeder seine Geschichte erzählt und die anderen zuhören. Weisheiten, kleine Tricks und Tipps aus dem Leben. Alles braucht seine Zeit, wie auch dieser Wein mit seinem langen Ausbau.
Genau das hat er uns bei der Degustation beigebracht. Über eine Stunde sind wir bei ihm geblieben, Schluck für Schluck. Normalerweise reicht uns schon eine halbe Flasche, um einen Eindruck, eine Geschichte zu finden. Aber diesmal: wir waren mitten drin, ohne es zu merken – bis die Flasche plötzlich leer war.
Geduld, Kraft und Charakter: unser Fazit zu den Degustationen
Wer einem Ribera del Duero zuhört, entdeckt mehr als nur Wein: da steckt Tageshitze und kühle Nacht, Geduld und Lebensfreude. Es sind Weine, die nicht gefällig sein wollen, sondern die lieber ihre Geschichte nach und nach preisgeben. Man muss sich ihnen öfter widmen, ein bisschen verweilen – dann zeigen sie nicht nur Kraft, sondern auch Finesse, Eleganz und manchmal sogar einen Funken Poesie zwischen Aromen, Tanninen und Säure.
Darum: Ribera del Duero-Weine lohnen immer auch das zweite (und dritte) Glas. Sie sind keine schnellen Bekannten – sondern treue Begleiter für geduldige Zuhörerinnen und Geniesser mit Lust auf mehr.
Headerbild: Michelle Müller | Logo: Informationsbüro Ribera del Duero
Wine Date ist ein Anlass, den ich wirklich jedem ans Herz lege: egal ob eingefleischte Weinliebhaberin, ambitionierter Weinfreak oder einfach jemand, der Lust hat Wein ganz neu zu entdecken.
Kennengelernt habe ich die Frau hinter Wine Date – Christina Urhahn – übrigens auf der Pressereise nach Spanien. Schon damals erzählte sie mir begeistert von ihrem Projekt, das sie zusammen mit Sara Barth organisiert. Und als ich dann gesehen habe, dass ein Wine Date mitten in Luzern stattfindet war ich sofort Feuer und Flamme. Und das Beste: von Bern aus kommt man ganz entspannt mit dem Zug hin – perfekt für einen genussvollen Abend ohne Stress.
Das Wine Date fand in der Kornschütte statt – schöner geht’s kaum! Alles liebevoll und mit viel Herzblut organisiert. Die Atmosphäre war fröhlich, entspannt und sehr stimmig. Nebst den Degus gab’s herzhafte Käse/Fleischplättli, dazu eine Bubbles Bar. Wer mich kennt ahnt: mein Herz machte da ein paar Gümpli mehr.
Weine für jeden Geschmack
Coole Weine? Jawoll. Verrückte Weine? Absolut. Likörchen zum Abschluss? Ebenfalls da. Ganze 5½ Stunden (!) habe ich mir Zeit genommen um zu degustieren, plaudern, fragen und lernen. Die Winzerinnen und Winzer oder Fachhändler standen gleich selber hinter den Ständen. Da wird nicht nur eingeschenkt, da wird gefachsimpelt. Und ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, einen Winzer wiederzutreffen, den ich seit 2019 nicht mehr gesehen hatte.
Spezialgast war der Stand von Garnacha Origen. Neben ein paar Degus ergab sich dort gleich eine spontane Mini-Foto-Session mit zwei super sympathischen Menschen, die mir als Models herhielten.
Mathias Müller & Martina Holzer beim Garnacha Stand. So härzegi!
Als halbe Heimwehtoskanerin konnte ich natürlich nicht anders: mein erster Halt war direkt bei Podere Colle Castagno. Serge Meyer präsentierte dort feine Tropfen, vom puristischen Naturwein aus der Tonamphore (ganz roh, ganz pur!) über klassischen Sangiovese und Syrah bis hin zum 100% Ciliegolo. Eine autochthone Sorte aus der Toskana, die längst nicht in jedem Glas landet. Alles als IGT deklariert – typisch toskanisch, gleichzeitig aber eigenständig und aufregend.
Dann zog es mich weiter nach Sizilien. Bei Di Giovanna – Wine, Liqueur, Gourmet – tauchte ich mit Markus von DiGiovanna in die sonnendurchfluteten Inselweine ein. Catarratto, Grillo und sogar Chardonnay transportierten mich sofort in die Hitze Siziliens: erfrischend, kräutrig, mit einem Hauch Meeresbrise. Bei den Rotweinen aus Nerello Mascalese und Nero d’Avola fühlte ich mich dann direkt in sandfarbene Städte und flirrende Sommerabende versetzt. Kleiner Tipp am Rande: Di Giovanna findet man an vielen grossen Wein-Events im Jahr – vom Zürcher Weinschiff über die OLMA bis hin zur BEA.
Und dann, mitten im Gewusel, entdeckte ich Christina Urhahn. Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt und sie kurzerhand für ein Mini-Interview entführt.
Zwischen Standgeplauder und Lieblingsflaschen
Lustig wurde es dann am Stand von O.H.O. Frank Oberli der Vater des Winzers erzählte mir in bester Zürimanier von den Weinen – charmant, direkt und mit viel Witz. Auf den Flaschen finden sich ebenso humorvolle Namen wie „Not made from Angelina and Brad“ für den Rosé oder „Wine, because no great ideas were created with a plate of salad“ (oder so ähnlich). Sein Stolz auf Sohn, Weine und die neu gekelterten Tropfen aus dem eigenen Weingut in Rumänien war kaum zu überhören.
Und dann kam der Moment, bei dem ich mich wirklich gefreut habe wie ein kleines Kind. Gleich nebenan stand Hoss Hauksson. Mein Mann Serge und ich haben ihn 2019 auf seinem Weingut in Rüfenach (AG) kennengelernt – der erste isländische Winzer! Seine Weine sind echte Charakterköpfe: Nischenprodukte, die voller Ideen stecken. Mein Highlight: der Hvitur Wermut, ein Wermut-Schaumwein. Das Prinzip dahinter? Im ersten Jahr wird der Basiswein vinifiziert, im zweiten Jahr sammelt Hoss alle Kräuter, die im Rebberg wachsen, von Wermut über Schafgarbe und Isop bis hin zu Holunderblüten. Dann kommt alles zusammen in die Flasche, wo es weitergärt. Ich war hin und weg! Wenn du Wein magst und Gin nicht abgeneigt bist, musst du das unbedingt probieren.
Auf meinem Degustationsrundgang machte ich dann noch kurz Halt bei Schindelholz Vins aus Dornach: spannende Rotweine fast aus aller Welt, direkt importiert von kleinen Weingütern. Bei der Gastregion Yvorne gab’s zum Abschluss noch drei Charakter-Chasselas ins Glas.
Natürlich habe ich längst nicht bei allen Ständen vorbeigeschaut – ich nehme mir einfach immer viel (zu viel) Zeit beim Degustieren. Aber glaub mir, es hätte noch richtig viele coole Entdeckungen gegeben.
Wie ich am Anfang schon gesagt habe: Wine Date ist ein Anlass, den ich dir wärmstens ans Herz lege. Nimm dir genügend Zeit und Musse, und geh an eines der nächsten Events. Es lohnt sich.
Zück deinen Kalender, die nächsten Wine Date-Tage dick anstreichen und dich auf ein Gläschen (oder zwei oder drei) in bester Gesellschaft freuen! Wine Date ist kein gewöhnlicher Event – es ist wie ein kleines Feriengefühl im Glas, direkt vor der Haustüre. Und wer weiss, vielleicht findest du deinen neuen Lieblingswein irgendwo zwischen einem feinen Plättli und einem spannenden Schwatz am Stand.
Einfach hingehen, ausprobieren, geniessen und für ein paar Stunden dem Alltag den Rücken kehren. Santé!
Spanien und Tempranillo gehören zusammen wie die Sonne und der Sommer. Das ist sicher auch der Grund, wieso mir gefühlt jeder Weinverkäufer erzählt (hat), dass Tempranillo die berühmtesten Rotweine Spaniens hervorbringt. Irgendwie konnte ich mich aber für die Weine aus Ribera del Duero in Castillia-Léon – liegt nördlich von Madrid und westlich von Zaragoza – nie so besonders erwärmen. Egal mit wieviel Inbrunst die besagten Weinverkäufer mir davon erzählten. Zu kratzig, zu viel Tannine, manchmal auch viel zu säurelastig für meinen Geschmack.
Nun kam ich überraschend in den Genuss, 3 Flaschen „Cosecha“ aus Ribera del Duero zu degustieren: diese wurden mir zugesandt und ich freue mich auf die Geschichten, die dabei rauskommen werden.
Zuerst gibts bizzi Hintergrundinformation. Wobei halt! Ganz zuerst gebe ich dir noch einen kleinen „Blick hinter die Kulissen“: Immer wenn ich einen Blogpost über einen Wein schreibe, höre ich dazu Musik aus dem Land, aus dem der Wein stammt. In diesem Fall von G-5. Nun aber retour zu:
Tempranillo
Tempranillo heisst übersetzt „kleine Frühe“, da sie früh reift und kleine Beeren hat. Weil das Klima in Ribera del Duero von extrem heissen Tagen (bis zu 42° C) und kühlen Nächten geprägt ist, reifen die Trauben langsam und entwickeln eine dicke Schale. Dies führt zu konzentrierten, strukturierten und farbintensiven Weinen. Im Winter kann es dort locker mal bis -20° C kalt werden. Da gefriert mir ja fast die Hand am Weinglas an! Jedenfalls hat sich die Traube an diese Temperaturen angepasst.
Nun gibt es ein paar Bezeichungen, die du für spanischen Wein kennen solltest. Ganz ehrlich habe ich das vor meiner Spanienreise auch nicht so genau gewusst. Ähnlich wie bei den Italienern, gibt es Vorgaben für Namen und Reifezeit und die erkläre ich dir gleich mal:
Cosecha – hat keine spezifische Mindestreifezeit
Crianza – 12 Monate Reifezeit, davon 6 Monate im Fass
Reserva – 36 Monate Reifezeit, 12 davon im Fass
Gran Reserva – 60 Monate Reifezeit, davon 24 im Fass (krass gell!)
Cosecha ist die spanische Bezeichnung für „Jahrgang“ und wird gleichzeitig als Bezeichnung für den Wein verwendet. Hier haben Winzer ihren Sandkasten respektive Spielplatz zur Verfügung. Müssen sie für die anderen Weine zwingend die Vorgaben einhalten, dürfen sie für Cosecha die Lese, Fermentation und den Ausbau so gestalten, wie sie möchten. Was zu richtig feinen Tropfen führen kann.
Ribera del Duero
Ganz toll finde ich, dass die Menschen dort sich immer noch die Mühe nehmen, immerhin 72% der Trauben von Hand zu lesen. Sie pflegen ein Jahrtausende altes Erbe und das mit einem riesen Respekt vor dem Terroir. Den berühmten spanischen Stolz legen sie in die Herstellung bester Weine. Du kannst jetzt locker davon ausgehen, dass in jeder Flasche das Herzblut von einem der 7’419 Winzerinnen und Winzern liegt. Die für und mit 317 Weingüter arbeiten und mit 2’225 Weinen die Weinwelt begeistern.
Foto von Michelle Müller
Aber genug mit Zahlen. Naja fast. Immer interessant finde ich die Höhenlage von Rebbergen, haben sie doch einen massiven Einfluss auf den Wein. In Ribera del Duero bewegen sie sich zwischen 720 und 1’000 Höhenmeter. Also nix mit Flachlandweinen. Auch wenn es auf den Fotos oder vor Ort so aussehen mag.
Ist dir langweilig?
Na hoffentlich nicht! Hier kommt auch sofort die Beschreibung des ersten der 3 Weine:
Vegantigua 2023
100% Tempranillo (Tinto Fino) aus einem einzelnen Rebberg 15% Alkohol 10 Monate im Barrique ausgebaut Weingut: Vega de Yuso
Farbe: Purpur Nase: schön fruchtig, rote Beeren, Cassis, schwarze Kirsche, Leder, Vanille und Schokolade. Mund: Tannin ist deutlich spürbar, gute Säure ohne zu krass zu sein. Man merkt ihm die 15% Alkohol zwar an, dennoch überbordet er nicht. Es ist ein sonniger, runder und weicher Wein.
Wir finden ihn sehr lecker mit einer Trockenfleischplatte und reifem Käse wie Parmiggiano. Der Wein ist bemerkenswert: Er mag vom Speck, Trockenfleisch über Salami sogar Cornichons „beissen“. Wir würden ihn definitiv mit einem Rindstatar kombinieren.
Idealerweise wird er Dekantiert. Wie du weisst, funktioniert das auch prima im Glas. Das Lederaroma wird dadurch abgeschwächt. Trinktemperatur mindestens 18° C.
Diese Geschicht erzählt er:
Ein leerer, bunter Dorfplatz irgendwo in Spanien. Es ist bereits Nachmittag und ein warmer Wind weht durch die einsamen Gassen. Unter den Schatten spendenen Bäumen sitzt ein dunkel gekleideter Mann, versunken in sein Gitarrenspiel. Das Gesicht ist fast verborgen hinter Hut und Bart, während eine melancholische Melodie die Luft erfüllt.
Aus einer der stillen Gassen kommt eine alterslos wirkende Frau, sie trägt einen Korb voller Früchte auf der rechten Hüfte. In ihrem weissen Rock und der bestickten Bluse bewegt sie sich sinnlich, fast wie von der Musik getragen. Mit wiegenden Hüften und einem Kopftuch im schwarzen Haar geht sie am Gitarristen vorbei. Dieser hebt kurz den Blick, hält inne – sie erinnert ihn an seine Jugendliebe, der seine Melodie gilt. Mit einem kurzen Zwinkern schenkt sie ihm ein geheimnisvolles Lächeln, verschwindet dann in einer anderen Gasse. Sein Herz erwärmt sich, die Sonne scheint plötzlich heller und er spürt die Wärme der Luft intensiver als zuvor.
Headerbild: Michelle Müller | Logo: Informationsbüro Ribera del Duero
Und schon war Tag 3 unserer spannenden Pressereise da! Raus aus dem Hotel, am Morgen eine geführte Tour durch Zaragoza, die mega spannend war und von der ich dir noch ein ganz klein wenig erzählen werde. Jedoch in einem separaten Post.
Unser letzter Halt vor dem Rückflug ging nach Cataluña, ins P.D.O. Terra Alta zu Cellers Unió. Ich glaube wir waren alle froh, dass wir nach der 2½ Stündigen Autofahrt nicht nochmals in einen Rebberg mussten. Auch – weil durch die Nähe vom Meer und dadurch generierten Feuchtigkeit – die Hitze schon bedeutend drückender war. Das kann ich dir aus meiner Zeit in Florenz und dem Chianti Classico sagen: egal wie heiss es ist, wenn die Luft trocken ist dann kannst du allerhand aushalten, sobald die feuchte Luft dazu kommt, wird es knuffig warm und schwitzig…
Terra Alta ist eine der führenden P.D.O., welche zu 80% Garnacha blanca produziert. Cellers Unió wurde bereits 1942 gegründet. Die ganze Kellerei erinnerte mich sehr an die der toscanischen Weinbauern, schon nur deshalb, weil doch tatsächlich in einer Ecke noch die alte Olivenmühle stand. Die nicht mehr in Betrieb ist, jedoch nicht ausgebaut werden kann, also dient sie als Dekoelement. Im gleichen Raum hat auch Sandra, die Kellermeisterin, ihr Büro. Übrigens ziemlich cool, dass ich wieder einmal eine Kellermeisterin getroffen habe. Davon gibt es tatsächlich nicht sehr viele.
Mittlerweile hatte ich mich ja ans Spanische gewöhnt und hatte das noch im Ohr. Wenn du nicht weisst ob du noch in Spanien oder bereits in Cataluña bist, hier eine hilfreiche Info: sie reden Katalanisch und nicht nur das ist anders, sondern auch die Schrift. Aus dem spanischen Garnacha wird flugs das katalanische Garnatxa.
Begrüsst wurden wir vom CEO Bernat Fiol und gemeinsam mit Sandra ging es zuerst in die Kellerein. Er meinte, wir würden die Degustation und den Kellerbesuch einmal anders gestalten. Hiess: wir stiefelten los und machten bei einem Stahltank halt. Dort bekamen wir eine Probe von einem neuen Roséwein, der gerade am reifen ist.
Ich finde Degustationen direkt aus Tanks und Barriques immer mega cool. Du bekommst so Einblick oder eine Momentaufnahme, wie der zukünftige Wein einmal sein könnte. Total spannend und wenn du viele Weine degustiert hast, kriegst du wirklich eine Ahnung davon was mal daraus werden kann. Wir kamen also in den Genuss aus Stahltanks und Barriques so Momentaufnahmen zu erhalten. Ich glaube Sandra hatte auch ihren Spass daran.
Natürlich wurde in der Gruppe und mit Sandra und Bernat gefachsimpelt, Fragen gestellt und Antworten erhalten. Was mich auch beeindruckt hat war, wo die Barriques überall lagern. Ein Teil in einem runden, hohen Raum, der früher das Wassersilo des Dorfes war. Eine Etage weiter unten, wo früher die Zementtanks standen, wurden diese zum Teil entfernt und diese kühlen Räume fungieren nun auch als Barrique Keller.
Wir verabschiedeten uns von Sandra, deren Arbeitstag zu Ende war (lies dazu mehr im vorhergehenden Blogpost) und los ging es ins sehr moderne Nebengebäude. Wo weitere Stahltanks, die Abfüllmaschine und ein neuer Barrique Keller stehen. Dort im Deguraum angekommen, erwartete uns ein umfangreiches Mittagsbuffet, mit einer sensationellen Aussicht über die Berge.
Doch bevor wir die vielen Leckereien verkosten durften, kam zuerst die Weindegustation dran. Die aus den Flaschen. Cellers Unió hat eine riesen Auswahl an Brands und demzufolge erhielten wir diverse Labels, die vom weissen Garnacha, Macabeo über Garnacha tintonera (eine Traube die nicht nur eine dunkle Haut, sondern auch dunkles Fruchtfleisch hat) über Cariñena bis Pedro Ximenez ging. Eine tolle Auswahl.
Erwähnenswert ist sicher der „Perlat“ vom Montsant, bestehend aus Garnacha blanca und Macabeo. Reift in Tonneau, Stahltank und Amphoren und ist der erste Weisswein von Montsant. Er und der „Clos del Pinell“ Garnacha blanca, rochen für mich – obwohl fruchtig – nach Käse. Und damit haben sie mich gleich auf dem falschen Fuss erwischt. Diese Kombination mag ich nur, wenn tatsächlich Käse zum Essen mit im Spiel ist.
Wir hatten einige Weine aus der „Clos de Pinell“ Linie, diverse aus der „Perlat“ Linie und einen aus der „Llicorella“ Linie.
Der „Perlat Garnacha“ mit seinen 100% Garnacha imponierte mir wegen seiner Ausbauart. Er startet zuerst auf natürlicher Hefe (seiner eigenen) und in offenen Tanks. Nach 24 Stunden fügen die Kellermeister die von ihnen für passend empfundene Hefe bei, danach werden die Tanks geschlossen und die Fermentation kann weiter gehen. Ausgebaut wird dieser Wein danach in französischer Eiche. Trotz alldem bleibt es ein easy drinking wine. Der mit seinen Aromen von diversen Beeren und hintenrum mit denen aus dem Barrique überzeugt.
Zum Essen durften wir uns frei Laune die offenen Weine aussuchen und mit den Tapas, kalten Salaten, leckeren Tartes und einer super feinen (nicht alltäglichen) Paella kombinieren. Zum Dessert öffnete uns Bernat zwei ihrer kostbaren Dessertweine. Die ähnlich wie Sherry (Andalusien) ausgebaut werden, jedoch mit völlig anderen Trauben. Einerseits der „Vimblanc“ aus reiner Pedro Ximenez Traube. Andererseits der „Vino Rancio“ (nein das heisst nicht ranziger Wein 😉 ), der aus Garnacha blanca hergestellt wird.
Selbstverständlich darfst du gerne auf ihrer Webseite surfen gehen, ich habe dir gleich die Seite auf Català (Katalanisch) verlinkt: Cellers Unió (auch auf Spanisch und Englisch vorhanden).
Als besonderes Geschenk, gab uns Bernat diese beiden Flaschen mit auf den Weg. Im Flughafen in Barcelona angekommen, das Gepäck eingecheckt, suchten wir uns eine ruhige Ecke und stiessen auf diese tolle Pressereise und unsere Gruppe an.
Juhu, fast geschafft! 🥂 Schau jetzt schnell in dein Postfach – da wartet eine E-Mail, die nur darauf brennt von dir bestätigt zu werden. Klick drauf und schon bist du offiziell Teil der „Weinmomente“-Crew. Prost auf viele genussvolle News! 🍷