Man sagt ja, Wein habe Charakter. Ich sage: Er hat eine Seele. Und die liegt nicht – wie viele glauben – irgendwo tief unten im dunklen Flaschenbauch, sondern ganz gemütlich im Glasgrund, eingekuschelt wie eine Katze im Sonnenschein. Ich hab das lange falsch verstanden. Ich dachte, der Zauber sei beim Öffnen – zack, plopp, fertig – die Seele ist raus. Aber nein! Oft riecht man sogar daran vorbei.
Die wahre Magie kommt am Schluss. Wenn du das letzte Schlückli genossen hast, das Glas langsam leer wird und du denkst: „So, fertig jetzt.“ Nein, eben nicht fertig! Genau dann lohnt es sich, kurz innezuhalten und am Glas zu schnuppern. Da ist sie nämlich, die Seele des Weins. Der Duft, der geblieben ist, der sich am Glas festklammert, als wolle er dir noch etwas Wichtiges sagen.
Es riecht warm und tief, manchmal dunkel, manchmal floral, manchmal einfach nach „etwas, das dich grad voll trifft“. Und genau da kann es passieren: Dein Herz macht Klick. Dein Kopf sagt „Aha!“, oder deine Fantasie fliegt davon in Erinnerungen, Sehnsüchte oder vielleicht in ganz neue Gefühle (wer weiss, vielleicht sogar in jemanden… oder in dich selbst).
Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Geschichte in einem leeren Glas steckt. Wenn du das nächste Mal trinkst, versuch’s mal: Statt einfach wegzustellen, riech nochmal dran. Bei Rotweinen wird’s dann fruchtiger, bei Weissweinen knackiger. Die Säure und die Tannine haben sich verabschiedet, bleiben aber als Erinnerung zurück, wie Freunde nach einem guten Abend. Was bleibt, ist das Herz des Weins, sein Charakter, sein persönliches „Ich war hier“.
Und das ist der Moment, wo du kurz abtauchen darfst. Der Wein erzählt dir plötzlich Geschichten, vom Boden, wo die Trauben gewachsen sind, vom Winzer, vom Sommer, vom Hagel, von Hingabe und Freude. Er erzählt von Feriengefühlen und Abdrücken, die er in deiner Seele hinterlässt ganz leise, ganz ehrlich, ganz tief.
Am Ende bleiben nur du und das leere Glas Wein. Und irgendwo dort unten, am Glasgrund, liegt sie, die Seele des Weines – zufrieden, weil sie weiss, du hast sie verstanden.
Schaumberge, Schaumwein & ein bisschen Selbstliebe
Es gibt Menschen, die gehen ins Spa. Und es gibt uns: Wir füllen die Badewanne, stellen Kerzen auf und kümmern uns zuerst um die einzig wirklich wichtige Frage des Abends: Was kommt denn ins Glas?
Mein früherer Weinshop ist Geschichte, die Badewannenliebe aber ganz bestimmt nicht. Die gute Nachricht: Deine Weine für die Badwanne findest du heute ganz entspannt im Detail- und Fachhandel.
Also: Wein holen, Wasser aufdrehen, Alltag auf «stumm».
Warum es einen eigenen Badewannenwein braucht
Weine für die Badwanne sind keine «anderen» Weine, aber sie müssen ein paar Dinge besser können als der Durchschnitt:
Sie sollen trinkig sein (hoher «noch-ein-Schluck»-Faktor, keine Denkarbeit nötig).
Sie vertragen ein bisschen Temperatur (Badewasser und Kerzen machen’s nicht kühler).
Sie dürfen gerne duften – du liegst ja sowieso schon im Aromanebel aus Schaum, Kerzen und Pflegeprodukten.
Sie müssen nicht perfekt sein, aber sie sollen zu genau diesem Moment passen.
Manchmal bedeutet das: knackig-frisch und perlend. Manchmal: cremig-weiss. Manchmal: ernsthaft-rot mit «Ich bleibe noch etwas sitzen»-Charakter.
Team Blubber: Prosecco & aromatische Schaumweine
Fangen wir mit der Wahrheit an: Nichts sagt so deutlich «Ich nehme mich heute wichtig» wie ein Glas Schaumwein in der Badewanne.
Prosecco die sprudelnde Allzweckwaffe
Prosecco ist der unkomplizierte Freund, der immer gut drauf ist und keine Ansprüche stellt. Typisch für ihn, Aromen von grünen Äpfeln, Birne, Zitrus, manchmal etwas Blüten, dazu eine feine, aber deutliche Perlage. Der Alkohol ist meist moderat, die Säure frisch und genau das macht ihn so «badewannentauglich»: Er erfrischt, ohne zu erschlagen.
Im Handel findest du:
Trockene (Brut, Extra Dry) Varianten – ideal, wenn du es spritzig und eher trocken magst.
Etwas fruchtigere Versionen – die sich an alle richten, die beim ersten Schluck schon «Sommer!» rufen.
Ein Tipp aus der Praxis:
Flasche nicht eiskalt, sondern bei 7 Grad gekühlt servieren. Zu kalter Schaumwein schmeckt nach nichts, zu warmer Schaumwein schmeckt müde. Beides hat weder du noch deine Wanne verdient.
Aromatische Schäumchen, Moscato & Co.
Du magst es verspielt und duftig? Dann bist du im Team «Aromatische Schaumweine».
Stilistisch reden wir von: Moscato-/Muscat-Typen mit Duft nach Pfirsich, Blüten, Muskat und Honig. Teilweise leicht süss, mit niedrigerem Alkoholgehalt, perfekt, wenn du es gemütlich willst oder keine Lust auf «die volle Ladung» hast.
Diese Weine sind super für:
Späte Badewannen-Sessions mit Hörbuch oder Podcast.
«Selfcare-Abende», an denen du dir ganz offiziell erlaubst, nichts Produktives zu tun.
Foodpairing in der Wanne (ja, das gibt es):
Frisches Obst, Nüsse, ein Stück dunkle Schokolade, oder einfach nur ein paar Güezi. Denn Badewanne ist kein Fine Dining, Badewanne ist Komfortzone pur.
Weiss in der Wanne: Chardonnay & aromatische Weisse
Weisswein in der Wanne ist ein bisschen wie deine Lieblings-Serienfolge: Du kennst das Gefühl, aber es wird einfach nie langweilig.
Chardonnay, die flüssige Kuscheldecke
Chardonnay kann vieles, aber als Badewannenwein mag ich ihn vor allem in seiner «Komfortzone»:
Mittelgewichtig bis cremig.
Sanfte Säure, feiner Schmelz.
Aromen von reifen Äpfeln, Birnen, manchmal etwas Vanille, Nuss oder Butter (wenn Holz im Spiel ist).
Solche Chardonnays findest du im Detailhandel aus:
Der Schweiz (z.B. aus der Romandie oder der Ostschweiz).
Frankreich (Burgund-ähnliche Stile, aber in alltagstauglicher Form).
Italien oder Übersee (oft etwas fruchtbetonter bis sehr butterig).
Achte bei der Wahl auf Begriffe wie «barrique», «oak» oder «Holz» in den Beschreibungen, wenn du es cremiger und vollmundiger magst. Wenn dir das zu viel ist, greif zu «frisch, fruchtig, elegant» das ist die leichter zu trinkende Variante, die in der Wanne nicht müde macht.
Muscat & Gewürztraminer, wenn’s duften darf
Du willst Badewannen-Weihrauch im Glas?
Dann sind Muscat/Moscato und Gewürztraminer deine Kandidaten:
Muscat bringt florale Noten, Zitrus, Trauben und Exotik.
Gewürztraminer duftet nach Rosen, Litschi und Gewürz – eher gehaltvoll, oft mit wenig Säure.
Das sind Weine bei denen du die Nase ins Glas tauchst und automatisch langsamer wirst. Perfekt, wenn du eigentlich nur «schnell baden» wolltest und plötzlich feststellst, dass du seit 40 Minuten die Etikette studierst.
Rosé, die Playlist unter den Weinen
Rosé ist der Allrounder: funktioniert im Sommer auf dem Balkon, im Winter in der Badewanne und im Frühling überall.
Typische Rosé-Stilistiken aus dem Handel:
Helle, lachsfarbene Rosé mit Noten von Erdbeere, Himbeere, Grapefruit, manchmal Kräutern.
Trocken bis halbtrocken, mit frischer Säure und relativ niedrigem Alkoholgehalt (je nach Region).
Rosé ist ideal für:
Alle, die sich nicht zwischen weiss und rot entscheiden können.
Badewannen, in denen noch gegessen, gelesen, geschaut, gechattet oder philosophiert wird.
Achte auf Herkunftsländer wie:
Italien (Veneto, Abruzzen, Apulien).
Frankreich (Provence-Stil).
Spanien (leichte, frische Rosados).
Kleiner Trick:
Wenn du nicht sicher bist, ob dein Rosé in die Wanne passt, frag dich: «Würde ich damit auch auf der Terrasse sitzen?» Wenn ja, dann passt er meistens auch zu Schaumbergen.
Rot bei Schaumberg: Barbera & Co.
Rotwein in der Badewanne ist nicht nur für Romantik-Kitsch-Filme. Es funktioniert wenn du die richtigen Stile wählst.
Barbera – der Badewannen-Kumpel
Barbera aus dem Piemont ist prädestiniert für solche Momente:
Saftige Kirsche, rote Beeren, manchmal Pflaume.
Lebendige Säure, eher weiche Tannine.
Mittlerer Körper, hoher Trinkfluss.
Das heisst: Er ist spannend genug, dass du nicht gelangweilt bist, aber unkompliziert genug, um nicht zum «Studienobjekt» zu werden. Genau das willst du, wenn du halb im Schaum versinkst.
Andere Rotwein-Ideen
Auch spannend als Badewannen-Rote taugen:
Sangiovese (Toskana-Stil, z.B. Chianti-Typen mit Kirsche, Kräutern, mittlerem Körper).
Weiche Cuvées aus Merlot, Cabernet & Co., die auf Frucht und Schmelz statt auf Tannin-Bombast setzen.
Woran du badewannentaugliche Rotweine erkennst:
Alkohol nicht zu hoch (so um die 12.5 – 13.5 %).
Säure vorhanden, aber nicht beissend.
Tannine eher weich als brutal.
Und bitte: nicht zu warm servieren. Nur weil die Badewanne heiss ist, muss es dein Rotwein nicht auch sein, 15 – 18 Grad reichen völlig.
Kleine Luxusecke: «Spa at home» im Glas
Es gibt Abende, an denen man weiss: Heute brauche ich mehr als nur Wasser, Schaum und «irgendeinen» Wein. Das sind die Momente für deine kleine Luxusecke.
Was meine ich mit Luxusweine für die Badewanne?
Höherwertige Schaumweine, z.B. ein Prosecco Superiore aus guten Lagen, mit feinerer Perlage, mehr Tiefe und längerer Aromatik.
Champagner
Barrique-ausgebaute Rotweine mit Struktur, dunkler Frucht, Würze und sanft eingebundenem Holz.
Charaktervolle Chardonnays mit komplexer Nase und cremiger Textur.
Der Ablauf sieht dann etwa so aus:
Wasser einlassen.
Flasche öffnen.
Einen ersten Schluck nehmen, bevor du in die Wanne steigst.
In der Badewanne nur nachschenken – die Entscheidungen sind jetzt bereits gefällt.
Badewannenweine 101 praktische Tipps
Damit der Badewannenabend wirklich gelingt, hier noch ein bisschen Nerd-Wissen in a Nutshell:
Temperatur:
Schaumwein/Weiss/Rosé leicht kühler starten, als du es normalerweise tun würdest – das Bad wärmt nach.
Rotwein eher bei moderater Trinktemperatur einschenken, nicht bei Zimmertemperatur einer Altbauwohnung im Winter.
Glaswahl:
Kein dünnwandiges Spiegelau-Extrem, wenn du zur Ungeschicklichkeit neigst.
Ein solides Weinglas von Riedel reicht völlig.
Sicherheit:
Glas immer auf eine stabile Ablage, nicht auf den Wannenrand ganz am äussersten Ende des Schicksals.
Handy vielleicht eher im Flugmodus, für Ruhe und me-time.
Menge:
Besser ein grosses Glas bewusst geniessen als die ganze Flasche «aus Versehen» nebenbei leeren.
Du willst entspannt aus der Wanne steigen, nicht auf wackligen Beinen.
So, und jetzt:
Bad einfüllen, Lieblingsplaylist an, Wein einschenken und dir selbst offiziell erlauben, eine Stunde lang nichts zu leisten ausser zu atmen, zu geniessen und zwischendurch zu denken: «Das hier ist gerade ziemlich nah an Perfekt.»
Weisst du, ich fühle mich gerade wie eine Rebe nach dem Winterschlaf: Draussens wird’s frühlingshaft und ich wache auf, um neue Inhalte zu kreieren. Dieser Blogpost basiert auf meiner neuesten Podcast-Folge, poetisch, crazy, typisch Weinweib halt. Lass uns gemeinsam lauschen, wie jeder Wein seine eigene Melodie hat.
Wein als lebendiges Musikstück
Wein lebt wie ein Song: Er hat Anfang, Mitte und Nachhall, nie statisch, immer in Bewegung. Beim ersten Schluck tanzen hohe Töne wie Frucht, Blumen und spritzige Säure: Geigen, Flöten, helle Bläser. Dann kommt die Tiefe mit Gewürzen, Holznoten, Erde und Bass; zum Schluss klingen elegante Tannine, mineralische Frische oder ein salziger Hauch nach, das ganze Orchester präsentiert sich.
Jede Traubensorte hat ihre einzigartige Signatur-Melodie, geprägt vom Terroir und dem Handwerk der Winzerinnen und Winzer. Die DNA der Rebe gibt den Grundton vor, aber der Boden, das Klima und die Hand der Winzer machen daraus ein Meisterwerk.
In unserer Küche in Avenches hängt ein kleines Bild vom Künstler Luca Carfagna aus Panzano in Chianti: Strichmännchen schnappen Trauben von der Rebe und werfen sie ins Glas, wo eine Jazzband spielt. Ich sage immer: „Das ist Jazz in a glass!“ – es fängt diese Weinmelodien perfekt ein.
Winzerinnen und Winzer als Komponisten
Weisst du, wer neben der Rebe die ersten Komponisten dieser Melodien sind? Die Winzer! Sie entscheiden täglich über die „Instrumente“: Strenge Grünlesung reduziert die Trauben, macht die Noten konzentriert und dicht, wie Kammermusik statt Blasorchester. Frühe Lesezeit bringt helle, frische, zitrische Töne; späte Ernte reife, warme, jazzige Vibes.
Im Keller wird’s spannend: Spontanvergärung ist purer Impro-Jazz, unvorhersehbar, manchmal schräg, aber voller magischer Momente. Reinzuchthefen ergeben eine durchkomponierte Pop-Produktion: klar, sauber, berechenbar. Beides hat Charme und kann Hits ins Glas zaubern. Beim nächsten Etikett-Blick frag dich: Welche Entscheidungen stecken dahinter? Wann hat jemand gesagt: „Ja, so klingt mein Wein“? Das ist die Seele hinter jeder Flasche.
Hits der Traubensorten
Lass uns ein paar „Chartstürmer“ durchspielen, Trauben, die du kennst und liebst:
Sangiovese: Meine Toskana-Liebe! Sommerfest-Vibes mit Veilchen, Kirschen, Waldbeeren, schwarzem Pfeffer und Lakritz. Flotter Rhythmus durch Säure, tanzende Tannine, nie aufdringlich, perfekt zu Pasta, weil sie mitsingt statt zu dominieren.
Pinot Noir: Sensibler Poet als Kammermusik. Zart mit Himbeere, feuchter Erde, ein Hauch Rosen. Braucht Ruhe zum Entfalten, zu viel Sonne oder Holz macht’s unter Umständen holprig. Aber wenn alles passt, ist es ein Traumlied, das dich umarmt.
Riesling: Verspielte Künstlerin mit Soul. Apfel, Pfirsich, Benzin, Kräuter, Salz – alles möglich! Säure als silberner Faden hält alles zusammen, vom Opener bis zum Dessertwein.
Syrah: Versteckter Rocker mit Pfeffer, Blaubeere, Rauch, Leder, Speck. Vollgas-Band fürs Grillen und Feiern, braucht starke Food-Partner, sonst übertönt er alles.
Chardonnay: Chamäleon-Dirigent. Jung knackig mit Zitrus-Minze, gereift butterkaramellig mit Toast. Passt sich an Boden, Fass, Winzer. Popcorn oder Brathähnchen? Lass die Töne sprechen.
Deine persönliche Wein-Playlist
Denk Weine als Playlist, passend zu deiner Stimmung:
Grüner Veltliner: Spritziger Indie-Pop mit weissem Pfeffer, Zitrus, Apfel – für leichte Tage.
Nebbiolo: Alte Vinylplatte, erdig-rosig mit kratzigen Tanninen, die tief berühren.
Garnacha: Sommerhit für Dachterrassen, rote Früchte, Wärme, Gewürz.
Sauvignon Blanc: Elektropop mit Stachelbeere, Holunder, grüner Paprika – laut und unterhaltsam.
Tempranillo: Singer-Songwriter-Ballade mit spanischer Gitarre, rote Früchte, Tabak, Vanille.
Montag: Riesling für Frische, Freitag: Syrah-Konzert, Sonntag: leichter Rosé als Koch-Hintergrundmusik. Schreib deine eigene Playlist beim nächsten Einkauf!
Harmonie vor Noten
Was mich am Wein (auch) fasziniert: Es geht nicht um Punkte (94/100!), sondern um Harmonie. Ein technisch perfekter Wein kann fade klingen wie produzierter Pop ohne Seele. Ein Wein mit Macken, der singt, ist unvergesslich, wie Amy Winehouse, Janis Joplin, Tom Waits oder Rod Stewart.
Devise: Hör hin statt bewerten! Lass atmen, koste aus und frag: „Was singt der mir gerade?“ Eine fröhliche Weise oder ein trauriges Lied.
Dein Sensorik-Mischpult
Deine Sinne sind das Mischpult: Nase (70 % des „Geschmacks“), Zunge (süss, sauer, bitter, salzig, umami), Mundgefühl (Tannine, Perlage, Cremigkeit). Dreh Regler: Mehr Höhen (Frucht, Blumen) oder Bass (Holz, Rauch)? Finde deinen Mix!
Pro-Tipp: Schwenk den Wein 30 Sekunden im Glas, kleiner Schluck durchlaufen lassen, Nachhall 30 Sekunden spüren. Teste Temperatur: Kalt knackig-frisch, lauwarm tief. Food-Remix: Sangiovese solo gut, mit Pappardelle al Cinghiale wird sie zum Hit.
Übung: Trainiere dein Wein-Ohr
Nimm zwei Weine (ein leichter Weisser, einen kräftigen Roten). Spiele Musik: Ruhig vs. rhythmisch, kratzige Janis/Amy vs. glatte Charts. Spür, wie Wahrnehmung wechselt. Notier drei Musikbegriffe pro Wein: „Ballade“, „Jazzquartett“, „Rocknummer“, „Arie“. Du staunst, wie klar die Melodie wird und was dich packt.
Zum Abschluss: Prost auf die Melodienmacher
Hör dir die volle Podcast-Folge (auf Spotify) an, nimm ein Glas deines Lieblingsweins und lass es klingen. Mein heutiges Glas widme ich Winzerinnen und Winzern, die jeder Rebe eine Stimme geben.
Heute tauche ich noch ä chli tiefer in die Welt des Garnacha und der D.O.’s ein. Du weisst ja als treuer Leser und Leserin, dass ich im Juni 2025 auf einer mega spannenden Pressereise im Garnachaland war.
Die Reise war Teil der von der EU kofinanzierten Kampagne The EU Fab 6 – Savour the PDO and PGI Wines and Deli Meats From Europe (2024–2027).
Ziel dieser Initiative ist es, die europäischen Qualitätssiegel bekannter zu machen und die Lust auf authentische Produkte mit Herkunft und Geschichte zu wecken. Gleichzeitig soll sie die Wettbewerbsfähigkeit und den Genuss der geschützten Weine und Delikatessen stärken – insbesondere in den beiden Zielländern Grossbritannien und Schweiz.
Ich wurde gefragt, ob ich nicht bizzi mehr über die Traube herself und die D.O.’s schreiben könnte. Natürlich kann ich! Sofort hole ich mir ein Glas gekühlten Garnacha dazu, haue in die Tasten und mach dich so richtig gluschtig auf diese tolle Traube und ihre „Denominacion Origen“.
Garnacha und ihre farbige Reise: Von spanischen Siestas bis zur australischen Grillparty
„Wer hat’s erfunden?“ Die Schweizer nicht, aber wenigstens gesteht die Garnacha – auch bekannt als Grenache wenn sie sich französisch fühlt, oder Cannonau falls sie die Sardin in sich herauslässt – woher sie kommt: Aus Aragon, Nordost-Spanien. Dort macht sie es sich schön gemütlich in der Sonne, zieht sich die trockene Mittelmeer Luft rein, trotzt Wind und Kälte und sagt: „Meine Wurzeln bleiben hier, bis die Krone von Aragón irgendwann Party macht und mich nach Südfrankreich, Korsika, Sardinien, Italien, Kroatien und sogar nach Griechenland schleppt.“ Diesem Wunsch wurde entsprochen und sie reiste tatsächlich bis ins ferne Griechenland.
Aber hey, richtige Trauben sind flexibel! Im 18. und 19. Jahrhundert machte Garnacha internationale Karriere, es ging ab nach Australien, Nordafrika, Kalifornien. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie sich ein Instagram-Profil zulegt.
Die Winzer zuhause in Spaniens D.O.’s – Calatayud, Campo de Borja, Cariñena, Terra Alta und Priorat – sagen heute: „Du bist nicht nur robust, du bist Charakter pur. Eigentlich wie unsere Lieblings-tita (Tante): Manchmal schwierig, aber immer herzensgut.“
Alte Reben? Nix da! Die Reblaus (Phylloxera, der Bösewicht der Weinwelt) hat im 19. Jahrhundert alles kurz und klein gemacht. Aber keine Sorge: Die ältesten Garnacha-Reben hüpfen heute noch munter durchs Weinleben, manche bis zu 120 Jahre alt. Junge Reben? Davon gibt’s auch genug, ist ja schliesslich ein Familienbetrieb!
Was macht Garnacha so besonders? Sie ist die Traube mit der „Stehaufmännchen-Garantie“: Während andere sich im hohen Alter über schwindende Vitalität beklagen, sagt Garnacha: „Jetzt erst recht!“ Und schenkt uns Weine, die so viel Charakter und Tiefe haben, dass selbst der mondäne Sommelier beeindruckt nicken muss.
Also, liebe Weinfreunde, ein Hoch auf die Garnachatraube! Sie macht nie Drama, nur grossartigen Wein!
Garnacha – egal ob rot, weiss, rosé, spritzig oder sogar als Likörwein – hat einige Vorteile und gleichsam kleine Tücken.
Wachsen ist jetzt nicht gerade ein Hexenwerk, der Rebstock macht das ganz gut mit. Aber wehe das Terroir spielt nicht mit! Garnacha reagiert sehr empfindlich auf Umweltfaktoren und will schon genau die richtigen Bedingungen und Pflege, damit sie uns Weine schenkt, die von „geht so“ zu „WOW!“ wechseln. Historisch wurde sie oft mit anderen Trauben gepaart, quasi als das Sahnehäubchen auf Weinen mit viel Tannin oder Farbe, damit’s auch richtig aromatisch und fruchtig wurde. Ein bisschen harmonisieren, balancieren, pimpen, das ist eine Kunst die unsere europäischen Winzer wirklich draufhaben!
Garnacha-Fans behaupten sogar, sie sei die „ökologischste“ Traube der Welt. Warum? Weil sie wie gemacht ist fürs Überleben in supertrockenen Gefilden und deshalb prima mit umweltfreundlichen Weinberg-Methoden klar kommt. Late Bloomer sag ich nur: Sie braucht Hitze und Trockenheit, am besten das windige, kontinentale Mittelmeerklima ihrer Heimat. Und dieser starke Holzstamm, der ist the Bodyguard gegen Wind wie den spanischen Cierzo oder den Tramontana. Die bringen frische Luft, halten die Trauben gesund und frei von Fäule und Krankheit.
Alte Reben in den Weingärten Nordostspaniens? Jackpot! Die werfen zwar weniger Trauben ab, liefern dafür aber richtig konzentrierte, terroir-typische Weine, weil ihre Wurzeln mega tief gehen und aus dem Boden noch der kleinste Rest an Nahrung geholt wird. Winzer setzen mehr und mehr auf diese alte Garde, vor allem an kühleren, höher gelegenen Orten, wo die Säure erhalten bleibt und elegante, komplexe Weine entstehen, die auch prima reifen können.
Die spanischen Juwelen: Fünf Denominationen, die du kennen musst!
Spanien hat eine ganz spezielle Gabe: Es verpackt wunderbare Weine in regionale Schatzkästchen namens Denomination Origen, kurz D.O. Ich nehme dich gleich an die Hand und begleite dich auf eine kleine, aber feine Reise durch fünf spannende Weinregionen, in denen die Garnacha eine Hauptrolle spielt.
Calatayud
Hier im Nordosten Spaniens, mitten in Aragón, zeigt Calatayud wie viel Power in Garnacha stecken kann. Die Region schlängelt sich entlang der Ebro-Ebene und bringt Weine hervor, die dank der beträchtlichen Höhenlage und der kühlen Nächte eine tolle Frische behalten. Calatayud ist quasi der Geheimtipp für alle, welche gern kräftige aber elegante Rotweine mögen, die wenig Allüren machen und jede Menge Geschmack haben.
Campo de Borja
Liebevoll auch das „Land der Garnachas“ genannt, befindet sich Campo de Borja ebenfalls in Aragón. Sonnenverwöhnt und doch durch den kühlen Nordwind Cierzo angenehm temperiert, entstehen hier Weine mit kräftigen Farben und intensiven Aromen. Die Böden sind vielfältig und voller Mineralschätze – Kalk, Lehm, Ton und Quarzit – was den Weinen ein richtig spannendes, erdiges Fundament verleiht. Winzer hier verstehen Garnacha als echten Charakterdarsteller.
Cariñena
Cariñena, eine der ältesten D.O. Spaniens bringt Weine hervor, die tief in der spanischen Tradition wurzeln. Bekannt für ihre widerstandsfähigen Reben und die mineralischen Schieferböden, sind die Rotweine hier oft vollmundig und doch überraschend zugänglich. Mit Garnacha und der namensgebenden Rebsorte Cariñena entsteht eine perfekte Liaison aus Fruchtigkeit, Kraft und Bodenständigkeit.
Terra Alta
Weiter südlich, am Rande Cataluñas, ist Terra Alta ein echtes Juwel. Hier spielen nicht nur Garnacha, sondern auch Garnacha Blanca eine spannende Rolle. Die Region punktet mit ihrem kühlen mediterranen Klima und unterschiedlichsten Böden, von sandig bis lehmig, die den Weinen eine feine Würze und Frische schenken. Terra Alta ist perfekt für alle, die Weine mit Charakter, aber ohne Angeberattitüde lieben.
Priorat
Last but definitely not least: Das wohl berühmteste Kind im Quintett der Garnacha-Regionen. Priorat steht für pure Intensität, Finesse und Mineralität. Die steilen Terrassen und der seltene Schwarze Schieferboden namens „Llicorella“ zaubern Weine, die kraftvoll, komplex und altersstabil sind. Priorat-Weine sind die Rockstar-Weine Spaniens – charismatisch, voll Power, aber auch mit Tiefgang und Eleganz.
Diese fünf Denominationen sind wie ein Porträt einer Traube, die sich in fünf verschiedenen Outfits zeigt: vom lässigen Sommer-Look bis hin zum glamourösen Abenddress. Jede D.O. erzählt ihre eigene Geschichte, jede Flasche lädt dich ein auf eine Reise durch Landschaften, Kulturen und Geschmackserlebnisse. Und ich lade dich herzlich ein, dir ein paar Flaschen Weine, die nicht aus dem Priorat kommen, zu gönnen. Du wirst so begeistert sein wie ich!
Wenn du das nächste Mal einen Garnacha trinkst, denk also daran: Du hältst ein riesen Stück spanische Geschichte und Leidenschaft in deiner Hand.
Endlich, endlich habe ich wieder Raum fürs Schreiben! Der Umzug nach Avenches hat uns zwar ordentlich gefordert, aber hey – Kartons auspacken ist ja fast wie Flaschen entkorken: man weiss nie, was man als Nächstes findet. Inzwischen steht das Wichtigste: der Weinkühlschrank summt, das Podcast-System läuft und ja – auch die Gläser sind endlich wieder an ihrem Platz.
Avenches hat mich schon nach den ersten Tagen gepackt. Wenn ich über die Autobahn heimfahre und die Nespresso-Fabrik sehe, weiss ich: jetzt bin ich daheim. Die Ausfahrt ist gleich um die Ecke – und wenn der Wind günstig steht, duftet’s bei uns auf der Terrasse nach frisch geröstetem Kaffee. Ein Aroma, das fast so betörend ist wie ein kräftiger Rotwein am Abend.
Und ja, ich geb’s zu (meine Schwester soll das bloss nicht lesen!): Ich mag Nespresso. Unsere alte Maschine bekommt schon Herzklopfen, wenn sie mich sieht und röchelt vor sich hin. Also habe ich ganz Weinweib-like freundlich bei Nespresso angefragt, ob es da wohl eine kleine Nachbarschaftsfreundschaft gäbe – Weinweib und (N)Espresso, das klingt doch nach einer guten Mischung. Ganz so schnell ging’s zwar nicht, aber bald steht sie da: unsere rote CitiZ Maschine. Rot, passend zum Wein, versteht sich.
Du weisst ja – Kaffee findet man auch im Wein. Jedenfalls in der Nase. Wenn du meinen Blog aufmerksam liest oder die zweite Podcast-Folge gehört hast, dann erinnerst du dich: diese feinen Röstaromen entstehen im Barrique und bringen dem Rotwein das gewisse Etwas.
Und meine Schwester? Die trinkt keinen Wein, ist aber ein echter Espressonerd. Mit italienischer Maschine, Tamper und allem Drum und Dran.
Kaum angekommen, bin ich übrigens gleich wieder im Degustiermodus: am 15. November steht das erste Wein-Event in Villarepos an. „Il Grappolo“ aus Sugiez lädt zu ganzen hundert offenen Flaschen ein – was für ein Auftakt! So beginnt mein neues Kapitel hier in Avenches: mit Espresso am Morgen, Rotwein am Abend – und einer grossen Portion Vorfreude auf all die Weine, die noch kommen werden.
Ach, und bevor du jetzt gleich Lust bekommst, die Gläser zu polieren: Im nächsten Beitrag nehme ich dich mit zu einem ganz besonderen Event – quasi mein Apero d’Adieu vor dem Umzug. Ich durfte nämlich (spontan, wild und wunderbar) bei „Cheers and Cheese to EU“ dabei sein. Was dort passiert, wenn Prosecco und Grana Padano eine Liaison eingehen? Das verrate ich dir im nächsten Blogpost – bleib also dran, denn da prickelt und knuspert nicht nur mein Herz!
An unseren Tagen dort im Juni zeigte sich die Stadt von ihrer grosszügigen, heissen Seite: 37°C am Abend und einer leichten Brise, die mir bizzi die Haare zerzauste und die Gedanken beflügelte. Für mich die ideale Temperatur. Normalerweise pfeift hier der Cierzo – berüchtigter Wind vom Ebro – unbarmherzig durch die Strassen. Im Sommer ein heisser Föhn, im Winter kühlt er auf eisige Kälte, die selbst den passioniertesten Weintrinker in das nächste Café treibt. Doch an diesen Tagen: Sommer pur, lebenslustig – wie die Menschen hier.
Zaragoza hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Nicht nur wegen der monumentalen Bauwerke, sondern vor allem wegen seiner Atmosphäre. Es gab sie wirklich, diese magischen Momente: Ein paar Croquetas hier, einige Tapas da und natürlich jede Menge Geheimtipps von Carolina („Probier noch eine Croqueta, die sind wirklich gut, aber meine Mutter macht sie noch besser!“).
Wenn man durch Zaragoza schlendert, wandert man auf den Spuren ganzer Völker, die hier gelebt, geliebt und gestritten haben. Die Römer nannten die Stadt Caesaraugusta: Ein Ort voller stolzer Monumente und Theater, in dem einst Togaträger debattierten, Garnacha probierten und feierten. Fast wie wir heute, nur mit Sandalen statt Sneakers und Rhetorik statt Instagram.
Dann kamen die Araber und hinterliessen ihren ureigenen Zauber: Sie bauten Paläste, schufen eine Festung direkt im Zentrum und brachten ihre elegante Baukunst in die Stadt. Die Mudejar-Architektur ist ein wunderbares Erbe dieser Zeit, in der Kulturen nebeneinander lebten. Manchmal leise, manchmal laut. Christen, Araber und Juden – sie mischten ihre Geschichten, manchmal sanft und rund, manchmal kräftig und ungestüm.
Und natürlich darf man die stolzen Könige Aragoniens nicht vergessen! Ihre Geschichten sind überall: In den alten Mauern, in den prächtigen Palästen, im Wein und selbst in den Legenden, die noch heute durch die Gassen flüstern.
Ganz besonders intensiv war mein Besuch in der Basilika, mitten in der Kathedrale, wo Nuestra Señora del Pilar thront. Dieser Ort ist so viel mehr als ein Bauwerk, er ist eine Quelle von Kraft, Trost und Hoffnung, seit Jahrhunderten für Menschen aller Glaubensrichtungen. Die Legende erzählt, dass Maria dem Apostel Jakobus hier erschien und ihn ermutigte, an seiner Mission festzuhalten. Sie hinterliess den berühmten Pfeiler (el Pilar) als Symbol der Stärke und Beständigkeit und genau darum pulsiert in dieser Basilika eine tröstende Energie, die einen wirklich berührt. Man muss nicht religiös sein, um von diesem Ort überwältigt zu werden; allein die Atmosphäre, das sanfte Licht, die kleinen Gebete und das Staunen der Pilger sind wie eine Umarmung fürs Herz. Wäre ich allein da gewesen, ich hätte wohl hemmungslos geweint, so sehr macht dieser Ort etwas mit einem.
Dort wird auch die „cinta de la medida de la Virgen del Pilar“, ein feines Band aus Baumwolle, etwa 40cm lang, das exakt der Höhe der verehrten Figur entspricht, verkauft. Die Bänder sind in verschiedenen Farben erhältlich und tragen das Bild der Virgen und die Aufschrift „Medida de Nuestra Señora del Pilar“. Viele tragen sie am Handgelenk, knüpfen sie an Kinderwagen, hängen sie ins Auto oder an die Tasche – immer als Zeichen von Schutz, Liebe und Trost für die Träger. Die Farbe kann zwar beliebig gewählt werden, doch das Band selbst symbolisiert die Verbundenheit mit der Schutzpatronin von Zaragoza und Aragón.
Berührend war, dass jeder in unserer Gruppe von der wunderbaren Aitana eine solche „cinta de la medida de la Virgen del Pilar“ bekommen hat. Ein kleines Band, das viel mehr ist als ein Souvenir, ein Zeichen von Schutz und Verbundenheit, das man tatsächlich spürt. Danke nochmals dafür!
Und dann schlendert man wieder durch El Tubo, vorbei an lebenslustigen Menschen und weiss: Diese Stadt bleibt ein wilder, sonniger Sehnsuchtstraum mit Croquetas-Frieden und Garnacha-Glück, den ich immer wieder schmecken möchte, am liebsten mit einem Hauch Geschichte, einem Baumwollband am Handgelenk und viel Weinweib-Spirit im Gepäck.
Juhu, fast geschafft! 🥂 Schau jetzt schnell in dein Postfach – da wartet eine E-Mail, die nur darauf brennt von dir bestätigt zu werden. Klick drauf und schon bist du offiziell Teil der „Weinmomente“-Crew. Prost auf viele genussvolle News! 🍷