Wo kaufen wir eigentlich unseren Wein?

Wo kaufen wir eigentlich unseren Wein?

Es gibt ja diese grossen Lebensfragen, die uns Weinmenschen früher oder später beschäftigen. Welche Rebsorte passt zu welchem Gericht? Ist Naturwein jetzt Befreiung oder Verwirrung? Und vor allem, wo kaufen wir eigentlich unseren Wein am liebsten ein?

Die Antwort ist natürlich nicht ganz so simpel, wie man im ersten Moment denken könnte. Denn Wein kaufen ist längst nicht nur eine Frage von «guter Ort» oder «schlechter Ort». Es ist eine Frage von Stimmung, Budget, Nähe, Beratung, Lust auf Entdeckung und (seien wir ehrlich) auch ein bisschen Bequemlichkeit. Und genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die verschiedenen Einkaufsorte. Vom Supermarkt um die Ecke bis zum Fachhandel mit goldenem Händedruck.

Der schnelle Griff bei Coop und Denner

Fangen wir bei den ganz normalen Alltagshelden an: Coop und Denner. Die Orte, an denen man eigentlich wegen Putzmittel, Zopf oder Joghurt hineingeht und mit einer Flasche Wein wieder herauskommt. Oder mit zwei. Oder mit einem «nur schnell schauen» noch durch die Weinabteilung huschen und dann doch mit einem Vermentino und zwei Rotweinen im Einkaufswagen wieder davonmarschieren.

Gerade wegen der unmittelbaren Nähe kaufen wir zum Beispiel unsere Weine auch gern dort ein. Nicht, weil wir keine anderen Optionen hätten. Sondern weil das Leben manchmal einfach sagt «Mach’s unkompliziert.» Was imfall völlig legitim ist. Wein darf nämlich auch alltagstauglich sein. Nicht jede Flasche muss eine epische Herkunftsgeschichte haben, muss man den Rebberg persönlich kennen oder mit einer philosophischen Note aufwarten.

Coop hat dabei oft eine recht breite Auswahl. Dort findet man Weine aus verschiedenen Ländern und Regionen, dazu Rot-, Weiss- und Roséweine, Schaumweine und je nach Saison auch hübsche Aktionen. Coop ist ein bisschen der Wein-Supermarkt mit dem erhobenen Zeigefinger im besten Sinn: «Schau, da gibt es mehr, als du eigentlich gesucht hast.» Und wenn du es an die Abende oder Wochenenden triffst, bei dem die Weindegufrau vor Ort ist, kannst du gleich degustieren und shoppen. No gäbig.

Denner hingegen spielt oft die Karte Preis, Tempo und Einfachheit. Das ist nicht spektakulär, aber sehr sympathisch. Denn manchmal braucht man eben genau das, eine solide Flasche, die nicht gleich das Haushaltsbudget in den Feierabend schickt. Und ehrlich gesagt, gibt es nichts doofes daran, Wein dort zu kaufen, wo man sowieso schon ist. Das ist ja keine Beichtstube, sondern Einkaufskultur.

Der Fachhandel mit Seele

Dann gibt es den Fachhandel. Den Ort, an dem die Weinwelt plötzlich etwas leiser spricht und gleichzeitig deutlich mehr weiss. Hier wird nicht einfach nur verkauft, hier wird erzählt, erklärt, empfohlen, eingeordnet und manchmal auch liebevoll korrigiert.

Im Fachhandel spürt man oft schnell, dass da jemand steht, der Wein nicht einfach ins Regal stellt, sondern mit ihm lebt. Und das ist wunderschön. Man bekommt dort Beratung, Hintergrundwissen und oft die Gelegenheit, Weine zu entdecken, die man im normalen Alltag nie gefunden hätte. Fachhandel ist für Weinmenschen ein bisschen wie die Buchhandlung für Leseratten, gefährlich schön und meistens nicht ganz billig.

Der Nachteil? Wer nur rasch etwas zum Abendessen braucht, ist dort manchmal etwas zu sehr in der Genusszone unterwegs. Plötzlich redet man über Terroir, Ausbau und Handlese, obwohl man ursprünglich einfach nur einen Wein für Pasta wollte. Auch das ist Weinleben.

Direkt beim Winzer

Und dann wäre da noch der schönste aller Einkaufsorte! Direkt beim Winzer. Das ist nicht einfach ein Kauf, das ist fast schon eine kleine Liebeserklärung an das Produkt. Man sieht, wo der Wein herkommt, trifft die Menschen dahinter, hört Geschichten, probiert und fährt im besten Fall mit ein paar Flaschen und sehr guter Laune wieder nach Hause.

Direktkauf ist herrlich persönlich. Der Wein schmeckt oft gleich doppelt gut, wenn man weiss, wer ihn gemacht hat und wo er gewachsen ist. Der Nachteil? Nun ja, man muss halt hinfahren. Und nicht jede und jeder hat das Weingut gleich vor der Haustüre. Aber wenn es sich ergibt, dann ist das eine der schönsten Formen des Weinkaufs überhaupt.

Online kaufen, weil der Klick verlockt

Natürlich dürfen wir den Onlinehandel nicht vergessen. Er ist praktisch, schnell und bietet oft eine riesige Auswahl. Perfekt für alle, die gerne vergleichen, stöbern und sich in Weinlisten verlieren, ohne das Sofa zu verlassen. Das ist bequem - und manchmal auch gefährlich - weil aus «nur kurz schauen» ganz schnell ein Warenkorb mit Charakter wird.

Online kann man in Ruhe auswählen, Preise vergleichen und gezielt nach Regionen, Produzenten oder Rebsorten suchen. Der Nachteil ist allerdings klar. die Flasche bleibt digital, bis sie vor der Haustüre steht. Es gibt kein spontanes Probieren, keine echte Beratung. Aber für gezielte Käufe ist das völlig in Ordnung. In der Schweiz ist die Flaschenpost eine gute Wahl, da sie rund 15'000 Weine aus aller Welt von verschiedenen Händlern im Angebot hat.

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Unser ganz normaler Weinalltag

Das finde ich cool, es gibt nicht den einen richtigen Ort, um Wein zu kaufen. Es gibt nur den Ort, der in der jeweiligen Situation am besten passt.

Für den Alltag? Coop oder Denner, ganz entspannt.
Für Beratung und Entdeckung? Fachhandel.
Für Erlebnis und Herkunft? Direkt beim Winzer.
Für gezielte Suche und bequemen Nachschub? Online.

Und wie bereits erwähnt, wir kaufen unsere Weine oft bei Coop und Denner ein. Dies insbesondere, weil wir beide Läden direkt vor der Haustüre haben. Was mit ein Grund ist, dass wir bei der Freitagsflasche öfters eine von dort für dich degustieren und darüber berichten.

Am Ende ist Wein kaufen ein bisschen wie das Leben selbst, mal spontan, mal geplant, mal vernünftig, mal voller Versuchung. Hauptsache, es macht Freude! 

Und wenn dann auf dem Tisch eine Flasche steht, die genau zum Moment passt, dann ist es eigentlich völlig egal, ob sie mit Fachhandelsglanz, Winzerpoesie oder Coop- und Denner-Alltagsetikette zu uns gekommen ist.

Hauptsache, sie wird getrunken. Und zwar mit Genuss.

Darum sagen wir heute: Salute auf dich, das Leben und die Freude daran.


FAQ

Wo kauft man Wein in der Schweiz am besten?

Das hängt davon ab, was dir wichtig ist. Für den Alltag sind Coop und Denner praktisch, für Beratung und besondere Entdeckungen ist der Fachhandel ideal, und direkt beim Winzer bekommst du viel Nähe zur Herkunft.

Ist es okay, Wein bei Coop oder Denner zu kaufen?

Ja, absolut. Wein darf alltagstauglich sein, und gerade für spontane Käufe, den Wocheneinkauf oder unkomplizierte Flaschen sind Coop und Denner sehr passend.

Was ist der Vorteil vom Fachhandel?

Der Fachhandel bietet meist mehr Beratung, mehr Hintergrundwissen und oft eine spannendere Auswahl. Besonders bei besonderen Anlässen oder wenn du etwas Neues entdecken möchtest, ist das ein grosser Vorteil.

Warum lohnt sich der Kauf direkt beim Winzer?

Direkt beim Winzer kaufst du mit mehr Nähe zum Produkt. Du lernst die Menschen hinter dem Wein kennen, erfährst mehr über Herkunft und Ausbau und bekommst oft Weine, die du im Handel nicht findest.

Ist Online-Weinkauf eine gute Lösung?

Ja, wenn du gezielt suchst oder gerne vergleichst. Online hast du oft eine grosse Auswahl und bequeme Lieferung, aber du verzichtest auf direkte Beratung und das spontane Degustieren.

Was ist der Unterschied zwischen Coop und Denner beim Weinkauf?

Coop führt oft eine breitere und stärker kuratierte Auswahl und bietet auch Punktuell Weindegustationen an, während Denner häufiger mit Preis, Aktionen und unkompliziertem Einkauf punktet. Beide eignen sich gut für den Alltag.

Sollte man Wein lieber nach Preis oder nach Anbieter kaufen?

Am besten nach dem Anlass und dem eigenen Bedürfnis. Für eine schnelle Flasche darf es günstig und praktisch sein, für ein Geschenk oder eine besondere Mahlzeit lohnt sich oft ein spezialisierter Anbieter.

Was ist die beste Einkaufsstrategie für Wein?

Eine Mischung ist meist am sinnvollsten: Coop oder Denner für den Alltag, Fachhandel für Beratung, Winzer für Erlebnisse und Online für gezielte Suche.

PiWi in der Schweiz, Wenn die Reben neue Wege gehen

PiWi in der Schweiz, Wenn die Reben neue Wege gehen

Mittwoch ist bei Weinweib Wissensmittwoch. Also nicht „Ich hatte drei Gläser Wein und eine Meinung“, sondern „Ich hatte drei Gläser Wein, eine Meinung und dann habe ich nachgelesen“. Heute geht es um PiWi. Diese Reben, die klingen wie ein neuer Fitnessdrink, in Wirklichkeit aber ziemlich viel mit der Zukunft des Weinbaus zu tun haben.

Und nein, PiWi ist kein Trend, der verschwindet, sobald der nächste Orange Wine Hype durch ist. PiWi bleibt. Wie überbackenes Baguette im Bistro und ein Glas Chardonnay beim Apéro.

Was zum Geier ist PiWi?

PiWi steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Also Reben, die von Natur aus weniger Probleme mit Krankheiten wie echtem und falschem Mehltau haben und auch mit Graufäule besser zurechtkommen. Man kann sich das vorstellen wie Reben mit einem stärkeren Immunsystem, der Winzer muss weniger eingreifen und die Rebe erledigt einen Teil der Arbeit selbst.

Wichtig, PiWi ist kein eigener Geschmack. Es gibt kein spezielles „PiWi Aroma Rad“ und keine Formel, nach der PiWi immer gleich schmeckt. Im Glas sind PiWi Weine so unterschiedlich wie alle anderen auch, je nach Sorte, Lage, Ertrag, Ausbau und der Person, die dahintersteht.

Wenn dir also jemand sagt „Ich mag PiWi nicht“, frag zuerst „Welchen denn genau?“ Alles andere wäre, als würdest du nach einem schlechten Merlot behaupten, alle Rotweine seien schlecht.

Reben Drama, Wie PiWi entstanden ist

Kleiner Ausflug in die Geschichte. Erinnerst du dich an meinen Blogpost über die Reblaus? Dort habe ich erzählt, wie im 19. Jahrhundert die Reblaus nach Europa kam und riesige Teile des Weinbaus zerstört hat. Ganze Weinberge gingen zugrunde, Winzer waren verzweifelt und die Weinwelt musste sich neu sortieren.

Aus dieser Zuchtarbeit entstanden im Lauf der Zeit die modernen PiWi Sorten. Sie sind keine Produkte aus dem Labor, sondern Resultat klassischer Züchtung, über Jahre oder Jahrzehnte getestet, selektioniert, viele Kandidaten wieder verworfen, bis ein paar wenige wirklich überzeugt haben. Ein bisschen wie Dating im Rebberg, viele Versuche, bis es klick macht.

PiWi in der Schweiz, klein im Anteil, gross in der Wirkung

Jetzt wird’s lokal, Schweiz, PiWi, Weinweib, das ergibt eine spannende Kombination.

In der Schweiz stehen heute ein paar hundert Hektar PiWi Reben, etwa 3,5% der gesamten Rebfläche. Das klingt nach wenig, ist aber beachtlich, wenn man bedenkt, wie jung viele dieser Sorten sind. Während in einigen klassischen Regionen noch darüber gestritten wird, ob man überhaupt neue Reben zulässt, baut die Schweiz PiWi still und konsequent aus.

Mein Lieblingsbeispiel ist Luzern. Dort sind schon rund 40% der Rebfläche mit PiWi bepflanzt. Vierzig Prozent. Das ist nicht „Wir probieren mal etwas aus“, das ist „Wir haben verstanden, wohin die Reise gehen könnte“. Wenn du PiWi Weine probieren willst, darf Luzern auf deiner mentalen Karte gern rot markiert sein.

Auch im Wallis sind mehrere PiWi Sorten offiziell im AOC Katalog. Divico ist dort anerkannt, dazu kommen weitere robuste Sorten. Das heisst, PiWi steht nicht als „Versuchswein“ in der Ecke, sondern trägt Herkunftsnamen und gehört ganz normal ins Sortiment.

Die Schweizer PiWi Gang, Wer im Glas auftaucht

Damit es nicht abstrakt bleibt, hier ein paar PiWi Sorten, denen du früher oder später begegnen wirst.

  • Divico, dunkler, kräftiger Rotwein aus einer Schweizer Neuzüchtung. Viel Farbe, sattes Tannin, deutliches Aromaprofil. Wenn Divico ein Mensch wäre, wäre er derjenige, der beim Raclette die Pfännchen übernimmt und dafür sorgt, dass alle satt und zufrieden sind.
  • Divona, die weisse Schwester im PiWi Universum. Sie reift früh, zeigt Zitrusnoten, Rosen und manchmal einen leichten Tropen Touch. Ein idealer Apéro Wein, aber nicht darauf beschränkt. Perfekt für alle, die beim Probieren gern sagen „Was ist das, das ist spannend“.
  • Cabernet Jura, roter PiWi, der in der Schweiz gut Fuss gefasst hat. Im Duft und Geschmack irgendwo zwischen Cassis, Sauerkirsche und einem Hauch Paprika, dazu eine solide Struktur. Ein schönes Beispiel dafür, dass PiWi durchaus klassisch wirken kann.
  • Regent, international einer der bekannten PiWi Vertreter, auch im Wallis vorhanden. Viel Farbe, dunkle Frucht, oft im Cuvée eingesetzt. Regent ist der Bandkollege, der nicht auf dem Plakat vorne drauf ist, aber den Sound zusammenhält.
  • Johanniter, weisse PiWi Sorte mit frischer Zitrusaromatik und etwas Pfirsich. Gut geeignet für biologisch bewirtschaftete Weinberge. Ein Wein, der sich entspannt wegtrinkt, ohne laut zu sein, ideal für heisse Tage und unkomplizierte Abende.
  • Solaris, reift früh und zeigt Aromatik von Zitrus bis tropischer Frucht. Aus guten Lagen können sehr konzentrierte Weissweine entstehen. Solaris ist ein starkes Argument dafür, dass PiWi keine Notlösung, sondern eine echte Stilentscheidung sein kann.
  • Muscaris, verwandt mit Muscat, also Blumigkeit, Gewürz und Frucht. Entweder man liebt diesen Stil oder man denkt „Das ist mir zu viel“. In guten Händen kann Muscaris aber richtig Spass machen und bietet spannende Möglichkeiten beim Foodpairing.
  • Souvignier Gris, rosafarbene Trauben, meist weiss gekeltert. Exotische Frucht, angenehme Säure und ideal für Winzer, die gerne ein bisschen aus dem gewohnten Schema ausbrechen.

Dazu kommen viele weitere PiWi Sorten auf kleineren Flächen, Bianca, Bronner, Léon Millot, verschiedene Cabernet Kreuzungen und mehr. Eine ideale Spielwiese für Degustationen, bei denen man am Ende denkt „Warum steht da nicht einfach Achtung, macht süchtig?“ Gäu das ist mega spannend!

Wo diese Reben stehen und wo du hinfahren kannst

PiWi in der Schweiz passiert nicht im Hinterzimmer eines Labors, sondern mitten in realen Weinlandschaften.

  • In Luzern, wo fast die Hälfte der Rebberge bereits PiWi ist, eine Region, die sich hervorragend für eine PiWi Tour eignet.
  • Im Wallis, wo PiWi Sorten AOC Status haben und mit Namen wie Divico, Regent, Solaris oder Johanniter in der Herkunftsliste auftauchen.
  • Am Zürichsee, zum Beispiel im Rebberg der Martin Stiftung, wo ausschliesslich PiWi angebaut wird, Cabernet Noir, Cabernet Jura, Divico und andere.
  • In St. Gallen, wo Betriebe wie Bosshart + Grimm PiWi in spannender Topographie einsetzen.
  • Im Aargau, wo FiBL PiWi im Rahmen von Forschungsprojekten und Praxiserfahrungen ins Glas bringt, Weinbau der Zukunft zum Probieren.
  • In Genf, wo Sorten wie Divico und Divona nach und nach ihren Platz finden und man Entwicklungen sehr gut über mehrere Jahrgänge beobachten kann.

Und wie schmeckt das jetzt, die grosse PiWi Frage

Vielleicht fragst du dich inzwischen „Alles schön und gut, aber schmeckt das?“ Die Antwort ist, es kommt darauf an, wie bei jedem Wein. Es gibt PiWi Weine, die völlig vertraut wirken, in einer Blindprobe würdest du kaum auf die Idee kommen, dass es sich um eine besondere Sorte handelt. Andere wirken eigenständiger, mit neuen Aromabildern, die man erst einordnen muss. Wieder andere sind noch in einer Art Findungsphase, die Sorte ist jung, der Winzer probiert, das Ergebnis ist interessant, manchmal aber noch etwas unruhig.

Für Menschen, die gerne degustieren, ist PiWi eine Einladung, das eigene Bewertungsraster etwas zu lockern, weniger feste Regeln, mehr Offenheit. Die Weinwelt verändert sich, Themen wie Biodiversität, Klimaveränderung und Ressourcen sind nicht mehr theoretisch. Es wäre seltsam, wenn die Reben darauf gar nicht reagieren würden.

Was du mit PiWi machen kannst

Für mich ist PiWi keine neue Schublade im Shop, sondern eine sehr dankbare Spielwiese.

  • PiWi Vertikale, gleiche Sorte, gleiche Region, verschiedene Jahrgänge, so spürst du, wie sich eine PiWi Rebe über die Jahre entwickelt.
  • PiWi vs. Klassiker, Divico neben Pinot Noir, Divona neben Chasselas, nicht als Wettbewerb, sondern als Gespräch im Glas, was verändert sich, was bleibt ähnlich.
  • Foodpairings, Muscaris zu orientalischer Küche, Solaris zu alpinen Käsen, Divico zu dunkler Schweizer Schokolade, hier ist viel Raum für neugieriges Probieren.

Und natürlich Geschichten, Winzer, die bewusst umdenken, Böden, die davon profitieren, Landschaften, die nicht von kurzfristigen Lösungen leben. PiWi ist nicht nur eine Rebsorte, PiWi ist ein Statement, wie Weinbau auch aussehen kann.

PiWi Shopping Tipps

Damit du nicht nur liest, sondern auch probieren kannst, hier ein paar Adressen, wo PiWi in Flaschen gefüllt auf dich warten.

  • Solaris, Souvignier Gris, Seyval Blanc und Les Cabernets von Bosshart + Grimm und FiBL über den amiata Onlineshop.
  • Divico „Nachtreiher“ und Solaris Süsswein von Diroso im eigenen Diroso PiWi Shop.
  • Burg Rheineck, Léon Millot vom Weingut am Steinig Tisch, Roman Rutishauser, in Thal.
    Dunkel, dicht, würzig fruchtig, mit der Süsse reifer Früchte und einem Jahr im kleinen Holz, direkt beim Weingut am Steinig Tisch, Burg Rheineck Léon Millot. Ein PiWi, der nicht Experiment sagt, sondern, ich bin da, setz dich hin und hör zu. Fun Fact, diesen Wein hatten wir während der ganzen Zeit, in der wir unseren eigenen Online Shop geführt haben, im Sortiment, so etwas wie unser heimlicher PiWi Hauswein. Roman's Weine können wir übrigens sehr empfehlen! Da ist pure Handarbeit mit Leidenschaft und Weinwissen kombiniert.

Am Ende von all dem bleibt für mich vor allem eines, PiWi Reben sind kein exotischer Nebenschauplatz, sondern ein ernstzunehmender Vorgeschmack auf den Weinbau der Zukunft, nicht laut, nicht spektakulär inszeniert, aber mit dem stillen Selbstbewusstsein von Reben, die sagen, wir kommen klar, auch wenn das Klima nicht mehr so nett ist wie früher.

Für uns im Glas heisst das, neugierig bleiben. Nicht jede PiWi Flasche wird zur grossen Liebesgeschichte, aber viele sind genau das, was wir gesucht haben, ohne es zu wissen, spannend, robust und manchmal charmant unperfekt. Und ja, hin und wieder auch eine Sorte, bei der man denkt, bitte mehr davon.

Wenn du das nächste Mal vor einem Gestell oder im Onlineshop stehst und wählen musst zwischen „kenn ich, trink ich immer“ und einer PiWi Flasche mit unbekanntem Namen, gib der neuen Sorte eine Chance. Vielleicht ist genau dieser Wein der Moment, in dem du merkst, wie spannend es sein kann, wenn der Blick ein Stück über die üblichen Verdächtigen hinausgeht.

Tonnellerie SOTHER – Barrique aus Schweizer Eiche

Tonnellerie SOTHER – Barrique aus Schweizer Eiche

Zu Besuch in der Tonnellerie SOTHER – Schweizer Barriques aus erster Hand

Es gibt Orte, an denen man sofort spürt, dass mit ganz viel Herzblut und Können gearbeitet wird. Genau so ein Ort ist die Tonnellerie SOTHER im waadtländischen Valeyres-sous-Rances, nur einen Steinwurf von unserem Zuhause entfernt.

Schon bevor wir nach Avenches gezogen sind, sind wir zufällig auf die Tonnellerie gestossen und wussten, irgendwann möchten wir dort ein Videointerview machen. Die Anfrage wurde wunderbar unkompliziert und schnell beantwortet und der Besuchstermin stand fest.

Rémi, der französische Tonnellier, führt uns durch seine Werkstatt und erklärt Schritt für Schritt, wie aus rohem Holz ein Fass wird. Von der Auswahl und Vorbereitung der Dauben über das Formen des Fasses bis hin zu den Arbeitsschritten, die normalerweise beim Toasten im Innern nötig sind. Auch wenn an diesem Tag kein Feuer brannte, wurde klar, wie viel Erfahrung, Körperarbeit und Feingefühl in jedem Handgriff steckt. Ein seltener Blick hinter die Kulissen einer Tonnellerie.

Und jetzt: Ein Glas Wein einschenken, zurücklehnen und mit uns die Tonnellerie SOTHER entdecken.

Und weil ein Barrique nicht nur in der Werkstatt spannend ist, sondern vor allem im Keller und im Glas, geht die Reise hier noch ein bisschen weiter.

Im Blogpost «Was passiert eigentlich im Barrique?» erzahle ich dir, was der Wein im Fass erlebt: wie er atmet, welche Aromen das Holz abgibt und warum Barrique nicht einfach nach Vanille schmeckt, sondern viel komplexer ist.

6 Traubensorten: So liest du die Weinkarte entspannt

6 Traubensorten: So liest du die Weinkarte entspannt

Wenn im Restaurant die Weinkarte bei dir landet, schiebst du sie dann ganz schnell jemand anderem zu? Nach diesem Blogpost wirst du entspannt einen Wein aussuchen können, der zu dir passt. Denn mit diesen 6 Traubensorten lernst du, eine Weinkarte zu lesen, ohne Stress und Fachchinesisch.

Wenn die Weinkarte bei mir landet

Im Restaurant läuft es bei uns fast immer gleich ab. Die Weinkarte kommt, wer auch immer mit am Tisch sitzt reicht sie dann zu mir rüber und meint „Such uns bitte einen Wein aus.“

Ich mag das. Ich liebe es, mich durch Weinkarten zu lesen und im Kopf schon zu schmecken, was da im Glas landen könnte. Aber ich weiss, für viele ist so eine Karte eher ein kleiner Stresstest als ein Vergnügen. Wenn du wissen willst, wie ich überhaupt zu all dem gekommen bin, erzähle ich dir hier mehr über mich und Weinweib.

Vielleicht kennst du das Gefühl ja: du siehst Namen, Zahlen, Regionen, aber so richtig weisst du nicht, wie sich das alles im Glas entfalten wird. Hier die gute Nachricht, du musst nicht hunderte Traubensorten auswendig kennen. Wenn du diese 6 einmal grob verstanden hast, kannst du im Alltag schon richtig gut mitreden und vor allem für dich selbst die richtigen Weine finden.

Warum Traubensorten dein Wein‑Navi sind

Die Traubensorte bildet den Grundcharakter eines Weins. Ob ein Wein eher frisch oder cremig ist, leicht oder kräftig, leise oder laut, all das hat sehr viel mit der Sorte zu tun.

Natürlich spielen auch Herkunft, Jahrgang und Ausbau eine Rolle. Aber wenn du ein paar Schlüsselrebsorten kennst, kommt dir eine Weinkarte plötzlich nicht mehr vor wie ein Fremdsprachen-Test, sondern wie ein Treffen mit bekannten Charakteren.

Denk die Sorten ruhig wie Musikrichtungen:

  • Du musst nicht jede Band kennen.
  • Es reicht, wenn du weisst, wie Rock, Jazz und Pop ungefähr klingen.
  • Genau so funktionieren Rebsorten.

Und wenn du noch tiefer in diese Musik‑Metapher eintauchen möchtest: In einem eigenen Beitrag habe ich schon einmal darüber geschrieben, wie Wein klingen könnte.

Lass uns also dein persönliches Wein‑Navi bauen. Mit sechs Traubensorten, die dir unglaublich oft begegnen werden. Wenn du generell noch unsicher bist, was dir eigentlich schmeckt, hilft dir dieser Beitrag weiter: Weingeschmack für Einsteiger.

1. Die Frische‑Königin: Riesling oder Sauvignon Blanc

Kurzcharakter: spritzig, wach, saftig.

Diese Weine sind deine Wachmacher im Glas.
Sie sind die spritzige Flöte im Orchester, klar, hell und fast ein wenig hibbelig.

So schmeckt das ungefähr:

  • In der Nase: Zitrus, grüner Apfel, manchmal etwas Kräutriges oder „Grünes“ (bei Sauvignon Blanc z.B. Johannisbeere, Stachelbeere/Chrosle, frisch gemähte Wiese).
  • Im Mund: Lebendige Säure, die dich wachkitzelt. Eher „knackig“ als „kuschelig“.

Für dich, wenn du:

  • keine breiten, schweren Weissweine magst,
  • es liebst, wenn Wein dir einen kleinen Energieschub gibt,
  • auch beim Essen auf frische Aromen stehst (Zitrone, Kräuter, knackiges Gemüse, Fisch, asiatische Küche).

Merksatz: Wenn du frisch, klar und lebendig im Glas willst, sind Traubensorten wie Riesling oder Sauvignon Blanc dein Team. Achtung kein Spätleseriesling wählen, der ist süss.

2. Die Genuss‑Queen: Chardonnay

Kurzcharakter: von elegant frisch bis cremig‑schmeichelnd.

Chardonnay ist ein echtes Chamäleon.
Sie kann schlank und zitrusfrisch daherkommen oder cremig und buttrig, mit Vanille und Toast vom Holzfass. Tönt ä chli widersprüchlich? Willkommen in der Welt des Chardonnays.

So kann sich das anfühlen:

  • In der Nase: Zitrus, Apfel, manchmal Steinfrüchte, bei Ausbau im Barrique kommt noch Vanille, Butter, Brioche dazu.
  • Im Mund: Mehr Körper, oft eine weichere Textur. Manchmal richtig „zum Kauen“.

Für dich, wenn du:

  • Brunch, Käseplättli und gemütliche Essen liebst,
  • dich mit etwas fülligeren Weissweinen wohler fühlst als mit superdünnen,
  • Wein gerne als „flüssigen Gang“ zum Essen siehst.

Mini‑Faustregel:

  • Schlagwörter wie „Barrique“ und „im Holz“, sowie bestimmte Herkunft (z.B. Burgund, Kalifornien) deuten eher auf die cremigere Variante hin.
  • Kühleres Klima, kein Holz erwähnt = meist schlanker, frischer Stil.

Merksatz: Wenn du Wein als kleine kulinarische Kuscheldecke magst, wirst du mit Chardonnay schnell warm.

3. Der Feingeist: Pinot Noir

Kurzcharakter: elegant, fein, sensibel.

Pinot Noir ist kein Muskelprotz, sondern der Feingeist unter den Rotweinen.
Er kann richtig viel erzählen, aber eher mit leisem Ton als mit der Holzhammermethode.

So schmeckt das ungefähr:

  • In der Nase: rote Früchte (Kirsche, Himbeere, Erdbeere), oft auch florale Noten oder ein Hauch Waldboden.
  • Im Mund: hellere Farbe, eher feine Tannine, elegante Struktur, manchmal leicht gekühlt am schönsten.

Für dich, wenn du:

  • Tannin‑Monster nicht magst, dir aber Rotwein prinzipiell sympathisch ist,
  • lieber Jazz als Heavy Metal hörst,
  • Leichtigkeit mit Tiefe spannender findest als maximalen Wumms.

Merksatz: Wenn du einen sensiblen, vielschichtigen Rotwein suchst, ohne viel Muskelspiel, dann ist Pinot Noir dein Verbündeter.

4. Die unkomplizierte beste Freundin: Merlot

Kurzcharakter: weich, rund, zum einfach Gernhaben.

Merlot ist der Wein, mit dem sich die meisten spontan wohlfühlen.
Kein grosses Drama, keine harten Kanten, einfach ein „Ohh, der ist aber fein“-Gefühl.

So schmeckt das ungefähr:

  • In der Nase: dunklere Früchte wie Pflaume, Kirsche, manchmal etwas Schokolade.
  • Im Mund: weich, rund, oft saftig, mit eher moderater Säure und sanfteren Tanninen.

Für dich, wenn du:

  • Wein zum auf dem Sofa abhängen, zu Pasta und Serienabenden suchst,
  • keine Lust auf anstrengende, kantige Weine hast,
  • „easy drinking“ innerlich mit „ja, bitte“ übersetzt.

Merksatz: Wenn du einfach einen netten, gutmütigen Rotwein willst, landest du sehr oft bei Merlot oder bei Cuvées, in denen er eine Hauptrolle spielt.

5. Der Klassiker mit Rückgrat: Cabernet Sauvignon

Kurzcharakter: strukturiert, kräftig, mit klaren Kanten.

Cabernet Sauvignon ist so etwas wie der Anzugträger unter den Rotweinen, gut strukturiert, manchmal ernsthaft, oft beeindruckend und definitiv nichts im Jogginghosen‑Modus.

So schmeckt das ungefähr:

  • In der Nase: Cassis, Kirsche, grüne Peperoni dazu je nach Ausbau Noten von Zedernholz, Tabak, Pfeffer, Lakritze.
  • Im Mund: deutliche Tannine (also „Gerbstoff‑Grip“ = pelzige Zunge), gute Struktur, eher fest als weich. Ein Wein, der dir das Gefühl geben kann: „Yes, hier ist was mit Rückgrat im Glas.“

Für dich, wenn du:

  • Rotweine mit Struktur und Biss spannend findest,
  • gern zu kräftigem Essen greifst (Steak, Grill, Schmorgerichte),
  • es magst, wenn ein Wein eher ernsthaft als „easy drinking“ ist.

Merksatz: Wenn du Klarheit, Struktur und Rückgrat im Rotwein suchst, wirst du bei Cabernet Sauvignon fündig. Oft solo oder als wichtiger Teil von Cuvées (zum Beispiel in klassischen Bordeaux‑Blends).

6. Die Drama‑Queen: Syrah / Shiraz

Kurzcharakter: intensiv, würzig, laut.

Syrah (oder Shiraz, je nach Region) ist nichts für schüchterne Momente.
Das sind Weine, die im Glas richtig mitreden wollen! Perfekt, wenn das Essen auch nicht auf leise gestellt ist.

So schmeckt das ungefähr:

  • In der Nase: dunkle Früchte, Pfeffer, Gewürze, manchmal etwas Rauch oder Speck.
  • Im Mund: mehr Tannin, mehr Power, mehr „Da passiert etwas“. Kein Wein, der sich brav im Hintergrund hält.

Für dich, wenn du:

  • Grill, Schmorgerichte und würzige Küche liebst,
  • gerne Weine hast, die Charakter zeigen und nicht everybody’s darling sind,
  • Lust auf ein bisschen Drama im Glas hast.

Merksatz: Wenn du Power, Würze und Präsenz willst, bist du bei Syrah / Shiraz ziemlich richtig.

So nutzt du diese 6 Traubensorten beim nächsten Restaurantbesuch

Zurück zur Weinkarte, welche dir jemand rüberschiebt mit dem Satz: „Such uns bitte einen Wein aus.“ Statt panisch nach dem günstigsten bekannten Namen zu scannen, kannst du dir kurz diese Fragen stellen:

Worauf habe ich Lust?

  • Frische‑Kick im Glas? → Frische‑Königin: Riesling / Sauvignon Blanc
  • Cremiger Genuss, gerne zum Essen? → Genuss‑Queen: Chardonnay
  • Eleganter Rotwein ohne Tanninprügel? → Feingeist: Pinot Noir
  • Unkomplizierter Kuschelrotwein für Sofa & Serienabend? → Beste Freundin: Merlot
  • Struktur und Rückgrat, eher „Seriosität im Glas“? → Klassiker mit Rückgrat: Cabernet Sauvignon
  • Würzige Power zu kräftigem Essen? → Drama‑Queen: Syrah / Shiraz

Was wird gegessen und wo sitzen wir gerade?

  • Aperitif auf der Terrasse → eher Frische‑Königin.
  • Gemütliches Essen mit mehreren Gängen → Genuss-Queen oder Feingeist.
  • Grillabend → Beste Freundin, Klassiker mit Rückgrat oder Drama‑Queen.

Wo tauchen diese Namen auf der Karte auf?

Manchmal steht die Sorte direkt drauf, manchmal versteckt sie sich in Regionen oder Cuvées. Je öfter du bewusst hinschaust, desto vertrauter werden dir diese Traubentypen und desto entspannter kannst du entscheiden. Und wenn nichts von der Traubensorte steht, frag das Servicepersonal, sie sollten dahingehend geschult sein, dass sie die Weine auf der Karte kennen und dir genau Auskunft geben können.

Du musst nicht alles wissen. Es reicht, wenn du ein paar Charaktere kennst und darauf vertraust, dass dein Geschmack dich leitet.

Und jetzt du: Welche Sorte bist du heute?

Bei uns wird die Weinkarte wohl weiterhin bei mir landen und ich mag das. Aber ich wünsche mir, dass immer mehr Menschen sich selbst zutrauen, ihren Wein bewusst auszuwählen.

Zu welcher dieser sechs Sorten greifst du spontan am liebsten? Frische‑Königin, Genuss‑Queen, Feingeist, beste Freundin, Klassiker mit Rückgrat oder Drama‑Queen?

Und welche davon willst du als nächstes ganz bewusst ausprobieren?

Wenn du Lust hast, komm rüber auf Instagram auf @weinweib.ch und verrate mir dort in den Kommentaren, welcher „Traubentyp“ du bist. 

Vielleicht wird aus diesem Beitrag ja der Start von „Weinweibs kleiner Rebschule“.

Song gefälligt? Bittesehr!

5 typische Fehler beim Wein degustieren und wie du sie vermeidest

5 typische Fehler beim Wein degustieren und wie du sie vermeidest

Wein degustieren klingt immer ein bisschen nach Prüfungssituation: Weisse Tischdecke, ernste Gesichter, jemand schwenkt das Glas und murmelt etwas von „schwarze Kirsche“ und du denkst dir: „Ähm… ich rieche… Wein?“

Entspann dich. Fehler gehören beim Degustieren genauso dazu wie Weinflecken zu weissen Hosen. Und das Beste: Die meisten dieser Fehler sind komplett unnötig und lassen sich mit ein paar einfachen Kniffen vermeiden.

Hier kommen fünf typische Fehler, die ich bei Degustationen immer wieder sehe (oder gesehen habe), und wie du sie ab heute ganz locker umschiffst.

Fehler 1: Deine Sinne sind im Off. Kaffee, Zigaretten, Zähneputzen & Parfum

Du stehst vor deinem Glas, schaust (auch) ernst, nimmst einen Schluck… und alles wirkt bitter oder kantig. Oder du riechst nur „irgendwas Frisches“, aber keine Weinaromen.

In den allermeisten Fällen ist nicht der Wein schuld, sondern das, was du kurz vorher getrunken, geraucht oder angesprüht hast.

Was den Mund ruiniert: Kaffee, Zigaretten, Zähneputzen

Alles, was direkt durch den Mund geht, beeinflusst zuerst Zunge und Gaumen, also das, was du schmeckst:

  • Kaffee und Espresso legen einen kräftigen Film auf die Zunge, der feine Aromen überdeckt und bei vielen Weinen die Bitterstoffe in den Vordergrund schiebt.
  • Zigaretten betäuben den Gaumen und lassen Weine härter, bitterer oder flacher wirken.
  • Zähneputzen, vor allem mit sehr frischer Zahnpasta, kann Säure völlig überbetonen, plötzlich wirkt ein eigentlich harmonischer Wein nur noch sauer und unangenehm.

Ergebnis: Der Wein schmeckt „schräg“, obwohl mit ihm alles in Ordnung wäre, deine Geschmacksknospen sind einfach noch im falschen Film.

So machst du es besser:

  • Ungefähr 2 Stunden vor dem Degustieren keinen Kaffee mehr trinken, nicht rauchen, keinen Chätschgumi kauen und die Zähne nicht direkt davor putzen.
  • Wenn du doch frisch geputzt hast: Ein Glas Wasser trinken, kurz warten, dann erst an den Wein.
  • Zwischen verschiedenen Weinen immer wieder Wasser trinken und, wenn nötig, ein Stück neutrales Brot essen, um den Mund zu neutralisieren.

Was die Nase blockiert: Parfum & Co.

Alles, was du dir auf die Haut sprühst oder schmierst, arbeitet direkt gegen das, was du riechen willst: den Wein.

  • Parfum, Aftershave, stark duftende Handcreme oder Haarspray legen eine intensive Duftwolke um dich herum.
  • Dein Gehirn ist so sehr mit dieser Duftwolke beschäftigt, dass die feinen Weinaromen im Glas schlicht auf der Strecke bleiben.

Besonders heikel ist das in kleinen Räumen oder wenn mehrere Personen stark parfümiert degustieren, dann riecht man zuerst alles Mögliche, aber kaum noch Wein.

So machst du es besser:

  • Vor einer Degustation am besten kein Parfum/Aftershave nutzen.
  • Hände möglichst ohne stark parfümierte Creme lassen, dein Glas wird in unmittelbarer Nähe sein.
  • Für professionelle Degustationen gilt: immer neutral riechen als wie eine Parfümerie.

Kurz gesagt: Was in den Mund kommt, beeinflusst Geschmack und Bitterkeit; was du dir auf die Haut sprühst, klaut dir die Weinaromen in der Nase. Beides lässt sich mit ein bisschen Planung ganz leicht vermeiden und plötzlich ist im Glas viel mehr los, als du vorher dachtest.

Fehler 2: Falsche Reihenfolge. Wenn der Wein nach „nichts“ schmeckt.

Ein Klassiker bei privaten Degustationen: Man beginnt „mit dem Besten“, also mit dem schwersten, gereiften Rotwein und wundert sich danach, warum der zarte Weisswein so sauer und dünn wirkt.

Deine Geschmacksknospen sind nicht doof, aber sie sind leicht überfordert. Wenn du zuerst einen kräftigen, tanninreichen Rotwein degustierst, hat alles was danach kommt, es sauschwer: Der Eindruck im Mund ist noch da, die Zunge müde, und der arme leichte Wein muss direkt nach einem Schwergewicht in den Ring.

Merke dir für die Reihenfolge:

  • hell vor dunkel: Weisswein → Rosé → Rotwein
  • leicht vor kräftig: schlanke, frische Weine vor den „Muskelpaketen“
  • trocken vor süss: erst die trockenen, am Schluss süssere Weine
  • jung vor gereift: junge, frische Weine vor gereiften mit tertiären Aromen

So machst du es besser:

Stell dir deine Degustation wie eine Playlist vor: Du fängst ja auch nicht mit Heavy Metal an, wenn danach noch eine dezente Jazz-Ballade kommen soll.

Wenn du unsicher bist, sortiere zuerst nach Farbe, dann nach Alkoholgehalt/Intensität (Etikett hilft!) und stell süssere Weine ans Ende.

Fehler 3: Das Glas falsch nutzen. Handwärmer statt Weingenuss.

Weinglas ist Weinglas – Hauptsache irgendwas mit Stiel? Leider nein.

Es gibt zwei sehr beliebte Fehler:

1. Am Kelch anfassen
Das sieht zwar dramatisch aus, wenn man das Glas so richtig packt, ist aber aus zwei Gründen suboptimal:

  • Du wärmst den Wein mit deiner Hand auf.
  • Du hinterlässt Fingerabdrücke, und die Farbe wirkt im Glas weniger schön.

2. Farbe im falschen Licht beurteilen

Wein „gegen das Licht“ oder vor einem dunklen Hintergrund zu beurteilen, ist ungefähr so sinnvoll, wie im Keller nach deinem Sonnenbrand zu suchen. Du erkennst weder Klarheit noch Farbnuancen richtig.

So machst du es besser:

  • Fasse das Glas am Stiel an. Da gehört die Hand hin. Punkt.
  • Um die Farbe zu beurteilen, halte das Glas leicht schräg über einen weissen Untergrund (Serviette, Tischtuch, Blatt Papier). Und schau von oben herab rein.
  • Füll das Glas nicht zu voll – maximal ein Drittel – so kannst du schwenken, ohne gleich den Tisch neu zu dekorieren.

Klingt pedantisch, macht aber in der Praxis einen erstaunlichen Unterschied und du wirkst nebenbei auch noch ziemlich professionell.

Fehler 4: „Schnell mal probieren“. Keine Zeit lassen.

Manchmal läuft eine Degustation so ab: Schluck – „Naja, geht so!“ – nächster Wein.

Das ist ungefähr so, als würdest du in einer Galerie im Laufschritt an jedem Bild vorbeirennen und hinterher sagen: „Kunst ist nicht meins.“

Wein braucht ein bisschen Zeit. Der erste Eindruck ist spannend, aber selten komplett. Viele Weine verändern sich innerhalb von ein paar Minuten im Glas, öffnen sich, zeigen andere Aromen, werden harmonischer.

So machst du es besser:

  • Nimm dir mindestens zwei Schlucke Zeit, besser drei:
    • Der erste ist zum Ankommen und Mund ausspülen, der darf ruhig noch etwas bitter wirken.
    • Beim zweiten kannst du bewusst darauf achten, was im Mund passiert.
    • Beim dritten weisst du dann, was dir der Wein erzählen will.
  • Riech zwischendurch immer wieder ins Glas, auch nach dem ersten Schluck, oft zeigen sich neue Noten erst nach ein paar Minuten.
  • Probier am leeren Glas zu riechen, also wenn du ausgetrunken hast. Da verstärken sich gewisse Aromen und du entdeckst plötzlich Dinge, die dir vorher entgangen sind.

Degustieren ist kein Wettrennen. Wenn du dir erlaubst, bei einem Wein mal ein bisschen länger zu bleiben, wird er dich oft mit einer Geschichte belohnen.

Fehler 5: Degustieren als Prüfung statt Spiel

Der vielleicht grösste Spassverderber ist die Idee, es gäbe eine „richtige“ Antwort.

Du hast ein Glas in der Hand, jemand fragt: „Und, was riechst du?“ und du denkst panisch: „Ich sage lieber nichts, bevor ich mich blamiere.“

Hier die befreiende Wahrheit: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Dein Geruchsgedächtnis ist so individuell wie dein Browser-Verlauf. Wenn dich ein Wein an nassen Kies, den Garten deiner Grossmutter oder den Schrank im Ferienhaus erinnert, wunderbar!

So machst du es besser:

  • Sieh Degustieren als Spiel, nicht als Test. Du kannst nur gewinnen. Entweder entdeckst du etwas oder du weisst, was dir nicht gefällt.
  • Denk in grossen Kategorien, bevor du dich verrennst:
    • Riechst du eher Frucht, Blume, Gewürz, Erde, Holz?
    • Ist der Wein eher frisch/knackig oder weich/schmelzig?
  • Sprich laut aus was dir in den Sinn kommt, auch wenn es „grüner Apfel mit Zitrone“ oder „Keller nach Regen“ ist. Je mehr du das übst, desto klarer wird deine Wahrnehmung.

Wein soll dir Freude machen, nicht deinen Puls in die Höhe treiben.

Und jetzt du. Lust auf ein kleines Wein-Experiment?

Wenn du diese fünf Fehler im Hinterkopf behältst, bist du schon deutlich näher an einer „Profi-Degustation“ als du denkst. Ganz ohne komplizierte Fachbegriffe oder Angst vor dem nächsten Glas Wein.

Mein Vorschlag für dein nächstes Wine-Date mit dir selbst oder mit Freund:innen:

1. Such dir 3 Weine aus: die sich klar unterscheiden (z.B. ein frischer Weisswein, ein Rosé, ein leichter Rotwein).

2. Achte bewusst auf:

  • Vorbereitung (keine Nasen- und Zungen-Killer)
  • Reihenfolge (hell → dunkel, leicht → kräftig)
  • Glas (am Stiel halten, weisser Untergrund)
  • Zeit (zwei, drei Schlucke, zwischendurch riechen)
  • Spiel (laut aussprechen, was dir einfällt).

Falls du jetzt richtig auf den Geschmack gekommen bist: In meinen ausführlichen Beiträgen zur Degustation und zu Aromen zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deine Nase trainierst, Weine sicher beschreibst und typische Aromen immer schneller erkennst – ganz ohne Prüfungsstress, dafür mit umso mehr Genuss.

Du findest dort praktische Übungen, wie Wein richtig degustiert wird. Hier Teil I und hier Teil II

Und hier gibt es eine Zusammenfassung als RAP.

Weingeschmack finden für Einsteiger: Welche Weine zu dir passen

Weingeschmack finden für Einsteiger: Welche Weine zu dir passen

Nach zehn Degustationen ist man noch lange kein Profi, aber man kann seinen Weingeschmack verdammt gut kennenlernen. Weg von „Den trinken aber alle!“ hin zu „Was macht mir ganz persönlich Spass im Glas?“.

Dein Weingeschmack nach zehn Degustationen

Du hast dich durch etwa zehn Degustationen getrunken, mal im Fachhandel, beim Winzer, mal an einer Messe oder zuhause mit Freunden. Anfangs fühlte sich alles gleich an: Weiss, Rosa, Rot, bisschen Säure, bisschen Frucht. Und irgendwann merkst du: Es wiederholen sich Muster.

  • Da ist dieser Rotwein, der dir immer „zu streng“ vorkommt, kantig, trocken im Mund.
  • Dann der Weisswein, bei dem du gedanklich sofort im Sommer im Garten sitzt, mit einer Schale Aprikosen vor dir.
  • Vielleicht ein Rosé, der dich an Ferien am Meer erinnert, Salzluft und Antipasti.

Ohne dass du es merkst, baut dein Hirn eine interne Wein‑Bibliothek. Es ist genau das gleiche Prinzip wie bei Musik: Du musst keine Noten lesen können, um zu wissen, welche Songs du liebst. Nach zehn Degustationen hast du einen ersten „Soundtrack“ deines Weingeschmacks.

Aromen sind persönlich – denn dein Hirn kann das

Einer meiner wichtigsten Sätze an Weintourkunden war immer "Die Aromen im Wein sind persönlich". Sie sind mit Erinnerungen verknüpft, mit Kindheit, den Ferien, der Küche deiner Grossmutter, einem Nachmittag im Wald.

Wenn du im Wein „Erdbeere“ riechst, riechst du nicht „die“ Erdbeere, sondern deine Erdbeere. Vielleicht die aus dem Garten deiner Eltern, vielleicht das Erdbeersoftice im Sommer. Andere sagen „Himbeerbrause“, „Hagebuttentee“ oder „nasser Stein“. Und alle haben recht, weil du nicht einen akademischen Katalog durchgehst, sondern dein Erinnerungsarchiv.

Unser Hirn ist dabei ein Aroma‑Genie, es kann Düfte extrem gut erkennen und voneinander unterscheiden, lange bevor wir die Worte dafür finden. Darum wirken Degustationen am Anfang so überfordernd, nicht, weil du nichts kannst, sondern weil du schneller wahrnimmst, als du benennen kannst.

Die gute Nachricht, du musst nicht „richtig“ beschreiben. Es reicht, dass du wiedererkennst: „Ah, das ist diese Sorte von Fruchtigkeit, die ich mag.“ Genau so entsteht dein Weingeschmack.

Warum reinsortige Weine am Anfang Gold wert sind

Für Einsteiger predige ich immer, fangt mit reinsortigen Weinen an. Also Weine, die hauptsächlich aus einer Traubensorte bestehen (oder klar deklariert sind).

Der Grund ist einfach:

  • Ein reinsortiger Pinot Noir zeigt dir ziemlich klar, wie sich diese Traube anfühlt, feiner, leichter, rote Früchte, etwas Säure.
  • Ein reinsortiger Merlot wirkt runder, weicher, dunklere Frucht, weniger Kanten.
  • Ein reinsortiger Sauvignon Blanc ist häufig sehr aromatisch, grasig, Zitrus, vielleicht Chrosle (Stachelbeere).

Nach ein paar Degustationen merkst du:

  • "Immer wenn Pinot Noir draufsteht, werde ich glücklich."
  • "Merlot ist mir oft zu weich/langweilig."
  • "Sauvignon Blanc ist mir zu laut in der Nase."

So beginnt dein persönlicher Rebsorten‑Kompass. Du musst kein Lexikon im Kopf haben, du merkst einfach: Diese Traubensorte fühle ich, diese eher nicht.

Assemblage bäää? Traubensorte im Visier!

Jetzt kommt der spannende Teil, du trinkst eine Assemblage – eine Cuvée = verschiedene Traubensorten im selben Wein – und findest den Wein: bäää. Kein anderer am Tisch versteht das, aber für dich stimmt irgendetwas nicht. Statt zu denken „Ich bin wohl heikel“ oder „Wein ist nichts für mich“, lohnt sich ein Blick aufs Etikett - welche Traubensorten sind drin?

Vielleicht siehst du: Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah. Und du erinnerst dich: „Moment, den reinsortigen Syrah mochte ich schon nicht.“ Sehr oft ist es genau diese Sorte, die in Assemblagen wieder denselben Trigger auslöst. Dein Hirn erkennt die Aromakomponenten, bevor dir das bewusst ist. Es ist wie ein geheimer Sensor: „Diesen Pfeffer, dieses Rauchige, dieses Bittere kenne ich und mag ich nicht!“

Gleiches gilt natürlich auch andersrum: Wenn du Pinot Noir liebst, wirst du wahrscheinlich auch Cuvées mögen, in denen Pinot eine wichtige Rolle spielt. Du fühlst dich sofort „zu Hause“ im Glas.

Wie du deinen Geschmack bewusst festhalten kannst

Nach zehn Degustationen bist du an einem Punkt, an dem du aus dem Bauchgefühl eine erste Orientierungskarte machen kannst.

Hier ein kleiner Leitfaden:

1. Notiere dir Lieblings‑ und „No‑Go“‑Weine
Kein Roman, nur kurz: Name, Region, Jahrgang, Traubensorten und ein Satz wie „mag ich wegen der Frische“ oder „zu schwer/kantig“.

2. Achte auf wiederkehrende Rebsorten
Schau dir an, welche Traubensorten sich bei den Lieblingsweinen häufen und bei denen, die du nicht magst. So kristallisieren sich deine „Go‑To‑Sorten“ heraus.

3. Beschreibe in deinen eigenen Bildern
Schreib nicht „rote Beerenfrucht mit moderatem Tannin“, wenn du innerlich „Sommer, Beerenkuchen, kein Pelz im Mund“ fühlst. Deine Bilder sind wertvoller als jedes Fachvokabular.

4. Spiele mit Kontrasten
Probiere bewusst zwei Weine hintereinander, die sich klar unterscheiden (leicht/schwer, frisch/warm, fruchtig/würzig). Kontraste schärfen dein Gefühl viel besser als fünf ähnlich gebaute Weine hintereinander.

Die Essenz: Dein Weingeschmack ist nicht das, was ein Weinkritiker sagt, sondern das, was dein Hirn immer wieder freudig erkennt.

Fazit vom Weinweib

Nach zehn Degustationen musst du keinen Weinjargon aufsagen oder fachsimpeln können. Aber du kannst:

  • deine Lieblingsrebsorten benennen,
  • deine No‑Go‑Aromen erkennen,
  • auf einem Etikett sehen: „Das könnte mein Wein sein.“

Und wenn du bei einer Assemblage „bäää“ denkst, ist das kein Fehler, sondern eine Einladung, genauer hinzuschauen: Welche Traubensorte schickt dir da gerade ein klares „Nein danke“? Dein Hirn weiss meist längst Bescheid – du musst es nur noch übersetzen.

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