Merlot die Elegante – oder Cate Blanchett als Wein

Merlot die Elegante – oder Cate Blanchett als Wein

Merlot ist keine Tusse

Im Gegensatz zu Sangiovese. Merlot ist die elegante, immer gut angezogene Dame mit Perlen in den Ohren und ich könnte sie z.B. Audrey nennen (nach Audrey Hepburn) aber wenn ich auf eine heutige Frau – die so ziemlich alle kennen – zurückgreife, dann ist es ganz klar: Cate Blanchett. Sie hat viele Facetten und ist eine klasse Schauspielerin, darauf möchte ich jetzt noch nicht eingehen, sondern auf ihr Aussehen und ihre rauchige Stimme.

So schön, weich und elegant wie die Blanchett, so ist Merlot. Eine Traube die runde, weiche, harmonische Weine ergibt, auch wenn sie unterschiedlich ist, je nach dem aus welchem Land sie kommt und wie und wo sie ausgebaut wurde. Sie hat keine exzessiven Säurewerte und auch die Tannine halten sich eher im unteren Bereich. D.h. Merlot ist eigentlich keine bombastische Traube, keine die sich aufbauschen muss, (mehr …)

Wein degustieren aber richtig! Teil I

Wein degustieren aber richtig! Teil I

Der Hauptgrund beim Wein degustieren ist, festzustellen ob er dir gefällt oder nicht. Hier beginnt und endet alles. Passt uns ein Wein in den Kram, dann kaufen wir ihn und freuen uns jeden Tag daran. Gefällt er uns nicht, verziehen wir das Gesicht und denken „Nein, das ist nicht meiner!“

DIE VORBEREITUNG

Um das Beste aus der Weindegustation zu machen, gebe ich dir ein paar Tipps und Tricks. Ganz wichtig ist es übrigens, keinerlei Parfum oder parfumierte Lotion am Körper zu haben. Diese Aromen übertönen sonst die Weinaromen und man riecht nur noch das Parfum.

Etwa 2 Stunden vor dem Degustieren: keinen Kaffee mehr trinken, nicht Rauchen (ja, das ist ein schwieriger Teil für Raucher), keinen Kaugummi kauen und die Zähne nicht putzen. Kaffee und alles was Mentholhaltig ist, sind so intensive Aromen dass sie die Geschmacksnerven auf der Zunge anästhesieren. Man hat zudem einen bitteren Geschmack im Mund, wenn man mit dem Degustieren beginnt.

 

DIE RICHTIGE REIHENFOLGE BEIM DEGUSTIEREN

Ich bin mir ziemlich sicher, das du schon bei Weindegustationen mit dabei warst und weisst, wie der Hase läuft. Mir ist aber durch meine langjährige Arbeit bewusst geworden, dass viele Weintrinker nicht wissen, warum man in einer bestimmten Reihenfolge Wein degustiert. Um nächstes Mal top informiert zu sein und mit Unbeschwertheit mitzumachen, gebe ich dir hierzu ein paar Anhaltspunkte.
  • Wenn du Weisswein, Rosé und Rotwein degustieren willst, beginne immer mit dem Weissen. Gefolgt vom Rosé und schliesse mit dem Roten ab.
  • Innerhalb der gleichen Farbe, beginne mit dem leichtesten und arbeite dich zum schwersten hoch (Alkoholgehalt). Mach dasselbe in jeder „Weinfarbe“. Der Grund wieso man dies tut ist folgender: Weissweine haben einen höheren Säuregehalt und kaum Tannine (Gerbsäure), Rotweine haben viel Tannine und je nach Traubensorte einen hohen oder niederen Säuregehalt. Wenn du den Rotwein vor dem Weisswein degustieren würdest, hättest du als Folge den Eindruck, Essig im Mund zu haben.
  • Es ist nicht nötig zwischen den Weinen dein Glas mit Wasser auszuspülen. Das ist etwas, was ich sehr oft sehe. Einige werden jetzt mit den Augen rollen und sich überlegen, ob sie mir nicht gleich eine e-mail schreiben wollen. Es gibt aber einen Grund wieso ich da so pingelig bin und das ist folgender: das Glas auswaschen verdünnt den Wein. Mach mal einen Test zu Hause, wasch dein Glas mit Wasser aus und lass es einen Moment stehen, du wirst überrascht sein wie viel Wasser darin zurück bleibt. Und nein, beim Degustieren dann mit einem Papiertuch austrocknen ist keine Lösung, du hast dann kleine Fussel im Glas, die sind unschön und du hast diese dann im Wein.
Es gibt aber einen anderen, professionellen, Weg den ich dir gerne verrate: wenn du Wein in der gleichen Farbe verkostest, reicht es aus, den nächsten Wein ins leere Glas zu geben. Da wir ja vom leichtesten zum schwersten Wein gehen, bildet der nächste Wein eine deckende Schicht im Glas und übertönt so den letzten. Falls du zwischen den verschiedenen „Weinfarben“ das Glas wechseln kannst, ist das perfekt. Ist das nicht möglich, hier ein anderer Tipp vom Profi: gib ein wenig vom neuen Wein ins Glas und schwenke ihn gut. Dann schüttest du diesen aus. Diesen Vorgang nennt man “Avinieren” und ich weiss, dass es in einigen Kreisen als Verschwendung gilt. Du kannst diesen Vorgang auch brauchen um ein neues Glas auf den Wein vorzubereiten. Da es so sämtliche Aromen vom Glas selber eliminiert. Das ideale Glas zum Verkosten ist ein DINA4- Sommelier Glas. Diese Gläser sind speziell dafür gemacht worden, um sämtliche Weine (von Champagner bis Dessertweine) zu degustieren. In meinen Weinkursen brauche ich spezielle Degustationsgläser von einem Glashersteller aus der Schweiz. Die Form ist perfekt um alle Aromen zu riechen. Beim Weintrinken greifen wir dann wieder auf die eigens für die Weinsorten gemachten Gläser (Weisswein, Rotwein, Champagner etc.). Und noch etwas, halte dein Glas immer am Stiel! Wirklich immer. Wenn du es am Körper hältst, dann wärmst du erstens den Wein auf und zweitens hinterlässt du unschöne Fingerabdrücke am Glas.

DAS AUGE SIEHT MIT

Sorge dafür, dass du gutes Licht und ein weisses Papier/Serviette oder ähnliches zur Hand hast. Ich beobachte oft Leute, welche ihr Glas in den Himmel strecken und den Wein anschauen. Glaub mir, da siehst du nichts.
Halte das Glas statt dessen schräg unter dich, über dem weissen Hintergrund. Siehst du den Unterschied? Wenn du das Glas so hältst, kannst du die Farbe, Intensität und Transparenz genau erkennen. Wenn es ein Weisswein ist, geht die Farbe Richtung gelb, grünlich, sieht es aus wie Stroh oder eher wie Zitrone. Ist es ein Rosé, sieht es aus wie Aprikosen, Lachs, rosa Rosen etc. Und bei Rotwein (hier haben wir sehr viele Farbtöne) geht es von Rubinrot, Kirschen, Tomaten, Blut, Rost, Granat bis zum Purpur und Violett.

Achte auch auf die Transparenz des Weines. Sieht er milchig oder flockig aus, ist er mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr gut. Wein sollte immer Transparent, ohne Rückstände, Flocken sein.

Neugierig auf mehr?

Na? Bist du schon gespannt auf den zweiten Teil? Geh und geniess ein Glas Wein, während dem ich weiter schreibe.
 
Wie kommen die Aromen in den Wein?

Wie kommen die Aromen in den Wein?

Wie kommen die Aromen in den Wein?

Bestimmt hast du schon Weinbeschreibungen gelesen wo stand „an der Nase Aromen von Pflaume, Waldbeeren, Zeder, Vanille und Tabak“. Da stellt man sich als glücklicher Weintrinker die Frage: woher wissen die, dass diese Aromen im Wein sind? Wie kommen die auf solche Ideen? Und – last but not least – geben die Winzer diese Aromen direkt in den Wein? Mitnichten!

Diese Fragen habe ich von meinen Kunden immer wieder gehört und bringe gerne Klarheit ins Glas.

Mit ziemlicher Sicherheit hast du schon mal einen 100% Merlot oder Cabernet Sauvignon, oder – zurzeit total hippen – Primitivo getrunken. Erinnerst du dich, dass jeder Wein ganz anders war? Dann liegst du richtig, denn jede Rebsorte hat ihre ganz eigenen Aromen. Dasselbe gilt auch für sämtliche Weissweine wie Sauvignon Blanc, Grauburgunder, Riesling oder Müller Thurgau. Wein ist ja eine sehr persönliche Angelegenheit und ob uns einer gefällt oder nicht, hat mit unseren Erfahrungen mit Aromen zu tun.

Es gibt eine gut merkbare Regel: Alle Aromen die fruchtig, blumig oder herbal sind, kommen von der jeweiligen Traubensorte. Aromen wie: Bitterschokolade, Kaffee, Leder, Butter, Karamell, Zeder, Rauch, Trüffel, Champignons, Vanille, Lakritze und Tabak, kommen vom 
Barrique.


Aromen sind spannend!

Aromen sind eine spannende Sache! Wir kennen geschätzt 10’000 Aromen, davon sind etwa 3’000 chemisch rein. Leider brauchen wir diese nicht immer. Aber eines ist gewiss, vom Moment der Geburt an, merken wir uns ganz unbewusst sämtliche Aromen (Gerüche), welche uns tagtäglich, jede Minute unseres Lebens in die Nase kommen. Wir verbinden Erinnerungen mit diesen und wissen genau, was für uns „gut riecht“ und was nicht. Ein typisches Beispiel ist das hier: du gehst irgendwo hin und plötzlich riechst du etwas und sagst „Oh! Genauso hat es bei meiner Grossmutter gerochen“ oder „Das riecht wie damals im Kindergarten“. Versuch mal, diese ganzen Geruchseindrücke deinem Nächsten zu erläutern, du würdest Stunden dafür brauchen und selbst dann, würde derjenige keine genaue Ahnung haben, WAS du gerochen hast. Der Klassiker in dieser Kategorie ist Parfum.


Und genauso beurteilen wir Wein. Wir riechen daran und lassen uns von den Erinnerungen wegtragen. Gute Nasen können die einzelnen Aromen auseinander nehmen und ihnen eine Dreidimensionalität geben. Der Weingeniesser riecht an seinem Glas und bestimmt: „Den mag ich!“ Oder: „Nee, den mag ich nicht!“ Und diese Feststellung reicht insgesamt aus, um den Wein, den man gerade im Glas hat zu beurteilen. Jedenfalls als „normaler“ Weingeniesser. Weingeeks müssen mehr tun und sagen können was es genau ist, was nicht gut riecht. z.B. hat der Wein für die eigene Nase zu viel Veilchen, das Leder ist zu intensiv und Zeder auch.


Eine einfache Idee deine Nase zu trainieren ist, mal einen Tag lang an allem zu riechen was in deiner Umgebung ist. Nein das ist kein Witz. Riech mal am Apfel auf dem Tisch, den Tisch selber, die Türe, das Autometall, Zimt, Pfefferkörner, Salz, deine Kleider, Blätter und Blüten. Egal was, riech und merk dir diese Aromen. Es wird dir enorm weiter helfen! Und ein Tipp, den ich von einer Lebensmittelchemikerin erhalten habe: um die Nase zu neutralisieren nicht an Kaffeebohnen riechen, sondern am eigenen Handgelenk. Innen. Unser eigener Körper neutralisiert die Nase. Wir kennen ihn perfekt. Wichtig dabei ist, an diesem Tag kein Parfum oder aromatisierte Körperpflege zu benutzen.


Wein degustieren aber richtig

Ich habe dir mit den beiden Blogbeiträgen „Wein degustieren aber richtig, Teil 1“ und „Wein degustieren aber richtig, Teil 2“ einen virtuellen Führer zur Seite gestellt. Dort kannst du das Einmaleins der Weindegustation erfahren und umsetzen.

Oder du liest dich einmal quer durch den Weinweib Blog und erhältst Lernsnacks um dein Weinwissen aufzupolieren.
Was passiert im Barrique?

Was passiert im Barrique?

Viele von uns trinken Weine, die im Barriqe ausgebaut wurden. Ausgebaut heisst, dass ein Wein nach der zweiten Fermentation während einer gewissen Zeit in grossen Behältern ruhen muss. Das kann zwischen 6 Monaten bis zu 3 Jahre sein. Diese Zeit ist nötig, damit der Wein so wird, wie wir ihn kennen; und die Säure, Tannine und olfaktorischen Aromen ausbalanciert werden. Dies geschieht im Weingut z.B. in Stahltanks, aber auch in grossen Eichenfässern oder Barrique. Von den dreien ist das Barrique,  meiner Meinung nach, das  interessanteste. Es hat folgende Merkmale:

  • Es ist immer aus Eichenholz gefertigt
  • Innen „verbrannt“, das nennt man “Toasting oder Röstung”
  • Normalerweise 225 Liter
  • Nutzungszeitraum in einem Weingut: 3 Jahre

Das Toasting macht den Unterschied

Ein Winzer kann aussuchen, ob das Barrique aus französischer, amerikanischer oder slowenischer Eiche hergestellt ist. Seit 2023 auch aus Schweizer Eiche.

Und das wohl wichtigste: die Intensität des Toastens. Diese geht von Leicht, Mittel, Mittel +, Mittel-Hoch bis Hoch. Auch ob man die beiden Abdeckungen getoastet haben will oder nicht. Dieses Toasting hat auf die Endaromen im Wein einen massiven Einfluss. Was ich daran so interessant finde ist, dass das Holz verbrannt wird und der Wein trotzdem nicht verbrannt riecht. Wenn ich Wasser oder Orangensaft reingeben würde, dann wäre es ungeniessbar, nicht so Wein.

Es passiert nämlich folgendes: beim verbrennen der Eiche setzen sich Tannine (Gerbsäuren) frei, Eiche hat von sich aus schon Tannine. Diese werden verstärkt. Der Wein, welcher ins Barrique kommt, enthält auch Tannine und diese beiden neutralisieren sich gegenseitig. Sie bilden eine sogenannte polymerische Kette. Es handelt sich also um einen chemischen Prozess! Und es geschieht noch etwas super Spannendes: es werden bestimmte Aromen freigesetzt, welche während der Ausbauzeit in den Wein diffundieren. Das sind folgende:

  • Bitterschokolade
  • Kaffee
  • Leder
  • Zeder
  • Butter
  • Karamell
  • Vanille
  • Trüffel
  • Pilze
  • Rauch
  • Lakritze
  • Tabak (denke hier an Pfeifentabak, der riecht warm und süsslich)

Alle anderen Aromen die fruchtig, floral oder herbal sind, kommen von der jeweiligen Traubensorte und dem Terroir.

Nach 3 Jahren sind die Poren des Toastings mit Weinstein verschlossen und der Tanninaustausch und das Diffundieren der Aromen hört auf. Der Winzer verkauft die leeren Barrique idR weiter an Portweinproduzenten (die sind nicht an Tanninen interessiert) Whiksydistillerien, Sherryproduzenten und manchmal auch an Bierbrauereien.

6 bis 24 Monate bleibt Wein im Barrique

Weine werden in einem Barrique normalerweise zwischen 6 bis 24 Monate ausgebaut. Manchmal auch länger. Kürzer nicht, da dann die nötige Zeit fehlt um dem Wein Aromen zukommen zu lassen. Während der Nutzungszeit von den 3 Jahren ist ein Barrique jedoch im Dauereinsatz.

Ziemlich spannend nicht?  Und all das “nur” von ein bisschen angebrannter Eiche und darin ausgebautem Wein. Quasi Magie.

Rotwein mit Fisch? – Wein in der Schweizer Literatur

Rotwein mit Fisch? – Wein in der Schweizer Literatur

Gastbeitrag von Marc, Autor bei der ehemaligen Ruli Vins SA

Literatur und Wein

Was gibt es zu einem delikaten Glas Wein besseres als ein gutes Buch, das den entzückten Weingeniesser auch geistig bereichert? Eigentlich nur eines: ein literarischer Leckerbissen, der ebenfalls über Wein sinniert.

Einige der grossen Schweizer Schriftsteller genossen gerne ab und zu ein Gläschen Rotwein, andere waren regelrechte Weinexperten. Max Frisch beispielsweise liess sich in seiner Tessiner Wahlheimat Berzona einen ganzen Weinkeller bauen. Alle aber schrieben über Wein.

Weinkultur im 19. Jahrhundert – Keller und Meyer

Gottfried Keller (1819-1890) legte als Staatsschreiber des Kantons Zürich mit einer Weisung nicht nur den Grundstein für die Staatskellerei Zürich, die später die kantonalen Spitäler mit Wein versorgen sollte. Als grosser Weinliebhaber soll er einmal sogar gesagt haben, eine Flasche Wein sei «mehr Wert als die ganze Dichterei ».

Wenig erstaunlich also, dass er in seinen Novellen seine Figuren regelmässig in den Genuss von Wein kommen liess. In Romeo und Julia auf dem Dorfe stärkt sich Vrenchen am Tage ihrer Hochzeit mit einem feinen und starken Landwein. Und in Kleider machen Leute werden dem Hochstapler Strapinski in einem Gasthof der Reihe nach der beste Bordeaux des Hauses, ein Fläschchen To- kaier, ein Bocksbeutel und eine Champagnerflasche serviert.

Sein Zeitgenosse Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) war augenscheinlich so vereinnahmt vom Champagner-Wahn seiner Zeit, als dieser perlende Schaumwein als vielgetrunkenes Luxusgetränk zu jeder gelungenen Feier dazugehörte, dass er sich eines Anachronismus schuldig machte. In der historischen Novelle Das Amulett ergötzen sich 1572 ein Berner und ein Freiburger auf dem Weg nach Paris an einem Champagner. Dumm nur, dass die ersten grösseren Champagner-Produktionen erst im 17. Jahrhundert entstanden.

Gemessen an unserer Schriftstellerauswahl erhöht sich der Weinkonsum in der Literatur der Nachkriegszeit erheblich. Max Frisch (1911-1991) ist wohl der grösste Weinexperte unserer vier Autoren. Neben seinen persönlichen Vorlieben für den Barolo oder Merlotweinen finden sich in seinen Romanen und Theaterstücken viele Referenzen auf Burgunderweine.

Wein in der Nachkriegszeit – Frisch und Dürrenmatt

Der Kellner fragt entsetzt nach: « Rotwein – mit Fisch? »

So hat Walter Faber im Roman Homo Faber eine besondere Vorliebe für den Beaune, den Weinhauptort der Weinregion Burgund. Doch auch dem Weinkenner Faber passieren Missgeschicke: so bestellt er in einem Paris Restaurant etwas gedankenverloren einen roten Beaune zu einem Fischgericht. Der Kellner fragt entsetzt nach: « Rotwein – mit Fisch? ».

Friedrich Dürrenmatt (1921-1990) war Frischs literarischer Begleiter in der Schweiz der Nachkriegszeit. In seiner kurzen Erzählung Die Panne spielen sich dionysische Szene ab. Während eines Abendessens spielen die Gäste einen fiktiven Prozess. Im Laufe des Abends wird nicht nur juristisch debattiert, auch die besten Bordeauxweine werden serviert: Pichon-Longueville Jahrgang 1933, Château Pavie Jahrgang 1921 und schliesslich der berühmte Château Margaux mit dem schillernden Jahrgang 1914.

Hat Sie dieser Artikel neugierig gemacht? Mehr zu Schweizer Schriftstellern und ihren Weinvorlieben erfahren Sie im Zyklus Wein und Geist. Lust, die erwähnten Flaschen selber zu kosten?

 

Anmerkung von Christina: Leider wurde Ruli Vins SA im Jahr 2025 geschlossen. Ich habe den Gastbeitrag jedoch hier im Blog behalten, da die Thematik mega interessant ist.

Weine für den Weiberabend

Weine für den Weiberabend

Weine für den Weiberabend

Mein Schwager mag Wein. Was man nicht von jedem Schwager behaupten kann. Er hat ein paar richtig coole Flaschen in seinem Weinkeller. Zusammen haben wir auch schon vertikale Weinverkostungen gemacht (der gleiche Wein aus unterschiedlichen Jahren wird dann vom jüngsten zum ältesten Jahrgang nebeneinander verkostet). So was macht enorm Spass! Also, mein Schwager ist mit meiner Schwester verheiratet und die mag keinen Wein. Das finde ich ja generell gut, weil dann bleibt mehr für mich, wenn ich sie besuche. 

Zwischendurch macht sie Weiberabende mit ihren Freundinnen. Das heisst, es gibt irgendwas Fingerfood mässiges oder sonst etwas, das man sich beim Jassen praktisch in den Mund schieben kann. 

Jassen ist ein urtypisches Schweizer Kartenspiel, ich habe es – zum grossen Entsetzen meiner ganzen Familie – nie begriffen, weil die können ALLE Jassen. Meine Grosseltern haben das schon gespielt und das dabei gewonnene Geld meistens in einen jährlichen Ausflug mit ihren Jasskumpels gesteckt. Aber ich komme vom Thema ab. 

Zurück zu meinem Schwager, der Schwester und ihren Weiberabenden. Ihre Freundinnen mögen Wein und da kommt natürlich die Frage auf: welchen Wein dürfen diese an so einem Abend trinken? Den schweineteuren Bordeaux? Nie und nimmer! Einen schweren Roten? Passt nicht. Etwas mit Perlen drin? Das ist zu einfach und ausserdem werden sie zu schnell besoffen. Denn ein solcher Abend ist ja mit Kartenspielen und Fingerfood verbunden. Dazu darf nichts  kompliziertes oder schweres serviert werden. Und weil meine Schwester keine Ahnung von Wein hat und dann nicht weiss, welche Flasche die richtige ist, hat sich mein Schwager eine gute Strategie ausgedacht. 

Im Weinkeller hat es ein Gestell, da sind ausschliesslich Weiberabendweine drin. Dort darf genommen werden ohne nachzufragen. Unter uns, es sind nicht die teuersten und meistens werden sie kalt serviert. Es sind oft Weisse oder Rosé, sie sind locker, lustig und perfekt für einen Abend wo viel gelacht, gespielt, geflucht und getrunken wird. Meine Schwester ist happy, sie kann dort selber was holen und trifft den Geschmack der Frauen. 

Ich empfehle die Strategie meines Schwagers allen Weinliebhaberinnen, welche Flaschen im Keller haben über die sie die volle Kontrolle haben wollen. Mädels und Jungs macht euch DAS Gestell im Keller und da darf der/die Partner:in nehmen was gefällt. 

Lust auf einen Weinkurs nur für Frauen? Den kannst du bei mir buchen! 

Herzlich, Christina WeinWeib

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