Freitagsflasche: Chianti Classico Riserva 2020 von Carpineto

von | 5. Juni 2026 | Weinempfehlungen & Degustationen, Wein & Genuss

Das Frühsommerwetter zeigt sich gerade eher von der frischen, „zieh dir noch was an“-Seite statt von der heiss-und-wohlig-Fraktion. Also gibt es heute nochmal einen Rotwein.

Wie du vielleicht weisst, habe ich 13 Jahre in der Toskana gelebt und dort Weindegustationstouren durchgeführt. Eines der Weingüter auf meinem fixen Programm: Carpineto. Es liegt bei Dudda (Gemeinde Greve in Chianti), an der SP16 Chianti – Valdarno, ziemlich genau dort, wo die Postkartenmotive wohnen.

An meinen ersten Besuch erinnere ich mich noch gut. Familiengeführt, Degustationsraum gleich neben dem Büro, mitten in den Rebbergen und alle einfach unglaublich herzlich. Sie haben mich und meine Gäste immer mit offenen Armen empfangen und mir so sehr vertraut, dass ich die Degustationen oft alleine durchführen durfte.

Schon damals gab es eine Auswahl ihrer Weine bei Denner und zu unserem Glück ist das heute noch so. Da wir gefühlt seit einer halben Ewigkeit keinen Chianti Classico Riserva mehr im Glas hatten, war klar, der muss mit:

Chianti Classico Riserva 2020 DOCG

Traubensorten: Sangiovese (mind. 80%), Canaiolo

Alkohol: 14%
Farbe: Granatrot

Nase: Waldbeeren, Veilchen, rote Kirschen, ein Hauch grüne Peperoni, dazu Leder, Zeder und etwas Lakritze.
Mund: Dieser typische Sangiovese-Punch! Saftige Säure, griffige, aber wunderbar eingebundene Tannine. Fruchtig, langanhaltend und herrlich unkompliziert, ein Sangiovese ohne Schnickschnack, aber mit Charakter. Er kann alles: vom Apéro mit Fleisch über geschmorte oder grillierte Gerichte (Wildschwein, Rind oder Schwein – such dir was aus) bis hin zum Käseplättli am Ende vom Znacht. Ein echter Allrounder mit Stil.

Und genau diese Geschichte erzählt er

Der Abend senkt sich langsam über den Rebberg. Die Arbeit ist getan, Ruhe kehrt ein. Die letzten Mitarbeiter schlendern zwischen Keller und einer rustikalen Pergola hin und her. Darunter ein grosser, handgezimmerter Holztisch, der schon viele Geschichten gehört hat. Jemand entfacht ein Feuer für später.

Man setzt sich. Zufrieden. Ein bisschen müde, aber auf die gute Art. Auf dem Tisch stehen Antipasti, toskanisches Brot, einfache, leckere Köstlichkeiten. Und natürlich Wein. Es wird gelacht und über Gott und die Welt diskutiert. Und vielleicht auch darüber, warum alkoholfreier Wein im Chianti Classico ungefähr so gut ankommt wie Ananas auf der Pizza.

In vino veritas!

Mit Caterina Sacchet, der Kellermeisterin, hatte ich immer besonders spannende Gespräche. Sie erzählte mir z.B. vom Druck kurz vor der Lese. Sangiovese reift spät, die Ernte beginnt meist erst Ende September, genau dann, wenn es im Chianti Classico gerne mal ausgiebig regnet. Der Blick auf die Wetterprognose wird da schnell zur täglichen Nervenprobe. Oder auch was es alles braucht an Handwerk, Wissen, anstrengender Arbeit, Energie, bis eine Flasche Wein konsumfertig beim Kunden auf dem Tisch steht.

Als wir diese Freitagsflasche geöffnet und mit der Degustation begonnen haben, war das für mich ein bisschen wie Heimkommen. Nur ohne den Koffer zu packen.

Toskana im Glas, der Song zur Freitagsflasche

Zu dieser Freitagsflasche gibt es nicht nur den obigen Blogpost, sondern gleich auch Musik. „Toskana im Glas“ ist mein kleiner Wein-Jazz-Ausflug: inspiriert vom Chianti Classico Riserva 2020 von Carpineto, von meinen Jahren in der Toskana und von all den Abenden zwischen Rebberg, Pergola und Znacht am Tisch. Ton an, Glas füllen und eintauchen.

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