Freitagsflasche: Moulin de Lauzières 2013

von | 29. Mai 2026 | Weinempfehlungen & Degustationen, Wein & Genuss

Es gibt Weine, die sind einfach da. Und dann gibt es Weine, die spielen mit dir. Dieser hier gehört ganz klar zur zweiten Kategorie. Wir sprechen von der:

Moulin de Lauzières 2013 – Grande Réserve aus Les Alpilles

100% Petit Verdot, in Amphoren ausgebaut. Ja genau, Amphoren. Kein Holz, kein Schnickschnack. Einfach Traube pur. Und genau das merkst du.
Alkohol: 13.5 %

Farbe: Schwarzkirsche, tief und satt.
Nase: Ein bisschen erdig, ein Hauch Leder und dann ein ganzer Korb voller schwarzer Früchte, Kirschen, Brombeeren, Waldbeeren. Dazu Veilchen und ein wenig Lakritze. Und jetzt kommt der Clou, die Aromen bleiben nicht einfach brav sitzen. Nein. Die kommen, sagen kurz Hallo und verschwinden wieder. Du denkst dir: „Ah ja! DAS war’s!“ – und beim nächsten Riechen ist alles schon wieder anders. Fast ein bisschen frech, dieser Wein.
Im Mund: Zeigt er sich dann ganz anders. Ruhig. Gelassen. Fast schon meditativ. Die Aromen tragen sich schöner, klarer, strukturierter. Kein Drama, kein Lärm. Ein Wein für lange Abende, für Gespräche, die irgendwo zwischen Philosophie und „weisst du noch damals…“ landen.

Und jetzt kommt die Erinnerung, die mich bei diesem Wein sofort gepackt hat.

Als ich noch in der Toscana lebte und meine Weintouren machte, bekam ich einmal eine Flasche 100% Petit Verdot vom Kellermeister von Riseccoli. Dieses kleine Weingut habe ich immer wieder in meine Touren eingebaut, ein echtes Kleinod, irgendwo oberhalb von Greve in Chianti.

An einem freien Tag sass ich auf unserer Terracotta-Treppe, mit Blick über die kleine Piazza, ein Glas in der Hand. Und dann… habe ich einfach nur gerochen. Immer und imm wieder. Neue Aromen, neue Eindrücke. Ich sass dort sicher 30 Minuten und habe nichts anderes gemacht. In Italien sagt man „Ci vuole fegato“ – dafür braucht es Mumm. Und genau so war es. Dieser Wein war eine Offenbarung. Und weisst du was? Diese Erinnerung ist heute, 15 bis 18 Jahre später, immer noch glasklar da.

Kein Wunder also, dass ich ziemlich aus dem Häuschen war, als ich den Moulin de Lauzières im Coop entdeckt habe. Er kommt nicht ganz an den Riseccoli ran – allein schon, weil er nicht im Barrique ausgebaut wurde – aber er hat genau dieses typische, leicht erdige Petit-Verdot-Ding. Dieses „Moment… riecht das jetzt komisch?“ bis du merkst, dass sich dahinter eine ganze Welt versteckt.

Und dann hat er uns noch eine Geschichte erzählt:

Wir sehen eine Landschaft irgendwo im französischen Hinterland. Hügelig, ruhig, Rebberge und Felsen. Mittendrin eine alte Windmühle. Die Flügel drehen sich langsam, gleichmässig. Drinnen mahlt der Stein. Auch hier: nichts passiert schnell. Alles braucht Zeit.

So wie dieser Wein.

Die Aromen kommen und gehen wie der Wind. Der Winzer bewegt sich ruhig durch seinen Keller, schaut, hört, fühlt. Hier wird nichts erzwungen. Hier darf alles entstehen. Und irgendwie spürt man: An so einem Ort achten nicht nur die Menschen auf den Wein, sondern auch aufeinander.

Ein Wein, der dich entschleunigt, wenn du ihn lässt.

Noch ein kleines Detail am Rande: Das Weingut arbeitet biodynamisch. Und die Petit Verdot Trauben werden in der Nacht gelesen. Allein das passt schon perfekt zu diesem ruhigen, fast geheimnisvollen Charakter.

Wenn du Lust hast, dich darauf einzulassen: Den Wein bekommst du bei Coop. Und mehr zum Weingut findest du hier: https://domainedelauzieres.com

Unser Fazit?

Kein Wein für nebenbei. Aber genau der richtige, wenn du dich auf ein kleines Aromenspiel einlassen willst.

Ja, hier ist er, der passende Song

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