Es gibt Weingüter, bei denen die Flaschen mehr sind als Behälter aus Glas. Darin sammeln sich Geschichten, Erinnerungen, Frauen- und Männerleben, verdichtet in ein Bouquet aus Frucht, Salz, Wind und Licht. Donnafugata ist so ein Ort.
Gabriella Favara gehört zur sechsten Generation dieser Familie. Ihre Grosseltern, Gabriella und Giacomo Rallo, haben Donnafugata zu dem gemacht, was heute wohl zu den bekanntesten Weingütern Siziliens zählt. Ein Haus, das Wein und Kunst mit einer seltenen Selbstverständlichkeit verbindet, immer mit viel Herz, Neugier und dem Mut, Eigenes zu wagen. Viele Familienmitglieder arbeiten bis heute im Betrieb, Donnafugata ist keine Marke, sie ist eine lebendige Familiengeschichte.
Für mich ist es ein grosses Geschenk, Gabriella als Gast zu haben und mit ihr über ihre Wurzeln, ihre Rolle in der Familie und natürlich über Wein zu sprechen. In unserem Gespräch geht es nicht nur um Etiketten und Rebsorten, sondern um Herkunft, Weiblichkeit, Mut und darum, wie man sein eigenes Lebensthema in die Welt trägt.
Der erste Schluck und die ersten Erinnerungen
Wenn wir Weinmenschen ehrlich sind, beginnt die Reise selten mit einer technischen Degustationsnotiz, sondern mit einem Gefühl. Mit einem Tisch, einer Person, einem Licht. So auch bei Gabriella. Wir sprechen darüber, wie sie als Kind zum ersten Mal bewusst mit Wein und der Kellerei ihrer Familie in Berührung kam, welche Bilder, Geräusche und Düfte sie bis heute begleiten. Welche Aromen sie heute, wenn sie ein Glas Donnafugata in der Hand hält, zurück in diese frühen Momente transportieren.
Ich teile im Gespräch auch eine Erinnerung aus meiner eigenen Familie, wie mir als Kind das funkelnde Rot im Kristallglas meines Grossvaters völlig den Kopf verdreht hat, lange bevor ich wusste, was Tannin ist. Diese persönlichen Geschichten sind der Boden, aus dem später unser Verständnis von Wein wächst.
Starke Frauen, die ein Weingut prägen
Donnafugata ist ohne die Frauen der Familie kaum zu denken. Gabriellas Mutter José und Grossmutter Gabriella haben das Weingut nicht nur mitgetragen, sondern geformt. Im Interview sprechen wir darüber, was sie Gabriella als junge Frau mitgegeben haben, innere Haltung, Durchhaltevermögen, ein eigenes Verständnis von Verantwortung und vielleicht auch die Freiheit, anders zu sein, als man es von einer „Winzerin aus Tradition“ erwarten würde.
Besonders berührend fand ich den Teil unseres Gesprächs, in dem wir über ihre Nonna sprechen. Ihre Lebensgeschichte führte von zuhause über Stationen wie Florenz und Genf, wo sie Gabriella’s Grossvater kennen lernte, bis nach Sizilien. Und man versteht: Hinter den poetischen Etiketten und den farbigen Labels stehen reale Frauenleben, Entscheidungen, Brüche und Neuanfänge.
Wir fragen uns, welche Weisheiten dieser Grossmutter Gabriella heute in ihrem Alltag trägt? Welche Sätze, welche Haltungen nimmt sie mit in ihre Rolle als Frau, als Familienmensch, als Teil eines Weinguts mit weltweiter Sichtbarkeit?
Der Schritt ins Familienweingut
Spannend ist auch die Frage, wann für Gabriella klar war, dass sie selbst Teil des Unternehmens werden will? War es ein schleichender Prozess oder ein klarer Moment? Im Gespräch geht es um diesen inneren Entscheidungsweg.
Gerade für Leserinnen und Leser, die selbst in Familienbetrieben arbeiten oder mit dem Gedanken spielen, in ein bestehendes Unternehmen einzusteigen, sind diese Einblicke besonders interessant. Denn hinter der Romantik eines Traditionsweinguts stecken auch Verantwortung, Komplexität und manchmal die Frage: Wer bin ich in diesem grossen Ganzen?
Wenn Wein zur Sprache wird: Kunst, Etiketten und Identität
Wer Donnafugata kennt, weiss, hier hört die Geschichte nicht im Keller auf. Die Etiketten, Illustrationen und Kompositionen um den Wein herum sind ein eigenes Universum. Im Interview sprechen wir darüber, wie eng Wein und Kunst bei Donnafugata miteinander verwoben sind und inwiefern das auch Gabriellas persönliche Geschichte erzählt.
Wie lässt sich Identität in Farben, Linien, Figuren übersetzen? Was bedeutet es, wenn ein Etikett nicht nur „schön“ ist, sondern eine Erzählung transportiert, die von Generationen, Landschaften, Frauen und Männern erzählt? Und wie bringt man all das in die Welt hinaus an Menschen, die vielleicht zum ersten Mal ein Glas Donnafugata in der Hand halten?
Wein, Gesundheit und Genuss: Was sagen wir den Skeptikern?
Ein Thema, das mich als Weinbloggerin immer wieder beschäftigt ist, wie reden wir übers Trinken in einer Zeit, in der viele Menschen verunsichert sind? Im Gespräch frage ich Gabriella, was sie Menschen antwortet, die sagen, sie trinken keinen Wein oder hätten Angst, weil „Wein ja ungesund sei“.
Es geht um Mass, Bewusstsein und Kultur, darum, dass Wein auch Teil einer Esskultur ist, die auf Qualität statt Quantität setzt. Um die Rolle von Bildung, Kontext und Eigenverantwortung und darum, dass ein Glas Wein nicht nur ein „Produkt“ ist, sondern eine Einladung, hinzuschmecken, zuzuhören und in Verbindung zu gehen.
Warum dieses Gespräch sich lohnt
Dieses Interview ist keine präzise Probe durch das Sortiment von Donnafugata. Es ist eine Begegnung mit einer Frau, die zwischen Vergangenheit und Zukunft steht. Tief verwurzelt in einer Familiengeschichte und gleichzeitig klar auf ihrem eigenen Weg. Wir sprechen über Frauenbilder, Mut, übers Älterwerden der Eltern und Grosseltern, über Verantwortung und über die Schönheit, wenn all das in ein Glas Wein passt.
Wenn du Lust hast, ein Weingut nicht nur über Daten und Fakten, sondern über Menschen kennenzulernen, dann ist dieses Gespräch für dich.
Im Video kannst du Gabriella sehen, hören und spüren und vielleicht schmeckst du beim nächsten Schluck Donnafugata ein bisschen mehr von der Geschichte dahinter.
Dazu im Glas bei Weinweib
Wenn du nach dem Interview Lust auf Donnafugata im eigenen Glas hast, findest du hier unsere Degunotizen zu zwei Weinen:
Freitagsflasche: Donnafugata Floramundi – wo die Leichtigkeit tanzt
Freitagsflasche: Donnafugata Contesa dei Venti – Sizilien im Glas
