Ribera del Duero & Tempranillo

von | 23. Aug. 2025 | Spanien, Weinwissen

Spanien und Tempranillo gehören zusammen wie die Sonne und der Sommer. Das ist sicher auch der Grund, wieso mir gefühlt jeder Weinverkäufer erzählt (hat), dass Tempranillo die berühmtesten Rotweine Spaniens hervorbringt. Irgendwie konnte ich mich aber für die Weine aus Ribera del Duero in Castillia-Léon – liegt nördlich von Madrid und westlich von Zaragoza – nie so besonders erwärmen. Egal mit wieviel Inbrunst die besagten Weinverkäufer mir davon erzählten. Zu kratzig, zu viel Tannine, manchmal auch viel zu säurelastig für meinen Geschmack.

Nun kam ich überraschend in den Genuss, 3 Flaschen „Cosecha“ aus Ribera del Duero zu degustieren: diese wurden mir zugesandt und ich freue mich auf die Geschichten, die dabei rauskommen werden.

Zuerst gibts bizzi Hintergrundinformation. Wobei halt! Ganz zuerst gebe ich dir noch einen kleinen „Blick hinter die Kulissen“: Immer wenn ich einen Blogpost über einen Wein schreibe, höre ich dazu Musik aus dem Land, aus dem der Wein stammt. In diesem Fall von G-5. Nun aber retour zu:

Tempranillo

Tempranillo heisst übersetzt „kleine Frühe“, da sie früh reift und kleine Beeren hat. Weil das Klima in Ribera del Duero von extrem heissen Tagen (bis zu 42° C) und kühlen Nächten geprägt ist, reifen die Trauben langsam und entwickeln eine dicke Schale. Dies führt zu konzentrierten, strukturierten und farbintensiven Weinen. Im Winter kann es dort locker mal bis -20° C kalt werden. Da gefriert mir ja fast die Hand am Weinglas an! Jedenfalls hat sich die Traube an diese Temperaturen angepasst.

Nun gibt es ein paar Bezeichungen, die du für spanischen Wein kennen solltest. Ganz ehrlich habe ich das vor meiner Spanienreise auch nicht so genau gewusst. Ähnlich wie bei den Italienern, gibt es Vorgaben für Namen und Reifezeit und die erkläre ich dir gleich mal:

  • Cosecha – hat keine spezifische Mindestreifezeit
  • Crianza – 12 Monate Reifezeit, davon 6 Monate im Fass
  • Reserva – 36 Monate Reifezeit, 12 davon im Fass
  • Gran Reserva – 60 Monate Reifezeit, davon 24 im Fass (krass gell!)

Cosecha ist die spanische Bezeichnung für „Jahrgang“ und wird gleichzeitig als Bezeichnung für den Wein verwendet. Hier haben Winzer ihren Sandkasten respektive Spielplatz zur Verfügung. Müssen sie für die anderen Weine zwingend die Vorgaben einhalten, dürfen sie für Cosecha die Lese, Fermentation und den Ausbau so gestalten, wie sie möchten. Was zu richtig feinen Tropfen führen kann.

Ribera del Duero

Ganz toll finde ich, dass die Menschen dort sich immer noch die Mühe nehmen, immerhin 72% der Trauben von Hand zu lesen. Sie pflegen ein Jahrtausende altes Erbe und das mit einem riesen Respekt vor dem Terroir. Den berühmten spanischen Stolz legen sie in die Herstellung bester Weine. Du kannst jetzt locker davon ausgehen, dass in jeder Flasche das Herzblut von einem der 7’419 Winzerinnen und Winzern liegt. Die für und mit 317 Weingüter arbeiten und mit 2’225 Weinen die Weinwelt begeistern.

Foto von Michelle Müller

Aber genug mit Zahlen. Naja fast. Immer interessant finde ich die Höhenlage von Rebbergen, haben sie doch einen massiven Einfluss auf den Wein. In Ribera del Duero bewegen sie sich zwischen 720 und 1’000 Höhenmeter. Also nix mit Flachlandweinen. Auch wenn es auf den Fotos oder vor Ort so aussehen mag.

Ist dir langweilig?

Na hoffentlich nicht! Hier kommt auch sofort die Beschreibung des ersten der 3 Weine:

Vegantigua 2023

100% Tempranillo (Tinto Fino) aus einem einzelnen Rebberg
15% Alkohol
10 Monate im Barrique ausgebaut
Weingut: Vega de Yuso

Farbe: Purpur
Nase: schön fruchtig, rote Beeren, Cassis, schwarze Kirsche, Leder, Vanille und Schokolade.
Mund: Tannin ist deutlich spürbar, gute Säure ohne zu krass zu sein. Man merkt ihm die 15% Alkohol zwar an, dennoch überbordet er nicht. Es ist ein sonniger, runder und weicher Wein.

Wir finden ihn sehr lecker mit einer Trockenfleischplatte und reifem Käse wie Parmiggiano. Der Wein ist bemerkenswert: Er mag vom Speck, Trockenfleisch über Salami sogar Cornichons „beissen“. Wir würden ihn definitiv mit einem Rindstatar kombinieren. 

Idealerweise wird er Dekantiert. Wie du weisst, funktioniert das auch prima im Glas. Das Lederaroma wird dadurch abgeschwächt. Trinktemperatur mindestens 18° C.

Diese Geschicht erzählt er:

Ein leerer, bunter Dorfplatz irgendwo in Spanien. Es ist bereits Nachmittag und ein warmer Wind weht durch die einsamen Gassen. Unter den Schatten spendenen Bäumen sitzt ein dunkel gekleideter Mann, versunken in sein Gitarrenspiel. Das Gesicht ist fast verborgen hinter Hut und Bart, während eine melancholische Melodie die Luft erfüllt.

Aus einer der stillen Gassen kommt eine alterslos wirkende Frau, sie trägt einen Korb voller Früchte auf der rechten Hüfte. In ihrem weissen Rock und der bestickten Bluse bewegt sie sich sinnlich, fast wie von der Musik getragen. Mit wiegenden Hüften und einem Kopftuch im schwarzen Haar geht sie am Gitarristen vorbei. Dieser hebt kurz den Blick, hält inne – sie erinnert ihn an seine Jugendliebe, der seine Melodie gilt. Mit einem kurzen Zwinkern schenkt sie ihm ein geheimnisvolles Lächeln, verschwindet dann in einer anderen Gasse. Sein Herz erwärmt sich, die Sonne scheint plötzlich heller und er spürt die Wärme der Luft intensiver als zuvor.

Headerbild: Michelle Müller | Logo: Informationsbüro Ribera del Duero

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