Schaumberge, Schaumwein & ein bisschen Selbstliebe
Es gibt Menschen, die gehen ins Spa. Und es gibt uns: Wir füllen die Badewanne, stellen Kerzen auf und kümmern uns zuerst um die einzig wirklich wichtige Frage des Abends: Was kommt denn ins Glas?
Mein früherer Weinshop ist Geschichte, die Badewannenliebe aber ganz bestimmt nicht. Die gute Nachricht: Deine Weine für die Badwanne findest du heute ganz entspannt im Detail- und Fachhandel.
Also: Wein holen, Wasser aufdrehen, Alltag auf «stumm».
Warum es einen eigenen Badewannenwein braucht
Weine für die Badwanne sind keine «anderen» Weine, aber sie müssen ein paar Dinge besser können als der Durchschnitt:
- Sie sollen trinkig sein (hoher «noch-ein-Schluck»-Faktor, keine Denkarbeit nötig).
- Sie vertragen ein bisschen Temperatur (Badewasser und Kerzen machen’s nicht kühler).
- Sie dürfen gerne duften – du liegst ja sowieso schon im Aromanebel aus Schaum, Kerzen und Pflegeprodukten.
- Sie müssen nicht perfekt sein, aber sie sollen zu genau diesem Moment passen.
Manchmal bedeutet das: knackig-frisch und perlend.
Manchmal: cremig-weiss.
Manchmal: ernsthaft-rot mit «Ich bleibe noch etwas sitzen»-Charakter.
Team Blubber: Prosecco & aromatische Schaumweine
Fangen wir mit der Wahrheit an: Nichts sagt so deutlich «Ich nehme mich heute wichtig» wie ein Glas Schaumwein in der Badewanne.
Prosecco die sprudelnde Allzweckwaffe
Prosecco ist der unkomplizierte Freund, der immer gut drauf ist und keine Ansprüche stellt. Typisch für ihn, Aromen von grünen Äpfeln, Birne, Zitrus, manchmal etwas Blüten, dazu eine feine, aber deutliche Perlage. Der Alkohol ist meist moderat, die Säure frisch und genau das macht ihn so «badewannentauglich»: Er erfrischt, ohne zu erschlagen.
Im Handel findest du:
- Trockene (Brut, Extra Dry) Varianten – ideal, wenn du es spritzig und eher trocken magst.
- Etwas fruchtigere Versionen – die sich an alle richten, die beim ersten Schluck schon «Sommer!» rufen.
Ein Tipp aus der Praxis:
Flasche nicht eiskalt, sondern bei 7 Grad gekühlt servieren. Zu kalter Schaumwein schmeckt nach nichts, zu warmer Schaumwein schmeckt müde. Beides hat weder du noch deine Wanne verdient.
Aromatische Schäumchen, Moscato & Co.
Du magst es verspielt und duftig? Dann bist du im Team «Aromatische Schaumweine».
Stilistisch reden wir von: Moscato-/Muscat-Typen mit Duft nach Pfirsich, Blüten, Muskat und Honig. Teilweise leicht süss, mit niedrigerem Alkoholgehalt, perfekt, wenn du es gemütlich willst oder keine Lust auf «die volle Ladung» hast.
Diese Weine sind super für:
- Späte Badewannen-Sessions mit Hörbuch oder Podcast.
- «Selfcare-Abende», an denen du dir ganz offiziell erlaubst, nichts Produktives zu tun.
Foodpairing in der Wanne (ja, das gibt es):
Frisches Obst, Nüsse, ein Stück dunkle Schokolade, oder einfach nur ein paar Güezi. Denn Badewanne ist kein Fine Dining, Badewanne ist Komfortzone pur.
Weiss in der Wanne: Chardonnay & aromatische Weisse
Weisswein in der Wanne ist ein bisschen wie deine Lieblings-Serienfolge: Du kennst das Gefühl, aber es wird einfach nie langweilig.
Chardonnay, die flüssige Kuscheldecke
Chardonnay kann vieles, aber als Badewannenwein mag ich ihn vor allem in seiner «Komfortzone»:
- Mittelgewichtig bis cremig.
- Sanfte Säure, feiner Schmelz.
- Aromen von reifen Äpfeln, Birnen, manchmal etwas Vanille, Nuss oder Butter (wenn Holz im Spiel ist).
Solche Chardonnays findest du im Detailhandel aus:
- Der Schweiz (z.B. aus der Romandie oder der Ostschweiz).
- Frankreich (Burgund-ähnliche Stile, aber in alltagstauglicher Form).
- Italien oder Übersee (oft etwas fruchtbetonter bis sehr butterig).
Achte bei der Wahl auf Begriffe wie «barrique», «oak» oder «Holz» in den Beschreibungen, wenn du es cremiger und vollmundiger magst. Wenn dir das zu viel ist, greif zu «frisch, fruchtig, elegant» das ist die leichter zu trinkende Variante, die in der Wanne nicht müde macht.
Muscat & Gewürztraminer, wenn’s duften darf
Du willst Badewannen-Weihrauch im Glas?
Dann sind Muscat/Moscato und Gewürztraminer deine Kandidaten:
- Muscat bringt florale Noten, Zitrus, Trauben und Exotik.
- Gewürztraminer duftet nach Rosen, Litschi und Gewürz – eher gehaltvoll, oft mit wenig Säure.
Das sind Weine bei denen du die Nase ins Glas tauchst und automatisch langsamer wirst. Perfekt, wenn du eigentlich nur «schnell baden» wolltest und plötzlich feststellst, dass du seit 40 Minuten die Etikette studierst.
Rosé, die Playlist unter den Weinen
Rosé ist der Allrounder: funktioniert im Sommer auf dem Balkon, im Winter in der Badewanne und im Frühling überall.
Typische Rosé-Stilistiken aus dem Handel:
- Helle, lachsfarbene Rosé mit Noten von Erdbeere, Himbeere, Grapefruit, manchmal Kräutern.
- Trocken bis halbtrocken, mit frischer Säure und relativ niedrigem Alkoholgehalt (je nach Region).
Rosé ist ideal für:
- Alle, die sich nicht zwischen weiss und rot entscheiden können.
- Badewannen, in denen noch gegessen, gelesen, geschaut, gechattet oder philosophiert wird.
Achte auf Herkunftsländer wie:
- Italien (Veneto, Abruzzen, Apulien).
- Frankreich (Provence-Stil).
- Spanien (leichte, frische Rosados).
Kleiner Trick:
Wenn du nicht sicher bist, ob dein Rosé in die Wanne passt, frag dich: «Würde ich damit auch auf der Terrasse sitzen?» Wenn ja, dann passt er meistens auch zu Schaumbergen.

Rot bei Schaumberg: Barbera & Co.
Rotwein in der Badewanne ist nicht nur für Romantik-Kitsch-Filme. Es funktioniert wenn du die richtigen Stile wählst.
Barbera – der Badewannen-Kumpel
Barbera aus dem Piemont ist prädestiniert für solche Momente:
- Saftige Kirsche, rote Beeren, manchmal Pflaume.
- Lebendige Säure, eher weiche Tannine.
- Mittlerer Körper, hoher Trinkfluss.
Das heisst: Er ist spannend genug, dass du nicht gelangweilt bist, aber unkompliziert genug, um nicht zum «Studienobjekt» zu werden. Genau das willst du, wenn du halb im Schaum versinkst.
Andere Rotwein-Ideen
Auch spannend als Badewannen-Rote taugen:
- Sangiovese (Toskana-Stil, z.B. Chianti-Typen mit Kirsche, Kräutern, mittlerem Körper).
- Weiche Cuvées aus Merlot, Cabernet & Co., die auf Frucht und Schmelz statt auf Tannin-Bombast setzen.
Woran du badewannentaugliche Rotweine erkennst:
- Alkohol nicht zu hoch (so um die 12.5 – 13.5 %).
- Säure vorhanden, aber nicht beissend.
- Tannine eher weich als brutal.
Und bitte: nicht zu warm servieren. Nur weil die Badewanne heiss ist, muss es dein Rotwein nicht auch sein, 15 – 18 Grad reichen völlig.
Kleine Luxusecke: «Spa at home» im Glas
Es gibt Abende, an denen man weiss: Heute brauche ich mehr als nur Wasser, Schaum und «irgendeinen» Wein. Das sind die Momente für deine kleine Luxusecke.
Was meine ich mit Luxusweine für die Badewanne?
- Höherwertige Schaumweine, z.B. ein Prosecco Superiore aus guten Lagen, mit feinerer Perlage, mehr Tiefe und längerer Aromatik.
- Champagner
- Barrique-ausgebaute Rotweine mit Struktur, dunkler Frucht, Würze und sanft eingebundenem Holz.
- Charaktervolle Chardonnays mit komplexer Nase und cremiger Textur.
Der Ablauf sieht dann etwa so aus:
- Wasser einlassen.
- Flasche öffnen.
- Einen ersten Schluck nehmen, bevor du in die Wanne steigst.
- In der Badewanne nur nachschenken – die Entscheidungen sind jetzt bereits gefällt.
Badewannenweine 101 praktische Tipps
Damit der Badewannenabend wirklich gelingt, hier noch ein bisschen Nerd-Wissen in a Nutshell:
Temperatur:
- Schaumwein/Weiss/Rosé leicht kühler starten, als du es normalerweise tun würdest – das Bad wärmt nach.
- Rotwein eher bei moderater Trinktemperatur einschenken, nicht bei Zimmertemperatur einer Altbauwohnung im Winter.
Glaswahl:
- Kein dünnwandiges Spiegelau-Extrem, wenn du zur Ungeschicklichkeit neigst.
- Ein solides Weinglas von Riedel reicht völlig.
Sicherheit:
- Glas immer auf eine stabile Ablage, nicht auf den Wannenrand ganz am äussersten Ende des Schicksals.
- Handy vielleicht eher im Flugmodus, für Ruhe und me-time.
Menge:
- Besser ein grosses Glas bewusst geniessen als die ganze Flasche «aus Versehen» nebenbei leeren.
- Du willst entspannt aus der Wanne steigen, nicht auf wackligen Beinen.
So, und jetzt:
Bad einfüllen, Lieblingsplaylist an, Wein einschenken und dir selbst offiziell erlauben, eine Stunde lang nichts zu leisten ausser zu atmen, zu geniessen und zwischendurch zu denken: «Das hier ist gerade ziemlich nah an Perfekt.»
Herzlich sprudelnde Grüsse
Christina
