Wein Weinwissen

Mir stinkt’s!

6. Juni 2017

Mir stinkt’s richtig

Dir auch? Also mir stinkt’s wenn ich schlechte Aromen riechen muss. Sei es draussen, drinnen, bei anderen Menschen (zugegeben das kann echt übel sein!) aber auch bei Wein. Es gibt nichts Schlimmeres als eine Flasche Wein zu öffnen, einzuschenken um dann festzustellen: der STINKT! Hat Aromen die mir ganz und gar nicht zusagen und auch wenn dann der Schluck Wein im Mund ok ist, an meiner Nase kommt der nicht vorbei. Das hat auch schon dazu geführt, dass ich eine ganze Flasche weggeschüttet habe oder sogar schon ins Weingut zurück gebracht habe. Es heisst nicht das der Wein schlecht ist, also Fehlaromen hat. Nein. Es bedeutet schlicht und ergreifend, dass die Aromen so sind, dass ich sie mit schlechten Gerüchen assoziiere und zwar richtig.

Und wie ich erst gerade erfreut festgestellt habe, geht es nicht nur mir so. Mein Verkostungspartner und ich wollten zusammen einen Wein verkosten, der beiden dermassen nicht gefiel, dass wir die Flasche nach ein paar frustrierenden Versuchen weggeschüttet haben. Das führte dann zu einem lustigen Spiel mit der “Sniffbox” (zum Namen komme ich noch) und nannte sich spontan “Aroma erraten”.  An einem der Aromen riechen und natürlich ohne zu spicken benennen was man riecht, dem Partner geben und schauen wie schlau er oder sie ist. Das war cool und hat Spass gemacht.

Schon auf meinen Weintouren habe ich viel Interessantes über meine Kunden herausgefunden bei diesem Teil der Weinverkostung. Die “Sniffbox” heisst wegen einer amerikanischen Kundin so. Eigentlich wäre es die Aromabar aber sie meinte während dem verkosten “do you pull out the Sniffbox at each vineyard?” und so bekam die Box diesen Namen.

Die Sniffbox

Da mein Partner vor Einsatz besagter Box auch nicht wusste um was es sich bei dem Ding handelt, erzähl ich dir jetzt kurz davon (er hat an dem Abend die volle Wucht der Aromen kennen gelernt, das erste was er öffnete war ein Fehlaroma, Zwiebel riecht dort abartig bää). Es ist eine grosse Box, darin enthalten sind 60 Essenzen, welche man im Wein findet. Für Weisswein, Rotwein, Barrique, Spezialaromen und wie gesagt: Fehlaromen. Damit trainiert man seine Nase für Weinverkostungen und spannend ist halt, dass jede Traube ihre eigenen Aromen hat. Dort findet man auch relativ rasant raus, welche Aromen einem so ganz und gar nicht zusagen. Ich mag zB florale Aromen nicht, noch nie gemocht und finde Rose, Jasmin oder Lavendel ganz furchtbar. Ausser Veilchen die ich vom Sangiovese her kenne, die ist aber nicht so dominant dann gehts. Schlimm finde ich auch Leder, öfters in Barrique gelagerten Rotweinen zu riechen, das hängt dann auch so auf der Zunge. Aber Achtung! Das Lederaroma vom Barrique ist nicht zu vergleichen mit behandeltem Leder so wie man das kennt. Es ist eher das rohe, wilde. Eigentlich ist es einfach, die Aromen welche man in Parfums mag, die mag man auch im Wein. Viele Männer mögen das Lederaroma, tausendmal festgestellt und das ist ein Aroma welches man in Männerparfums findet.

 

Seit ich keine Weintouren mehr mache und täglich an den Aromen schnuppere, habe ich das eine oder andere vergessen. Da merkt man was tägliches Training ausmacht. Aber etwas kann ich dir noch mit auf den Weg geben, wenn dich Aromen faszinieren dann nimm dir mal die Zeit und riech während einer oder zwei Stunden an allem was dir begegnet. Im Haus, im Garten, riech mal am Türrahmen, an einer alten Holztür, an Blättern, Pflanzen, an Plastikdingen, am Balkonstuhl, am Hund, der Katze, dem Meerschweinchen. Plüschtieren, Auto innen, aussen. An deiner Haut und wenn es geht auch an der von anderen. Am Stein auf dem Weg, am Baum, am Holzzaun wenn du bei Nachbars Garten durchgehst, Du wirst erstaunt sein wie viele Aromen dir tagtäglich begegnen und du sie nicht mehr wahr nimmst.

Der Geruchssinn

Wenn wir unseren Geruchssinn verlieren, werden wir um unsere Erinnerungen gebracht. Wir werden nie mehr die Situation haben zu sagen “Oh, hier riecht es wie bei Grossmutter, oder wie in unserem Keller” oder “Das erinnert mich an den Kindergarten”. Kommt dir bekannt vor oder? Genau und unser Geruchssinn ist eng mit Erinnerungen und allem was wir jemals gerochen und aufgenommen haben verknüpft. Vom Moment der Geburt an riechen wir und speichern das ab. Es gibt ein Aroma das jeder intuitiv als Gefahrenquelle wahrnimmt: Holzrauch. Das ist schon in der DNA integriert, im universellen Wissen. Rauch = Gefahr = flüchten. Mich haben Aromen immer sehr fasziniert, ich habe auch eine sehr gute Nase und habe sie auch so trainiert, dass ich viele Aromen riechen kann bis mir schlecht wird. Denn auch die beste Nase hat mal den overload und dann geht nichts mehr.
Tja und so stinkt es mir ab und zu. Du kannst mir ja hier unten verraten was dir so stinkt, ich freu mich auf feedback.

 

Herzlichst, Christina – WeinWeib

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