Reblaus – Schock im Rebberg

Reblaus – Schock im Rebberg

Phylloxera, die kleine Laus, die der Weinwelt eine Ohrfeige verpasst hat.

Du nippst genüsslich an deinem Glas Pinot Noir, alles ist friedlich und irgendwo im 19. Jahrhundert läuft eine gelbliche Mini-Laus durchs Wurzelwerk und denkt sich: „Heute ruiniere ich mal einen Kontinent!“ Diese Laus heisst Phylloxera, auf Deutsch netterweise „Reblaus“ was fast ein wenig charmant tönt, aber so ziemlich der Endgegner der Weinwelt war.  

Wer ist diese Reblaus eigentlich?

Phylloxera ist botanisch korrekt Daktulosphaira vitifoliae, klingt wie ein böser Zauberspruch, ist aber „nur“ ein Insekt aus der Familie der Zwergläuse. Winzig, gelblich und nur 0.3 bis 1.5 Millimeter gross, mit einem klaren Hobby: Reben piesaken.  

Sie stammt aus Nordamerika, wo die einheimischen Wildreben gelernt haben, mit ihr zu leben. Da hat sie lange ein eher unauffälliges Dasein geführt, so wie die eher unscheinbare Kollegin im Büro, die irgendwann die halbe Firma umstrukturiert.  

Wie sie die Rebe fertig macht

Die Reblaus führt ein Doppelleben, von dem jede Netflix-Serie nur träumen kann. Ein Teil ihres Lebens spielt sich an den Blättern ab wo sie kleine Gallen verursacht, also knubbelige Auswüchse. Nervig, aber nicht tödlich.

Richtig dramatisch wird es an den Wurzeln:

  • Die Laus sticht die Wurzeln an und saugt sich voll.
  • Es bilden sich Wucherungen und Wunden, in die Pilze und Bakterien eindringen können.
  • Die Rebe kann immer schlechter Wasser und Nährstoffe aufnehmen.
  • Von aussen sieht sie erst „ein bisschen schwach“ aus und dann ist Schicht im Schacht.

Das Perfide daran ist, dass die Rebe nicht spektakulär über Nacht die Storzen obsi kehrt (stirbt), sondern langsam aber garantiert. Wie ein ganz schlechter Beziehungsabbruch, nur eben im Rebberg.

Die grosse Weinbau-Soap im 19. Jahrhundert

Mitte des 19. Jahrhunderts (um 1860) schafften es ein paar unscheinbare, wilde Rebstöcke aus Amerika nach Europa, inklusive blinden Passagieren an den Wurzeln. In Südfrankreich ging’s dann los: Reben welkten, Weinberge starben, Winzer verzweifelten.  

Und dann passierte folgendes: Die Reblaus marschierte quer durch Frankreich, weiter nach Deutschland, Italien, Spanien, bis nach Österreich und darüber hinaus. Ganze Existenzen gingen den Bach runter, Regionen verloren quasi über Nacht ihre Grundlage. Die Verzweiflung war riesig.

Zeitgenossen haben das nicht umsonst als „Weinbaukatastrophe“ bezeichnet. Stell dir einfach vor, es gäbe plötzlich fast keinen (trinkbaren) Wein mehr. Genau. So schlimm!

Skurrile Ideen im Rebbau

Wenn Menschen in Panik geraten, wird es meistens ziemlich kreativ. Ein paar historische „Highlights“ der Reblaus-Bekämpfung: 

  • Weinberge fluten: Wo Wasser war, konnte die Reblaus nicht überleben, leider auch so manche Rebe nicht.
  • Gift in den Boden pumpen (z.B. Schwefelkohlenstoff): Hat die Laus umgebracht, war aber nur knapp davor, auch die Winzer mit umzunieten.
  • Esoterik im Rebberg: Vergrabene Kröten, Zaubersprüche, allerlei „Geheimrezepte“.

Nichts davon war wirkungsvoll.

Die geniale (und bis heute gültige) Lösung

Die Rettung kam durch eine Idee, die zunächst fast blasphemisch klang: Wenn die amerikanischen Reben die Reblaus aushalten, warum nicht einfach deren Wurzeln nutzen? 

Der Botaniker Jules Émile Planchon war einer der Ersten, die systematisch amerikanische Reben als Unterlage vorschlugen, nachdem ihm aus den USA reblausresistente Reben zugesandt worden waren.

1869 formulierte Leo Laliman in Frankreich explizit den Lösungsweg, nämlich Reben europäischer Sorten auf reblaustolerante Unterlagen (insbesondere amerikanische Wildreben) zu pfropfen. Diese praktische Idee setzte sich schliesslich weltweit durch und bildet bis heute die Grundlage des Weinbaus.

Der Trick ging so:

  • Unten: Amerikanische, reblausresistente Unterlagsrebe.
  • Oben: Europäische Edelrebe (Vitis vinifera), also dein geliebter Pinot, Merlot, Barbera, Vermentino, Riesling & Co.
  • In der Mitte: Die Veredelungsstelle, quasi der chirurgische „Handshake“ zwischen zwei Welten.

Das Ergebnis: Die Laus kann zwar noch an den Wurzeln knabbern, aber die amerikanische Wurzel sagt: „Netter Versuch“, bleibt am Leben und die europäische Rebe obenrum liefert weiterhin Wein. Deshalb sind heute fast alle Reben der Welt gepfropft.

Phylloxera heute, immer noch da, aber gebändigt

Ganz verschwunden ist die Reblaus nie. Sie existiert weiter (auch in Europa) aber dank der Verwendung amerikanischer Unterlagsreben ist sie heute vom Albtraum zum kontrollierten Risiko geworden.

Die Winzer sprechen noch heute respektvoll über diesen Wendepunkt. Ohne den genialen Einfall von Planchon und Laliman wäre unser Weinbau – und damit auch mein Berufsleben – kaum vorstellbar gewesen.

3 Kühe die was können – das Weintrio „Vache“ im Test

3 Kühe die was können – das Weintrio „Vache“ im Test

Wie angekündigt, nehmen wir uns künftig vermehrt Weine aus dem Supermarkt vor. Nicht etwa weil wir bisher nie bei Coop oder Denner eingekauft hätten, mitnichten! Beide Anbieter führen spannende Tropfen im Sortiment und liefern sich regelmässig regelrechte Wein-Aktions-Schlachten. Da lohnt es sich, genau hinzusehen und zuzuschlagen.

Eine kleine Insider-Info aus meiner Toscana-Zeit: Winzer, die an Coop liefern, dürfen ihre Weine nicht auch über Denner anbieten und umgekehrt. Beide Häuser decken das ganze Spektrum ab: von der eher einfachen Alltagsplörre (exgüsee!) bis hin zum hochwertigen, bezahlbaren Topwein.

Bis man sich da durchprobiert und seine Favoriten gefunden hat, vergeht einiges an Zeit. Genau dabei möchten wir dir helfen, damit du nicht nur nach Etikett entscheiden musst, sondern auch eine Ahnung hast was ins Glas kommt. Wobei… gerade Etikettenkäufe manchmal tolle Überraschungen bereithalten. Uns ist das beim „Vache“ passiert: Beim durch die Weinsektion im Denner flanieren sahen wir dieses coole Label. Wir mögen Viognier und schon war die Idee geboren eine Degu zu machen. Dass es gleich 3 Kühe gibt, fanden wir auch toll und legten los.

Die „Vache“ Weine stammen alle aus der gleichen Winzerkooperative. Aus dem Pays  d’Oc, also der Region Languedoc-Roussillon, unserer liebsten Gegend in Frankreich: Okzitanien. Dieses wunderschöne Stück Land zwischen Montpellier und Perpignan, bis weit ins Hinterland reichend, hat alles was das Weinherz begehrt. In Küstennähe herrscht ein raues, windiges Klima, durchtränkt von Sonne, Meeresluft und dem Duft der Pinien. Die Böden sind trocken und steinig; perfekte Voraussetzungen, um charakterstarke, eigenständige Weine hervorzubringen.

Beginnen wir mit dem Weisswein

„Vache d’Automne“ 2024
100% Viognier
13.5% Alkohol

Farbe: Lindenflor
Nase: Holunderblüten, Williamsbirne und Aprikose steigen zuerst auf, begleitet von einem Hauch Butter und feiner Süsse wie nach Rapshonig (Serge schmeckt als Imker sofort Honig-Unterschiede 😉). Zitruston, etwas Feuerstein und ganz hinten eine salzige, mineralische Note.
Mund: Fruchtig, buttrig mit einem feinen Umami. Aprikose und florale Noten, getragen von einer samtigen Textur und einer harmonischen Säure. Der Wein ist erstaunlich lang anhaltend.

Wie auf dem Foto zu sehen, harmoniert dieser Viognier wunderbar mit Coppa, Grana Padano und Trockenfleisch aus dem Gruyèreland, alle drei haben wir übrigens im Coop Milavy Centre in Avenches gekauft. Es empfiehlt sich ohnehin, diesen Wein zu einem feinen Imbiss zu geniessen; pur kann er etwas zu intensiv wirken.

Diese Geschichte erzählt er:

Ein kalter Januartag. Ein Mann sitzt mit seinem Partner irgendwo im Norden Europas im Wohnzimmer. Vor ihnen ein Glas Viognier und plötzlich sind sie wieder mitten in ihren Herbstferien. Damals sassen sie in Perpignan vor einer kleinen Bar, mit Blick auf den Platz wo das Leben pulsierte: Menschen kamen und gingen, ein sanftes Durcheinander und doch eine friedliche Ruhe. Sie lehnten sich zurück, genossen die Zweisamkeit. Ein Augenblick voller Wärme und purem Genuss. Wein. Liebe. Sein.

Während der Degustation haben wir festgestellt: Viognier ist ein Wein, den man sich erarbeiten muss. Fast ein bisschen wie die Sangiovese-Traube, auch sie will nicht auf Anhieb gefallen. Beide brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und vielleicht sogar etwas Erfahrung.

Und ehrlich gesagt würden wir Viognier nicht einfach so unseren Gästen einschenken, ohne vorher zu fragen ob sie ihn mögen. Dieser Wein polarisiert. Wer ihn versteht, liebt ihn – wer ihn nicht kennt, ist vielleicht (zu sehr) überrascht.

Sodeli, nach diesem poetischen Einstieg waren wir mega gespannt, was

der Rosé zu offenbaren hat

„Vache d’Éte“ 2024
100% Cinsault
12% Alkohol

Farbe: Hautfarben
Nase: Eine geballte Ladung Beeren (vor allem Wald- und Himbeeren) dazu eine feine mineralische Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht.
Mund: Eine kleine, erfrischende Fruchtbombe! Saftig, lebendig, mit angenehmer Mineralität und für einen Rosé überraschend langem Abgang.

Wir meinen aus dem Bauch raus, dass er hammermässig zu Moules & Frites passen würde.

Dies ist seine Geschichte:

Du wirst mitten in einen grossen, gepflegten Garten im Hochsommer katapultiert. Die Sonne scheint heiss, der Lavendel duftet und von irgendwoher klingt Lachen. Langeweile? Nix da. Überall bloss gute Laune, Gläser voller Rosé und spritzige Drinks, Stimmengewirr, Musik, Gläserklirren. Gegen Abend hängen Laternen in den Bäumen, ihr Licht tanzt über den Rasen und die Stimmung wird noch ausgelassener. Der Moment ist leicht und fruchtig, genau wie der Wein im Glas.

Und zum Abschluss noch der Rotwein

„Vache d’Automne“ 2024
Cabernet Sauvignon – Syrah (Prozentverteilung nicht bekannt)
13.5 % Alkohol

Farbe: Tiefdunkel, fast tintig. Wir waren uns nicht ganz einig, aber nach längerem Diskutieren einigten wir uns auf diese Farbe.
Nase: Cassis und dunkle Kirsche geben sich die Hand, Zeder gleitet elegant dazwischen, dann gesellen sich weitere dunkle Früchte dazu. Auch hier zeigt sich eine feine Mineralität. Und plötzlich steht man mitten auf einem Gewürzmarkt.  Überall Düfte, Aromen und Eindrücke.
Mund: Schwarze, reife Kirschen, saftig-fruchtig mit Schokolade und einem Hauch Speck. Die Tannine und die Säure sind wunderbar ausgewogen. Diesen Wein muss man sich nicht erarbeiten, er ist einfach da um zu gefallen. Kein Wunder also, dass er beim Concours International de Lyon  2025 eine Goldmedaille geholt hat.

Hast du Gäste und bist unsicher, welcher Wein allen schmecken könnte? Mit diesem hier liegst du kaum daneben. Ein echtes Multitalent mit tollem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Seine Geschichte erzählt er so:

Ein Tausendsassa der sich lachend durch alle Feste bewegt. Charmant, gewieft und immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er findet überall seinen Platz: Beim festlichen Weihnachtsessen mit Braten, Kartoffelgratin und Rüebli mit Spinat; beim grossen Geburtstagsfest der Schwiegermutter, wo es Sandwiches, Hammen und Kartoffelsalat gibt; oder ganz einfach beim Apéro-Plättli mit Trockenfleisch und Paté. Wer ihn nicht kennt und plötzlich im Glas hat, ist überrascht woher er kommt und wie sympathisch und vielseitig er ist.

So sieht es aus, wenn das Team Weinweib Degustiert.
Ich am Notizen machen, derweil wir die Geschichte des jeweiligen Weins finden.

Fazit

Drei Kühe, drei Charaktere, drei kleine Reisen im Glas. Vom vielschichtigen Viognier über den verspielten Rosé bis hin zum charmanten Roten mit Goldmedaille. Die „Vache“-Familie zeigt, dass Supermarktweine nicht langweilig sein müssen. Preislich liegen sie so gut, dass du dir ruhig beim nächsten Einkauf im Denner je eine dieser Flaschen gönnen darfst.

Garnacha – die facettenreiche Traube Spaniens: Herkunft, D.O.’s & Charakter

Garnacha – die facettenreiche Traube Spaniens: Herkunft, D.O.’s & Charakter

Garnacha wer?

Heute tauche ich noch ä chli tiefer in die Welt des Garnacha und der D.O.’s ein. Du weisst ja als treuer Leser und Leserin, dass ich im Juni 2025 auf einer mega spannenden Pressereise im Garnachaland war.

Die Reise war Teil der von der EU kofinanzierten Kampagne The EU Fab 6 – Savour the PDO and PGI Wines and Deli Meats From Europe (2024–2027).

Ziel dieser Initiative ist es, die europäischen Qualitätssiegel bekannter zu machen und die Lust auf authentische Produkte mit Herkunft und Geschichte zu wecken. Gleichzeitig soll sie die Wettbewerbsfähigkeit und den Genuss der geschützten Weine und Delikatessen stärken – insbesondere in den beiden Zielländern Grossbritannien und Schweiz.

Ich wurde gefragt, ob ich nicht bizzi mehr über die Traube herself und die D.O.’s schreiben könnte. Natürlich kann ich! Sofort hole ich mir ein Glas gekühlten Garnacha dazu, haue in die Tasten und mach dich so richtig gluschtig auf diese tolle Traube und ihre „Denominacion Origen“.

Garnacha und ihre farbige Reise: Von spanischen Siestas bis zur australischen Grillparty

„Wer hat’s erfunden?“ Die Schweizer nicht, aber wenigstens gesteht die Garnacha – auch bekannt als Grenache wenn sie sich französisch fühlt, oder Cannonau falls sie die Sardin in sich herauslässt – woher sie kommt: Aus Aragon, Nordost-Spanien. Dort macht sie es sich schön gemütlich in der Sonne, zieht sich die trockene Mittelmeer Luft rein, trotzt Wind und Kälte und sagt: „Meine Wurzeln bleiben hier, bis die Krone von Aragón irgendwann Party macht und mich nach Südfrankreich, Korsika, Sardinien, Italien, Kroatien und sogar nach Griechenland schleppt.“  Diesem Wunsch wurde entsprochen und sie reiste tatsächlich bis ins ferne Griechenland.

Aber hey, richtige Trauben sind flexibel! Im 18. und 19. Jahrhundert machte Garnacha internationale Karriere, es ging ab nach Australien, Nordafrika, Kalifornien. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie sich ein Instagram-Profil zulegt.

Die Winzer zuhause in Spaniens D.O.’s – Calatayud, Campo de Borja, Cariñena, Terra Alta und Priorat – sagen heute: „Du bist nicht nur robust, du bist Charakter pur. Eigentlich wie unsere Lieblings-tita (Tante): Manchmal schwierig, aber immer herzensgut.“

Alte Reben? Nix da! Die Reblaus (Phylloxera, der Bösewicht der Weinwelt) hat im 19. Jahrhundert alles kurz und klein gemacht. Aber keine Sorge: Die ältesten Garnacha-Reben hüpfen heute noch munter durchs Weinleben, manche bis zu 120 Jahre alt. Junge Reben? Davon gibt’s auch genug, ist ja schliesslich ein Familienbetrieb!  

Was macht Garnacha so besonders? Sie ist die Traube mit der „Stehaufmännchen-Garantie“: Während andere sich im hohen Alter über schwindende Vitalität beklagen, sagt Garnacha: „Jetzt erst recht!“ Und schenkt uns Weine, die so viel Charakter und Tiefe haben, dass selbst der mondäne Sommelier beeindruckt nicken muss.  

Also, liebe Weinfreunde, ein Hoch auf die Garnachatraube! Sie macht nie Drama, nur grossartigen Wein! 

Garnacha – egal ob rot, weiss, rosé, spritzig oder sogar als Likörwein – hat einige Vorteile und gleichsam kleine Tücken.  

Wachsen ist jetzt nicht gerade ein Hexenwerk, der Rebstock macht das ganz gut mit. Aber wehe das Terroir spielt nicht mit! Garnacha reagiert sehr empfindlich auf Umweltfaktoren und will schon genau die richtigen Bedingungen und Pflege, damit sie uns Weine schenkt, die von „geht so“ zu „WOW!“ wechseln. Historisch wurde sie oft mit anderen Trauben gepaart, quasi als das Sahnehäubchen auf Weinen mit viel Tannin oder Farbe, damit’s auch richtig aromatisch und fruchtig wurde. Ein bisschen harmonisieren, balancieren, pimpen, das ist eine Kunst die unsere europäischen Winzer wirklich draufhaben!

Garnacha-Fans behaupten sogar, sie sei die „ökologischste“ Traube der Welt. Warum? Weil sie wie gemacht ist fürs Überleben in supertrockenen Gefilden und deshalb prima mit umweltfreundlichen Weinberg-Methoden klar kommt. Late Bloomer sag ich nur: Sie braucht Hitze und Trockenheit, am besten das windige, kontinentale Mittelmeerklima ihrer Heimat. Und dieser starke Holzstamm, der ist the Bodyguard gegen Wind wie den spanischen Cierzo oder den Tramontana. Die bringen frische Luft, halten die Trauben gesund und frei von Fäule und Krankheit.  

Alte Reben in den Weingärten Nordostspaniens? Jackpot! Die werfen zwar weniger Trauben ab, liefern dafür aber richtig konzentrierte, terroir-typische Weine, weil ihre Wurzeln mega tief gehen und aus dem Boden noch der kleinste Rest an Nahrung geholt wird. Winzer setzen mehr und mehr auf diese alte Garde, vor allem an kühleren, höher gelegenen Orten, wo die Säure erhalten bleibt und elegante, komplexe Weine entstehen, die auch prima reifen können.

Die spanischen Juwelen: Fünf Denominationen, die du kennen musst!

Spanien hat eine ganz spezielle Gabe: Es verpackt wunderbare Weine in regionale Schatzkästchen namens Denomination Origen, kurz D.O. Ich nehme dich gleich an die Hand und begleite dich auf eine kleine, aber feine Reise durch fünf spannende Weinregionen, in denen die Garnacha eine Hauptrolle spielt.

Calatayud

Hier im Nordosten Spaniens, mitten in Aragón, zeigt Calatayud wie viel Power in Garnacha stecken kann. Die Region schlängelt sich entlang der Ebro-Ebene und bringt Weine hervor, die dank der beträchtlichen Höhenlage und der kühlen Nächte eine tolle Frische behalten. Calatayud ist quasi der Geheimtipp für alle, welche gern kräftige aber elegante Rotweine mögen, die wenig Allüren machen und jede Menge Geschmack haben.

Campo de Borja

Liebevoll auch das „Land der Garnachas“ genannt, befindet sich Campo de Borja ebenfalls in Aragón. Sonnenverwöhnt und doch durch den kühlen Nordwind Cierzo angenehm temperiert, entstehen hier Weine mit kräftigen Farben und intensiven Aromen. Die Böden sind vielfältig und voller Mineralschätze – Kalk, Lehm, Ton und Quarzit – was den Weinen ein richtig spannendes, erdiges Fundament verleiht. Winzer hier verstehen Garnacha als echten Charakterdarsteller.

Cariñena

Cariñena, eine der ältesten D.O. Spaniens bringt Weine hervor, die tief in der spanischen Tradition wurzeln. Bekannt für ihre widerstandsfähigen Reben und die mineralischen Schieferböden, sind die Rotweine hier oft vollmundig und doch überraschend zugänglich. Mit Garnacha und der namensgebenden Rebsorte Cariñena entsteht eine perfekte Liaison aus Fruchtigkeit, Kraft und Bodenständigkeit.

Terra Alta

Weiter südlich, am Rande Cataluñas, ist Terra Alta ein echtes Juwel. Hier spielen nicht nur Garnacha, sondern auch Garnacha Blanca eine spannende Rolle. Die Region punktet mit ihrem kühlen mediterranen Klima und unterschiedlichsten Böden, von sandig bis lehmig, die den Weinen eine feine Würze und Frische schenken. Terra Alta ist perfekt für alle, die Weine mit Charakter, aber ohne Angeberattitüde lieben.

Priorat

Last but definitely not least: Das wohl berühmteste Kind im Quintett der Garnacha-Regionen. Priorat steht für pure Intensität, Finesse und Mineralität. Die steilen Terrassen und der seltene Schwarze Schieferboden namens „Llicorella“ zaubern Weine, die kraftvoll, komplex und altersstabil sind. Priorat-Weine sind die Rockstar-Weine Spaniens – charismatisch, voll Power, aber auch mit Tiefgang und Eleganz.

Diese fünf Denominationen sind wie ein Porträt einer Traube, die sich in fünf verschiedenen Outfits zeigt: vom lässigen Sommer-Look bis hin zum glamourösen Abenddress. Jede D.O. erzählt ihre eigene Geschichte, jede Flasche lädt dich ein auf eine Reise durch Landschaften, Kulturen und Geschmackserlebnisse. Und ich lade dich herzlich ein, dir ein paar Flaschen Weine, die nicht aus dem Priorat kommen, zu gönnen. Du wirst so begeistert sein wie ich!

Wenn du das nächste Mal einen Garnacha trinkst, denk also daran: Du hältst ein riesen Stück spanische Geschichte und Leidenschaft in deiner Hand.

Bilder zur Verfügung gestellt von: Garnachaorigen

Cheers & Cheese to EU in Bern – Ein kulinarisches Fest zum Abschied

Cheers & Cheese to EU in Bern – Ein kulinarisches Fest zum Abschied

Durch den Umzug hat es ein wenig länger gedauert, als ursprünglich geplant – das Schreiben dieses Blogposts.

Am 23. Oktober 2025, nur einen Abend vor dem grossen Umzug, gab es für mich noch einen ganz besonderen Leckerbissen: Ich wurde zum „Cheers & Cheese to EU“-Dinner-Event in Bern eingeladen – und zwar von Gambero Rosso. Da leuchtete mein Herz gleich ein bisschen heller, muss ich sagen. Natürlich konnte ich es nicht lassen, den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern von Gambero Rosso zu erzählen, dass ich einst bei ihrer Kochshow Questo l’ho fatto io dabei war. Leider, so sagten sie mir, existiert diese Sendung inzwischen nicht mehr.

Die Vertreter von Prosecco DOC und Grana Padano DOP freuten sich sehr, dass ich Italienisch sprach – und so durfte ich den halben Abend lang meinen italienischen Teil aufleben lassen. Zuerst mit einem feinen Glas Prosecco und einem Apéro, das aus zwei unterschiedlich gereiften Grana Padano bestand (mehr dazu unten im Blog). Schon das allein war einfach köstlich.

Vertreter von Prosecco DOC und Grana Padano DOP

Es waren viele geladene Gäste da – und mega witzig fand ich, dass ich nicht nur als Bloggerin sondern auch Influencerin auf der Gästeliste stand. Eines der Highlights des Abends war für mich, vis-à-vis einer unglaublich spannenden Frau zu sitzen, die mit jedem Gespräch noch faszinierender wurde. Unsere Themen reichten von Grana Padano und Prosecco über Politik (da ist sie zuhause) bis hin zu ganz tiefen Lebensfragen. Besser hätte es gar nicht kommen können. Ich weiss, sie liest hier mit – darum ein grosses Dankeschön für den vergnüglichen Abend und die inspirierenden Gespräche!

Der Anlass war ein kleines Abrakadabra aus italienischem Flair, verführerischem Grana Padano und perlendem Prosecco – die perfekte Einstimmung auf einen neuen Lebensabschnitt.

Prosecco & Grana Padano – Eine prickelnde und würzige Liaison

Zwei italienische Klassiker, die nicht nur geschmacklich, sondern auch kulturell zusammengehören – wie Pizza und Amore, oder so. Und heute breche ich eine Lanze für beide. Denn viele sprechen nur von Parmigiano und noch mehr Menschen erzählen mir, Prosecco sei billig und sie würden lieber Champagner trinken. Nicht wegen des Geschmacks, sondern wegen des Preises.

Der Prosecco – funkelndes Sinnbild venezianischer Lebensfreude – wird aus der Rebsorte Glera gekeltert, vorwiegend in Venetien und Friaul. Sein Charakter ist leichtfüssig, aromatisch und stets von einer feinen, eleganten Perlage begleitet. Mal duftet er nach grünem Apfel, mal nach weissen Blüten, manchmal nach Birne oder Zitrone – aber immer nach Sommer im Glas.

Grana Padano hingegen ist der bodenständige, würzige Konterpart – mit einer Geschichte, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. In den Klöstern der Po-Ebene erfunden, galt er früh als Wunderwerk der Haltbarkeit. Sein Reiz liegt im Detail: Von der goldenen, harten Rinde bis zum letzten Brösmeli ist alles essbar und aromatisch. Die Rinde selbst, oft unterschätzt, eignet sich sogar hervorragend zum Mitkochen – in Suppen, Saucen oder Risotti zaubert sie eine tiefe, umami-reiche Note.

Wenn sich Frische und Würze begegnen

Was passiert also, wenn perlender Prosecco auf nussig-reifen Grana Padano trifft? Pure Harmonie. Die feine Säure und Spritzigkeit des Prosecco schneidet elegant durch die buttrig-salzigen Noten des Käses und hebt sie fast tanzend hervor. Besonders schön wird das Spiel, wenn du den Käse in kleine Stücke brichst, die langsam im Mund schmelzen – während das Prickeln des Prosecco alles wachküsst.

Je nach Reifegrad verändert sich der Charakter dieser Liaison:  

  • Ein junger Grana Padano (9–16 Monate) passt wunderbar zu einem fruchtig-leichten Prosecco DOC.
  • Ein gereifter Grana Padano Riserva (über 20 Monate) verlangt nach mehr Tiefe – ideal mit einem Prosecco Superiore aus Valdobbiadene oder Asolo, wo die Hügel etwas mehr Körper in den Wein bringen.

Genuss mit Haltung

Sowohl Prosecco als auch Grana Padano tragen geschützte Herkunftsbezeichnungen (DOC bzw. DOP) – jeder Schluck und jeder Bissen steht für authentischen Geschmack einer ganz bestimmten Region Italiens. Beide Produkte stehen zudem für nachhaltige Herstellung, traditionelle Handwerkskunst und ein schönes Stück Alltagskultur.

Genau das macht sie zu idealen Botschaftern für Abende wie „Cheers & Cheese to EU“ – wo Essen weit mehr ist als nur Nahrung. Es ist Emotion, Erinnerung und Begegnung.

Der Event fand übrigens im total gemütlichen Ristorante Da Carlo in Bern statt. Die Küchencrew zauberte ein feines Menü, das komplett mit demselben Prosecco begleitet wurde – mit dem Ziel zu zeigen, dass Prosecco tatsächlich den ganzen Abend über ein guter Begleiter sein kann. Und das passte hervorragend: vom geschmolzenen Grana Padano über Trüffel aus dem Piemont, Steinpilze, Cranberries und Grünzeug, bis hin zum Kürbisrisotto, bei dem der Prosecco wunderbar die Zunge vom cremigen Fett befreite. Sogar zum Hirschfilet an Cranberrysauce und einer Grana-Padano-Reduktion harmonierte er perfekt.

Nur zum Abschluss mit dem Tiramisù war dann doch der Espresso der würdigere Begleiter. Bis dahin war ich schon so voll, dass ich es schlicht nicht fertig mampfen konnte. Exgüsee in die Küche!

Ein Geschenk für die Sinne

Insgesamt ein grossartiger Abend voller Eindrücke – und das Geschenk der beiden Protagonisten setzte dem Ganzen das Perlhäubchen auf: Eine Stofftasche mit einer Flasche Prosecco und einem grossen Stück Grana Padano. Beides wurde beim Umzug mit Bedacht transportiert und wartet nun darauf, genossen zu werden.

Im letzten Blogpost habe ich dich ja bereits neugierig gemacht – mit den 100 Flaschen von Il Grappolo. Ich bin hingefahren, hab einen Parkplatz gesucht, bin rumgekurvt, habe gewartet ob einer frei wird. Nix. Mitten im Regen. Da die einzigen freien Parkplätze leider zu den umliegenden Einfamilienhäusern gehörten, beschloss ich schliesslich, wieder nach Hause zu fahren. Statt vieler Weine und Fachsimpelei mit Claudia, öffnete ich daheim eine Flasche Rotwein – und startete das Apéro mit meiner Hunde-hütenden Schwester.

Weine aus Portugal

Weine aus Portugal

Am 9. September 2025 rief Zürich – oder besser gesagt: Weine aus Portugal riefen Serge und mich dorthin. Wir durften an einer richtig coolen Weindegustation teilnehmen. Ok, ich geb’s ja zu: jede Degustation ist cool. Aber diese war dann doch besonders. Es ging um Portugals unglaubliche 250 Rebsorten (!), präsentiert von 26 Weinproduzenten, die aus allen Ecken des Landes angereist waren.

Viele Winzer waren persönlich vor Ort, manche liessen sich von einem Teammitglied vertreten. Der Event fand im wunderschönen Zunfthaus zur Meisen statt, allein schon der Saal im ersten Stock versetzte Serge und mich fast ein wenig ins Schwärmen. Der zweite Grund für unser Strahlen war natürlich die riesige Weinauswahl, die wir unmöglich in zwei Stunden hätten schaffen können.

Ein Fest der Vielfalt: Portugals Rebsorten und Regionen  

Portugal ist weltweit bekannt für seine einzigartige Vielfalt an autochthonen Rebsorten – tatsächlich sind es über 250, von denen viele nirgendwo sonst angebaut werden. Diese Vielfalt ist eine Schatzkammer für Weinliebhaber, die Lust haben neue und unverwechselbare Weine zu entdecken.  

Die wichtigsten Weinregionen im Land reichen vom nördlichen Vinho Verde, bekannt für seine knackigen und erfrischenden Weine, über das legendäre Douro-Tal, Heimat des Portweins und vielfältiger Tafelweine, bis hin zu sonnenverwöhnten Regionen wie Alentejo und der Algarve im Süden. Jede Region bringt ihren eigenen Charakter hervor, geprägt von den klimatischen Bedingungen, den Böden und der jahrhundertealten Weinbautradition.

Am Event wurde diese Vielfalt bestens präsentiert – von den frischen Weissweinen bis zu den kraftvollen Rotweinen.

Begegnungen und Geschichten: Die Winzer im Mittelpunkt  

Viele der Weinproduzenten waren persönlich anwesend, was die Degustation zu einem besonders authentischen Erlebnis machte. Ihre Leidenschaft spürt man nicht nur im Glas, sondern auch in ihren Geschichten – über Herausforderungen, Träume und Zukunftspläne.  

Neben spannenden neuen Rebsorten und Weinen gab es auch wunderbare Begegnungen: Ich traf Alicia Mettler von Mettler Vaterlaus und freute mich sehr über das Wiedersehen mit Martin Spors von Baur au Lac Vins, mit dem ich bereits eine Weinreise ins spanische Garnachaland erleben durfte. Wir haben viel gelacht, Fachsimpeln betrieben und uns gegenseitig Tipps für spannende portugiesische Produzenten gegeben.

Viele der vorgestellten Weine findest du übrigens in der Schweiz bei Ullrich. Von Esporão und Quinta do Crasto haben wir etliche degustiert und ich lade dich ein, dir die eine oder andere Flasche zu Gemüte zu führen.

Manche Produzenten suchen noch nach Impor­teuren, andere präsentierten einfach mit viel Herzblut ihre Weine. So gut, dass eine Reise nach Portugal, um die Weingüter direkt zu besuchen, nun definitiv weit oben auf unserer Wunschliste steht.

Fado und Wein: Portugals Seele und seine Verführung  

Ein ganz besonderes Element, das für mich den Zauber Portugals ausmacht, ist der Fado – die Musik voller Melancholie, Leidenschaft und Sehnsucht. Fado und Wein gehören untrennbar zusammen und erzählen Geschichten von Heimat und Leben. Diese emotionale Verbindung spürt man auch in den Weinen, die mit Charakter und Tiefe begeistern.

Wie du weisst, versuche ich immer, meine Eindrücke von solchen Events in Videos festzuhalten. Dieses Mal ist das Video bunt gemischt – und ja, mein Gesicht siehst du auch wieder mal vor der Kamera. Nach unserem Umzug nach Avenches plane ich ein neues Format, in dem ich öfter mal vor statt hinter der Linse stehe.

Und endlich endlich habe ich mein perfektes Mikrophon gefunden. Damit die Aufnahmen auch so sind wie ich mir das vorstelle.

Und nun: viel Spass mit meinen Eindrücken von „Wines of Portugal“ Zürich!

Fado – Portugals Seele – und seine Weine sind eine Kombination, die verführen. Lass dich begeistern und entdecke deinen neuen Lieblingswein!

Zweite und dritte Runde: Ribera del Duero in all seiner Vielfalt

Zweite und dritte Runde: Ribera del Duero in all seiner Vielfalt

Im Blogpost über „Ribera del Duero – Cosecha“ habe ich dir bereits über Tempranillo, Sonne, Spanien und den ersten der drei Cosecha Weine erzählt. Nun kommt die zweite und dritte Flasche an die Reihe. 

Diese waren jetzt mehr im Sinne von den mir bekannten Tempranillos. Völlig anders als der Vegantigua, jedoch auch mit ganz tollen Geschichten.

Du darfst gespannt sein!

Protos 27
100% Tempranillo
15% Alkohol
Reben die über 50 Jahre alt sind
Rebberge liegen 800 MüM

Die zweite Fermentation findet in Barrique aus französischer Eiche statt, danach wird er für 16 Monate in selbigen ausgebaut. Anschliessend noch 12 Monate auf der Flasche, bevor er in den Verkauf gelangt.

Farbe: dunkles Purpur
Nase: Cassis, Heidelbeeren, Pilze, Vanille, Zeder
Mund: „Secces“ Tannin, das sich rasch im Mund ausbreitet. Wenig Säure und leicht bitter. Lang anhaltend mit Caramellaromen. Da kam sofort eine Kindheitserinnerung ins Spiel: kennst du die Caramellstangen von Carambar noch? Genau so schmeckt es. Die alten Reben machen sich bemerkbar. Man hat sofort das Bild von einem alten, eher feuchten Kellergewölbe vor Augen. Kühl, wo die Barriques in Ruhe gelassen werden. Wenn er ein wenig stehen gelassen wird, offenbart er sich.

Passt hervorragend zu Rindsragout, Wild (Wildschweinbraten, Rehpfeffer etc.) ein toller Herbstwein.

Diese Geschichte erzählt er:

Er ist ein Wein mit Geheimnissen. Einer, der nicht sofort alles preisgibt, sondern dich erst einmal ins Dunkel führt. In die Tiefe alter Keller, vorbei an Barriques, vielleicht sogar durch geheime Gänge einer Burg. Da unten ist es ruhig, fast zeitlos. Man spürt: Geduld wird hier belohnt.

Langsam, ganz langsam, öffnet er sich. Erst nur ein Hauch – etwas Caramell, ein Funkeln von Dunkel und Hell, wie ein Spiel von Schatten und Fackellicht. Dann treten sie hervor: zwei junge Männer, die aus ihrem Versteck zwischen den Fässern ins Licht treten. Sie entzünden draussen ein Feuer, und plötzlich ist Wärme da, Lebendigkeit, ein Gefühl von Heilsein.

So erzählt dieser Wein von alten Zeiten, als nichts gehetzt war und niemand auf sein Smartphone starrte. Er schenkt dir Ruhe und wer ihm Zeit lässt, wird vielleicht ein Wunder sehen: einen Drachen, der majestätisch über den Kellereien kreist. Seine Schwingen breitet er aus, nicht furchterregend, sondern beschützend. Ein Wächter über Mensch, Traube und das gute Leben.

Dies ist kein Wein, den man hastig trinkt. Dies ist einer, den man erlebt.

dritte und letzte Flasche

Altamimbre
100% Tempranillo
14.5% Alkohol
80 Jahre alte Reben
Ausbau: 20 Monate in Barrique aus französischer Eiche

Farbe: Purpurrot
Nase: Cassis, schwarze Kirschen, Schokolade, Zeder, Tabak und Lakritze
Mund: Tannin und eine secce Säure, Schoggi im Mund! Lang anhaltend, auch hier schmeckt und riecht man die alten Reben. Vollmundig und fruchtig.
Wir meinen: unbedingt noch 2 bis 4 jahre lagern.

Es ist ein direkter Wein, ohne Schnickschnack, fast ein wenig stachelig. Wer ihn mag, muss tanninige Weine lieben. Und unbedingt: eine Stunde vor dem Trinken öffnen und mit Essen kombinieren. Paté, Ragout, salziges und fettiges Fleisch – eine Bernerplatte mit Dörrbohnen, ein Rindsbraten – das ist sein Zuhause.

Seine Botschaft

Dieser Wein erzählt keine Geschichte, er trägt eine Botschaft: Stell dir einen ruhigen, breiten Fluss vor, langsam fliessend, mit tief hängenden Bäumen am Ufer. Alles wirkt gemächlich, ohne Hast. Er gibt dir Zeit, so wie die 80-jährigen Reben, die ihren eigenen Takt vorgeben. In dieser Ruhe liegt Kraft.

Es fühlt sich an wie ein abendlicher Kreis, in dem jeder seine Geschichte erzählt und die anderen zuhören. Weisheiten, kleine Tricks und Tipps aus dem Leben. Alles braucht seine Zeit, wie auch dieser Wein mit seinem langen Ausbau.

Genau das hat er uns bei der Degustation beigebracht. Über eine Stunde sind wir bei ihm geblieben, Schluck für Schluck. Normalerweise reicht uns schon eine halbe Flasche, um einen Eindruck, eine Geschichte zu finden. Aber diesmal: wir waren mitten drin, ohne es zu merken – bis die Flasche plötzlich leer war.

Geduld, Kraft und Charakter: unser Fazit zu den Degustationen

Wer einem Ribera del Duero zuhört, entdeckt mehr als nur Wein:  da steckt Tageshitze und kühle Nacht, Geduld und Lebensfreude. Es sind Weine, die nicht gefällig sein wollen, sondern die lieber ihre Geschichte nach und nach preisgeben. Man muss sich ihnen öfter widmen, ein bisschen verweilen – dann zeigen sie nicht nur Kraft, sondern auch Finesse, Eleganz und manchmal sogar einen Funken Poesie zwischen Aromen, Tanninen und Säure.

Darum: Ribera del Duero-Weine lohnen immer auch das zweite (und dritte) Glas. Sie sind keine schnellen Bekannten – sondern treue Begleiter für geduldige Zuhörerinnen und Geniesser mit Lust auf mehr.

Headerbild: Michelle Müller | Logo: Informationsbüro Ribera del Duero

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