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WeinGeschichten

6. Dezember ist Samichlousetag in der Schweiz. Zeit für Glühwein, Grittibänze und Mandarinen

6. Dezember 2013
Samichlous Weinweib

Wie ihr ja wisst, bin ich Schweizerin und es gibt ein- zwei Dinge, die ich immer und überall zelebriere. Dazu gehört eindeutig der “Samichlousetag”, dann kommt der Legende nach der Nikolaus aus dem fernen Schwarzwald und bringt  den Schmutzli mit und natürlich einen Esel (der ist super wichtig). Und verteilt dann an die braven Mädchen und Buben Säckchen gefüllt mit Nüssen, Mandarinen, Lebkuchen und natürlich Schokolade – hei, was wäre die Schweiz ohne Schoki! – derweil die bösen Mädels und Buben Haue bekommen. *kicher* Heutzutage natürlich politisch total unkorrekt. Als Erwachsene bekommt man, egal wie gut oder bös man ist, überall Glühwein und Kekse (Güetzi in Berndeutsch) und lässt sich voll laufen. Ich finde Glühwein eh was tolles, habe ihn auch schon selber gemacht, aber wenn ich in Italien bin, muss ich zu Alternativen greifen und gehe dann stracks zum nächsten IKEA und kaufe dort Glögg. Das schwedische Äquivalent zum Glühwein. Praktisch ist, dass alles schon fix und fertig in der Flasche kommt und man ihn nur noch in einem Kaffeebecher in der Mikrowelle aufwärmen muss. Mehr als Lebkuchen mag ich dazu aber selbst gebackene Zimtsterne.

Wenn ich Samichlousetag mit meiner Familie in der Schweiz feiere, werden “Grittibänze” gebacken, das ist selbst gemachter Zopfteig in Männekeform und alles wird mit Nikoläusen und Kerzen verziert und wir essen und trinken und quatschen den ganzen Abend lang. Das coole daran ist wirklich, dass man in allen Schweizer Städten und Dörfern massenweise Samichlöise mit ihren Schmutzlis und Eseln sieht, welche die beschriebenen Säckchen an Kinder verteilen. Die meistens mit strahlenden Augen und ziemlich hingebungsvoll gucken. So, wie ich das als kleine Göre tat.

Glühwein Weinweib

Ich darf euch aber eine richtig coole Geschichte nicht vorenthalten! Es ist jetzt etwa 25 Jahre her, 6. Dezember Mittags, meine Schwester ruft mich an, ziemlich aufgeregt und sagt, dass der geplante Samichlous an dem Abend abgesagt habe und jetzt keiner da sei, um ihren 2 Kindern die Geschenksäckchen zu geben. Drama! Ob nicht ich bitte irgendwie diesen Nikolaus spielen könnte. Da ich immer für einen Scherz aufgelegt bin, sagte ich spontan zu und rasch war klar: ich würde am selben Abend, als Nikolaus verkleidet, im nahen Tannenwald aus dem Schatten der Bäume kommen und die Kids überraschen. Eine längere Suche im Kleiderschrank ergab das niederschmetternde Ergebnis: ich hatte NICHTS was auch nur entfernt an einen Nikolaus erinnern würde. Flugs in den nächsten Supermarkt, wo ich immerhin noch den letzten zerdrückten Bart fand. Aber auch da, kein Kostüm. Also rief ich meine Schwester an und erzählte ihr von dem Dilemma. Meine Schwester ist recht kreativ und meinte dann, ich solle halt ein paar Stiefel, dunkle Hosen, einen langen Mantel und darunter ein Hoodie anziehen, dann würde das schon klappen. Gut. Am späten Nachmittag, es dunkelte schon ein, stapfte ich also mit einem Jutesack und den Säckchen darin durch den verschneiten und saukalten Tannenwald (jaaa, damals hatte es Anfangs Dezember schon Schnee), schaute, dass ich genug weit in die Bäume kam, um dann “Überraschung” auf den Waldweg zu stapfen. Schon bald hörte ich die Kids mit meiner Schwester und einer Freundin rufen “Samichlous wo bisch?” (Nikolaus wo bist du?) und ich glaube mich zu erinnern, das meine Schwester den Hund nicht mitgenommen hat, weil der mich sonst garantiert erkannt hätte. Die Kids waren damals etwa 4 und 6 Jahre alt, es war schon relativ dunkel war und ich sprach mit meiner tiefsten Stimme. Mein Neffe (der jüngere der beiden) glaubte noch fest an den Samichlous und strahlte mich mit leuchtenden Augen an. Aber meine Nichte, die schon damals ein schlaues Kerlchen war meinte so “Ah nett, aber wo ist dein Esel? Hättest du den nicht mitbringen müssen?” – “Leider musste ich ihn auf der anderen Flusseite lassen, er hat Angst vor der Fähre!” – “Oh der arme Esel! Und wo ist Schmutzli?” – “Den habe ich auf eine andere Mission geschickt, wir müssen ja heute Abend ganz viele Geschenke verteilen.” – “Du hast eine hohe Stimme, geht es dir gut Samichlous?” … spätestens jetzt fing ich an zu schwitzen und ich wünschte mir echt, dass die kleine Göre endlich Ruhe gibt. Meine Schwester sagte ihr, sie soll nicht so viele Fragen zu stellen und besser die mitgebrachten Geschenke nehmen. Ich verteilte die aus dem Jutesack und verabschiedete mich. Mein Neffe war weiterhin total beeindruckt und rief noch lange “Tschüss Samichlous” und drehte sich immer wieder um. Meine Nichte lief schweigend neben meiner Schwester und drehte sich nur kurz um, mit einem höchst suspekten Ausdruck im Gesicht. Später ging ich dann wieder als normale Chris gekleidet zu meiner Schwester um das famose Samichlouseznacht zu essen. Kaum dort angekommen, meine Nichte so “Warst du der Samichlous im Wald?” Und wir alle so “Nein nein, sie kommt von der Arbeit, geht doch gar nicht, die kann nicht der Samichlous sein”. Ganz sicher waren wir uns aber, dass ich nie mehr den Nikolaus spielen würde. Sie war schlicht zu fit im Kopf.

Heute feiere ich den Samichlousetag mit meiner Nichte und einem Becher Glühwein, Güetzi und Grittibänze. Unsere Herzen und Hände wärmend erinnern wir uns mit strahlenden Augen, lachend über diesen weit zurückliegenden Samichlousetag.

Weinweib

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